Sabaidee Pi Mai Lao

Wenn hinter jeder Ecke Eimer, Schläuche und Wasserpistolen lauern, steht wahrscheinlich das laotische Neujahrsfest Pi Mai Lao vor der Tür. Man kann sein Schicksal auch vorab akzeptieren und sich bereits vor Aufbruch abduschen lassen, dann radelt es sich anschließend vielleicht etwas entspannter.  In diesem Sinne: Prost Neujahr aus Luang Prabang  – wir sind gespannt (und ehrlich gesagt  auch etwas nervös), was die nächsten Tage so bringen 🙂

Als Zugabe lassen wir zur Feier des Tages sogar ein Video springen!

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Bengalisches Strandhüpfen von Ngwe Saung bis Chaung Tha

Nachdem wir den sporadisch besiedelten Süden von Ngwe Saung bereits beackert haben (zum Bericht), wenden wir uns mal Chaung Tha zu, das gerade mal 20km entfernt im Norden liegt und sich vor allem bei den Einheimischen großer Beliebtheit erfreut. Wer sich vom Kartenanbieter seiner Wahl eine Route vorschlagen lässt staunt jedoch nicht schlecht, denn der Weg führt eigentlich immer durch die Berge nach Pathein und von dort wieder zurück an die Küste. Wer wie die meisten die Anfahrt mit dem Bus angetreten hat, weiß was das bedeutet: Endlose Auf-und-ab Etappen, scharfe Kurven, bleiche Gesichter – und das gleich im Doppelpack? Vom Zeitaufwand mal ganz zu schweigen…

In der Tat gibt es keine durchgehende Straße zwischen den beiden Orten, was gewiss der Tatsache geschuldet ist, dass man auf den 20km auch eine ganze Menge Wasser überqueren muss. Aber es gibt Alternativen: Für rund 15000 Kyat (ca 10 Euro) kann man sich ein Mopedtaxi nehmen, das auch auf den bescheidenen Holzfähren Platz findet, von denen es auf der Route über den Strand gleich 3 gibt. In Sachen Gepäck muss man sich natürlich etwas einschränken. Da wir vor hatten, 3 Nächte zu bleiben haben wir den Familienbedarf einfach auf einen Rucksack reduziert und den Rest bei unseren Freunden im SoeKoKo Guesthouse deponiert, die uns auch die beiden versierten Fahrer vermittelt haben. Auf ins Abenteuer!

Das erste Stück bis ins Dorf Tazin ist noch befestigt, und die Fähre dort eher Kategorie „Einsteiger“. Die nächste Fähre hat es aber in sich, da sie kleiner ist und je nach Stand der Gezeiten nicht ganz anlegen kann, so dass man im Wasser (!) über die Planke fahren muss. Hier trennt sich bei den Selbstfahrern die Spreu vom Weizen. Eine weitere unerlässliche Fähigkeit, die man in keiner Fahrschule lernt, ist die lässige 180° Wende über den Mopedständer auf dem wackligen Holzboden, der hier besonders schmal ist.

Zu Fähre Nummer drei geht es dann bei Ebbe direkt über den Strand, oder ansonsten über einen sandigen parallelen Pfad. Die dritte und letzte Fähre bringt einen dann bereits schnurstracks in den Fischerhafen von Chaung Tha. Man sollte sich hier von den ersten Strandabschnitten nicht abschrecken lassen, da sie nicht gerade zu den saubersten oder hübschesten des Ortes zählen. Weiter im Norden am Coral Beach noch hinter der großen Pagode am Strand wird es richtig einsam, aber man mietet sich am besten einen Roller und sollte auf jeden Fall auch mindestens eine Nacht bleiben. Unser Zwischenstop Tipp ist das D & W Beach Haven Restaurant an einem besonders schönen Abschnitt, das von dem sympathischen Australier Dennis und seiner burmesischen Frau Wawa geführt wird. Am Wochenende sollen hier viele Expats aus Yangon die freien Tage verbringen, unter der Woche waren wir fast alleine.  Falls jemand eine Bleibe etwas ab vom Schuss sucht: Auch die Hütten machen  von außen einen guten Eindruck.

Life’s a Beach

Auch nördlich von Dennis ist die Welt noch nicht zu Ende. Ein paar Kilometer weiter kann man sich zum Beispiel eine Art Indianer Tipi zur Übernachtung mieten, ein eher ungewöhlicher Anblick in diesen heißen Gefilden. Der Strand ist hier aber auch ganz nett, vor allem aus der Schaukel- oder Altreifensessel Perspektive. Es folgt weiter im Norden noch eine weitere Mopedtaugliche Fähre, daneben wird aber bereits eifrig an einer Brücke gebaut, dann erwartet den Erforscher ein kilometerlanger einsamer Strandabschnitt , an dem ich mit dem Shwe Taung Yan nur ein einziges Hotel ausmachen konnte. Die recht ordentliche Piste endet dann irgendwann, eine sehr sandige Umgehung führ zwar weiter nach Norden, aber das Fahren macht hier mit einem herkömmlich Roller wirklich keinen Spaß mehr – reicht dann auch für heute!

„Unser“ Umbrella Beach

Wer es lieber zentral aber doch einsam mag, sollte dem vorgelagerten Inselchen Aung Mingalar eine Chance geben. OK, der erste Eindruck ist nicht gerade einladend wenn das „Shuttle Boat“ vom Festland am schmuddeligen Strand anlegt,  Am besten marschiert man schnurstracks zur Mya Kyunnyo Pagode am Nordende, denn dort gibt es Schatten, Instantkaffee sowie eine nette Sicht aufs Meer, wo man mit Glück auch die viel gehypte White Sand Insel in der Ferne sehe kann. Die Überraschung kommt dann nach einem Marsch an der Westküste am Fusse des Coral View Resorts: Der Hauptstrand ist schon ganz nett, eine Ecke weiter wird es dann noch einsamer. Wir haben den Strand in Anlehnung an den markanten Baum am Ende der Bucht einfach Umbrella Beach getauft. Im Coral View kann man übrigens auch als Nichtgast halbwegs preiswert essen, die relativ neuen Bungalows sehen auch hübsch aus, sind aber eher in der gehobenen Preiskategorie.

Und egal ob man ihn nun mag oder nicht – ein kurzer Abstecher zum Chaung Tha Hauptstrand ist einfach Pflicht, und sei es nur um zu Zeuge davon zu werden, wie man sich so in Myanmar einen perfekten Strandtag vorstellt. Dazu gehören offenbar Tandemfahren im feuchten Sand, ein Ritt auf einem zum Zebra umlackierten Pferd, unkoordinierte Beachbuggyfahrten , und natürlich massenhaft Streetfood (pardon: Beachfood). Für den Abend schienen schon einige Bungalow-Anlagen die Karaoke Anlage aufzubauen, aber das Spektakel haben wir nicht mehr weiter verfolgt.

Zeitvertreib beim Warten auf die nächste Fähre

Auf dem Rückweg nach Ngwe Saung erlebten wir dann wohl das Äquivalent eines Staus auf dieser Route: Der Fährmann der mittleren Fähre schien etwas überfordert und musste wiederholt wieder anlegen. Der Durchsatz an Mopeds pro Trip reduzierte sich dadurch auf 2-3, so dass ein knappes Stündchen Wartezeit drauf ging, bis unser Konvoi vollzählig auf der anderen Seite eingetrudelt war. Man sollte es also nicht unbedingt eilig haben, wenn man diese Route wählt – als Alternative zur Bergetappe gewinnt sie aber auf jeden Fall, und Stress wird in diesen Gefilden ja ohnehin klein geschrieben 🙂

 

Nimm 2 – in den Pagodenfeldern von Kakku und Indein

Zugegeben: Wir haben keine Ahnung ob wir schon mal in einem Pagodenfeld gewesen sind, oder ab welcher Größenordnung eine Ansammlung an Pagoden überhaupt als Feld gilt. Aber in der Umgebung von Nyaung Shwe am Inle See gibt es angeblich gleich zwei davon, und die nehmen wir jetzt mal näher unter die Lupe!

Nach Kakku geht’s zunächst östlich vom Inle See entlang. Mit den Öffentlichen dürfte es schwierig sein, Mopeds darf man in der Gegend als Tourist ohnehin nicht mieten, also organisiert man sich am besten übers Guesthouse ein Auto mit Fahrer, oder sucht sich eine organisierte Tour. Die Etappe vom See weg in die Berge ist durchaus reizvoll, allerdings auch recht kurvig, wie das mit Bergetappen nun mal so ist. Mindestens eine Stunde sollte man schon einrechnen, man passiert ein paar Pa-O Dörfer (zu erkennen an der markanten turbanartigen Kopfbedeckung der Passanten) und erreicht schließlich das antike Pagodenfeld, das übrigens lange Zeit für westliche Touristen tabu oder nur mit Sondergenehmigung zu besuchen war.

2500 Tempel und Stupas sollen es sein, „so weit das Auge reicht“ trifft es auch ganz gut. Natürlich sehen nicht alle gleich aus: Es gibt glänzende, verfallene, begehbare sowie unzählige Reliefs und Skulpturen zu erkunden. Auch für Kinder ist dieses Labyrinth eine kurzweilige Angelegenheit, man sollte jedoch besser vorab einen Treffpunkt ausmachen und bedenken, dass es in jeder Himmelsrichtung einen Ausgang gibt. Als Suchspiel bietet sich das etwas versteckt gelegene aber laut Reiseführer sehr legendäre Wildschwein an… Abschließender Tip für Knipser: Wer verzweifelt den „gewaltigen“ Wassergraben sucht, in dem sich die Pagoden spiegeln, findet ihn rechts vom Haupteingang. Und nicht enttäuscht sein, einfach tief in die Knie gehen 🙂 Auf dem Rückweg kann man ggf. noch 1-2 Stops am Ostufer des Sees einlegen, im Bericht Nachradler gesucht – von Nyaung Shwe übern Inle See finden sich Inspirationen.

So ganz anders gestaltet sich der Trip nach Indein, für den man sich ein Boot nehmen muss und dafür den üblichen Tarif wie für die Standard Tagestouren bezahlt, bei denen der Schlenker nach Indein aber nicht zwingend inbegriffen ist. Alleine die Anfahrt ist spaßig, da der Kanal an manchen Stellen aufgestaut ist und das lange Holzboot die engen Durchläufe mit Anlauf rauf brettern muss, und erinnert daher ein wenig an die Wasserattraktionen in einem Erlebnispark 🙂

Bei Miss Nyaung Shwe am Flussufer kann man sich erstmal bei hübscher Aussicht in einem Bambuspavillion stärken, dann geht’s ca. 20 Minuten rauf zum Pagodenfeld über einen überdachten Treppengang, in dem man sich unter anderem mit antiken Karten, alten Banknoten, verwitterten Marionetten und traditionellen Kostümen eindecken kann. Ob authentisch oder Nippes aus Massenproduktion, es sieht auf jeden Fall alles etwas origineller aus als das Standardsortiment der üblichen Souvenirstände im Lande.

Kurz hinter dem Eingang findet man rechts ein paar verfallene Ruinen im „Indiana Jones Stil“, die die Natur bereits zum Teil zurück erobert hat und die uns ein wenig an Ta Prohm erinnern. Das eigentliche Pagodenfeld selbst ist ähnlich wie Kakku eine Ansammlung an unterschiedlichen Tempeln und Stupas aus verschiedenen Epochen, und doch wieder ganz anders. Wenn man auf den Berg nebenan kraxelt bekommt man übrigens auch ganz ohne Drohne ein schönes Gesamtbild von oben. Auf der Heimfahrt nehmen wir noch einen Franzosen mit, der den Weg von Nyaung Shwe komplett mit einem simplen Guesthouse Bike zurückgelegt hat (es geht also), allerdings nicht damit gerechnet hat, dass man in  Indein nicht immer einfach spontan ein günstiges Boot für die Rückfahrt anheuern kann.

Fazit: Kakku oder Indein – beide Orte sind interessant und lohnen mindestens einen Halbtagestrip. Ob der Markt in Indein wirklich so touristisch ist wie viele behaupten konnten wir übrigens nicht klären, da dieser heute woanders tagte.  Vielleicht auch besser so!

Sand in Sicht – Radtrip nach Sinma

Findige Touranbieter würden Sinma wahrscheinlich als „ursprüngliches Fischerdorf am bengalischen Golf“ vermarkten. Man denkt dann unweigerlich an malerische kleine Gassen, die zum bummeln einladen, oder an urige Tavernen, in denen es nach frisch gegrilltem Meeresgetier duftet. Gleich vorab: In Sinma gibt’s das alles nicht, der Ort ist weder aufregend noch hübsch, und es müffelt allenfalls nach Fisch der in der Sonne trocknet. Aber wenn man mit dem Rad etwas Strecke machen will braucht man schließlich ein Ziel, und südlich von Ngwe Saung gibts davon nicht all zu viele. Sinma ist mit einer Entfernung von 20km perfekt und es wäre doch gelacht, wenn es unterwegs nicht auch einiges zu sehen und erleben gäbe.

Vorbereitung: Leiht euch ein ordentliches Mountainbike, unter anderem für 5000 Kyat beim sympathischen SoeKoKo Guesthouse, wo man übrigens auch super preiswert essen und nächtigen kann. Es gibt zwar nur einen kleinen Berg, aber es wird auf jeden Fall sandig und je breiter der Reifen ist desto weniger wird später geflucht. Und checkt die lokalen Gezeiten z. B. bei wisuki (kein Witz, aber dazu später mehr). Die Maps.me App ist abermals Gold wert – die kennt sogar die Wege am Strand die eigentlich gar keine sind!

Die Straße südlich von Ngwe Saung ist zunächst bestens ausgebaut, kurz hinter Lover’s Island bietet sich links ein Abstecher zu einem Tempel/Viewpoint an. Das Elephant Conservation Camp in der Nähe  lassen wir mal buchstäblich links liegen, weil dort auch Elefantenreiten im Angebot ist, was zu Recht verpönt ist. Der Weg führt jetzt nach einer Kurve relativ nah am Strand entlang, die Nobelherbergen werden seltener, und mit ihnen endet auch die befestigte Straße. Hier ist bei Ebbe eine gute Chance auf den Strand zu wechseln, wie das auch die lokalen Mopedfahrer tun. Es mag bekloppt klingen, aber der Strand ist oft weniger sandig als die Piste 🙂 Folgt den „Mopedspuren im Sand“ (wäre auch ein super Schlagertitel), weil dort der Untergrund in der Regel am besten verdichtet ist. Das Fahren erinnerte mich ein wenig an die Zeit, als ich noch 2,5 mal im Monat im Fitnessstudio war und ein Widerstand am Fahrradtrainer dafür gesorgt hat, dass es anstrengender wird. Die Sache macht aber durchaus Spaß, wenn man den Bogen erst einmal raus hat, vom Meer eine Brise weht, und man den endlosen und fast völlig einsamen Strand entlang flitzt.

Einen kleinen Fluss muss man auf der Beach- Route überqueren, hier sollte aber ein Holzboot  auf Kundschaft warten (für Fachmänner: Typ Seilfähre). Irgendwann ist dann an einem Kap Endstation, die Mopedspuren fräsen sich durch den lockeren Sand ins Landesinnere, und man schiebt am besten in die gleiche Richtung hinterher und fährt dann im Inland weiter, wo es zunächst einen kleinen Aufstieg zu bewältigen gilt. Wenn einem diese Art der Routenführung zu suspekt ist, oder falls gerade Flut ist, kann man natürlich über die ganze Strecke hinweg der Piste im Inland folgen. Die extrem sandigen bzw. holprigen Passagen nerven etwas, aber insgesamt ist man hier mit einem Mountainbike wesentlich besser als mit einem schlecht bereiften Roller unterwegs.

Früher oder später trifft man dann auf eine große Holzbrücke mit rot-weißem Geländer über einem türkisen Fluss, der hier ins Meer mündet. Dahinter zweigt links ein Fußweg hoch zu einer goldenen Stupa ab, von wo aus man einen guten Blick ins Hinterland hat. Mein absoluter Favorit ist aber der Pfad direkt hinter der Brücke rechts: Nach dem Aufstieg und ein paar Kurven findet man natürlich auch hier einen Tempel vor, wie sich das in Myanmar für alle markanten Erhebungen gehört. Die Aussicht von hier oben ist wirklich der Hammer: Im Norden erstreckt sich der endlose unbebaute Palmenstrand, voraus erhebt sich eine kleine Insel aus dem Meer, und im Süden kann man bereits die Fischerboote von Sinma erspähen, die mittags im Meer dümpeln. Alleine hierfür und natürlich für den Kalorienverbrauch hat sich die Fahrt gelohnt!

Wie eingangs erwähnt hat der Ort selbst wenig Spektakuläres zu bieten, aber ein kühles Bier findet man natürlich auch hier. Je nach Tageszeit kann man ggf. auch den Fischern bei der Arbeit zuschauen, ich war mittags gegen 2 dort und da werden natürlich wie überall im Lande wegen der Hitze sämtliche Aktivitäten auf ein Minimum reduziert. Wer flexibel und abenteuerlustig ist: Bei Sinma ist die Welt noch Lange nicht zu Ende, die sandige Piste führt laut Kartenmaterial  noch ca. 30 Kilometer weiter runter bis Gaw Yan Gyi , was gerade als neue Strandlokation gehypt wird, hier sollte man auf jeden Fall auch Übernachtungsmöglichkeiten vorfinden. Ich muss an diesem Tag aber wieder heim und nutze auf dem Rückweg eine etwas abgewandelte Strand/Inland Kombination.

Wenn es bei Rückkehr in Ngwe Saung bereits dämmert, bietet sich noch ein Halt bei den Twin Pagodas oberhalb von Lover’s Island an. Oder man macht im hippen Ume Cafe Station, wo man sich  mit leckerem Essen und einem Drink aus der Hausbar belohnen kann, und sich vielleicht sogar noch die Feuershow  um 19:30 zu Gemüte führt!

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Monywa – on y va!

Monywa liegt 3 Fahrstunden westlich von Mandalay und steht irgendwie etwas im Schatten des „touristischen Dreiecks“ Mandalay / Bagan / Inle See. Aber alle die da waren und darüber berichteten fanden es dort irgendwie gut, ergo beginnen wir unseren dritten Myanmar Trip doch einfach mal in Monywa. Den Tag startet man am besten ausgeruht nach einer Übernachtung vor Ort. Die meisten Unterkünfte sind zwar leider ziemlich langweilig, aber im Nan Htike Yadanar etwas außerhalb des Stadtkerns gibt man sich zumindest Mühe mit der grünen Außengestaltung, und auch das Essen im neonbeleuchteten Speisesaal ist überraschend gut. Die Stadt erwacht so langsam gegen 7 und man kann ihr erst einmal ganz entspannt dabei zuschauen:

Wer vor Einbruch der Mittagshitze die Höhlen von Hpo Win Daung erkunden möchte muss erst einmal den Chindwin Fluss überqueren. Die Straße dorthin ist deutlich besser als ihr Ruf und wahrscheinlich in den letzten Jahren ausgebessert worden, die Anfahrt zieht sich für uns trotzdem ziemlich lange hin, da offensichtlich in der Umgebung ein großes Pagodenfest stattfindet und jedes Dorf sämtliche fahrbaren Untersätze mobilisiert hat um sich auf den Weg dorthin zu machen. Gefühlt alle hundert Meter trifft man auf eine improvisierte Spendenstation mit übersteuerter Musik, und die überladenen Gefährte halten fast immer und werfen mit Scheinen um sich, es sind ja genug Mitfahrer an Bord. Die Stimmung erinnert  ein wenig an Karneval und ist (die ersten 4-5 Mal) durchaus lustig zu beobachten, aber Strecke man man so natürlich nicht.

Die Höhlen oder besser Labyrinthe rechtfertigen aber durchaus die lange Anreise – auf dem riesigen Areal verteilt über mehrere Hügel gibt es viel zu entdecken und auch Kinder haben hier ihren Spaß (Felix‘ beliebtester Satz an diesem Morgen nachdem er wieder einer weitere der 1000 Höhlen „entdeckt“  hat: „Da – ein Buddha!“). Kehrt man anschließend wieder in die Gefilde von Monywa zurück darf natürlich auch ein Halt an der Thanboddhay-Pagode nicht fehlen, auch wenn man der Meinung ist schon genug Pagoden gesehen zu haben: Diese hier ist wirklich etwas besonderes, vor allem von innen. Glaubt uns einfach!

Noch mehr Superlative erheben sich dann weiter im Osten über der Landschaft. Ein gewaltiger ruhender Buddha, der zweithöchste stehende Budda der Welt, ein neuer liegender Buddha und an einem riesigen sitzenden Buddha wird bereits gebaut, dazu noch ein schier endloses Feld mit über 1000 Figuren unterhalb des Hügels. Wer den stehenden Buddha begehen will braucht bei 24 Stockwerken schon etwas Kondition, dafür ist es im Inneren relativ kühl und zahlreiche Wandmalereien sorgen für Abwechslung. Im unteren Bereich eher grotesk bis gruselig und nicht immer ganz jugendfrei, aber je weiter man nach oben kommt desto entspannter und friedlicher werden auch die Themen. Der Fahrstuhl ist übrigens nicht in Betrieb 🙂

Wer auf der Hin- oder Rückfahrt von Mandalay noch Zeit im Gepäck hat, kann und sollte in Sagaing etwa 10km westlich der Ayeyarwady Brücke einen Stop an der Kaunghmudaw Pagode mit ihrer ungewöhnlichen Kuppelform einschieben. Nebenbei kann man sich in den Shops hinter der Pagode noch mit ein paar Kubikmetern Thanaka Rinde eindecken. Abschließend können wir den bisherigen Monywa Berichterstattern eigentlich nur zustimmen: Die sympathische Stadt hat auf jeden Fall eine hohe Dichte an spannenden Zielen und somit  einen Übernachtungsstopp redlich verdient!

Nützliche und unnütze Reisebegleiter – Bilanz zur Halbzeit

Erstaunlicherweise ist die Hälfte der 3 Monate langen Reise nun schon rum – beim Packen war es ja eh kaum anders als für eine „normale“ 3-Wochen-Reise. Interessant ist trotzdem: Was hat sich bewährt? Was hätte getrost zu Hause bleiben können? Und was war doch dieses Mal anders? Nach insgesamt 4 Ländern in 45 Tagen mit 15 verschiedenen Unterkünften und einem soliden Mix aus Strand, Großstadt, notwendigen Unterwegs-Stationen und einem Stück Reisealltag hier zunächst mal unsere Top 5 der Dinge die wir nicht missen möchten:

1) Vorab heruntergeladenes Kartenmaterial fürs Smartphone zum Offline Gebrauch – in unserem Fall über die App Maps.Me. Überaus hilfreicher Begleiter in allen Lebenslagen für Individualreisende. Sei es um einzuschätzen wie weit es mit Bus/Taxi noch ist bzw. ob der Fahrer wirklich in die gewünschte Richtung fährt oder um bei Ausflügen per Rad oder Roller zu wissen wo man eigentlich hin möchte. Noch dazu mit der Möglichkeit sich einfach unterwegs Orte zu merken über die Lesezeichen/Favoriten Funktion. Erst recht spät auf der Reise haben wir uns eine lokale Internet-SIM-Karte gegönnt da meist das WLAN Angebot gut gereicht hat – das heißt aber auch unterwegs auf offline Optionen angewiesen zu sein.

2) Licht! In Form von Stirnlampen für u.a. Radfahren in der Dunkelheit aber auch Lesen abends im Zimmer oder Wundversorgung bei Schummerlicht. Dank LED sehr ergiebig und gut jederzeit dabei zu haben. Ein weiteres Plus: das eher zufällig angeschaffte LED Nachtlicht mit Dauerlicht oder Bewegungsmelder – ein Schnäppchen für unter 10 Euro aus dem Hause Albrecht, hält schon 6 Wochen mit dem ersten Satz Batterien und erleichtert die Orientierung in ständig wechselnden Zimmern ungemein.

3) Die „Cobra“ – der Hitze-Stichheiler. Auch mit akribischem Mückenschutz durch Kleidung und Einsprühen entkommt man den Biestern einfach nie so ganz! Wir können inzwischen kaum noch auf das Wundergerät verzichten: ein kurzer schmerzhafter Moment mit gerade noch erträglicher Hitze und mit etwas Glück findet man den Stich am nächsten Tag gar nicht mehr. In jedem Fall ist der Juckreiz deutlich reduziert und es gibt so gut wie keine üblen Riesenquaddeln. Trotzdem bleibt natürlich das Ziel möglichst wenig Stiche zu bekommen. Aber Mückenschutzmittel sind ja ein eigenes Kapitel für sich!

4) Die Universal-Wäscheleine: nicht nur für die kleine Wäsche zwischendurch in Kombination mit unserem patentierten neusten Reise Gadget „Waschsack“, sondern auch für Badesachen oder andere Dinge denen ein Hauch frischer Luft gut tut ein echter Gewinn. Lässt sich fast überall variabel befestigen und hält sämtliche Wäsche ohne Wäscheklammern an der gezwirbelten Gummischnur. Klein zusammengelegt kann sie sogar mit an den Strand kommen.

5) Die Riesen-Mikrofaser-Handtücher: Kleines Packmaß, aber großer Nutzen! Die XXL Version reicht locker als Picknick- bzw. Stranddecke aus, kann einen Erwachsenen gut zudecken (z.B. im Arktis-klimatisisierten Bus), trocknet schnell und stinkt erstaunlich spät. Auch als improvisiertes Kopfkissen oder Kinder-Polster auf dem Fahrrad Gepäcktäger leistet es gute Dienste. Und das alles bei sehr verträglichem Packmaß und Preis!

Soviel zu den bisherigen Top 5, aber was war denn nun unnütz dabei? Bisher zum Glück die Regenjacken (die wir aber trotzdem lieber dabei haben – schließlich droht ja u.a. noch das feucht-fröhliche Thai-Lao Neujahrsfest) Das Moskitonetz musste bis jetzt auch erst einmal ausgepackt werden, da sonst welche vorhanden waren oder es keinen Bedarf gab, dito viele der sicherheitshalber eingepackten Medikamente sowie das Fahrrad Flick- und Pumpkit. Aber auch das weiß man ja nie so genau… Es bleibt also spannend!

Zufällig passend als Beitrag zur Blogparade bei 2onthego zu den unverzichtbaren Reisebegleitern. 🙂

Pyin Oo Lwin – unaussprechlich und erfrischend anders

Machen wirs kurz: Mandalay ist zwar besser als sein Ruf und vor allem eine Top Erkundungsbasis für die Umgebung, aber zur Bespaßung des Nachwuchs taugt die Stadt nur bedingt – zu heiß, zu viel Verkehr und irgendwann verlieren auch Pagoden und Kunsthandwerker ihren Reiz. Also nix wie raus in die kühlen Berge!

Östlich von Mandalay an der legendären Lashio Road liegt das Städtchen Pyin Oo Lwin. Wie man es 100% korrekt auspricht konnen wir nicht vollends klären, aber mit „Pü-uh-linn“ wird man zumindest verstanden. Die Briten haben sich hier einst zur Abkühlung zurückgezogen, und in der Tat fällt das Thermometer glatt  unter 30 Grad. Die Straße wird gerade zu einem mehrspurigen Oriental Highway ausgebaut und ist eine wichtige Handelsroute nach China, vom Blumenmarkt am Beginn der Straße berichteten wir ja bereits. Abgesehen von den Baustellen kommt der Ausbau auch den Tagesausflügler zugute, da die Serpentinen im zweiten Abschnitt ordentlich Steigung haben und nicht alle Verkehrsteilnehmer adäquat motorisiert sind.

Noch bevor man die Stadt erreicht geht es nach links ab zum Dat Taw Gyaint, dem höchsten der Anisakan Wasserfälle. Ab dem Tempel kommt man nur noch zu Fuß weiter ins tiefe Tal (ein paar Einheimische nutzen den Roller zur Belieferung der verstreuten Holzbuden am Wegesrand, aber denkt nicht mal dran). Unten taucht dann zunächst eine Buddhastatue im Dschungel auf, über dem eine halbe zerstörte Hängebrücke baumelt, dann eröffnet sich hinter einer Stupa der Blick auf den selbst in der Trockenzeit noch beachtlich rauschenden Dat Taw Gyaint, der hier über 200 Meter ins Tal donnert. Falls die Indiana Jones Macher noch nach Drehorten für einen neuen Teil suchen, sollen sie hier mal vorbeikommen! Die Rechnung kommt am Schluss: Der steilen Etappen des Abstiegs entpuppen sich – oh Wunder – als steile Aufstiege, und je nach Zusammensetzung der Wandertruppe sind ggf.  Motiviationskünste gefragt bis der Parkplatz wieder erreicht ist wo auch kühle Getränken winken. Die optimistischen 30-45 Minuten Wanderzeit die unser Fahrer in Aussicht gestellt hatte gelten wohl nur für trainierte Sportler oder schlanke Flip-Flop Burmesen.

Auch die Badefraktion soll nicht zu kurz kommen: Ein paar Kilometer hinter Pyin Oo Lwin präsentieren sich die Pwe Kauk Wasserfälle in hübscher Natur.  Nicht ganz so spektakulär wie der große Bruder im Westen, aber dafür herrscht hier zumindest am heutigen Samstag  eine Art Volksfeststimmung. Während die jüngeren Mitreisenden die (funktionstüchtige) Hängebrücke oder das wassergetriebene (!) Öko-Karussell zu schätzen wissen, können die Damen Strickmützen oder Stofftaschen mit Elefanten shoppen, während sich die Herren der Schöpfung im LKW Schlauch über den grün schimmernden See treiben lassen oder eine Dusche im Wasserfall nehmen. Je nach Klischeeneigung kann die Rollenverteilung natürlich auch anders aussehen, in jedem Fall ein sehr kurzweiliger Abstecher für die ganze Familie!

Die Reiseführer sind sich einig: Kein Besuch in Pyin Oo Lwin ist komplett ohne einen Abstecher zum botanischen Garten (National Kandawgyi Gardens). Nach einer Klassenfahrt zur Landesgartenschau vor gut 25 Jahren rangieren künstlich angelegte Gärten bei mir zwar eher in der Kategorie „potentiell langweilig“, aber da wir zumindest bei Kandy schon mal einen durchaus spannenden Tag im botanischen Garten bei Peradeniya verbracht haben, sind wir zumindest nicht abgeneigt. Das Restaurant wirkt zwar sehr nobel was man als Deutscher immer gleich mit überhöhten Preisen assoziiert, die Karte erfreut jedoch mit lokalen Gerichten zu äußerst günstigen Preisen. Das riesige Gelände gleicht dann auch eher einem kleinen Park, es gibt natürlich die obligatorischen Blumenarrangements, aber auch weite Bambuswälder, exotische Vögel und fette Karpfen (?) sowie einen etwas absteis gelegenen Aussichtsturm.

Das Highlight für Felix (und offenbar auch die einheimischen Kids) war aber zweifelsohne der parkeigene Spielplatz mit Kinderlabyrinth, Schaukeln und anderen Gerätschaften, die man selbst in Großstädten wie Mandalay leider immer noch viel zu selten vorfindet. Als wir abends zurück kommen ist es längst dunkel, 60$ hat uns das Auto nebst sympathischen Fahrer für einen Tag inklusive Spesen gekostet, die Investition hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Woanders is auch schön!