Hier bin ich Mönch, hier darf ich sein

Mönche am Morgen

Mönche am Morgen

Heute schäle ich mich um kurz nach sechs aus der gemütlichen Koje, während sich Maria und Felix definitiv einen Relaxtag verdient haben. Einerseits will ich die Zeremonie der Mönche nicht verpassen, die hier allmorgentlich durch die Straßen ziehen, um von den bereitwilligen Bewohnern Essbares zu erbetteln, zum anderen passiert in diesen Breiten auch einfach am frühen Morgen viel mehr als daheim, wo mich um die Zeit keine 10 Pferde aus dem Bett bekommen würden.
Als ich auf der Mainroad ankomme, sind die ersten orangenen Roben bereits unterwegs. Das Geschehen ist in der Tat faszinierend, gewaltiges Fremdschämen bleibt jedoch nicht aus, wenn übereifrige Touris mit Tablet PCs und/oder Telefonen wenige Meter vor den Mönchen herumwedeln, da sie wahrscheinlich aus der gebotenen Distanz mit den Teilen kein scharfes Bild hinbekommen. Nach einem kräftigen Laokäffchen beschließe ich zu dieser noch relativ kühlen Stunde, den Aufstieg zum Mount Phousi zu wagen, um ihn auf Weibchen- und Kindertauglichkeit für den Abend zu prüfen. Außer ein paar verrückten laotischen Kids, die sich offenbar einen Spaß daraus machen, die gefühlten 10000 Stufen hoch zu joggen, ist oben vergleichsweise wenig los. Zum Sonnenuntergang soll das hier ganz anders aussehen. Die Sicht ist noch ziemlich diesig, aber die gerade aufgegangene Sonne brutzelt schon ordentlich was weg, und der Blick auf Luang Prabang ist von hier oben wirklich lecker, zumal der Abstieg auf der Ostseite dank liegenden Buddahs, Buddha Fußabdrücken, Stupas, einer Höhle etc. sehr kurzweilig ist. Ein All-in-one Berg sozusagen. Fazit: Lohnt, geht mit Weib und Kind auf dem Buckel und etwas Schönreden, Buggy definitiv daheim lassen.

Zurück zuhause wird erst einmal ausgiebig gefrühstückt und dann gehts ab in die Stadt. Ich leihe mir für später ein Mountainbike, weil ich unbedingt auf die andere Flussseite (Chomphet) will (und weil radeln in fremden Ländern eigentlich fast immer spannenden Einblicke vermittelt), Maria und Felix bleiben auf der sicheren Seite. Ein Mountainbike ist schnell für 4 EUR gefunden, nach dem dritten Versuch auch eines mit halbwegs funktionierender Schaltung und Bremse. Die Mekong Fähre legt tagsüber offensichtlich ziemlich häufig ab, und nimmt vom Haushuhn bis zum Kleinlaster alles mit, was die Seite wechseln will. Ob sich die Zuladung mit gängigen physikalischen Gesetzen zur Wasserverdrängung und Schwimmfähigkeit verträgt hinterfragt man hingegen besser nicht. Auf der Fährne lerne ich Bob aus Brisbane kennen, der ebenfalls mit dem Rad unterwegs ist und mir auf Anhieb symphatisch ist. Bob soll für den Rest des Tags mein Bike Buddy bleiben. Zuerst checken wir die Seite stromaufwärts auf, die mit einer gehörigen Wat-Dichte aufwartet.
Als der Weg dann hinter Wat Long Khoune (heißt ja fast wie ich) für Bobs Guesthouse Bike unpassierbar wird, wechseln wir die Richtung und steuern Ban Chane Neua an, vorbei an Feldern, futternden Büffeln und funeral (!) places. Obwohl Luang Prabang und den Chomphet District nur ein paar Meter Mekong trennen, fällt sofort auf, dass sich hier eher das typische Land- und Dorfleben anspielt. Reich im monetären Sinne ist hier definitiv niemand (oder zeigt es zumindest nicht), happy scheinen sie trotzdem zu sein. Irgendwas machen die Buddhisten wohl richtig, aber jetzt ist nicht der richtige Moment für einschneidende lebensverändernde Maßnahmen.

Zurück nach dieser Tour aufs laotische Land treffe ich den Rest der Familie in der Stadt wieder. Die Besteigung des Phousi zum Sunset meistert Maria mit Felix auf dem Buckel gelassen, oben ist aber im Vergleich zu heute morgen wirklich Bär los, obwohl sich am Himmel keinesfalls nein Farbspektakel abspielt. Der Abstieg zum Südwest gate gestaltet sich etwas ruhiger, und da wir schon mal ohne Kinderwagen unterwegs sind, überqueren wir noch den Nam Khan auf einer illuminierten Bambusbrücke, die unter anderem zum Dyen Sabai Restaurant führt. Hier gibts Gin-Tonic/Bier für die Eltern und Brei mit Reis für Felix. Gefällt uns sehr gut der Laden, viel besser als das doch arg überstylte hippe Utopia am Vorabend. Dann ist der Tag auch wieder fast zu Ende: Nachwuchs ins Bett gepackt und beruhigend festgestellt, dass das mitgebrachte Babyphon sogar bis zum Indestructable Rock reicht, und wir somit nicht im Zimmer zu Abend futtern müssen.

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Über Till@TiMaFe on Tour

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