Hoch hinaus – vom Meer durch die Schlucht von Masca

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Gibt auch schöne EckenDie morgige Abreise wirft ihre Schatten voraus – der Kühlschrank will nämlich geleert sein, und da gibt es eben auch schon mal hausgemachte Currywurst zum Frühstück. Zur Verdauung marschiere ich anschließend in Richtung Los Gigantes, denn trotz aller Skepsis muss man dem Ort schließlich mal eine Chance geben. Und so findet man durchaus auch mal putzige Ecken, verstecke Strände oder immer wieder einen imposanten Blick auf die „Giganten“. Der Hafen markiert schließlich mehr oder weniger auch das urbane Ende des Ortes, denn dahinter fällt die westlich verlaufende schroffe Steilküste unbarmherzig und nahezu senkrecht ins Meer.

img_7479_losgigantesIm Hafen buhlen allerlei Touranbieter um die Gunst der Gäste, wenngleich nicht alle Angebote wie zum Beispiel „Dolphin Watching“ von einer Art Partyboot empfehlenswert wirken. Verlockend ist allerdings der Boots-Transfer zum Playa de Masca, von wo aus man auf Schusters Rappen durch einen tiefen Barranco ins 650m höher gelegene Dorf aufsteigen kann (eifrige Leser erinnern sich an unseren Abstecher nach Masca vor 3 Tagen). 10 € kostet der Transfer übers Meer, Plätze gibt es zumindest heute auch für Kurzentschlossene. Ob Maria so einen Alleingang am Tag vor der Abreise auch gut heißt, oder sich gar noch als Pickup Taxi für den Rücktransfer zur Verfügung stellt könnte allerdings noch etwas Überzeugungsarbeit erfordern 🙂

Hinterm Horizont gehts weiterWie man links sieht ist das Projekt „Überzeugungsarbeit“ geglückt und der Rest der Familie begleitet mich am späten Mittag zumindest bis zum Playa. Dort warten bereits zahlreiche „Absteiger“ auf die ersehnte Mitfahrgelegenheit zurück, aber die Rushhour für den Aufstieg scheint definitiv vorbei, denn wenn man erst einmal den von einer dösenden Katze bewachten Eingang zur Schlucht passiert hat, wird es sehr schnell sehr ruhig im Tal!

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Die Tour zählt nicht umsonst zu den Kraxelklassikern auf Teneriffa. Das aus der Ferne so karge Gebirge ist aus der Nähe betrachtet überraschend grün und abwechslungsreich, und der Bilderbuchort Masca als Ziel sorgt für den nötigen Ansporn wenn die Kondition mal nicht mitspielt. Selbstverständlich kann man die Route auch abwärts gehen, aber ein Aufstieg scheint irgendwie angemessener, zumal man als erschöpfter Wanderer gerade bei ggf. stürmischer See gewiss lieber oben Masca als in einer Bucht im Nirgendwo landen möchte. Unterwegs laufe ich öfter einem netten Pärchen mit Berliner Dialekt über den Weg, die offensichtlich exakt mein Lauftempo haben, und irgendwann schließen wir uns einfach zu einem Lauftrio zusammen. Der Pfad hat zwar keine wirklich schwindelerregenden Passagen, aber halbwegs trittsicher sollte man schon sein, und Verpflegungsmöglichkeiten gibt es unterwegs auch keine. Ergo: Flip-Flops daheim lassen und lieber eine Stulle/Pulle mehr einpacken.

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Nach knapp 3 Stunden stehen wir am Fuße von El Catán, der markanten Felsnadel, die Masca so unverwechselbar macht. Einziger Wermutstropfen: Die gemütliche Bar Blanky Casa Fidel, in der wir neulich noch zu Gast warten, hat leider dicht. Und nicht nur die Bar, die ganze Ecke scheint wie ausgestorben, nur vom Kirchplatz aus wird eifrig das gesamte Tal beschallt. Dort finden wir unter dem riesigen Baum schließlich auch die verschollenen Einwohner Mascas in schicker Tracht versammelt, die just hier und heute eine Art Erntedankfest (oder Kirchweih?) zelebrieren. Eine bestens ausgerüstete Live Band gibt Folklore zum Besten und es wird eifrig getanzt und getrunken,  hier gibts ein kurzes Video zum mitschunkeln.

img_7593_summer_wineIch verabschiede mich nach einem Bierchen von meinen Wanderfreunden, und  Maria und Felix picken mich eine Stunde später am Dorfplatz auf.  Es ist schön zu sehen, dass sich Masca trotz aller Popularität ein derart authentisches Fest bewahrt hat und es nicht als kommerzieller Touristen-Event vermarktet wird. Und wie hat sich der Rest der Familie die Zeit unterdessen vertrieben? Mit einem Abstecher nach Playa San Juan wo es uns neulich schon gut gefallen hat: hier gibt es einen Snack, einen ausgiebigen Spielplatz-Stopp und sogar noch einen Stadtbummel mit Eis. Dann geht’s für den treuen „Hierro“ (unser Gefährt) mit neuer Kutscherin schon wieder in die Berge – vielleicht hat er mit den nächsten Mietern ein ruhigeres Dasein… Felix hilft tatkräftig mit vor Gegenverkehr zu warnen und so meistern die zwei den Aufstieg ohne Zwischenfälle (und ohne Reisebusse).
Abends gönnen wir uns zum Abschied noch den fruchtigen Vino Afrutado aus Icod des los Vinos, und am Tag drauf sind wir auch schon wieder zurück im herbstlichen Ruhrgebiet. Ja – mit Teneriffa war es nicht gerade Liebe auf den 1. Blick, aber was wir hier in den wenigen Tagen an Natur gesehen haben muss man einfach lieb haben. Es folgt wie gewohnt noch ein R’nR (Routenplaner + Resümee) und dann wird es langsam mal wieder Zeit für die nächste Reise 🙂 ¡Hasta pronto!

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Über Till@TiMaFe on Tour

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Eine Antwort zu Hoch hinaus – vom Meer durch die Schlucht von Masca

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