Unterwegs mit den Öffentlichen – über den Hellfire Pass zur Brücke am Kwai

Nach zahlreichen Südostasientrips gibt es doch immer noch ein Transportmittel, das uns ernsthaft Respekt abverlangt:  Der lokale Bus, und wie man den Richtigen findet! Der Herr des (P.Y.) Hauses hat es sich jedoch offenbar zur Lebensaufgabe gemacht, seinen Gästen die Vorzüge des hiesigen Nahverkehrs nahe zu bringen, anstatt einfach nur Tourpakete von der Stange zu vermitteln. Und so arbeitet er für uns einen detaillierten Logistikplan für den heutigen Tag aus, kutschiert uns nach einem ausgezeichneten Frühstück serviert im reich dekorierten Garten in seinem Van zum Busbahnhof, assistiert bei Kauf der Tickets, und passt natürlich noch auf, dass seine Gäste auch im richtigen Gefährt (hier N. 8203) Platz nehmen. Vorbildlich!

Unsere erste Station ist das Hellfire Memorial Museum am gleichnamigen Pass an der Road 323. Kurze geschichtliche Einordnung: Im Jahre 1942 erobern japanische Truppen das damalige Burma und suchen nach einer günstigen Nachschubroute, die ihnen den weiten Weg um die malaiische Halbinsel  erspart. Das daraus resultieren Eisenbahn-Mammutprojekt zwischen dem thailändische Schienennetz bei Bang Pong mit dem burmesischen bei  Thanbyuzayat südlich von Mawlamyine  sollte bis 1943 Tausende von Kriegsgefangen und Zivilisten das Leben kosten – nicht umsonst ist der heute noch existierende Teilstück in erster Linie unter dem Namen Death Railway bekannt. Wir hatten zwar kurz überlegt, ob Felix mit knapp fünf nicht vielleicht noch zu jung für das Museum ist, andererseits haben wir nur Gutes darüber gelesen und haben es im Anschluss auch nicht bereut. Man kann es wirklich nur empfehlen, denn man hat die unrühmliche Geschichte dieses Ortes wirklich anschaulich und doch sachlich ohne unnötiges Schockieren aufbereitet (was bei den Fakten auch wahrlich nicht nötig ist). Eintritt ist frei, Spende erwünscht!

Dem Museum  angeschlossen ist ein Wanderweg oberhalb des Kwae Noi Valley, der auch durch den Einschnitt Konyu Cutting führt. Es ist heute nur schwer vorstellbar, wie man bei bei tropischen Temperaturen Tag und Nacht mit primitivem Gerät eine derartig tiefe Schneise in den Fels schlagen konnte. “Like a scene out of Dante’s inferno …“ heißt es in einem Augenzeugenbericht, und so hatte die Death Railway nun auch einen Hellfire Pass.  Heute erinnern nur noch Tafeln am Wegesrand an die düstere Zeit, und die Umgebung ist zumindest bei wenig Andrang überaus friedlich – an manchen Stellen kann man über das Tal hinweg bis zu den Bergen Myanmars hinüber schauen.

Dank unseren Local Bus Notizen erwischen wir pünktlich den Bus zurück in Richtung Kanchanaburi und steigen ca, 35 km später am Sai Yok Noi Wasserfall wieder aus. Hier kann man eine alte Lok bewundern, ausgedehnt in schöner Natur herumspazieren, und preiswert essen. Ach ja, den Wasserfall selbst gibt es natürlich auch noch, allerdings haben wir ihn erst ganz am Ende entdeckt, da er quasi fast an der Straße auf Höhe des Eingangs liegt – manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht. Der P.Y. Plan sieht nun vor, dass wir von hier aus ein Songthaew zum Bahnhof vom Nam Tok nehmen, wo wir ein Bahnticket zurück nach Kanchanaburi erwerben können, was tatsächlich auch beides genauso und ohne offensichtliche Abzocke hinhaut – wir sind mächtig stolz!

In Nam Tok trifft man dann mal wieder zahlreiche andere Touristen, die natürlich alle nicht nur von A nach B reisen sondern, vor allem die berühmte Strecke zum Vergnügen erfahren wollen. Komfort braucht man nicht zu erwarten, hier gibt es im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Holzklasse, dafür sind einzelne Streckenabschnitte in der Tat spektakulär. Eine Auswahl: Viadukt bei Wang Po, Reisfelder in Fahrtrichtung links im letzten Viertel, winkenden Kinder überall und natürlich die Überquerung des River Kwai (wobei sich Fotofreaks für dieses Motiv doch lieber außerhalb des Zuges positionieren sollten) !  Vom Zielbahnhof handeln wir noch einen soliden Preis für das Songthaew ins Guesthouse aus, und so endet ein Reisebudget schonender Tag mit reichlich Verkehrsträgermix.

Abends steht noch eine besondere Mission an: Auf dem Trip durch Myanmar habe ich aus einer Laune heraus aufs Rasieren verzichtet, was nur unter der Zusage toleriert wurde, dass das schratige Bartgewächs nach Überquerung der Thai-Grenze  wieder ab kommt. Wenn schon, dann aber bitte mit Stil: Schon gestern Abend ist uns in „unserem Viertel“ das urig-hippe Koi Soi Nae in aufgefallen, die Message „Bart muss ab“ kommt trotz Sprachbarrieren erfolgreich rüber, und der Meister zieht für ein paar Baht wirklich alle Register. Wer auf der Facebook Seite des Ladens vorbeischaut findet dort mit Glück ggf. immer noch das Bild des Abends vor – als westlicher Besucher hinterlässt man hier offenbar einen bleibenden Eindruck!

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2 Kommentare zu „Unterwegs mit den Öffentlichen – über den Hellfire Pass zur Brücke am Kwai“

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