Am Zahn der Zeit – Stipp­vi­si­te in Havanna Downtown

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Gestatten: Zahn der Zeit

Das kleine aber ansonsten völlig akzeptable Zimmer bescherte uns eine halbwegs erholsame Nacht, Lourdes hausgemachtes Frühstück kann Marys Varadero Standard  locker halten, und wir nutzen die Gelegenheit zum Plausch mit unserem mexikanischen Mitbewohner, der offenbar mit eigenem Rad und eigener Salsa Sauce angereist ist und heute per Bus einen Übernachtungsausflug nach Viñales plant. Die scharfe Sauce lässt er uns netterweise da, und prompt wird uns auch noch sein Zimmer (besser gesagt das ganze Dachgeschoss) für die nächste Nacht in Aussicht gestellt. Klingt verlockend, aber jetzt erstmal ab nach Havanna Downton, bevor die alten Fassaden noch weiter bröckeln und die Tagestouristen einfallen!

IMG_1465_ampel_MINI2Wir haben ja auf fernen Reisen schon die verschiedensten Fortbewegunsmittel weitgehend erfolgreich gemeistert – ratterten im Nachtzug gen Laos,  plätscherten im Boot bis Bagan, tuckerten im Tuk-Tuk nach Peradeniya, oder radelten durch Bangkok, aber an einem Vehikel scheitern wir regelmäßig: Dem lokalen Bus, quasi die ultimative Prüfung aller Individualreisenden. Auch an der Calle Linea, die eigentlich schnurstracks in Zentrum Havannas führen sollte, scheitern wir abermals an undurchsichtigen Nummern und allgemeiner Hektik, und nehmen stattdessen mit einer der Knatterkugeln (Coco-Taxis) Vorlieb, die wir bereits aus Varadero kennen. Unsere Enstation ist die barocke Catedral de San Cristóbal de la Habana, und auf der Uhr stehen 15 CUC. Das ist zugegebenermassen ein stolzer Preis, für den man auf Kuba auch schon einen Lobster mit ner Pulle Rum bekommt, aber damit kommt man schließlich auch nicht vom Fleck und immerhin steht der Eismops sicher bei Madame Lourdes im Hof!


IMG_1493_havanafort_MINI2Es ist nicht die schlechteste Idee schon vor 9 in Habana Vieja zu sein, da zu dieser Zeit die meisten Ausflugsbusse aus der Umgebung noch nicht da sind und die Sonne noch nicht allzusehr brutzelt! So haben wir die Kathedrale erstmal fast für uns und investieren einen CUC für die Turmbesteigung, die sich dank guter Rundumsicht wirklich lohnt! Die Kontraste sind gerade von hoch oben wirklich heftig – bestens restaurierte Gemäuer wechseln sich mit Ruinen im fortgeschrittenen Verfallsstadium ab. Havanna erinnert uns wenn überhaupt etwas an eine karibische Extremversion von Lissabon, ist aber im Vergleich zu anderen Metropolen eigentlich ziemlich einzigartig. „No one could have invented Havana“ schreibt auch der Reiseführer, und da hat er denfitiv recht. Man kommt selbstredend auch als „Checklistenabhaker“ in Havana auf seine Kosten, da sich vor allem in der Altstadt zig bedeutende Bauwerke und Museen konzentrieren, aber am besten lässt man sich einfach treiben, wandert durch die Nebengassen, oder setzt sich einfach in ein Café und lauscht dem nächsten grinsenden Gitarrenspieler um die Ecke. Positiv ist noch zu bemerken, dass sich das Preisniveau kaum an der Lage orientiert (will sagen ein Bierchen kostet mitten in der Altstadt genausoviel wie in einer Vorstadtpinte), und dass es die Stadt trotz beträchtlichem Besucheransturms irgendwie schafft, die Massen einfach so zu schlucken.

IMG_1506_fx_empreror_MINIEinige Zeit später landen wir über verschiedene Gassen an der Plaza Vieja, wo gerade die örtlichen Schulklassen ihren Sportunterricht mitten auf dem Platz absolvieren. Außerdem entdecken wir hier eine (kostenlose!) Fotoausstellung unseres „alten Freundes“ Steve McCurry. Wer den Herrn nicht kennt sollte unbedingt mal  bei ihm in der WordPress Nachbarschaft vorbeischauen – seine Portraits aus den entlegensten Winkeln der Welt sind wirklich einzigartig und überwiegend zu einer Zeit entstanden, als Bilder noch in der Dunkelkammer und nicht am Rechner bearbeitet wurden. Der ursprüngliche Plan, den Vormittag gemütlich aus dem Bus ausklingen zu lassen, scheitert erneut: Der angepriesene Hop-on-Hop-off Touristenbus scheint nur an geheimen Haltestellen fernab der Touristenpfade zu halten. Trotz ausgiebiger Fragerei kommen wir uns vor wie auf einer Schnitzeljagd und ziehen schließlich eine Pause an der schattigen Plaza de Armas vor. Felix hat sich beim Kampf mit einer Getränkedose eine kleine Wunde am Finger zugezogen und muss hier erstmal verarztet werden, aber dank anderer Kinder und vieler Tauben ist der Schmerz schnell vergessen. Trotz gutem Frühstück knurrt irgendwann der Magen und in einer Seitengasse entdecken wir das hübsche Gartencafé Torrelavega wo wir bei kubanischer Livemusik erstmal ausgiebig Station machen. Geheimtip? Jetzt nicht mehr!

IMG_1561_carcapitol_MINIDann ist aber erstmal genug mit Siesta, auf dem Heimweg wollen wir noch Richtung Capitol und wandern durch viele interessante Gassen und erbeuten sogar noch einige Souvenirs. Das Capitol wird wohl seit Jahren renoviert und ist somit teilverhüllt, aber besichtigen wollten wir es ohnehin nicht. Bleibt noch die Frage des Rücktransportes: die Pferdekutsche für 20 CUC ist uns zu teuer und in Anbetracht der Distanz auch sicher kein Zuckerschlecken fürs Pferd, daher geht der Zuschlag an ein quietschgelbes Peugeot-Oldtimer-Taxi zum halben Preis. Bei Lourdes angekommen, dürfen wir in der Tat das Dach beziehen und kriegen erstmal den Mund nicht zu: Ein Apartment samt Küche und riesiger Dachterasse (und ohne Aufschlag) wartet auf uns – so geht Penthouse auf kubanisch! Alle weiteren Ausflugspläne werden damit gestrichen, es gibt später noch Pizza-Dinner mit ein paar Bucanero-chen (einheimisches Bier mit 5,4 Umdrehungen) auf der heimischen Terasse bei Sternenlicht. Die Pizzeria von gestern hatte heute tatsächlich welche im Angebot, aber der der Knusperfaktor ist offen gestanden ziemlich grenzwertig. Mitlesende talentierte Pizzabäcker mit Auswanderambitionen sollten sich Gedanken machen – die Nachfrage scheint auf jeden Fall unerschöpflich, da kubanische Pizzabuden mächtig boomen. So haben wir vielleicht keinen klassischen Havanna Tag verbracht, aber auf jeden Fall einen, den wir so schnell nicht vergessen!
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2 Antworten zu Am Zahn der Zeit – Stipp­vi­si­te in Havanna Downtown

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