Über 777 Stufen musst du gehen – die Besteigung des Popa Taung Kalat

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Zahlreiche gute wie böse Geister – in Myanmar Fachkreisen auch Nats genannt – sollen sich in der Gegend um den Mount Popa herumtreiben. Mindestens einer der bösen Geister scheint eine beachtliche Reichweite zu haben und will offenbar mit aller Macht unseren heutigen Besuch verhindern. Zumindest morgens um 5 sieht es nicht gut aus im TiMaFe Camp (oder besser Lazarett): Maria ist schlecht, Felix ist übel, mir gehts bescheiden, und keiner hat ingesamt mehr als 2h geschlafen. Nach Sonnenaufgang sieht die Welt schon besser aus, Maria ist zwar defintiv nicht für Ausflüge in Gegenden mit ungesicherter Toilettenabdeckung zu haben, aber zumindest Felix ist reisefähig (zwischen hundeelend und quietschfidel liegen in seinem Alter auch oft nur ein paar Augenblicke oder eine Mütze Schlaf), und wir disponieren kurzfristig um: Der ursprünglich geplante Schlenker über Salay wird gecancelt, Riiin muss als Ersatzmama einspringen und Maria gönnt sich eine Auszeit.

WickelhütteGegen 10 picken Felix und ich Riiin in ihrem Guesthouse in Nyaung-U auf und machen uns auf die ca. einstündige Tour in die Bergwelt im Westen. Unterwegs hält unser außergewöhnlich ungeschwätziger Fahrer zunächst an einer Verkaufshütte mit einem pittoresken Ochsen, der eine Ölmühle antreibt. Der Verkaufsschlager scheint hier eine Art karamellisiertes Zuckergebäck zu sein, bei dessem Anblick ich schon Zahnschmerzen bekomme. Während Riiin sich an den Leckerein gar nicht satt essen kann und den Kalorienbedarf der nächsten Tage auf einmal deckt, plagen mich ganz andere Sorgen, da Felix dringenden Wickelbedarf anmeldet und die Outdoorklos wenig vertrauenerweckend wirken. Kurzerhand mache ich mich in der Hütte breit, in der Zuckerwaren hergestellt werden. Hier könnte man wirklich meinen, man wäre aus der Zeit gefallen (siehe Galerie) – technische Errungenschaften der letzten 50 Jahre sucht man vergebens, aber alles macht einen durchaus gepflegten Eindruck. Für die anwesenden Damen ist der Anblick des Wickelpapas mit dem blonden Kind offenbar genauso faszinierend wie für mich die Umgebung in dieser einfachen Strohhütte.

Der "echte" Mount PopaDann geht’s langsam hoch in die Berge und die Umgebung wird immer grüner – ein echter Kontrast zum kargen Bagan. Der faszinierendste Anblick in dieser Ecke ist aber zweifelsohne die Tuyin Taung-Pagode, die auf einem steilen Vulkankegel namens Popa Taung Kalat trohnt, der gerne auch als „Mount Popa“ bezeichnet wird, obwohl der „wahre“ Mount Popa (siehe Bild links) fast doppel so hoch ist, aber natürlich nicht annähernd so spektakulär aussieht. Bei der Anfahrt bietet sich auf der rechten Seite ein Kloster für einen Zwischenstopp an, von dem aus man eine schöne Aussicht auf die Szenerie hat, die man sich auch durchaus als Kulisse für einen Nachfolger von Herr der Ringe oder dem Hobbit vorstellen kann.

It's a long way to the topIm Dorf selbst führt eine überdachte Treppe mit 777 Stufen hoch zur Tuyin Taung-Pagode. Eintritt wird zwar keiner fällig, aber man muss sich einer ganzen Armada von Makaken-Affen stellen, die die Treppe über die gesamte Länge hinweg belagern. Entgegen der Warnungen im Reiseführer waren sie aber keinesfalls aggressiv, sondern im Gegenteil überaus relaxt – ob’s an dem Inhalt der Tütchen lang, die hier offenbar in rauen Mengen an die Tierchen verteilt werden, konnte bis Redaktionsschluss nicht hinreichend geklärt werden. Für Felix, den ich auf den Rücken geschnallt hatte, war die Affenparade auf jeden Fall eine überaus spaßige Bereicherung.

Die Pagode selbst ist sicherlich kein Neuschwanstein, aber durch die exponierte Lage und die Anstrengungen des Aufstiegs verspürt man oben doch ein gewissen Glücksgefühl. Dazu kommt natürlich die phantastische unverbaute Rundumsicht, und in einem der „Donation Center“ bekommt man gegen eine Spende in frei wählbarer Höhe gutes Karma sowie eine hübsche Quittung mit Widmung. Beim Weg nach unten wird man dann des öfteren von den einheimischen Treppenputzern um eine Spende gebeten. Manche Gäste empfinden das offenbar als nervend, aber da man die komplette Tour barfuß antreten muss, kann man meiner Ansicht nach auch mal 1-2$ dafür springen lassen, dass die Stufen regelmäßig von Makakenkacke gereinigt werden (übrigens ein schönes Wort für die nächste Scrabble Runde). Uns hat der Ausflug auf jeden Fall gut gefallen, und ich würde auch noch ein 2. Mal über 777 Stufen gehen!

Maria ist inzwischen wieder weitestgehend genesen, und wir schmuggeln Riiin quasi als „Belohnung“ nachmittags zum Kollektivdösen und Erfrischen an unseren Pool. Abends nehmen wir uns eine Pferdekutsche und zockeln nach Nuyaung-U ins „Black Bamboo„, dass uns von Riiin (die inzwischen bereits auf dem Weg zum Inle See ist) wärmstens empfohlen wurde. Das etwas abseits gelegenene Restaurant bietet in der Tat eine gemütliche Atmosphäre und auch wirklich leckeres Essen – scheint aber offenbar unter der eigenen Popularität zu leiden. Ständig trudeln neue Gäste ein und warten bereits im Eingangsbereich auf einen frei werdenden Tisch, entsprechend lang sind auch die Wartezeiten. Das rächt sich spätestens auf dem Heimweg – selbst in einer Touristenmetropole wie Bagan gehen um 22:00 die meisten Lichter aus und Pferde bzw. alternative Fahrgelegenheiten sucht man dann vergebens. Wir haben Glück und finden eine Hotelrezeption, die uns noch eine Taxe organisiert. Der geschäftstüchtige Fahrer bietet uns gleich noch einen guten Deal für den morgigen Flughafentransfer an, und so endet ein verkorkst gestarteter Tag doch noch mit einem dicken Plus – die guten Nats sollten schlussendlich die Überhand behalten!

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Über Till@TiMaFe on Tour

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2 Antworten zu Über 777 Stufen musst du gehen – die Besteigung des Popa Taung Kalat

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