Stadt, Land Fluss – über die Hügel Sagaings nach Mingun

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IMG_7707_loose_sagaingNach 3 Radtouren in 4 Tagen bleiben die Drahtesel heute mal in der Garage und wir haben uns ein Auto mit Fahrer gemietet. An dieser Stelle ein kurzer Exkurs zum Thema Auto mieten in Myanmar, Uninteressierte können einfach runter zur Yadanabon-Brücke scrollen:

  • Selber fahren kann man vergessen, zumindest als normal sterblicher Tourist. Auch etablierte Namen wie Sixt oder Hertz sucht mach vergebens, die Devise heißt „Ask your guesthouse“ (oder je nach Abenteuerlust auch „Ask anybody“).
  • Auch Kindersitze sind praktisch nicht existent, wir machen aber gerade gute Erfahrungen mit unserem mitgebrachten „Boostapak“ (mehr dazu im nächsten Kinderkram Special)
  • Der Preis ist ist nur bedingt verhandelbar und schwankt zwischen 40$ und 80$ wobei neben anderen geheimen Kalkulationszutaten offenbar Entfernung deutlich stärker als Zeit mit einfließt. Dafür ist dann in der Regel auch alles drin (Sprit, Brückenmaut, Tempel- und Gastronomieberatung, ggf. Smalltalk)
  • Man fährt rechts und hat das Steuer rechts. Der Mythos besagt, dass dem Ex-Machthaber Ne Win vorausgesagt wurde, er würde auf der linken Fahrbahnseite ums Leben kommen, so dass er 1970 kurzerhand den Rechtsverkehr eingeführt hat. Noch ein guter Grund gegen Selbstfahren, was sicherlich jeder bestätigen kann, der schon mal mit einem Rechtslenker in Deutschland links abgebogen ist. Der Tacho sieht selten die Regionen über 60, Chaos hält sich außerhalb urbaner Zonen in Grenzen.
  • Günstigere Alternativen: Mopedtaxe oder lokaler Bus, beides mit Kleinkind natürlich eher suboptimal – der Bus vor allem auch mangels Fluchtmöglichkeiten während der Fahrt, wenn sich mal wieder einheimische Mamis das Kind kurz für ein Foto oder eine glücksbringende Berührung schnappen wollen.

IMG_7713_bridgeGenug trockenes Halbwissen, los geht die Reise. Nach einer guten halben Stunde tauchen am Horizont die markanten Bögen der Yadanabon-Brücke auf, die wir bereits beim Radeln von Inwa nach Amarapura kurz vom Ufer aus gesehen haben. Die Hügel von Sagaing auf der anderer Seite des Ayeyarwady bilden ein Gesamtkunstwerk aus unzähligen Stupas und Tempeln, die man natürlich unmöglich alle besichtigen kann. Wir beschränken uns auf die Sitagu International Buddhist Academy (klingt lahm, ist aber ein spannender Einstieg), die hoch in den Bergen gelegene Umin Thounzeh Pagode (weitläufiger Klassiker) sowie die auf einem Hügel thronende Sun U Ponnya Shin Pagoda, von wo aus man eine phantastische Aussicht über die Pagodennachbarschaft und den den trägen Ayeyarwady in der Ferne hat.

IMG_7790_mingunNach einer kurzen Stärkung in der Dorfkneipe gehts ca. 20km weiter gen Norden Richtung Mingun. Die durchaus idyllische Straße verläuft zunächst in Ufernähe und schlängelt sich dann durch ein paar Dörfer, und kaum ist man gerade etwas eingedöst steht sie plötzlich direkt vor einem – die große unfertige Mantara Gyi alias Mingun Pagode. Obwohl nur zu einem Drittel fertig gestellt, hat der Ziegelbau gewaltige Ausmaße. Ein Erdbeben im 19. Jahrhundert hat für einen ebenso gewaltigen Riss query durch das Bauwerk gesorgt und schafft zusätzliche Dramatik. Reingehen kann man allerdings nicht (profaner Grund: der Bau ist massiv), man kann aber zum Glück wieder (barfuß) auf das Dachplateau  herauf kraxeln, welches angeblich in den letzten Jahren gesperrt war. Die Aussicht von oben ist großartig: Im Norden erhebt sich die schneeweiße Hsinbyume Pagode aus einer dschungelartigen Landschaft (wird später auch noch bestiegen), im Westen fließt der mit Sandbänken übersäte Ayeyarwadi entlang, und in der Ferne kann man mit etwas Phantasie Mandalay erkennen.
IMG_7809_drummerZufällig werden wir noch Zeuge einer tranceartigen Riesentrommel-Performance. Zuerst läuteten bei mir die Tourishow Alarmglocken, aber da die Zuschauer überwiegend aus Locals bestehen und es nicht die geringsten Anzeichen von kommerziellen Absichten gibt, werten wir das imposante Geschehen mal als authentisch. Apropos Glocken – Superlativsammler aufgepasst: Hier gibts auch die größte funtionstüchtige Bronzeglocke der Welt zu bestauen. 3x Selberläuten ist erlaubt!

Die Heimfahrt verläuft auf dem gleichen Weg wie Anreise, weil es in der Nähe weder Brücken noch Autofähren ins gegenüberlegende Mandalay gibt. Bei Sonnenuntergang sind wir zurück bei unseren „Pfauen“, und müssen auch leider schon wieder packen, da wir morgen die Weiterreise auf dem großen Fluss in Richtung Bagan antreten. Bleiben Sie dran!

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Über Till@TiMaFe on Tour

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5 Antworten zu Stadt, Land Fluss – über die Hügel Sagaings nach Mingun

  1. vowitzel schreibt:

    Ich bleib dran. Sehr schoen mal wieder. Mir gefaellt am Besten das massive Bauwerk. Auch mal eine schoene Idee 😮

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