Ayutthaya bunt und gesund

Radelnde Eltern kennen das Dilemma: Irgendwann will der Nachwuchs einfach nicht mehr so recht in den altgedienten Kindersitz passen, aber der Selbstfahrer Aktionsradius reicht noch kaum über die Stadtgrenze hinaus -und stundenlang passiv im Hänger hocken ist auch keine Option. Doch ausgerechnet im fernen Thailand finden wir bei Recreational Ayutthaya Biking einen Ausweg: Den Weehoo, eine Art mitstrampelfähigen Anhänger, der den Hauptfahrer auch tatsächlich entlastet. So steht der Colors of Ayutthaya Tour nichts mehr im Wege: Ab ins Grüne!

Wir starten am Treffpunkt nördlich des Bahnhofs und reisen natürlich stilgerecht mit unseren Baan Thai Bikes an. Einmal in Fahrt merkt man der Weehoo samt Felix kaum noch, nur beim abbiegen oder rückwärts ausparken hat das Gespann einen Wendekreis wie ein Kleinlaster. Aber in der thailändischen Pampa gibt es ja zum Glück ausreichend Platz und in eben dieser befindet sich unser erster Stop in Form einer Grundschule! Wir hatten letztes Jahr in Kambodscha schon mal eine Schule bei Rulous besucht, aber hier scheint zunächst alles deutlich disziplinierter zuzugehen und die Kids machen fast keinen Mucks, als der Lehrer u. a. versucht uns die Thai Zahlen von 1 – 10 beizubringen. Das ändert sich schlagartig mit dem Beginn der Pause, als alle Schüler fast gleichzeitig auf Felix stürmen, der hier auf dem Lande mit seinen blonden Haaren natürlich ein Exot ist. Ich hatte erst etwas Angst, dass das alles etwas „too much“ ist, aber nach der ersten Schrecksekunde klappt das Miteinander eigentlich ziemlich gut, der schuleigene Spielplatz tut sein Übriges – wenn Integration doch immer so einfach wäre. Der Lehrer scheint ebenfalls mächtig stolz zu sein, dass sich die Langnasen für seine Schule interessiert, obwohl wir gewiss nicht die ersten ausländischen Besucher sind.

Weiter geht’s in gemächlichem Tempo auf überwiegend ruhigen Nebenstraßen vorbei an Reisfeldern und gelegentlichen Tempeln, bis wir bei einem Elefantencamp halten. Wie gestern schon erwähnt, stehen wir den Aktivitäten rund um die Dickhäuter aufgrund zahlreicher Berichte inzwischen eher skeptisch gegenüber. Hier sehen wir zwar niemanden herumreiten und die Tiere machen einen zufriedenen Eindruck, aber ich bin trotzdem froh, dass es sich nur um einen Zwischenstop ohne weitere Aktionen handelt. Unangefochtener Star der Stunde ist ein Baby Elefant mit gewaltigem Zucchini Hunger, der sich weitgehend frei bewegen kann und dies auch ausgiebig ausnutzt. Das Tier ist zwar kaum höher als Felix, aber mindestens genauso agil und weitaus schwerer – da sieht man auch coole Erwachsene ganz flugs weghüpfen!

Der weitere Streckenverlauf bringt uns von Norden aus wieder näher an Ayutthaya heran und es dauert nicht lange bis die ersten Stupas im Feld auftauchen. Die Sonne brutzelt jetzt doch ziemlich umbarmherzig, höchste Zeit für einen Lunchstop. Mit uns ist zwar nur noch eine französische Familie einem Kind im ähnlichen Alter am Start, aber wie nicht anders zu erwarten war, würde die üppige Mischung an Thai Gerichten auch für eine Großfamilie reichen. Fast unbemerkt haben wir eine Runde gedreht und sind etwas überraschend schon wieder in der Stadt. Weiter geht’s ins westliche Zentrum der Altstadt.

Wat Lokayasutharam nötigt förmlich zum Halten. Vom Wat haben wir zwar nicht viel gesehen, aber der Anblick des 37m langen liegenden Buddhas (Phra Buddhasaiyart) mit dem strahlenden safranfarbenen Tuch dürfe auch für alte Tempelhasen nicht alltäglich sein. Ich frage mich was es für ein Aufwand ist mit so einem gigantischen Textil zu hantieren bzw. es zu waschen, aber wo gutes Karma winkt findet sich gewiss auch immer ein Gönner. Unsere Tour führt uns vorbei am Fußende des Buddhas in Richtung Zentrum zum Wat Phra Si Sanphet mit seinen markanten 3 Chedis. Auf den war ich sehr gespannt, schließlich legten wir genau hier im Jahre 2007 unseren ersten und bis dato einzigen Stop in der Stadt ein. Leider plagen mich aber gerade ganz akute Sorgen, die keine Zeit für Sentimentalitäten lassen: Offenbar habe ich beim Lunch doch etwas zu beherzt zugegriffen und brauche jetzt vor allem einen flotten Weg zur nächsten Toilette – gelobt sei die Erfindung des Rades!

Nach dem ungeplanten Abstecher hat sich mein Magen zum Glück schnell wieder beruhigt und ich treffe den Rest der Truppe an einem der wenigen schattigen Plätzchen von Wat Phra Si Sanphet wieder. Viel verändert hat sich hier wahrlich nicht in der letzten Dekade, aber die ersten Bauten datieren schließlich auch zurück ins 15. Jahrhundert. Wir steigen wieder auf unsere Drahtesel und machen uns auf den Weg durch den Park zum letzten Etappenziel Wat Maha That. Ja – da waren wir zwar gestern bereits auf eigene Faust, aber da die Anlage recht abwechslungsreich und weitläufig ist kann man hier auch getrost zweimal aufschlagen. Selbst der eingewachsene Buddhakopf sieht heute irgendwie anders aus, gewiss ist es nur das Licht, aber die (wirklich) allerletzte Aufnahme wird dann auch tatsächlich mein persönlicher Favorit.

Der Hauptgang der Tour ist jetzt eigentlich vorbei, zum Nachtisch winkt aber noch eine besondere Herausforderung: Bekommen wir unsere ganzen Räder und vor allem das Weehoo Gespann ohne Ausfälle auf die klapprige 5 Baht Fähre? Ich bin zunächst skeptisch, aber unsere Recreational Biking Lady signalisiert „Can Do“ und obwohl die Fähre gerade am Nachmittag gut frequentiert ist, bekommen wir alles unter. Als Goodie darf Felix noch neben Frau Kapitän höchstpersönlich Platz nehmen und dabei helfen, den voll beladenden Kahn über den Pasak zu navigieren. Alles in allem war’s ein abwechslungsreicher und trotzdem entspannter Trip ins Umland, der leider auch schon wieder das Ende unsere ersten Reise Etappe einleitet. Bereits morgen wollen wir Thailand wieder verlassen, wohin werdet ihr dann schon sehen. Gute Nacht!
PS: Wer noch nicht müde aber zufällig gerade in der Gegend ist findet in der NoneNine Bike&Bar gegenüber des Bahnhofs preiswertes Futter und kaltes Bier, und wer dann noch Kraftreserven hat kann nach Einbruch der Dunkelheit zum Wat Phra Si Sanphet radeln, der neben ein paar anderen erlesenen Tempeln nachts angestrahlt wird!

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Über Till@TiMaFe on Tour

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