Highway to Hill – über Laz Terrazas ins Valle de Viñales

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IMG_1619_malecon_MININach nur zwei Nächten in Havanna müssen wir auch schon wieder die Segel setzen, da wir ein paar Tage in Viñales weit im Westen der Insel Station machen wollen. Gegen Mittag nehmen wir Kurs auf den legendären Malecón, der havanische Boulevard am Ozean, der uns erstmal raus aus der großen Stadt führen soll. In einschlägigen Reiseführern gerne als Must-see gelistet, handelt es sich nüchtern betrachtet zunächst einmal nur um ein langes Stück Beton am Meer. Sicher: Wenn die Wellen dramatisch über die Mauer auf einen vorbeifahrenden Oldtimer krachen und die Sonne gerade über den verfallenden Häusern des Zentrums untergeht, während man mit einer Pulle Rum die Atmosphäre aufsaugt, sieht die Sache gewiss anders aus, aber um 12 Uhr Mittags bei ruhiger See und viel Verkehr sehen wir uns eher nicht zu einem Stop genötigt. Schnell finden wir die A4, die zentrale Verkehrsader die im Westen Havanna mit der Provinzhaupstadt Pinar del Rio verbindet und ähnlich gut ausgebaut ist wie die Varadero-Havanna Route. Man sollte sich trotzdem nicht allzusehr zurücklehnen, auch hier sind Pferdekutschen, Radfahrer, Käse- und Kuchenverkäufer, kreuzende oder trampende Fußgänger sowie berittene wie frei umherlaufende Viecher auf der Autobahn eher die Regel als die Ausnahme.

IMG_1623_layers_MINI„Also wir waren ja dieses Jahr in Las Terrazas!“ Das klingt zunächst nach einem flachen Spruch der Kategorie „Balkonien“ oder „Terassien“, mit der man zum Ausdruck bringen möchte, dass man die wertvollste Zeit des Jahres zuhause verbracht hat. Aber auf Kuba gibt es diesen Ort tatsächlich, und er ist auch garantiert schöner als daheim, so man denn den unscheinbaren Abzweig nach ca. einem Drittel der Strecke nicht verpasst. Das Ökodorf in den Bergen nimmt zwar 2$ Eintritt, wer aber auf dem Weg nach Viñales etwas Abwechslung sucht, liegt hier genau richtig. Direkt hinter der Puerta Las Delicias führt eine Einbahnstraße (die die Richtung nach Bedarf wechselt) rechts zu einer terassenartigen Anlage mit erstklassigen Aussichten in die umliegende Bergwelt. Früher wurde hier fleißig Kaffee angepflanzt, heute unterrichtet man Touristen über die Zeit, als hier fleißig Kaffee angepflanzt wurde. Ein Wanderpfad führt durch abwechslungsreiche Vegetation weiter ins Landesinnere und hört nach knapp 2km einfach an einer Lichtung auf, aber man darf einen ordentlichen Ausblick aufs Valle de San Juan genießen und kann sich nach langer Fahrt in der dschungelartigen Landschaft gut die Füße vertreten. Die heftige Tropendusche auf dem Rückweg (in dieser Ecke ändert sich das Wetter gerne und schnell) gabs gratis dazu.


IMG_1658_lakeclose_MINIGäbe es einen Preis für die beste Picknick Location, er ginge an den Lago Al Palmar: Die Sonne kommt gerade wieder hervor, überall im Wald steigt Dampf vom Regen auf, am Ufer liegen ein paar bunte Holzboote und nette palmenbedeckte Picknickhütten, und ein Steg führt direkt in den See, in dem man auch schwimmen kann. Oder Kajak fahren. Oder Fische füttern. Oder einfach nur herumsitzen. Definitiv unsere Top Location für heute, und ein gute Beispiel dafür dass Kuba weitaus mehr kann als der üblicherweise propagierte Mix aus Strand, Oldtimern, maroden Gebäuden, Rum und Salsa. Ob das Valle de Viñales hier mithalten kann?

IMG_1695_falls_MINIWer noch nicht genug geschwommen ist oder wem Seen eine Nummer *zu* ruhig sind , steuert ein paar km weiter die Banos del San Juan an. Der Rio San Juan formt hier einige Naturpools mit Mini-Wasserfällen, und Baden ist ausdrücklich erlaubt. Kurioserweise waren die Baños auf unserem Ticket explizit ausgenommen, der Wächter am Häuschen war mit 2$ aber schnell überredet uns doch durchzulassen – wer auf Nummer Sicher gehen will fragt aber besser direkt an der Hauptschranke nach, zumindest in der Regenzeit ist es hier auch tief genug zum schwimmen. Bei soviel Zerstreuung hatten wir glatt die Zeit vergessen, und so ist es bereits relativ dunkel, als wir die Autobahn ein paar km vor der Endstation Pinar der Rio in Richtung Viñales verlassen. Das Fahren im Dunkeln ist auf Kuba wie in vielen ärmeren Ländern wenig empfehlenswert: Während Autos und Lkws zumindest meist noch an irgendeiner Ecke ein funktionierendes Licht haben, gilt das keinesfalls für Zwei- und Vierbeiner sowie alle nicht motorisierten Vehikel, die ebenfalls rege am Verkehr teilnehmen, von ungesicherten Schlaglöchern ganz zu schweigen.

Prompt gib es dafür bei der Ankunft auch Mecker von Marilyn (wie auch für den Umstand, dass wir trotz Mail-Avis nicht 2 Tage vorher zusätzlich angerufen haben). Marilyn ist unsere Haus“herrin“ für die nächsten 4 Tage in Viñales, und scheint ein Freund klarer Regeln zu sein. Aber sie hat dafür auch ein sehr geschmackvolles neues Zimmer für uns und die pichelnden Nachbarn (klassische internationale Backpacker-Kombi-Gruppe die sich beim Ausflug kennen gelernt hat) scheinen ebenfalls sympathisch. Einen Dinner Abstecher zu Fuß zur wuseligen Hauptstraße machen wir noch, das Angebot ist erstaunlich groß, aber nicht überall sind noch Plätze frei. Schließlich landen wir beim „Italiener“ El Barrio, der auch einheimische Kost serviert. Till probiert das lokale Traditionsgericht Ropa Vieja (eine Art Gulasch, top!) und für Maria gibts einen stattlichen Fisch mit leckeren Beilagen. Hier sollte es sich die nächsten Tage aushalten lassen, ob die Landschaft auch wirklich ihren Vorschusslorbeeren gerecht wird, dürfte sich spätestes nach Sonnenaufgang herausstellen. Bis dahin angenehme Nachtruhe!

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Über Till@TiMaFe on Tour

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