Abwandern und Tee trinken in der Stadt des Lichts

IMG_2940teafield_MININuwara Eliya (ausgesprochen Nurelia) bedeutet angeblich „Stadt des Lichts“, was etwas verwundert, da es hier wie bei unserem Empfang gestern meist bedeckt und regnerisch sein soll. Umso überraschter war ich, dass die Sonne früh um 6:30 tatsächlich sichtbar östlich des Lake Gregory hervorkriecht. Bei einem spontanen Morgenmarsch lande ich auch schon nach ein paar hundert Metern bergaufwärts in den ersten buschigen Teefeldern, die für uns fortan ein stetiger Begleiter sein sollen. Positiv überrascht auch das Frühstück, das die Jungs auftischen: Statt dem bisherigen Standardtourisortiment (im wesentlichen zwei Sorten Marmelade, Toast und ein wie auch immer gestückeltes Ei) gibt es Sri Lankan Breakfast – Nudelnester (sog. hopper buns) mit Curry, Sambal, diversen anderen duftenden Zutaten und dazu Zimtpfannkuchen, unschlagbar gut und sättigend.
Derart beflügelt bimmeln wir spontan bei Eddie (unserer Bahnhofsbekanntschaft von gestern) durch und buchen ihn für eine Vormittagstour. Auf dem Weg zu den Bluefield Tea Estates an der Straße nach Kandy geht es zunächst durch endlose fettgrüne Teefelder. Vor Ort erzählt uns dann eine nette Lady etwas über den Fertigungsprozess des edlen Getränks und was es mit all den lustigen Abkürzungen auf sich hat (z.b. TGFBOP = Tippy Golden Flowery Broken Orange Pekoe). Aber Eddie hat noch mehr auf Lager, der nächste Stop führt uns zu den Ramboda Falls, die offenbar nur erreichbar sind, indem man mitten durch ein mehrstöckiges Hotel-Resort am Berghang stapft. Obwohl gerade eher Trockenzeit ist, rauscht es hier doch ganz beachtlich, und das üppige Frühstück ist auf der steilen Treppe schnell verbrannt.

Nachdem Felix nach soviel Action und einem kurzen Auto-Nickerchen den Mittagsschlaf verweigert, ziehen wir nachmittags noch einmal auf eigene Faust los. Dem Gregroy Lake hat man offenbar jüngst einen neuen Spazierweg spendiert, für dessen Nutzung Ausländer allerdings 200 Rupien (ca. 1,20 €) springen lassen sollen (Einheimische zahlen einen Bruchteil). Dual Pricing ist zwar in Sri Lanka allerorts gang und gebe, in diesem Fall mit Verdacht auf Nepp müssen wir aber aus Prinzip verweigern. Trotz Mittagshitze schaffen wir es auf der normalen Straße immerhin bis zum Victoria Park und dem fast schon kitisch-klischee-britischen Postamt, zurück gönnen wir uns dann ein Tuktuk. Nuwara Eliya ist schon ein lustiges Örtchen, einerseits sieht es hier aus wie in einem x-beliebigen sri lankischem Kaff, aber die Einheimischen mit ihren Wollmützen (trotz knapp 20°), die Pferderennbahn, der Golfplatz mitten an einem Kreisverkehr, und die vereinzelten Überbleibsel der ehemaligen Kolonialherren hinterlassen schon bleibende Eindrücke, auch wenn man hier natürlich eher wegen der wunderschönen Umgebung absteigt.

Wieder zurück im Lakeview Domizil wartet noch eine Überraschung auf mich: Gleich beginnt mit Sri Lanka gegen Pakistan DAS Cricket Match in der Region schlechthin (eine Art Äquivalent zum Fussballklassiker Deutschland – England), und die Jungs lotsen mich geheimnisvoll in eins der freien Zimmer, wo zwei Pullen Edel-Arrak (VAT 9) verzehrt werden wollen, während im Hintergrund die Glotze läuft (wer sich bei uns über zuviel Werbung aufregt – hier macht das Match weniger als 50% aus). Ich fühle mich sehr geehrt, dieser einmaligen spaßigen kulturellen Erfahrung in Form einer Pichelrunde beiwohnen zu dürfen! Für Maria gibt’s einen Afternoon Tea aufs Zimmer.
Später abends wollen wir heute mal außer Haus speisen, die Reise geht zum Grand Indian, das uns von vielen empfohlen wurde. Offenbar waren wir nicht die Einzigen, die dieser Empfehlung gefolgt sind, die Bude ist brechend voll und wir bekommen nur einen Platz, weil wir uns mit einer französischen Familie zusammentun und somit ein Separee beziehen dürfen. Das Ambiente ist fast schon ein wenig zu luxuriös, zumal wir fürs kühle Bergland nur Kapuzenpullis im Gepäck haben, aber die Franzosen sind sehr gesellig und auch die Preise halten sich erfreulicherweise zurück. Lecker war es allemal, wir empfehlen das hiermit ebenfalls weiter, auch auf die Gefahr hin, dass die Schlangen noch größer werden. Und Sri Lanka hat übrigens – wie sollte es anders sein – das große Match gewonnen!

Advertisements

Über Till@TiMaFe on Tour

https://timafe.wordpress.com/about/
Dieser Beitrag wurde unter Nuwara Eliya, Sri Lanka abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Abwandern und Tee trinken in der Stadt des Lichts

  1. Pingback: Sri Lanka R’n’R – Routenplaner und Résumé | TiMaFe on Tour

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s