Berg Land Fluss – Bokor Hill und das Ende eines langen Tages

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IMG_4457_road-upTag #2 in Kampot empfängt uns mit einem ungewöhnlichen Anblick: Graues Gewölk über den Elefantenbergen von Bokor, dem Nationalpark im Westen mit den berühmten Ruinen aus französischer Kolonialzeit, den wir heute fest als Vormittagsziel eingeplant hatten. Da es aber auch in den letzten 3 Wochen nie ernsthaft geregnet hat, vertrauen wir auf den Wettergott, tanken den Roller noch mal randvoll (dem Tankgott trauen wir weniger), und knattern in Richtung N3. Der Abzweig der neugebauten Route in die Berge mit der überdimensionierten Mautstationen ist definitiv nicht zu verfehlen und es herrscht fast kein Verkehr. Die superbreite Piste dürfte aber kaum nur für ein paar Mopedtouristen ausgelegt sein, sondern man hat klar die großen Reisebusse im Visier – auch auf Bokor Hill wird nämlich fleißig gebaut!

IMG_4481_graffitiWährend sich die Straße ihren Weg nach oben schlängelt wird es merklich kälter. Kein Wunder, da der Startpunkt auf Meeresniveau und das Hauptplateau über 1000m Höhe liegen – wer partout nur mit Flipflops und Tanktop rollern will, sucht sich besser ein anderes Tagesziel. Unterwegs bieten sich zahlreiche Stops an, zum Beispiel der Black Palace am Yeay Mao Monument, eine Ex-Sommerresidenz von König Sihanouk, die inzwischen völlig verfallen ist, aber durch ein paar interessanten Graffiti durchaus aufgewertet wird, morbide Stimmung inbegriffen! Hier treffen wir auch die „Ts“, die einst neben mir beim Sonnenaufgang Phnom Bakheng  saßen. Das war vor einer Woche und 500km weiter in einer völlig anderen aber ebenso abgelegenen Welt, mal wieder einer dieser typischen „Déjà Vu“ Zufallsbegegnungen, von denen wir immer mindestens eine pro Reise haben . Man legt uns vor allem noch die Flussfahrt auf dem Kampot River nahe, damit wäre unser Tageskalender dann auch schon wieder komplett gefüllt, aber erstmal geht es weiter rauf Richtung Gipfelplateau!

IMG_4513_abgrundWie aus dem Nichts tauchen plötzlich zwei goldgelbe „Monster“ auf: Das neue Bokor Highland Resort mit Casino, das offenbar nur den Anfang einer Serie ehrgeizer Bauprojekte darstellt. Wie sich das mit dem Konzept eines „Nationalparks“ vereinbaren lässt bleibt fraglich, ebenso warum man zum Zocken ausgerechnet auf einen 1000m hohen Berg kurven sollte, aber wenn man sich die Dimensionen auf dem Projektplan anschaut kann man davon ausgehen, dass sich die chinesische Investorengruppe ihrer Sache ziemlich sicher ist. Aber es gibt auch Schönes hier oben, so zum Beispiel den Wat Sampov Pram mit seiner dramatisch abfallenden Steilwand, von wo aus man einen erstklassigen Dschungel- und Meerblick hat. Ein paar Kurven weiter trifft man zur linken auf die alte katholische Kirche, die auch auf unserer Kampot Map nur ganz profan als „old church“ ausgewiesen wird. Das Gotteshaus ist noch recht gut erhalten, Eintritt ist für Gäste aller Konfessionen frei, und wer nur einen Schnappschuss braucht findet hinten einen praktischen Picknickhügel mit optimaler Perspektive.

IMG_4526_haunted2Es gibt also durchaus viel zu sehen hier oben, aber das Highlight ist für die meisten die Ruine des französischen Grand Palace Hotels aus den 20ern. Mobiliar oder gar Hotelgäste findet man hier natürlich keine mehr vor (Nachfrage wäre gewiss vorhanden), aber alle Stockwerke sind frei begehbar und machen einen halbwegs vertrauenerweckenden Eindruck. Die grauen Wolken wären gar nicht nötig gewesen, um für eine gruselige Atmosphäre zu sorgen. Falls jemals ein Nachfolger des King Klassikers „Shining“ gedreht werden sollte – hier wäre der optimale Ort dafür! Zufrieden begeben wir uns wieder auf Talfahrt, mit jeder Kehre erobert auch der blaue Himmel wieder sein Revier zurück, und gegen Mittag erreichen wir die Ausläufer von Kampot. Fazit: Bokor Nationalpark auf eigenem Roller ist auf jeden Fall ein spannender und zudem preiswerter Ausflug. Die tadellose neue Straße macht den Aufstieg auch für Rollermuffel (noch) relativ stressfrei, es bleibt aber abzuwarten wie sich das Bild hier oben wandelt, wenn erst einmal die ganzen neuen Hotels, Casisos und Golfplätze ihre Pforten fürs betuchte Massenpublikum öffnen.

Szenenwechsel: Südlich von Kampot befindet sich die Insel Traeuy Koh, die über eine Brücke mit dem Rest der Stadt verbunden ist. Hier gibt es einen Hügel namens Coconut Hill und ein Salzfeld. Eins? Ach was: Salzfelder soweit das Auge reicht! In Kampot muss man gewiss auch einiges importieren, Salz und Pfeffer (siehe Bericht vom Vortag) gehören gewiss nicht dazu. Weil ich mich mit der Bilderauswahl etwas schwer getan habe gibts jetzt einfach mal als Zwischeneinschub die „Sondergallerie Salz“:

IMG_4559_sunglassesWenn man nicht gerade wasserscheu ist oder gar eine Aversion gegen Sonnenuntergänge vor kitschiger Kulisse hat, kommt man um eine „Sunset Cruise“ eigentlich nicht herum und hat natürlich mal wieder die Qual der Wahl. Die „Ts“ haben uns heute Morgen wärmstens Captain Chim empfohlen, der auch wirklich ein sympathisches Programm hat, aber für den wuseligen Felix brauchen wir einfach etwas mehr Deckfläche zum erkunden. In der Nähe des Rikitikikavis liegt praktischerweise die Flying Dragon vor Anker, die zumindest ausreichend Platz für allerlei Palmengewächs und eine bemannte Bordbar bietet. Viel Zeit ist ohnehin nicht mehr bis zum Sonnenuntergang, der Ticketpreis is human, also schnell an Bord und Leinen los!

IMG_4595_therockGegen halb 5 legt der fliegende Drache ab und schippert gemächlich flussaufwärts den Teuk Chhou entlang. Das Publikum fällt zumindest heute überwiegend in die Kategorie „Ü30 gemäßigt“, will sagen chillen scheint wichtiger als eine Angkor Flatrate. Der Captain mit Hut und Hängepflanzen macht’s vor und hat sicherlich einen der niedlichsten Arbeitsplätze in ganz Kampot. Die letzten Ausläufer der Stadt lassen wir schnell hinter uns, vereinzelt sieht man noch ein paar Resorts und Bungalows mit hübschen Stegen und Anlegern – dann dominieren nur noch Berge und Wald. Keine Frage, die Gegend hier ist wunderschön und selbst bei bedecktem Himmer die Reise wert. Zur Halbzeit gehen wir in der Flussmitte vor Anker, Baden und Sprünge vom Oberdeck sind ab jetzt ausdrücklich erwünscht  – der Autor hat leider striktes Flussbadeverbot aufgrund einer Muschelverletzung am Fuß (Andenken an Koh Rong) und muss schweren Herzens an Deck bleiben. Irgendwann entschwindet dann auch die Sonne mit ein bisschen Tamtam hinter den Elefantenbergen, und beendet somit leider auch unseren letzten „richtigen“ Tag in Kambodscha. Morgen gehts über Phnom Penh zunächst nach Bangkok, wo wir noch eine Nacht dran hängen. Li hai, Kampot – Li hai, Kambodscha!

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Über Till@TiMaFe on Tour

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Eine Antwort zu Berg Land Fluss – Bokor Hill und das Ende eines langen Tages

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