Zeitreisen für Einsteiger – zwischen Dala und Shwedagon

IMG_8501_shwedagon_PANOyangonmap2„We have the best Shan Noodles in Myanmar“ preist unser Gastgeber die hauseigenen Nudeln an, die ich mir zum Frühstück einverleibe. Solch selbstbewusste Aussagen können wir natürlich schlecht verifizieren, zumal wir hier nicht einmal im Shan Staat sind, aber für mich als Continental Breakfast Marmeladentoastmuffel auf jeden Fall ein weiterer Pluspunkt fürs Thanlwin Guesthouse. Und wichtig für den weiteren Tagesverlaufsplan, der durchaus sportlich ist: Per Augen-zu-und-durch Taxi runter zum Pansodan Jetty am Yangon River, dort mit der Fähre rüber ins Dörfchen Dala, nach einer Runde Dorfleben auf dem Rückweg durch die bröckelnde Altstadt Süd-Yangons zur funkelnden Shwedagon Pagode im Herzen der Stadt, und irgendwie wieder heim. Auf gehts!

IMG_8362_yangonstreetKnapp 10km sind es zum Pansodan Fähranleger, knapp 1h braucht die Taxe (ca. 5$), für die es leider in diesem Bereich der Stadt kaum eine Alternative gibt. Immerhin wandelt sich im Laufe der Fahrt das Bild der Stadt vom westlich geprägten Großstadteinerlei zu dem, was man im Reisemagazinjargon gerne als „maroden Charme“ bezeichnet: Einst prächtige koloniale Altbauten in unterschiedlichen Stadien des Verfalls – Kuba lässt grüßen, Lissabon winkt auch! Am Jetty angekommen geht das Autogewusel nahtlos in ein heilloses Personengewusel über. Eine nette Lady mit überraschend gutem Englisch hilft uns beim Ticketkauf, ansonsten herrscht hier weitgehend touristenfreihe Zone, aber die Fähre lässt sich zum Glück nicht verfehlen.

IMG_8373_monk_boarding_MINIAuch an Bord ist an Ruhe nicht zu denken. Bauchladenverkäufer versuchen alles von frischem Obst über einzelne Zigaretten bis zur Seifenblasenpistole an den Mann zu bringen, und wir – vor allem natürlich Felix – fallen auf wie bunte Osterhasen. Auch Dala empfängt uns nach dem Anlegen keineswegs mit dem vielfach angepriesenen „small town village life“ – eine Armada von Fahrradrikschafahrer buhlt um Kundschaft und keiner scheint zu verstehen, dass wir zwar durchaus nix gegen eine Rundfahrt einzuwenden haben, aber uns erst einfach nur mal kurz sammlen wollen. Mangels Alternativen (Tarnkappe, Botschaft, …) flüchten wir erstmal in die nächste Kneipe. Und obwohl es keine bauliche Trennung gibt, respektiert man tatsächlich die unsichtbare Grenze! Ein Myanmar Bier später sind wir dann auch bereit für Verhandlungen, der sympathischste (und zudem auch hartnäckigste) geduldig wartende Herr „Mr.Pink“ erhält den Zuschlag, und kommt wenig später mit zwei antiken Taxi-Rädern zurück (eins für mich, eins für Maria & Felix), die in dieser Form wahrscheinlich schon seit 50 Jahren unverändert gebaut werden.

IMG_8406_overthebridge_MINIKurz um die Ecke gefahren und man meint jemand hätte vorher die falsche DVD eingeschoben und will diesen Lapsus jetzt schnell korrigieren: Kaum noch Leute, fast kein Verkehr, ein paar Hütten, viel Grün, Kanäle mit schwungvollen Holzbooten, Viecher und einfache Hütten – so hatte ich mir Dala eigentlich vorgestellt und es erinnert ein wenig an den Start unserer Reise in Bangkachao. Richtig Tempo machen die schmächtigen Jungs mit uns natürlich nicht, aber wir sind garantiert schneller als ein Yangoner Taxi und es gibt auch unterwegs genügend interessante Stops auf dem Lande, dankenswerterweise alle ohne kommerzielle Hintergedanken. Nach knapp 2h sind wir wieder am Anleger und setzen völlig entschleunigt zurück nach Yangon über. Nach diesem Morgen gibt es für den weiteren Streckenverlauf natürlich nur eine Alternative: Zu Fuß!

IMG_8439_traffic_MINIIrgendwo zwischen Kolonialzeit und Gegenwart ist die Altstadt von Yangon hängen geblieben. Die meisten Vertreter der gesichtslosen weißen Blechlawine auf der Straße waren vor der Jahrtausendwende wahrscheinlich noch gar nicht gebaut, aber die vielen alten Gebäude rundherum können auf hundert und mehr Jahre Geschichte zurück blicken, die man ihnen mitunter leider auch ansieht. Mittendrin dann das typische relaxed-hektische Straßenleben in einer tropischen asiatischen Stadt mit stets hungrigen Menschen, unzähligen Streetfood Ständen und provisorisch aufgestellten Tisch/Stuhlkombinationen, wie man sie hierzulande nur aus der KiTa kennt. Man kann es wirklich nur schwer beschreiben, aber muss es einfach mögen! Der großzügig angelegte Mahabandoola Garten mit seinem topmodernen Spielplatz und den zahlreichen schattigen Plätzchen schreit dann förmlich nach einer ausgiebigen Pause, dann gehts vorbei an Sule Pagode und Aung Sang Markt in nördlicherer Gefilde.

IMG_8466_raubtierfuetterung_MINIIm Aung Mingalar Shan Noodle Shop (der Name alleine macht Appetit auf Myanmar) hauen wir uns noch einmal die Nudelbäuche voll, bevor es auf die endlos lange Shwedagon Pagoda Road geht (wo die wohl hinführen mag). Unterwegs begegnet uns noch eine offensichtlich weit verbreitete Form des Yangoner Briefkastens: Statt Box mit Schlitz hängen einfach zig Seile mit einer Art Klammer von den diversen Balkons bis auf Kopfhöhe herunter. Die Post (Einschreiben und Schwergut ausgenommen) zieht man dann einfach nach oben ins Haus. Praktisch!

Then, a golden mystery upheaved itself on the horizon a beautiful winking wonder that blazed in the sun, of a shape that was neither Muslim dome nor Hindu temple-spire (…) ‘There’s the old Shway Dagon’ (pronounced Dagone, not like the god in the Scriptures), said my companion. (…) but the golden dome said: ‘This is Burma, and it will be quite unlike any land you know about.’ —  Rudyard Kipling, Letters from the East, 1889

Zugegeben: IMG_8491_MINIZig Myanmar Artikel beginnen mit diesem abgewandelten Zitat Rudyards Kiplings, den das Land bei seinem Besuch Ende des 19.  Jahrhunderts offenbar nachhaltig beeindruckt hat. Wir dachten uns, wir beenden unsere Artikeln einfach mal damit, da wir uns auch den Besuch der viel gepriesenen Shwedagon Pagode bis zum Schluss unseres Myanmar „Abstechers“ aufgehoben haben. Selbst wenn wir demzufolge schon einige Tempelanlagen auf dem Konto haben – das hier ist mit nichts zu vergleichen! Alleine die Ausmaße des Geländes sind gewaltig, neben der Hauptstupa selbst gibt es noch unzählige kleinere Schreine, Tempel und Türme – es ist wie eine große funkelnde Märchenstadt, und man mag es kaum glauben: Hier ist tatsächlich fast alles Gold was glänzt! Natürlich herrscht auch reger Betrieb, aber anscheinend hatten zumindest an diesem Abend weitaus mehr einheimische Pilger als Touristen den Weg in das Mysterium am Horizont gefunden. Tip an den Leser: Nicht entgehen lassen!

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2 Antworten zu Zeitreisen für Einsteiger – zwischen Dala und Shwedagon

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