Best of Nordwest – über Icod durchs Tenogebirge nach Masca

img_7134_sunsetpano_mini

img_6903_teideUnsere erste Tour in Teneriffas grünen Norden startet dramatisch: Felix hat sein Pferd mit den Regenbogenhaaren vergessen einzupacken, das ihm die letzten Tage auf dem Rücksitz Gesellschaft geleistet hat, und ist darüber wahrlich not amused. Erfahrene Reise-Eltern erkennen sofort die Brisanz der Situation: Eiert man den weiten Weg zurück, verliert man wertvolles Tageslicht und ärgert sich, dass das Objekt der Begierde nach 2 Minuten eh nicht mehr interessant ist. Bleibt man standhaft so braucht zumindest der Fahrer starke Nerven. Wir wählen Option #2, versprechen ein Eis, und hinter Santiago de Teide herrscht auf dem Rücksitz endlich wieder Freude und Friede. Wenig später lugt der mit 3718m höchste Berg der Insel (und übrigens auch ganz Spaniens) dann auch höchstpersönlich hinter einer Kurve hervor.

Der berühmte Drachenbaum

Über eine flotte Nebenstraße gelangen wir schließlich zu unserem ersten Halt Icod de los Vinos. Der Namenszusatz soll Icod angeblich vom deutlich unbekannteren Dorf Icod el Alto abgrenzen, wahrscheinlich aber auch kaufkräftige  Weinliebhaber anlocken. Vor allem ist es aber im Gegensatz zu den Retortenorten im Südwesten auch einfach eine richtige gewachsene Stadt, und eine hübsche noch dazu. Im Cafe Masquepan (Vorsicht: süße Sünden im Überfluss) in der Nähe eines öffentlichen Parks bei der Iglesia de San Marcos machen wir erstmal Station, im Park selbst erblickt man dann auch die Attrakion, die zumindest die meisten Tagesbesucher nach Icod lockt: Der Drago Milenario („ziemlich alter Drachenbaum“)! Beim Alter schwanken die Spekulationen deutlich, aber man ist sich zumindest einig, dass er locker 300 Jahre auf dem Buckel hat und ihm damit zumindest auf den Kanaren kein anderer Drachenbaum das Wasser reichen kann. Sieht imposant aus, wer aber in Icod nur flugs den Baum knipst und gleich wieder weiter zieht, verpasst definitiv etwas.

img_6968_fx-jungleZum Beispiel das Museo de Malvasia ein paar Ecken weiter! Museumsmuffel können beruhigt weiterlesen, streng genommen handelt es sich eher um eine Boutique für Wein und andere lokale Köstlichkeiten, und der weitläufige dschungelartige „Hinterhof“ dürfte im Stadtkern einmalig sein. Zur Weinprobe werden kanarische Käsehappen gereicht, passende Anekdoten zum jeweiligen Tropfen gibt es gratis dazu (so soll zum Beispiel der Genuss der lieblichen Variante unweigerlich eine Schwangerschaft nach sich ziehen). Hier könnte man es getrost länger aushalten, aber zumindest einer muss ja noch fahrtüchtig bleiben und so nehmen wir einfach eine Pulle und etwas Mojo mit und fahren auf der Küstenstraße TF42 zunächst gen Westen in Richtung Garachico.

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Auch Garachico kann sich sehen lassen, obwohl ein Vulkanausbruch im 18. Jahrhundert dem Ort übel zugesetzt hat. Rund um das Castillo de San Miguel hat man auf schwarzem Lavagestein eine Art Freibad mit Parkanlage errichtet, die sich auch durchaus für einen Badestop anbietet, wenn der Wellengang nicht gerade allzu heftig ist. Die Straße führt über Los Silos weiter in das 5500 Seelendorf Buenavista del Norte, das zumindest an diesem Zipfel Teneriffas das Ende der Zivilisation markiert. Über eine Serpentinenstraße kann man von hier allerdings das Teno-Gebirge erklimmen und gelangt vorbei am Mirador de Baracan bis nach Masca, unserem letzten Etappenziel für heute!

 

Fast zu schön um echt zu sein

Es ist praktisch unmöglich, sich an irgendeinem touristischen Ort auf Tenriffa zu bewegen und dabei nicht mindestens einmal eine Tour nach Masca offeriert zu bekommen. Ja – spätestens seit man es in den 90ern durch eine Straße erschlossen hat gibt es einen regelrechten Hype um das vermeintlich schönste Dorf der Insel, und daher haben wir unseren Abstecher auch ans Ende der Tour gelegt und hoffen mal ganz naiv, dass sich die Massen zur Abendzeit deutlich reduziert haben.Von Norden kommend passiert man zunächst Cruz de Hilda und kann bei einem Käffchen auf der Terrasse schon einmal die ersten leckeren Ausblicke ins Masca Tal bewundern.

Vorhang aufOberhalb des Dorfes (das gerade mal gut 100 Einwohner hat) lässt ein großzügiger Parkplatz erahnen, wie viele Besucher hier tagsüber im Schnitt vorbeischauen, unsere Strategie scheint jedoch aufzugehen, da die meisten davon um diese Zeit nicht besetzt sind. Als erstes fällt die markante Felsnadel El Catán auf, die Assoziationen mit Machu Picchu weckt. Am Ortseingang erfüllt ein großer Shop mit angeschlossenem Terrassenlokal alle Souvenir- und Aussichtswünsche, der Dorfkern bleibt aber erfreulich unkitschig und frei von Nippesläden, obwohl es noch nicht einmal von den strengen Augen der UNESCO geschützt wird. Bis zur Felsnadel kann man auf Kopfsteinpflaster marschieren, wen es ins weitere Umfeld zieht, der kann dem gut ausgeschilderten mehrstündigen Wanderweg folgen, der von hier durch die (selbstredend) „schönste Schlucht Teneriffas“ bis runter an den Atlantik führt. Vielleicht ein andermal 🙂

img_7152_therocksunsetNach so vielen pittoresken Orten haben wir für heute eigentlich genug Erinnerungen im Kopf (und auf der Speicherkarte) festgehalten und wollen vor Einbruch völliger Dunkelheit eigentlich nur auf der kurvigen TF436 über Santiago del Teide nach Hause zurück. Unterwegs brauen sich ein paar Kurven später allerdings dramatische Wolkenszenen zusammen. Die Straße führt zunächst bergauf bis zum Mirador de Cherfe, und wir bleiben somit erfreulicherweise stets oberhalb der Wolken, denn ohne Sicht würde einen hier spätestens bei Gegenverkehr schnell der Mut verlassen. Unbezahlbar dann der Blick vom Mirador aufs Wokenmeer bis hinüber nach La Gomera und La Palma, während die Sonne langsam in der Watte versinkt.  Das letzte Stück zurück nach Puerto de Santiago ist im Vergleich eher unspektakulär, aber zumindest gut ausgebaut, und bei Penny wartet schließlich auch unversehrt das Pferd mit den Regenbogenhaaren.
→ Routenplan von heute zum nachfahren

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Über Till@TiMaFe on Tour

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3 Antworten zu Best of Nordwest – über Icod durchs Tenogebirge nach Masca

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