Sitzende Buddhas, Inseln zum Haare waschen und ein Geheimtipp mit Aussicht – nachmittags in Mawlamyine

Nach dem schweißtreibenden Radtrip durch Mawlamyine  Downtown am Morgen ist erstmal eine ausgiebige Dusche fällig. Viel Zeit zum trocknen und ausruhen bleibt nicht, denn Maumau steht entgegen aller Südostasien Klischees mal wieder extrem pünktlich auf der Matte. Die Fahrt geht gen Süden, wir lassen uns überraschen wohin, aber den Ankündigungen entnehme ich, dass Buddha in irgendeiner Form involviert ist. An der auf den ersten Blick eher unscheinbaren Kyaikmaya Pagode kommen wir schließlich zum Stehen. Im Außenbereich gibt es einen großen goldenen Stupa, ein von Schildkröten (über-)bevölkertes Becken sowie eine etwas mitgenommene Weltkugel mit einer Statue zu entdecken, die ein wenig an Fritz Wepper erinnert (genau: der Harry mit dem Wagen).  An den Wänden dominieren Mosaike aus kleinen Spiegeln und in der Tat gibt es zahlreiche Buddhafiguren in diversen Posen. Aber erst auf den 2. Blick erkennen wir im Zentrum die Besonderheit, auf die uns Maumau auf der Fahrt aufmerksam machen wollte: Der Buddha sitzt! Also nicht wie üblich im Lotussitz, sondern mit herunterhängenden Beinen, so wie wir Europäer das für gewöhnlich tun (hier gibt es noch nähere Erläuterungen zu Buddhas Sitzgewohnheiten). Ob das wirklich einzigartig ist sei mal dahin gestellt, aber uns fällt spontan zumindest kein zweites Exemplar ein.  Insgesamt also  ein durchaus interessanter Tempel, zumindest für alle die die „Klassiker“ in der Region schon durch haben.

Zeit für Lunch, Zeit mein frisch erradeltes Wissen vom Vormittag zum Besten zu geben. An der Strand Road wars am schönsten, da sollte es doch sicher auch was leckeres zu Essen geben. Wir landen schließlich im gut gefüllten Bone Gyi, dessen zweites Standbein der Verkauf von edlem Fusel zu sein scheint – selten sieht man in dieser Ecke Myanmars derart üppig gefüllte Flaschenregale in normalen Restaurants.  Auch die feste Nahrung schmeckt gut, kann man also hingehen . Anschließend fahren wir zum Ufer östlich der Mawlamyaing Brücke. Hier legen die Boote nach Gaungse Kyun ab und wir ergattern noch ein paar der letzten Plätze. Wer den Namen noch nie gehört hat braucht sich übrigens nicht zu schämen, da das Inselchen meist „Shampoo Island“ genannt wir, weil hier das heilige Quellwasser für die jährlichen königlichen Haarwaschzeromien entsprungen ist. Heutzutage werden die Häupter hier eher selten gewaschen, da die königlichen Zeremonien längst passé sind und die Insel nur noch von Mönchen bewohnt ist, die sich ja bekanntlich bei Einzug ins Kloster ihrer Haarpracht entledigen. Shampoo Island ist üppig begrünt aber strandlos und nicht wirklich groß, in einer Stunde hat man locker jede Ecke dieses Mikrokosmos inklusive des Klosters erkundet. Lohnt sich unserer Meinung nach trotzdem! Profi-Tipp: nicht das edelste Schuhwerk mitnehmen, denn die zieht man direkt am Anleger aus (offenbar gilt die gesamte Insel als Tempelgelände) und die heimischen Hunde schienen teilweise recht erpicht auf neues Spielzeug… Unsere gut abgehangenen Flip Flops wurden aber glücklicherweise verschmäht!

Unser Loose Myanmar Reiseführer ist schon etwas betagt und war bereits gebraucht, als wir ihn beim ersten Myanmartrip 2015  an Bord hatten. Im Kapitel Mawlamyaing findet sich ein Exkurs mit dem verlockenden Titel „Sonnenuntergang mit Panoramablick“. An der Kyaik Fin Gu Pagode auf der anderen Seite der Brücke bei Mottama soll man angeblich spektakuläre Ausblicke auf die zahlreichen Flussarme in der Umgebung haben, und das auch noch in weitgehender Einsamkeit! Wir sind zugegebenermaßen etwas skeptisch: Da sich Myanmar in den letzten Jahren so rasant entwickelt hat, dürfte die Einsamkeit in populären Ecken sicher ähnlich wie in in Bagan längst Geschichte sein. Wir fahren trotzdem rüber, zumal Maumau den Tempel offensichtlich noch nicht kennt – und das will ja was heißen! Die beiden Abzweige nach der Brücke ohne sichtbare Beschilderung sind schon mal nicht auf Massentourismus ausgelegt, auch die Straße die sich auf den Berg windet gleicht eher einem Feldweg.

Kurz vor dem Kloster ist dann Endstation für Automobile, und die Loose Textbox hat wahrhaft nicht übertrieben: Die nahezu 360° Aussicht auf die Mawlamyaing Brücke, den Thanlwin River und das Delta im Südwesten ist wirklich phantastisch, und dabei steht die Sonne noch relativ hoch.  Selbst der ansonsten recht coole Maumau ist sichtlich beeindruckt von diesem Ort und rennt begeistert durch die Büsche, um ein paar Smartphone Fotos zu schießen. Wir freuen uns diebisch, dass wir diesem alten Hasen offenbar doch noch eine neue spektakuläre Ecke zeigen konnten, und hoffen seine nächsten Gäste kommen auch in diesen Genuss. Und selbst als sich die Sonne irgendwo über dem Flussdelta verabschiedet, sind wir abgesehen von den Mönchen im anliegenden Kloster die einzigen Gäste. Kino Grande!

Advertisements

Über Till@TiMaFe on Tour

https://timafe.wordpress.com/about/
Dieser Beitrag wurde unter Mawlamyine, Myanmar abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Sitzende Buddhas, Inseln zum Haare waschen und ein Geheimtipp mit Aussicht – nachmittags in Mawlamyine

  1. Pingback: Unterwegs mit den Öffentlichen – über den Hellfire Pass zur Brücke am Kwai | TiMaFe on Tour

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s