Sand in Sicht – Radtrip nach Sinma

Findige Touranbieter würden Sinma wahrscheinlich als „ursprüngliches Fischerdorf am bengalischen Golf“ vermarkten. Man denkt dann unweigerlich an malerische kleine Gassen, die zum bummeln einladen, oder an urige Tavernen, in denen es nach frisch gegrilltem Meeresgetier duftet. Gleich vorab: In Sinma gibt’s das alles nicht, der Ort ist weder besonders aufregend noch hübsch, und es duftet allenfalls nach Fisch der in der Sonne trocknet. Aber wenn man mit dem Rad etwas Strecke machen will braucht man schließlich ein Ziel, und südlich von Ngwe Saung gibts davon nicht all zu viele. Sinma ist mit einer Entfernung von 20km perfekt und es wäre doch gelacht, wenn es unterwegs nicht auch einiges zu sehen und erleben gäbe.

Vorbereitung: Leiht euch ein ordentliches Mountainbike, unter anderem für 5000 Kyat beim sympathischen SoeKoKo Guesthouse, wo man übrigens auch super preiswert essen und nächtigen kann. Es gibt zwar nur einen kleinen Berg, aber es wird auf jeden Fall sandig und je breiter der Reifen ist desto weniger wird später geflucht. Und checkt die lokalen Gezeiten z. B. bei wisuki (kein Witz, aber dazu später mehr). Die Maps.me App ist abermals Gold wert – die kennt sogar die Wege am Strand die eigentlich gar keine sind!

Die Straße südlich von Ngwe Saung ist zunächst bestens ausgebaut, kurz hinter Lover’s Island bietet sich links ein Abstecher zu einem Tempel/Viewpoint an. Das Elephant Conservation Camp in der Nähe  lassen wir mal buchstäblich links liegen, weil dort auch Elefantenreiten im Angebot ist, was zu Recht verpönt ist. Der Weg führt jetzt nach einer Kurve relativ nah am Strand entlang, die Nobelherbergen werden seltener, und mit ihnen endet auch die befestigte Straße. Hier ist bei Ebbe eine gute Chance auf den Strand zu wechseln, wie das auch die lokalen Mopedfahrer tun. Es mag bekloppt klingen, aber der Strand ist oft weniger sandig als die Piste 🙂 Folgt den „Mopedspuren im Sand“ (wäre auch ein super Schlagertitel), weil dort der Untergrund in der Regel am besten verdichtet ist. Das Fahren erinnerte mich ein wenig an die Zeit, als ich noch 2,5 mal im Monat im Fitnessstudio war und ein Widerstand am Fahrradtrainer dafür gesorgt hat, dass es anstrengender wird. Die Sache macht aber durchaus Spaß, wenn man den Bogen erst einmal raus hat, vom Meer eine Brise weht, und man den endlosen und fast völlig einsamen Strand entlang flitzt.

Einen kleinen Fluss muss man auf der Beach- Route überqueren, hier sollte aber ein Holzboot  auf Kundschaft warten (für Fachmänner: Typ Seilfähre). Irgendwann ist dann an einem Kap Endstation, die Mopedspuren fräsen sich durch den lockeren Sand ins Landesinnere, und man schiebt am besten in die gleiche Richtung hinterher und fährt dann im Inland weiter, wo es zunächst einen kleinen Aufstieg zu bewältigen gilt. Wenn einem diese Art der Routenführung zu suspekt ist, oder falls gerade Flut ist, kann man natürlich über die ganze Strecke hinweg der Piste im Inland folgen. Die extrem sandigen bzw. holprigen Passagen nerven etwas, aber insgesamt ist man hier mit einem Mountainbike wesentlich besser als mit einem schlecht bereiften Roller unterwegs.

Früher oder später trifft man dann auf eine große Holzbrücke mit rot-weißem Geländer über einem türkisen Fluss, der hier ins Meer mündet. Dahinter zweigt links ein Fußweg hoch zu einer goldenen Stupa ab, von wo aus man einen guten Blick ins Hinterland hat. Mein absoluter Favorit ist aber der Pfad direkt hinter der Brücke rechts: Nach dem Aufstieg und ein paar Kurven findet man natürlich auch hier einen Tempel vor, wie sich das in Myanmar für alle markanten Erhebungen gehört. Die Aussicht von hier oben ist wirklich der Hammer: Im Norden erstreckt sich der endlose unbebaute Palmenstrand, voraus erhebt sich eine kleine Insel aus dem Meer, und im Süden kann man bereits die Fischerboote von Sinma erspähen, die mittags im Meer dümpeln. Alleine hierfür und natürlich für den Kalorienverbrauch hat sich die Fahrt gelohnt!

Wie eingangs erwähnt hat der Ort selbst wenig Spektakuläres zu bieten, aber ein kühles Bier findet man natürlich auch hier. Je nach Tageszeit kann man ggf. auch den Fischern bei der Arbeit zuschauen, ich war mittags gegen 2 dort und da werden natürlich wie überall im Lande wegen der Hitze sämtliche Aktivitäten auf ein Minimum reduziert. Wer flexibel und abenteuerlustig ist: Bei Sinma ist die Welt noch Lange nicht zu Ende, die sandige Piste führt laut Kartenmaterial  noch ca. 30 Kilometer weiter runter bis Gaw Yan Gyi , was gerade als neue Strandlokation gehypt wird, hier sollte man auf jeden Fall auch Übernachtungsmöglichkeiten vorfinden. Ich muss an diesem Tag aber wieder heim und nutze auf dem Rückweg eine etwas abgewandelte Strand/Inland Kombination.

Wenn es bei Rückkehr in Ngwe Saung bereits dämmert, bietet sich noch ein Halt bei den Twin Pagodas oberhalb von Lover’s Island an. Oder man macht im hippen Ume Cafe Station, wo man sich  mit leckerem Essen und einem Drink aus der Hausbar belohnen kann, und sich vielleicht sogar noch die Feuershow  um 19:30 zu Gemüte führt!

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