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Tagesmenü: Hpa-an Höhlenhopping mit Mawlamyine Sunset

Yes! Siebenunddreißig! Zugegebenermaßen keine wirklich spektakuläre Zahl wie 42 oder 11, aber dennoch ist die digitale 37, die mir gerade vom Fieberthermometer angezeigt wird, für mich die beste Nachricht des noch jungen Tages: Das Fieber von gestern hat sich nach knapp zwölf Stunden im Bett endlich verzogen, und ich fühle mich auch deutlich weniger schlapp. Maumau taucht ebenfalls gut gelaunt kurz nach dem Frühstück auf, und hat nach dem gestrigen Abstecher zu den Bayin Nyi Naung Höhlen noch mindestens zwei weitere „must see“ Höhlen in der Umgebung von Hpa-an auf der Agenda. Als erstes steuern wir nach einer kurzen Fahrt die Kawgun Caves an. Hier beeindruckt vor allem der Eingangsbereich vor der Höhle mit den unzähligen Reliefs, wo zudem noch gerade die Buddhas frisch getüncht werden und golden in der Morgensonne strahlen.

Ein paar Kilometer weiter durchs grüne Feld wartet der Yathaypyan Cave auf neugierige Höhlenforscher. Nach einem kurzen Aufstieg steht man auf einer Terrasse zusammen mit zig Buddha Statuen mit Blick in die Ferne. Die Aussicht ist wirklich großartig, tauscht man gedanklich die Hügel von Hpa-an gegen den Mekong, erinnert die Szenerie mit den Silhouetten fast ein wenig an Pak Ou in Laos (wer da mal hin radeln möchte: Bitteschön). Auch innen gibts einiges zu erkunden, hier kann man nämlich auch richtig tief in den Fels rein marschieren. Insofern auch für Kinder ganz spannend, die sich ja allgemein eher weniger für Statuen und Fresken interessieren.

An weiteren Höhlen in der Umgebung mangelt es zwar nicht, aber ich will es nach der flotten Genesung auch nicht gleich übertreiben, und außerdem müssen wir auch erstmal im Thiri Hpa An auschecken. Allerdings nicht, bevor wir nicht einmal den Außenpool gebührend getestet haben. Pools sind in dieser Ecke nämlich zumindest in der Guesthouse-bis-Mittelklasse eine echte Rarität, und dieser hier wartet sogar noch mit einer 1a Aussicht auf einen dicht bewaldetet Karstfelsen auf.  Das Hotel fanden wir ja ingesamt eigentlich nicht so dolle, aber für das Badeerlebnis gibts auf jeden Fall Bonuspunkte, auch wenn es natürlich Sünde ist, in einer solchen Landschaft mehr als eine Stunde am Pool zu lungern 🙂

Unsere nächste Station auf dem Weg in den Süden heißt Mawlamyaing und ist nicht wirklich weit von Hpa-an entfernt, und da wir uns dort auch endlich mal zwei Übernachtungen gönnen wollen, gibt es keinen Grund zu übertriebener Eile. Am Fuße des imposanten Mount Zwegabin (725m) befinden sich die Buddha Gärten, in der Reiseliteratur auch gerne als Lumbini Park bezeichnet (nach Buddhas angeblichem Geburtsort in Nepal). Wer nach den Höhlenbesuchen meint noch nicht genug Buddhastatuen gesehen zu haben, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten: Über die genaue Anzahl ist man sich zwar nicht so ganz einig, vier(!)stellig dürfte sie aber in jedem Fall sein. Am Ende der Gärten beginnt auch der Aufgang auf den Berg. Dafür haben wir heute weder Zeit noch Kondition, aber nicht nur wegen des entgangen Aufstiegs kann ich den Familienrat hoffentlich davon überzeugen, irgendwann nochmal Station in Hpa-an zu machen. Übrigens: Die Grenze nach Thailand bei Mae Sot / Myawaddy ist von hier gar nicht weit weg, und seit ein paar Jahren auch für Ausländer passierbar, Ideal also für eine Myanmar – Thailand Kombi!

Bevor wir Hpa-an endgültig hinter uns lassen stoppen wir noch an einer letzen Höhle, die trotz der starken Konkurrenz zum heutigen Favoriten avancieren soll: Die Sadan Caves. Der Eingangsbereich wirkt zunächst etwas kitschig mit einem neonfarbenen liegenden Buddha, aber dann gehts auf einem langen Trip ins dunkle Innere, dämmrige Brücke und Stalaktiten inbegriffen . Es gibt zwar elektrisches Licht, aber eine Stirnlampe ist sicher keine schlechte Idee. Und noch ein Tip: Wie üblich ist die Höhle barfuß zu betreten, aber man sollte seine Schlappen in einer Tüte mitnehmen und nicht am Eingang zurück lassen (wie wir). Dazu später mehr!

Hat man die Höhle durchquert, steht man am Ende vor einer großen Felsöffnung und staunt (wahrscheinlich), denn beim Anblick des spiegelglatten Sees vor Felskulisse fühlt man sich abermals in ein Fantasy Epos versetzt. Am Ufer kann man sich ein Boot mieten (Preis habe ich nicht mehr im Kopf aber keiner ist in Ohnmacht gefallen) und sich gemächlich über den See und einen künstlichen Kanal durch die Reisfelder am Berg vorbei rudern lassen.  An einer improvisierten Kneipe ist dann Endstation, der Bootsmann dreht wieder um, der Passagier gönnt sich ein kühles Myanmar Bier, bevor man über einen Feldweg wieder an den eigentlichen Eingang der Höhle zurückkommt. Wer Tip Nr. 2 beherzigt hat, freut sich jetzt auch über die mitgebrachten Schlappen – die Steine können nämlich ziemlich pieksen. Toller Abschluss, nur vereinzelte Müllhaufen konnten die Idylle hier und da stören.

Dann ist es aber wirklich Zeit für den Aufbruch. Über eine Sandpiste gelangen wir zurück zur Hauptstraße und nehmen Kurs auf Mawlamyaing. Das mitgebrachte Spielzeug überbrückt die Fahrzeit auf dem Rücksitz ganz gut – heute im Angebot: Chamäleons und Dinos. Als Bleibe haben wir uns das relativ neue Queen Jamadevi Hotel in einer ruhigen Ecke am Standrand ausgesucht, das auf den ersten Blick schon mal mit modernen Zimmern und nettem Personal überzeugt. Es gibt sicherlich viele interessante Sunset Spots in und um Mawlamyine, aber wer nicht all zu viel Zeit zum Überlegen hat (und die Sonne steht schon mächtig tief), kann mit der Kyaik Thanlan Pagoda eigentlich nicht viel verkehrt machen. Von der Straße aus überbrückt ein Turm den Höhenunterschied zum Plateau, oben dann die übliche Mischung aus goldenen Stupas, Einheimischen, Mönchen und vereinzelten westlichen Gesichtern – der Tourismus scheint in dieser Ecke Myanmars offenbar erst langsam Fahrt aufzunehmen. Das Abendlicht und der Blick auf den Thanlwin (Saluen) Fluss sind heute vom Feinsten, man munkelt übrigens, dass Herr Kipling ggf. hier wertvolle Inspirationen für seine berühmte Mandalay Ballade getankt hat (wo er ja niemals gewesen ist). Denkbar wärs, als die Sonne schließlich irgendwann im Delta entschwindet geht dann auch dieser bewegte Tag endgültig zu Ende. Morgen mehr!

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Let there be rock – zwischen Kyaiktiyo und Kyauk Ka Lat

Wer morgens unter den ersten Besuchern der Kyaiktiyo Pagode alias „Golden Rock“ sein will, muss entweder früh aus den Federn kriechen oder gleich oben am Gipfel übernachten. Als ich gegen 7 vor dem Eternity herum tigere herrscht auf jeden Fall schon reger Betrieb auf der Zubringerstraße, und ich nutze die Gelegenheit, um die Trucks aus der Ferne grob zu inspizieren. Die schlimmsten Befürchtungen malten wir uns etwa so aus: Zahllose Menschen drängeln sich stehend auf der unüberdachten Ladefläche eines schrottreifen Lasters der über eine staubige Sandpiste holpert. Die Realität sieht zumindest im Jahre 2017 anders aus: Die Trucks wirken gepflegt und voll aber nicht überfüllt, von dem Herrn am Heck abgesehen haben alle einen Sitzplatz, und die asphaltierte Straße würde auch im Ruhrgebiet als „gut in Schuss“ durchgehen.

Warten mit Stil

Nach dem Frühstück bringt uns Maumau zum Basecamp, wie die zentrale Pilgerverladestelle gemeinhin genannt wird. Man könnte die Strecke sicher auch problemlos laufen, aber für ihn scheint es eine Frage der Ehre zu sein, mit seinem Toyota immer so weit wie möglich vorzufahren. Wir sind ganz froh, dass er auch mit uns den Weg nach oben antritt, denn touristischen Luxus wie Hinweisschilder, Ticketschalter oder Hinweistafeln sehen wir spontan nicht – im übrigen auch keine Touristen. Wir nehmen in der vorderen Hälfte eines wartenden Trucks Platz und warten bis sich die übrigen Bänke füllen. Es ist eng aber erträglich, und außer den Plätzen neben dem Fahren gibt hier ohnehin nur „Economy Class“ – immerhin mit optionalen Sicherheitsgurten. Kurz vor Ende der Zusteigephase stolpert eine ältere Frau beim Überqueren der Ladefläche, erholt sich zunächst aber fällt dann wenige Minuten nach Abfahrt in eine Art Schock-Ohnmacht. Es dauert zwar etwas bis diese Nachricht zum Fahrer vorgedrungen ist, aber immerhin wird die Dame zügig evakuiert und erholt sich auch wieder, verzichtet aber dann doch auf die Weiterfahrt. Nach einem Tankstop geht es endlich nach oben, und zwar mit einem Tempo das ich den kleinen Lastern in Anbetracht der Steigung nicht zugetraut hätte. Felix sitzt bei Maria auf dem Schoß und trägt den Aufstieg mit Fassung, die knapp 45 Minuten sind auf jeden Fall alles andere als langatmig.

Laut Loose steht ausländischen Touristen am Ende nochmal ein einstündiger Aufstieg mit 300 Höhenmetern bevor, was aber nicht mehr (oder zumindest heute nicht) zu stimmen scheint – alle verlassen den Truck an der Endhaltestelle, wo eine Art Pilgerdorf beginnt. Dass es hier oben inzwischen auch 24h ATMs gibt dürfte Myanmar Pioniere sicher etwas irritieren, insgesamt geht das Treiben aber durchaus als authentisch durch und ist zudem überaus unterhaltsam. Die Angebote der Bambus-Sänften-Träger lehnen wir dankend ab, zahlen aber brav die Touristen-Eintrittsgebühr. Das letzte Drittel ist dann bereits Schuhfreie Zone und einige der Hotels die wir unterwegs passieren sehen sogar recht passabel aus. Natürlich wollen aber früher oder später alle ans Ende, wo der Goldene Fels leuchtend über dem Abgrund schwebt! Angeblich wird der Fels nur von einem einzigen strategisch platzierten Haar Buddhas im inneren der Stupa im Gleichgewicht gehalten, der Aufenthalt auf der Terrasse scheint trotzdem als risikofrei eingestuft zu werden. Es soll ja Besucher geben die am Ende in Anbetracht der mühsam bis abenteuerlichen Anreise eher enttäuscht zurück gekehrt sind – wir fanden sowohl den Fels selbst als auch das Drumherum großartig und jede Minute der Anreise wert, und für Hobbyknipser ist das Motiv ohnehin in Traum da der „Wow Effekt“ zumindest bei gutem Wetter quasi garantiert ist.

Maumau eröffnet uns derweil, dass man bereits mit den Planungen für eine Gondel aus dem Tal begonnen hat, die die Anreise deutlich bequemer machen soll. Ob das Projekt wirklich Fluch, Segen oder beides zugleicht ist, und es es überhaupt in absehbarer Zeit realisiert wird, bleibt abzuwarten. Eigentlich gehört ja die Anreise mit den Einheimischen auch irgendwie zum Gesamterlebnis dazu. Die Talfahrt kam uns dann übrigens auch gleich deutlich geruhsamer vor, und Felix hat es trotz harter Bank und Serpentinen tatsächlich geschafft nach halber Strecke einzudösen – im bequemen Flieger dauert das mitunter erheblich länger 🙂

Nach dem Checkout verabreden wir uns mit Maumau zwecks Weiterreise in den Süden. Das Personal kann es natürlich nicht mit ansehen, dass Gäste einfach so in der prallen Sonne stehen, und stattet uns mit den Warteschirmen des Hauses aus. Die erinnern ein wenig an die lustigen Dekoschirme, die man früher ins Eis gesteckt bekam. Just als wir uns ernsthaft wundern wo der ansonsten immer überpünktliche Herr Maumau wohl abgeblieben ist, taucht er grinsend wieder auf: Offenbar sind wir auf dem Rückweg in eine Schraube gefahren, den Reifen hat er aber mal eben wieder im Ort richten lassen – keine schlechte Performance, bei uns hätte das zeitlich wahrscheinlich gerade mal für einen Kostenvoranschlag gereicht.

Später queren wir die Grenze zum Kayin Staat. Das darf man sich nicht so wie die Landsgrenzen bei uns vorstellen, wo irgendwo ein verwaistet „Willkommen in NRW“ Schild in der Pampa steht: Hier gibt es noch  Schlagbäume und Polizisten, aber zumindest an dieser Grenze keine weitere Formalitäten. Felix interessiert das alles gar nicht, er ist auf dem Rücksitz völlig eins mit dem MP3 Player, den wir mit Yakari, Nimmerlandpiraten und sonstigen Hörspielen randvoll gepackt habe (unvergessen bleibt die legendäre „Plapperfahrt nach Battambang„, bei der wir in Sachen Langzeitbeschäftigung bei Tagesfahrten im Auto noch nicht ganz so versiert waren :-))

Unseren ersten Zwischenstop machen wir bei den Bayin Nyi Naung Höhlen in der Nähe von Thaton, bei dem Maumau ausnahmsweise mal draußen parken muss. Fast noch faszinierender als die Höhle selbst fand ich die bunten an den Hang geklebten Häuschen der Klosters, die sich werbewirksam im vorgelagerten See spiegeln und direkt aus einem Fantasyfilm stammen könnten. Das ist eben Myanmar, da reicht eine an sich schon beeindruckende Höhle nicht aus, es müssen selbstredend noch überall Buddhas hin, ein Tempel davor, ne‘ Stupa auf den Berg, und alles bitte schön in Gold. Hammeranblick! Ein paar Einheimische baden draußen in den angeblich heißen Quellen, normalerweise wäre das das Zeichen für mich da auch rein springen zu wollen, und das Zeichen für Maria mich davon abzuhalten, weil stehende heiße Gewässer in tropischen Gefilden auf der „Meiden“ Liste stehen. Aber mir ist auch gar nicht nach einem Bad, schon seit dem Rückweg vom Goldenen Fels fühle ich mich irgendwie schlapp und unwohl. Die übliche Diagnose wäre jetzt „Kreislauf wegen Rumlaufens bei sengender Mittagshitze“ oder „man wird eben nicht jünger“, aber mein Kreislauf verträgt Hitze (zumindest trockene) normalerweise ganz gut, und so bleibt nur die Hoffnung, dass ich mir nicht irgendeinen lästigen Virus eingefangen habe.

Vor den Toren Hpa-Ans lässt uns Maumau wissen, dass das kulinarische Angebot im Ort jetzt nicht wirklich Michelinverdächtig ist, er aber ein nettes Restaurant außerhalb kennt. Unweit der Thanlwin Brücke liegt es, das „Thai Village Restaurant“ – passend illustriert durch einen verschmitzten Mexikaner mit überdimensionalem Sombrero! Thai Food scheint in der Ecke gerade en vogue zu sein, es entpuppt sich aber als gemütliche und zudem preiswerte Oase mit reichlich Auslauf, und trotz Schläpplichkeit gelingt es mir immerhin einen Riesenpott Tom Yum und eine Cola zu vertilgen. Finaler Stop zum Sonnenuntergang ist heute die Kyauk Ka Lat Pagode südlich von Hpa An. Und wieder so ein Ort an dem man sich fragt: Ist das real? Wo sind die Hobbits? Wer soll bloß später zuhause diese ganzen Bilder ausmisten? Kleiner Wermutstropfen: Die gesamte vordere Hälfte die ich von anderen Aufnahmen als See in Erinnerung habe ist komplett trocken. Das sieht natürlich nicht ganz so märchenhaft aus wie ein spiegelglatter See, auf dem vielleicht noch gerade ein Fischer (oder eine Elfe) herumpaddelt, aber diese Felsnadel kann sowas auch nicht wirklich entstellen. Das Umfeld ist übrigens riesig und attraktiv, also ruhig ordentliche Schuhe und etwas Zeit mitbringen!

Auf dem Heimweg sagen wir auch noch der Sonne Tschüss, die hier im Märchenland natürlich auch nach allen Regeln der Kunst hinter einem Karstfelsen über einem sattgrünen Reisfeld entschwindet. Als Übernachtungsquartier haben wir heute das Thiri Hpa-An gewählt, obwohl es eigentlich über unserem Budget lag. Die Gegend um Hpa-An lockt zwar nicht erst seit gestern viele Reisende an, aber trotzdem ist das Übernachtungsangebot überraschend schwach, und vieles bereits lange vorab ausgebucht. Eins muss man unserer Bleibe lassen:  Riesige Zimmer haben sie, hier hätte man locker eine mittlere Geburtstagsparty feiern können. Leider trügt der erste Anblick etwas, irgendwie ist überall ein wenig der Lack ab und dazu kommt noch das leicht verpeilte Personal (zumindest das männliche – sorry Geschlechtsgenossen). Aber mir ist das heute gerade recht wurscht – das Fieberthermometer zeigt nämlich in der Tat  >38° und ich ziehe mich daher für die nächsten 12h in das überdimensierte Bett zurück, während Maria mit Felix auf Essensjagd gehen. Man sieht sich morgen bei hoffentlich normalen Temperaturen wieder – schließlich wollen noch viele Höhlen erforscht werden!