Archiv der Kategorie: Dawei

Grenzerfahrungen – über Htee Khee nach Kanchanaburi

Nachdem wir  bereits erfolgreich über Land (oder besser gesagt über Wasser)  von Thailand nach Laos sowie über Vietnam nach Kambodscha eingereist sind, wären wir bereit für das nächste Level in der Kategorie „exotische Grenzübergänge Südostasiens“: Htee Khee / Phu Nam Ron! Nie gehört? Kein Grund peinlich berührt zu sein, nicht mal Google Maps scheint den kleinen Grenzort im Tenasserim Gebirge zu kennen, der auch erst seit wenigen Jahren für Touristen geöffnet ist. Obwohl das letzte und längste Stück der Piste von Dawei noch nicht asphaltiert und entsprechend rumpelig ist, soll man angeblich auf Thai Seite unkompliziert und schnell nach Kanchanaburi gelangen, was nicht ganz zufällig unser nächstes Etappenziel ist.

Damit man die Reise am Morgen möglichst früh antreten kann, sollte man sich davor zumindest eine Nacht in Dawei gönnen. Wir finden recht spontan noch ein Zimmerchen im Shwe Moung Than Hotel, die Zimmer sind OK wenn auch nicht umwerfend, aber die Dachterasse ist wirklich ein großartiger Ort zum Abhängen, egal ob die Sonne nun gerade auf oder unter geht. Am nächsten Morgen holt uns MauMau gegen 8 ab, und obwohl er sicherlich schon die meisten touristisch halbwegs erschlossenen Ecken (und noch ein paar mehr) gesehen hat, wird auch er die Route nach Htee Khee heute zum ersten Mal passieren. Anfangs kommen wir auch durchaus zügig voran, zumal wir auf Anraten von MauMau im Hotel 4 Kopien von Pass und Visum haben anfertigen lassen, was die Abfertigungszeit an den Checkpoints offenbar erheblich beschleunigt. Im letzten größerem Ort – laut Karte müsste es Myitta sein – ist dann aber nach einem unauffälligen Abzweig für „normale“ PKWs erstmal Schluss mit lustig. Die Pickups die uns ab und an überholen haben es dank besserer Bodenfreiheit etwas leichter, dafür wirken die Mitfahrer auf der offenen Ladefläche reichlich verstaubt. Die Landschaft ist übrigens durchaus abwechslungsreich und schön, man sollte es eben nur nicht eilig haben.

Viele Etablissements gibt es auf der Strecke nicht, auf der letzten Etappe lädt allenfalls das Shwe Restaurant noch mal dazu ein, die letzten Kyats in ein burmesisches Mahl oder diverse Fuselei zu investieren. Die Straße wird übrigens zum Ende hin wieder besser, und am Rande lässt schweres Gerät erahnen, dass hier wahrscheinlich irgendwann mal eine deutlich breitere Handelsroute entstehen soll, falls die Gelder an den richtigen Stellen fließen. Noch ist Htee Khee aber ein eher verschlafener wenn auch nicht gerade charmanter Grenzort, und im Immigration Office sind wir zu dieser Stunde die einzigen Gäste. Man ist freundlich und nimmt sich Zeit, wir sind hier schließlich auf dem Land, aber vor bösen Überraschungen à la „mit den Visumsstempeln aus Yangon können Sie hier aber nicht ausreisen“ bleiben wir dankenswerterweise verschont. MauMau darf uns begleiten, sein Toyota ebenso, was wir ob der Mittagshitze sehr zu schätzen wissen, da man bis zur Thai Grenze noch einige Kilometer im Niemandsland zurücklegen muss, und uns niemand aufgefallen ist, der spontan seine Fahrdienste angeboten hätte. Immerhin gibt es noch eine Tanke mit einem „Duty Free Shop“, der zwar nicht mit Bangkok Airport konkurrieren kann, aber dafür spottbillig ist, und wir ja auch keine Ahnung haben, was uns „drüben“ erwartet.

Als dann der thailändische Grenzposten auftaucht, müssen wir uns dann leider wirklich von MauMau trennen, der nach Myanmar zurück muss und uns auf dem weiten Weg von Yangon bis hierher nie enttäuscht hat. An der Thai Immigration herrscht etwas mehr Andrang und der Papierkram zieht sich auch hin, aber wir haben Glück und erwischen gegen 14:00 noch eine Dame mit Minibus, die uns sowie ein paar andere Mitreisende bis zum Busbahnhof nach Kanchanaburi bringt. Später wäre evtl. noch ein normaler Bus gekommen, aber so richtig frequentiert scheint die Route noch nicht zu sein. Wie eingangs erwähnt sollte man also lieber etwas früher in Dawei aufbrechen, da sich die Fahrt zur Grenze je nach Zustand von Straße, Gefährt und Fahrer durchaus mal 5 Stunden hinziehen kann (ohne Abfertigung). Auch eine Reifenpanne im staubigen Nirgendwo ist sicher kein besonderer Spaß, glücklicherweise blieben wir davon verschont! Marias besonderer Dank gilt Mario & Annett mit ihrer detaillierten Foto-Dokumentation, ohne die wäre diese Route wohl nicht ins Familienreiseprogramm aufgenommen worden!

Nach den letzen Tagen im verschlafenen Süden Myanmars wirkt der Westen Thailands plötzlich wie eine andere Welt. Nun ist Kanchanaburi auch kein unbekannter Ort auf der touristischen Landkarte, und entsprechend trubelig kann es hier zu gehen. Wir haben uns bereits vorab für drei Nächte im P.Y. Guesthouse einquartiert und können es nur jedem empfehlen, der dem Trubel eher aus dem Weg gehen will, aber trotzdem nicht völlig ab vom Schuss wohnen möchte. Das kleine putzige Guesthouse liegt in einer Seitengasse in der Nähe des Mae Klongs, am Fluss kann man nett auf schwimmenden Restaurants essen und es gibt einen völlig untouristischen Nachtmarkt sowie diverse Einkaufsmöglichkeiten. Eigentlich müsste man nach einem solchen Tag früh im Bett verschwinden, aber im P.Y. Garten sitzen heute noch zwei andere Pärchen und es kommt wie es kommen muss – mit steigender Frequenz holt irgendeiner immer wieder Nachschub für die ganze Bande, die Gespräche werden lauter (und für Außenstehende gewiss auch alberner), aber glücklicherweise sind die auch reichhaltigen Biervorräte im P.Y. Schrank (Modell „rausnehmen und Strich machen“) irgendwann restlos aufgebraucht!

 

Advertisements

Jäger des verborgenen Strandes – auf Rollertour zwischen Maungmagan und Pa Nyit

Der Maungmagan Beach ist zwar reich an Lokalen, aber die Gefahr dort Abends zu versacken ist tendenziell eher gering, und so fällt es einem auch nicht weiter schwer, vor Sonnenaufgang wieder auf den Beinen zu sein. Die Sonne geht bekanntlich im Osten und somit über den bewaldeten Bergen auf, die den Strandbereich vom „Daweier“ Hinterland trennen. Während die Sonne den Morgennebel wegbrutzelt, befinden sich die Maungmaganer entweder noch draußen auf Fischfang (die Boote von gestern scheinen noch fast alle auf Achse zu sein), oder fegen eifrig den Sand vor ihren Restaurants. Maungmagan wird zwar gerne als vermüllt kritisiert – und es gibt in der Tat einige vereinzelte unschöne Plastikberge – aber der Weg vor der „Restaurantmeile“ ist zumindest zu dieser frühen Stunde picobello in Schuss. Zurück an der Basis ist der Rest der Familie inzwischen auch wach und es gibt ein nettes Open-Air-Frühstück mit Meerblick!

Ich hatte die Lady vom Long Beach gestern Abend gefragt, ob sie uns für heute einen Roller organisieren kann, und pünktlich zur vereinbarten Zeit steht tatsächlich ein freundlicher Herr vom hiesigen Verleih mit einen Gefährt auf der Matte. Der Reisepass bleibt als Pfand da, was man aber auch aus anderen Ländern kennt, dafür gibt es für gut 10$ ein vollgetanktes und optisch einwandfreies Vehikel mit richtigem Vertrag, Helmen und einer leicht improvisierten Karte.  MauMau hat demzufolge heute Mittag frei, zumal die Strecken zu den meisten Stränden in dieser Ecke mit gewöhnlichen PKWs ohnehin kaum zu befahren sind. Und wir brauchen seinen Toyota schließlich noch für den steinigen Weg zur thailändischen Grenze! 🙂

 

Unsere Tour führt uns zunächst zum winzigen Kan Pa Ni Village  (Schreibweisen können wie üblich variieren) im Landesinneren südlich von Maungmagan auf einer zunächst recht komfortablen Straße, die von dort weiter zum San Maria Beach führt und zunehmend holpriger wird. Der Strand ist riesig und ganz OK, aber es gibt zu wenig Vegetation um echtes Tropenfeeling aufkommen zu lassen. Also lieber mit Schwung um den Berg herum, wo man am Fuße der Myaw Yit Pagoda landet, der man auf jeden Fall einen Besuch abstatten sollte! Die liegt nämlich pittoresk auf einer kleinen vorgelagerten Insel über eine schmale Brücke mit dem Festland verbunden, hier ist dann auch Endstation für den Roller und Zeit für eine Snack-Pause.

Da die Straße an der Pagode endet muss man zunächst den gleichen Weg nach Kan Pa Ni zurück, biegt dann aber hinter dem „Island Travel & Tours“ Shop nach rechts auf eine nicht asphaltierte Straße ab – Schilder sind hier leider Mangelware, lateinische Buchstaben sowieso. Der Weg wird nun zunehmend abenteuerlicher und vor allem bei den Aufstiegen weiß man es schnell zu schätzen, wenn der Roller ausreichend Reserven unter der Haube hat. Es geht auf und ab über diverse Kurven, aber verfahren kann man sich eigentlich nicht wirklich, und zumindest in der Trockenzeit ist der Weg trotz Schlaglöchern gut zu befahren, wenn auch vielleicht nix für die allerersten Roller-Fahrstunden. Irgendwann taucht  in der Ferne die Andamanensee wieder auf, es folgt ein Minidorf (spätestens hier oder besser noch vorher sollte man sich mit Getränken eindecken!) in dem man sich rechts hält und dann ist er da: Der Pa Nyit Beach – touristisch völlig unerschlossen, traumhaft schön und fast menschenleer. Etwaige Schmerzen im Hintern ob der holprigen Anfahrt sind rasch vergessen! Weiter südlich soll es auf der Dawei Halbinsel angeblich noch zig weitere solcher einsamen „Strandschätze“ geben, die man nur mit Roller und einer tüchtigen Portion Enthusiasmus erreichen kann, Interessierte finden hier oder hier weitere Inspirationen. Wir sind erstmal mit unserm Pa Nyit hochzufrieden und schlagen ein behelfsmäßiges Quartier auf.

Lässt man den Abzweig zum Strand links liegen gelangt man geradeaus am Nordende über die Sandpiste noch zu einer weiteren kleinen Pagode auf einem Felsen im Meer. Auf der Jagd nach einem möglichst günstigen Winkel für ein Feierabendfoto missachte ich unnötigerweise die goldene Regel, dass man nicht gleichzeitig die Augen am Sucher haben sollte, während man barfuß über scharfe Felsen kraxelt, und stolpere prompt in eine tiefe Spalte. Glück im Unglück: Die Gegenlichtblende aus Plastik verhindert ernsthafte Schäden am Objektiv, das wir sonst im weiteren Reiseverlauf sicher schmerzlich vermisst hätten, und die langen Hosen die wir aus Prinzip immer auf Rollerfahrten tragen, fangen einen Teil der „Schärfe“ ab. Die Wunde blutet trotzdem heftig und ich muss mich erst mal hinlegen. Ruckzuck kommen ein paar einheimische Gäste sowie der lokale Mönch herbeigeeilt und bieten ihre Hilfe und Tee an. Maria hat auch stets ein gut bestücktes Erste Hilfe Kit dabei, das zwar ursprünglich eher für Felix gedacht war, aber auf Reisen meist eher für den Vater herhalten muss 🙂 Nachdem der erste Schrecken vergangen und die Wunde ausreichend versorgt ist, können wir zumindest ohne Probleme nach Maungmagan  zurück fahren, eine knappe Stunde sollte man hierfür übrigens durchaus rechnen. Natürlich fahren wir nicht ohne zumindest eine kleine Tempelspende zu hinterlassen, die freundlichen Helfer wollen natürlich alle keineswegs etwas annehmen. Was für’n Tag!

Dawei sein ist alles – der weite Weg nach Süden

Der Tag beginnt mit einem Schreck: Das Geld ist weg! Nicht unsere Barvorräte, aber die von Maumau, der den Verlust gerade an einer Tanke südlich von Mawlamyaing festgestellt und darüber verständlicherweise so gar nicht amused ist. Natürlich fahren wir erstmal wieder zurück in Maumaus Guesthouse, auch wenn sich keiner allzu große Hoffnung macht, dass die Scheine wieder auftauchen. Das tun sie zwar auch nicht, aber immerhin kann er anschließend den Tathergang vor dem geistigen Auge weitgehend reproduzieren, und scheint dadurch schlagartig wieder seine buddhistische Gelassenheit zurückerlangt zu haben! Ich werde mich hingegen noch Weilchen darüber ärgern, wie jemand diesen sympathischen Landsmann bestehlen kann, der gewiss selber nicht wirklich reich ist. Allerdings ist das Ganze auch für uns eine Warnung: Passt auf eure Sachen auf – die Leute mögen noch so nett sein, schwarze Schafe gibts leider immer!

Zurück auf der Road 8 Richtung Thanbyuzayat können wir uns dann wieder den schönen Dingen des Landes widmen, zum Beispiel der Landschaft. Rechts und links tauchen plötzlich 2 markante Karstfelsen auf, die natürlich von Tempeln gekrönt sind. Wie die spätere Recherche ergibt nennt sich der westliche von beiden Kyauktalon Taung. Für eine Besteigung reicht die Zeit leider nicht aus, ist aber sicher ein schöner Tagesausflug von Mawlamyaing aus, bei dem man garantiert wenig andere Besucher trifft. Bei unserem nächsten Stopp am liegenden Buddha Win Sein Taw Ya ist schon ein wenig mehr los, aber schließlich handelt es sich auch um den größten liegenden Buddha der Welt. Ob diese Information noch aktuell ist weiß ich nicht, gerade in Asien ist man mit Buddha-Superlativen ja nicht gerade sparsam, aber unabhängig der Größe weist der stolze Bau noch eine weitere Besonderheit auf: Er ist innen (!) begehbar!

Wir wählen den Eingang am wenig besuchten Fußende. Innen wird seit Jahrzehnten immer noch fleißig gemalt und gemauert und man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Baustelle, aber viele der Kammern (182 sollen es angeblich sein) sind bereits fertig gestellt und zeigen Szenen aus dem Leben Buddhas oder hier und da vielleicht auch einfach nur Szenen aus vergangenen Zeiten, die Übergänge scheinen fließend. Manche Szenen sind recht gruselig, andere unfreiwillig komisch aber beeindruckend ist das Innenleben allemal. Auf jeden Fall auch für Kinder ein spannendes Erlebnis, wenngleich einige Kammern nicht ganz als jugendfrei durchgehen. Zum Abschluss lassen wir uns natürlich auch nicht lumpen und spenden eine Kachel fürs Buddha-Gewand.

Nach dem Buddha Sightseeing wird es aber höchste Zeit, etwas Strecke zu machen. Stolze 322 Kilometer weist Google für den Trip von Mawlamyaing nach Maungmagan aus, und noch bis 2013 war der Landweg nach Dawei für ausländische Touristen komplett tabu. Die Infrastruktur hinkt dementsprechend etwas hinterher, aber der Zustand der Straße ist inzwischen überwiegend in Ordnung und an allen Ecken raucht heißer Teer in Tonnen vor sich hin, es wird fleißig verbreitert, und auch die letzten nicht asphaltierten Etappen dürften bald verschwunden sein. Felix haben wir in weiser Voraussicht mit ausreichend Hörspielen eingedeckt, so dass die Fahrt eigentlich überraschend entspannend verläuft und wir mit ausreichend Tageslichtreserven am späten Nachmittag in Dawei einrollen. Jetzt erstmal eine Suppe!

Eine gute Woche sind wir jetzt schon in Asien unterwegs ohne das Meer gesehen zu haben, Dawei ist der perfekte Ort dies zu ändern – die Andamanensee die wir schon aus Thailand kennen liegt schließlich vor der Haustüre, und an Stränden mangelt es auch nicht. Wir steuern den Maungmagan Beach an, der zwar im direkten Vergleich mit den etwas etwas abgelegenen südlichen Stränden eher schlecht abschneidet, aber hier gibts sowohl Unterkünfte als auch Restaurants und beides ist andernorts eher rar gesät. Der Tripadvisor Liebling Coconut Guesthouse ist ausgebucht, liegt aber auch zu weit vom Meer weg um als strandnah durchzugehen, und ein herzlicher Empfang geht auch anders. Am relativ neuen Long Beach Resort werden wir schließlich fündig, für ~35$ gibts einen sauberen Reihenbungalow, einen angemessenen Fahrer-Rabatt und – entgegen der Vorhersagen – auch einen relativ sauberen Strandabschnitt mit ausreichend Buddelpotential dazu!

Es mag sich in den nächsten Jahren noch ändern, aber heuer sieht man hier fast nur Einheimische und die lokale Fischerei scheint noch hoch um Kurs zu stehen. Da die Boote nachts raus fahren, kann man bei Sonnenuntergang zuschauen, wie Netze geflickt und Boote bepackt werden. Das ist echtes Myanmar Feierabend TV! Verhungern muss hier natürlich auch keiner, an der „Strandpromenade“ reiht sich ein Lokal ans andere. Michelin Sterne oder Schickimicki Bars sucht man allerdings vergebens, aber wen es in diese Ecke verschlägt, der sucht die auch nicht wirklich. Und keine Angst – auch es nirgendwo beworben wird (was wohl eher „lizenzrechtliche“ Gründe hat :-)) ist ein kühles Myanmar Bier niemals weit!