Porto – bitte freimachen!

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IMG_9617_byepott_MINIMit den Brückentagen ist das so eine Sache: Eigentlich sind sie ja zur Urlaubsmaximierung ganz praktisch, aber da nun mal fast jeder so denkt, sind sie leider auch oft mit Staus, überteuerten Flügen und knappen Unterkünften verbunden. Um Fronleichnam haben wir es trotzdem gewagt – die Flugdaten perfekt, der Preis OK, und schließlich musste ja zumindest die weniger privilegierte Hälfte der Republik trotzdem zur Arbeit erscheinen. Porto im Norden Portugals war unser Ziel, je nach Geschmacksrichtung gerne als heimliche Hauptstadt oder ewige Zweite bezeichnet. 2013 hatten wir die iberische Halbinsel bereits von Lissabon bis an die Algarve bereist (Übersicht), der Norden blieb dabei leider aus Zeitgründen buchstäblich auf der Strecke, und es war höchste Zeit das nachzuholen.

Altbau Nach einer etwas länglichen Anfahrt (in etwa die halbe Dauer des Flugs) checken wir an einem prächtigen Mittwochabend am gemächlichen Flughafen Dortmund ein. Neben unserem Flug geht heute lediglich noch ein Flieger nach Malle auf die Reise. So manche Kluft lässt wenig Zweifel am Zielort des Trägers, auch wenn wir nicht völlig ausschließen können, dass sich ein Schlagershirt- oder Fussballmannschafts-Saisonabschluss-Bademantelträger am Ende doch nach Porto verirrt hat. Unser Flieger kommt leider etwas zu spät, dafür ist das Ryanair Personal für Billigairlineverhältnisse superfreundlich, da gönnt man sich auch gerne ein überteuertes Dosenbier. Gegen Mitternacht setzen wir dann auf portugiesischem Boden auf, für Metroabenteuer ist es jetzt doch etwas zu spät und mit einer Taxe landen wir im Viertel Lapa am Rande der Altstadt in einem knuffigen Apartment, das für die nächsten 3 Nächte unsere Herberge sein soll.

IMG_9686_unplugged_MINIMorgens gehe ich erstmal Vorräte aufstocken. Das Angebot ist reichlich, vor allem Gemüse gibt es im Überfluss zu Minipreisen. Zufällig habe ich bei der Reiseplanung gesehen, dass Tuk-Tuk-Touren in Porto gerade ziemlich hip sind. Spätestens seit Sri Lanka liebt Felix die knatternden Dreiräder, so hatte ich kurzerhand eine Tour mit Aufpicken gebucht. Der Aufpickteil war offenbar kein verbindlicher Gegenstand des „Vertrags“ (= Facebook Chat), nach vergeblicher Warterei offenbart ein Telefonat, dass uns die Chefin kurzerhand versetzt hat als ihr klar wurde dass unsere Bude doch etwas weiter draußen als erwartet lag. Also reisen wir doch mit der Metro an, wenn man einem Dreijährigen etwas versprochen hat kann man es natürlich nicht so einfach wegen mangelnder Serviceorientierung canceln. Unsere Fahrerin Rita sorgt dann wieder für gutes Wetter in jeder Hinsicht: Die Tour führt durch die Altstadt über die imposante Eisenbrücke Dom Luis I in die Schwesterstadt Villa Nova de Gaia ans andere Ufer vorbei an  Portweinkellereien bis an die Mündung des Douro am Atlantik. Himmel und See sind zunächst noch recht grimmig gestimmt, im Laufe der Rückfahrt verziehen sich dann aber stetig die Wolken, Jacken und Pullis können endlich in der Rucksack verbannt werden, und wir beschließen, uns im beschaulichen Viertel Afurada de Baixo eine Freiluftpinte zu suchen.

IMG_9696_grill_MINIDer Blick auf die Altstadt Portos bzw. die zig Brücken mag andersorts malerischer sein, aber das schöne an Afurada de Baixo ist, dass es hier so herrlich untouristisch zugeht: Anwohner brutzeln ihre Fische einfach auf vorübergehend geparkten Straßengrills, wer auf große Gruppen und Massenabfertigung steht sucht besser ein paar km weiter flussaufwärts. Wir gönnen uns Fisch, Kartoffeln und eine Pulle Vinho Verde und lassen uns ausgiebig Zeit. Der grüne Wein ist zwar geschmacklich nicht so ganz unser Ding (Klugscheißerrandnotiz: Vinho Verde gibts in weiß und rot weil für den Namen die unverschämt grünen Landschaften der Minho-Region Pate standen), trotzdem werden keine Reste zurückgelassen. Die sympathische Rita kann uns dann zwar leider nicht mehr aufpicken, dafür springt die Tuk-Tuk Azubine ein, die zwar noch keine Lizenz zum Erklimmen steiler Straßen hat, uns aber immerhin heile wieder zurück in die Porto’schen Altstadtlabyrinthe bringt!

Nach einem Zwischenstopp zuhause IMG_9753_portobynight_MINI schauen wir des Abends nochmal am Cais da Ribeira vorbei. Auf dem Douro herrscht noch reger Betrieb, die Kneipen an Land füllen sich langsam, und die Sonne weicht Fackeln und Laternen. Dass Morgen in Deutschland ein klassischer Brückentag ist, wissen in diesem Moment wahrscheinlich nur unsere Landsleute, aber in einer Stadt wie Porto ist natürlich jeden Tag Wochenende… Die große Party findet trotzdem ohne uns statt: Der lange Tag zeigt seine Spuren, Felix muss nach der kurzen Nacht auch dringend in die Falle, und vor allem geht es morgen zeitig auf Achse: Mietwagen am Airport holen und dann ab in den tiefen Norden Portugals bis zum Rio Lima, wo der Vinho Verde in üppigen Weinbergen reift und der Atlantik auf endlose Strände trifft. Meint zumindest der Reiseführer, Fortsetzung folgt!

 

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Über Till@TiMaFe on Tour

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