Der lange Weg zurück – Topes de Collantes, Provinzenhopping und eine Stunde Meer

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IMG_2350_fx_till_zug_MINIHeute wird ein langer Tag, soviel steht bereits beim Aufstehen fest: Wir haben zwar vor dem Abflug morgen in Varadero noch eine Nacht in Reserve, aber für kubanische Verhältnisse sind wir ganz schön weit vom Ausgangspunkt unserer Reise entfernt – „nur“ 270 km aber locker 5 Stunden Fahrzeit. Zudem haben wir uns noch in den Kopf gesetzt, den eher öden Highway zu meiden, und so führt die geplante Route quer durch die Sierra del Escambray und von dort an ebenso klangvollen Käffern wie Jibacoa, Manicaragua , Esperanza und Los Arabos zurück an die Nordküste. Aber zunächst mache ich mit Felix am Bahnhof von Trinidad Station, während Maria das Gepäck auf Vordermann bringt. 1992 hat ein Hurricane eine essentielle Brücke zerstört, seitdem hat Trinidad praktisch keinen Anschluss ans kubanische Schienennetz mehr, aber es gibt u.a. noch einen lokalen Zug ins Valle de los Ingenios, der sich vor allem bei Touristen großer Beliebtheit erfreut.

Alles still, einer wacht Die alte amerikanische Dampflok ist leider inzwischen außer Dienst gestellt, aber wir entdecken sie unweit der Station auf einem Abstellgleis. Ein freundlicher Opa gibt sich als einer der ehemaligen „Captains“ aus und lässt uns das Schmuckstück inspizieren. Ich weiß natürlich nicht, ob er die Geschichte nur frei erfunden hat, um sich ein paar CUCs zu verdienen, aber er macht seine Sache gut und am Bahnhof stehen sich ohnehin nur die Gäste die Beine in den Bauch, da der neue Zug (eine alte russische Lok mit Diesel statt Dampf) reichlich lange auf sich warten lässt. Irgendwann rollt der Tren de Turismo dann doch ein, die Wagen füllen sich schnell, es wird eifrig geknipst und dann ist er auch schon in den Dschungel entschwunden.

IMG_2420_falls_MINIDen Weg zum El Cubano Park hatte ich bereits gestern mit dem Rad erkundet, mit dem Auto kommt man aufgrund der Schlaglöcher nur unwesentlich schneller, aber dafür deutlich entspannter zum Parkeingang. Erwachsene berappen ~9 CUC, dann geht es über eine Hängebrücke auf einem Pfad durch eine abwechslungsreiche Dschungellandschaft. Nach einer knappen Stunde erwartet den Wanderer dann ein (je nach Jahreszeit) recht imposanter Wasserfall, an dem man auch völlig legal schwimmen kann. Taktiker reisen kurz vor der Lunchzeit an, dann treten die Morgengruppen schon langsam den Rückmarsch an und die Mittagsgruppen sind noch nicht unterwegs, so daß sich der Andrang am Pool in Grenzen halten sollte. Mutige Taktiker können sich zudem noch im Felsenspringen probieren, da das Becken in der Mitte relativ tief ist und es eigentlich immer einen (meist männlichen) Klettermax gibt, der den Anfang macht. Links am Wasserfall kann man dann sogar in eine Höhle schwimmen, und wenn ich dem Leser jetzt nicht Appetit auf einen Besuch gemacht habe, dann weiß ich’s auch nicht 🙂 …

IMG_2285_route_MINIZurück im Auto geht es über Serpentinen weiter auf ca. 800m Höhe durch den Nationalpark Topes de Collantes. Es geht zwar recht steil hoch, aber so schlimm wie uns andere Touristen berichteten ist es dann (mit intaktem Auto) doch nicht… Es gibt dort noch mehrere kleine Parks und wer vom Strandleben und Kolonialbauten gesättigt ist, könnte es hier gewiss ein paar Tage aushalten. Wir müssen uns aber leider etwas sputen, damit wir nicht wieder zu lange im Dunkeln herumeiern müssen, und begnügen uns daher mit einem Stopp am Mirador del Cariba sowie am Mirador de tres Palmas. Nachdem wir die Grenze zur Provinz Villa Clara überschritten haben, kommen ein paar unbefestigte Streckenstücke, die man aber zumindest in der Trockenzeit problemlos befahren kann. Hinter der „Che Guevara Stadt“ Santa Clara geht es schließlich auf dem alten Central Highway in Richtung Mantanzas. Genau genommen handelt es sich um eine Landstraße, die durch überwiegend kleine Dörfer und Felder führt. Das ist durchaus spannend, aber man kommt natürlich auch nicht richtig flott vom Fleck, und so ist die Sonne dann doch schon lange entschwunden, als wir uns endlich den Ausläufern von Varadero nähern. Zum Glück hab es auch in dieser Region nicht allzuviel Verkehr auf den Überlandstraßen, und die meisten Fuhrwerke waren zumindest provisorisch beleuchtet – besonders beliebt war die reflektierende CD.

Endlich Urlaub!Bei Mary Y Angel, bei denen wir die ersten drei Nächte in Varadero verbracht haben, war leider nichts mehr frei, dafür kommen wir in der Villa Sunset im  westlichen Teil der Stadt gegenüber der kanadischen Botschaft unter. Zum Ausgehen sind wir nach dem langen Trip quer durchs Land zu schlapp, aber ein gebrutzelter Fisch im Restaurant um die Ecke ist schnell organisiert. Auch sehr nett hier die Ecke aber dank der naheliegenden Lagune (?) etwas vermückter als im Zentrum.
Am Tag drauf geben wir unseren Eismops mit immerhin 1500km mehr auf der Uhr erfolgreich am Hotel dos Mares zurück und erhalten unsere Kaution zurück, die wir auch dringend brauchen, da der letzte Peso beim Volltanken draufgegangen ist. Das reicht locker für zwei Pullen Rum gehobenen Alters, einen Chevy Truck aus Holz für Felix und eine überteuerte Kutschfahrt zurück in die Villa Sunset, die praktischerweise nur einen Katzensprung vom Strand entfernt liegt. Die Madame vom Dienst mahnt, dass man hier angeblich drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein muss, damit schmilzt der Standaufenthalt auf eine gute Stunde zusammen, von der wir aber jede Minute genießen. Das wars dann mal wieder, wir sagen „hasta la vista Cuba“ und da wir in den mickrigen zwei Wochen gerade mal einen Teil der Insel kennen gelernt haben, ist ein Wiedersehen nicht ausgeschlossen. Und jetzt zurück nach Kölle 🙂
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Über Till@TiMaFe on Tour

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