Ayutthaya oder: Man sieht sich immer zweimal

Till 2007 – weniger graue Haare, doch das Hemd sitzt & reist heute noch

Zeitsprung November 2007: die TiMas (damals noch ohne Fe) befinden sich auf ihrer ersten Südostasientour und machen Halt in der altehrwürdigen Königsstadt Ayutthaya. Viel Auslauf lässt der Guide „Schoko“ unserem kleinen Grüppchen nicht für Sightseeing, der Bus soll heute schließlich noch bis ins ferne Sukhothai rollen. Und so bleiben als Erinnerung nur ein paar Bildchen von Wat Phra Sri Sanphet und die Erkenntnis, dass wir beim nächsten Besuch vielleicht etwas mehr Zeit im Gepäck haben sollten. Trotz zahlreicher Abstecher ins Land des Lächelns sollte es dann doch stolze 10 Jahre bis zu unserem nächsten Besuch dauern. Dieses Mal auf eigene Faust ohne Schoko und Bus, dafür aber mit Nachwuchs und 3 Nächten Puffer – das sollte doch eigentlich genügen ?!? Wir werden sehen ….

2017: Die Sonne hat sich bereits verabschiedet, als wir Samstags Abends in Bangkok landen. Knapp 100km bzw. 90 Minuten sind es bis Ayutthaya. Zuhause würde man im Traum nicht auf die Idee kommen, diese Strecke mit der Taxe zu fahren, aber der Taxifahrer am Flughafen zück die Preisliste und ruft 1300 Baht (ca. 35€) ab. Das klingt nach einem fairen Deal für eine vollgepackte schlappe Familie, zumal es ohne Zwischenstopp in Bangkok um diese Zeit ohnehin keine bequeme billigere Alternative gäbe. Unsere überaus schnuckelige Bleibe Baan Thai House liegt im Osten der Stadt weit ab vom Trubel, sieht zumindest im Dunkeln alles sehr gemütlich und geschmackvoll aus. Ja, ich denke hier werden wir uns wohl fühlen!

Am Morgen bin ich kurz vor Sonnenaufgang auf den Beinen und schnappe mir eins der Räder, die es hier dankenswerterweise kostenlos zu leihen gibt. Ein richtiges Ziel habe ich eigentlich nicht, ich freue mich einfach wieder in asiatischen Gefilden zu sein. Ayutthaya gilt zwar als Top Touristenziel, aber wie wir damals vor 10 Jahren halten die meisten Gäste nur für eine Weilchen im historischen Park, machen noch ein schnelles Selfie vorm eingewachsenen Buddha im Wat Mahathat, und weiter geht die Reise. Abseits der Attraktionen ist die Stadt wie an diesem Morgen überraschend relaxt und voller typischer „Thai-Life“ Szenen: Ein Fischer zieht ein leeres Netz aus dem Fluss, um die Ecke döst ein Hund vorm Buddha, dort tuckert ein mobiler Food Stall vorbei, und am Dorfplatz schneidet der Coiffeur vom Dienst allen Frisierwilligen im Freien die Haare. Die letzten Wochen in der Heimat waren durchaus recht stressig, aber das ist jetzt alles schon weit weg und vergessen. Yoga und Wellness können anderen machen, ich habe meine Methode gefunden: Eine Stunde radeln durch Ost-Ayutthaya. Sollte man sich öfter gönnen wenn da nicht die langen Flüge wären 🙂


Mittags geht die Familie nach einem entspannten After-Breakfast-Swim im Hotelpool geschlossen auf Radtour, dank des gepolsterten Gepäckträgers brauchen wir für Felix nicht mal einen Kindersitz – hach, sie werden so schnell erwachsen! Nach der Querung des Bahnhofs müssen wir auch über den Pa Sak Fluss, der zumindest tagsüber permanent von einer kleinen Holzfähre bedient wird. Räder können für 5 Baht mitgenommen werden, und vom Anleger ist es dann auch nicht mehr weit bis zum immergrünen Historical Park, wo sich die meisten kulturellen Highlights befinden. Das Verkehrsaufkommen hält sich übrigens in Grenzen, man sollte sich eher vor Hunden und Touristen auf Rollern in Acht nehmen.

Als erstes nehmen wir Kurs auf Wat Maha That, die wohl bekannteste Anlage. Das liegt in diesem Fall weniger an den Bauten als an dem eingewachsenen Buddhakopf, der fast schon eine Art Wahrzeichen der Stadt ist und gewiss auch Millionen von Selfies ziert. Angeblich wurde der Kopf im 18. Jahrhundert dort verbuddelt, um ihn vor brandschatzenden burmesischen Truppen zu verbergen, und ist dann im Laufe der Jahre mit den Baumwurzeln wieder zu Tage gefördert worden – oder war es doch eine der anderen Theorien und Legenden? Hier tummeln sich dann auch die meisten Besucher, der Rest des Geländes gleicht einem Steinlabyrinth auf teils verfallenen, teils restaurierten Tempeln und  ist vergleichsweise ruhig, obwohl heute sogar Sonntag ist. Noch entspannter geht es am Wat Phra Ram Komplex ca. 10 Radminuten entfernt zu. Ein paar Mädels in knappen  und keinesfalls tempelkompatiblen Outfits posen vor dem Mauerwerk und knipsen wie wild, ansonsten sind wir fast die einzigen, die am Spätnachmittag die steilen Steintreppen erklimmen. Überall im „Altstadtbereich“ sieht man auch Elefanten die hier als eine Art Touristentaxi fungieren. Das gibt der Gegend zwar ein exotischen Flair, stößt aber inzwischen auch außerhalb von Tierschutzkreisen zunehmend auf Ablehnung. Unser Rat: Nehmt lieber das Rad – die Stadt ist überschaubar genug und vor allem flach!

Abends haben wir über das Baan Thai House eine Bootstour gebucht. Die Boote legen in der Nähe des Bahnhofs auf dem Chao Phraya Seitenarm Pa Sak ab und drehen quasi eine Runde um die Innenstadt-Insel, Endstation ist der Nachmarkt im Norden. Die Stops sind scheinbar unabhängig des Anbieters weitgehend identisch, zumindest begegnen uns unterwegs stets die gleichen Leute. Da wäre zunächst Wat Phanan Choeng mit seinem riesigen 19 Meter hohen goldenen Buddha ( für die Detailverliebten unter den Lesern: Kniespannweite 20,1 Meter), dicht gefolgt von weitläufigen Wat Phutthaisawan in dem es nicht nur liegende und sitzende Buddhas zu entdecken gibt. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Aufenthaltsdauer, die mit mit ca. 15 Minuten pro Tempel eher knapp bemessen ist.

Kurz bevor es dunkel wird gehen wir am Wat Chai Watthanaram vor Anker, wahrscheinlich weil die acht Chedi-ähnlichen Kapellen (wieder ein neues Adjektiv gelernt) im Licht der untergehenden Sonne besonders pittoresk aussehen, oder vielleicht auch nur weil es der letzte größere Tempelkomplex auf dem Wasserweg ist. Am Schluss dinieren wir wie es sich gehört mit 1a Streetfood vom Nachmarkt. Maria ist ja meist eher etwas skeptisch an solchen Ständen, zumal man mangels englischer Beschriftungen oft auch nicht so genau weiß, welche Zutaten der Standbesitzer da gerade im Schweiße seines Angesichts zusammenbrutzelt. Aber hier macht alles einen überaus ordentlichen Eindruck, es gibt (englisch angepriesen!) Saté Spieße, Pad Thai und eine Art Shrimp Omlette (?), und auch Stunden später meldet keiner unsere Mägen verdächtige Reaktionen. Das war also Teil 1 unseres Wiedersehens mit Ayutthaya, und obwohl wir schon ein stattliches Programm absolviert haben sind wir auf jeden Fall froh, dass wir noch 2 Nächte im Lande sind.

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Über Till@TiMaFe on Tour

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2 Antworten zu Ayutthaya oder: Man sieht sich immer zweimal

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