Zurück im goldenen Land – Bagos Buddhas und eine kurze Ewigkeit in Kin Pun

Dienstag morgens kurz nach neun: Wir haben die relaxte Oase Ayutthaya Ost gegen den wuseligen Don Muang Airport im Norden Bangkoks getauscht.  Bis zum Abflug nach Yangon sind es noch weit über 2 Stunden, doch die Frage „Was machen wir hier bloß so lange?“ beantwortet sich beim Betreten der Abflughalle von selbst: Warten! An allen Air Asia Schaltern haben sich stattliche Staus gebildet, gespeist werden sie von einer zentralen Riesenschlange, die sich träge durch den kompletten Bereich zieht. Wir stellen uns brav am Ende der Polonaise an, irgendwann ruft ein Spaßvogel verzückt „Hey – they checked somebody in!“, und da man bei Air Asia in der Regel online eincheckt wundern man sich tatsächlich was hier eigentlich solange braucht.

In Yangon immigrieren wir dafür überaus zügig, zumal wir unser Visum bereits im Pass haben. Draußen erwartet ein grinsender Herr im Longyi (Sarong) einen Mr. Till und stellt sich als Maung Maung Aung vor. Es ist zwar nicht der Kollege, mit dem ich die letzten Wochen rege über E-Mail und Facebook kommuniziert habe, aber er kennt unsere Pläne, spricht passables Englisch, hat ein verkehrstüchtigen Auto und besteht auch den ersten Sympathie Check. Der Leser mag sich an dieser Stelle fragen, warum wir soviel Aufhebens um einen Airport Transfer machen, aber Maumau (wir wir unseren fahrenden Freund schnell der Einfachheit halber getauft haben) soll uns nicht etwa ins nächste Yangoner Hotel bringen, sondern uns mit seinem fahrbaren Untersatz eine Woche bis Htee Khee begleiten – ein abgelegener knapp 800km entfernter Grenzübergang im tiefen und touristisch noch recht unberührten Süden Myanmars. Und diesen Trip würde vermutlich nicht jedes herangewunkene Taxi einfach so mitmachen…

Wir verlassen schnell die letzten Ausläufer Yangons und die damit verbundenen Blechlawinen in Richtung Bago. Erster Halt ist Htauk Kyant, ein Soldatenfriedhof auf dem überwiegend alliierte Gefallen des 2. Weltkriegs ihre letzte Ruhe gefunden haben. Laut Loose bringt es zwar großes Unglück einen Friedhof gleich zu Anfang der Reise zu besuchen, aber laut Maumau ist das zumindest für uns Nichtbuddhisten Humbug, zumal unsere Reise ja streng genommen auch schon vor 3 Tagen in Bangkok begonnen hat. Der Anblick der unzähligen Grabsteine stimmt natürlich nachdenklich, vor allem wenn einem anhand der Inschriften bewusst wird, wie jung die meisten Gefallenen waren (wenn sie denn überhaupt namentlich bekannt waren). Aber das gepflegte Grün sorgt für eine parkähnliche und überaus friedliche Atmosphäre, die neben den ausländischen auch viele einheimische Besucher anzuziehen scheint, was ja irgendwie auch wieder im Sinne einer „Gedenkstätte“ ist.

Nach einer schnellen Mahlzeit und dem ersten Myanmar Bier seit 2 Jahren halten wir an der Kyaik Pun Pagode vor den Toren Bagos. Die vier offensichtlich frisch getünchten sitzenden Buddhas decken alle Himmelsrichtungen ab und leuchten fast schon surreal in der späten Mittagssonne. Vor allem sind sie weitaus größer als ich es von Bildern erwarte habe, und ich muss erstmal das Objektiv wechseln, damit alles im Rahmen bleibt. Felix muss derweil erstmal wieder die goldene Myanmar Regel lernen, dass Outdoor Tempel ohne Schuhwerk mächtig heiß werden können, wenn man beim Schattenhüpfen schludert. Als nächstes schauen wir beim liegenden Shwethalyaung Buddha vorbei, dessen kleiner Finger alleine 3 Meter misst (weitere spannende Fakten hier). Hier lohnt auch ein Blick hinter den Buddha – alleine für die Lektüre aller Mosaike würde gewiss ein Nachmittag drauf gehen.  Persönliches Tages-Highlight ist jedoch die Shwemawdaw Pagode, die optisch an die Schwedagon Pagode in Yangon erinnert, wobei es hier wesentlich ruhiger zu geht. Ein Blick in die entlegeneren Winkel deckt die gesamte Myanmar Skala von sympathisch bis kurios ab, wie zum Beispiel urige Wahrsagerhäuschen, freundlich grinsende Melonenverkäuferinnen oder winkende Goldeulen. Obwohl laut Guide in und um Bago noch zahlreiche spannende Sehenswürdigkeiten auf Gäste warten, müssen wir leider nach diesem Trio weiter ziehen, um bei Einbruch der Dunkelheit in Kinpun zu sein. Bago als klassisches Zwischenstopziel erscheint uns mit Blick auf die typische Myanmar Top Ten eher unterbewertet und hätte durchaus eine Übernachtung verdient.

Hinter Bago wird es dann sehr schnell sehr ländlich, und man sieht allenfalls mal hier und da eine kleine Pagode in der Botanik hervor blitzen. Als wir einen See passieren und ich gerade etwas eingedöst bin, malt die untergehende Sonne gerade ein paar besonders kitschige Farben in den myanmarischen Abendhimmel, und wie bestellt tuckert auch noch ein einsames Holzboot gen Osten (da man Touristen hier vergebens sucht werte ich das mal einfach als Glück). Der nächste ungeplante Stop ist dann leider weitaus weniger idyllisch, denn obwohl Maumau recht zivil fährt und auch die Straßen als passabel durchgehen, wird Felix plötzlich schlecht. Es bleibt zum Glück ein Einzelfall, den wir zu gleichen Teilen dem Lutscher aus purem Zucker sowie dem Lesen von kleingedruckten Playmobil Zeitschriften bei voller Fahrt zuschreiben.

Als wir im Eternity Resort hinter Kin Pun einrollen ist es bereits dunkel, daher entstand das Bild nebenan am nächsten Morgen vor dem Frühstück. Gebucht hatten wir bereits vorab, da die Ecke nicht umsonst den Spitznamen „Golden Rock Basecamp“ trägt und manche Unterkünfte schon Monate vorab ausgebucht sind. Das Personal scheint überaus bemüht dem Gast jedem Wunsch zu erfüllen, auch wenn dieser eigentlich wunschlos glücklich ist. Als ich mich kurz im angeschlossenen Lokal umsehen will, werde ich sofort umringt und bestelle aus Verlegenheit ein Bier, für das auch gleich 2 Bedienstete loseilen. Felix Magen hat sich zum Glück wieder beruhigt, und alle erfreuen sich am guten Essen. Auch an den recht modernen Zimmern gibt’s für den moderaten Preis nix zu meckern, einziger Kritikpunkt wären die superweichen Matratzen, bei denen mir mal richtig bewusst wird, warum so viele Leute keine weichen Matratzen mögen. Aber die Nacht wird ohnehin kurz, denn morgen wollen wir zeitig zum Golden Rock aufbrechen! Nach den unterschiedlichen Berichten steigt die Spannung wie abenteuerlich dieser Trip wohl werden wird.

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Über Till@TiMaFe on Tour

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