Jäger des verborgenen Strandes – auf Rollertour zwischen Maungmagan und Pa Nyit

Der Maungmagan Beach ist zwar reich an Lokalen, aber die Gefahr dort Abends zu versacken ist tendenziell eher gering, und so fällt es einem auch nicht weiter schwer, vor Sonnenaufgang wieder auf den Beinen zu sein. Die Sonne geht bekanntlich im Osten und somit über den bewaldeten Bergen auf, die den Strandbereich vom „Daweier“ Hinterland trennen. Während die Sonne den Morgennebel wegbrutzelt, befinden sich die Maungmaganer entweder noch draußen auf Fischfang (die Boote von gestern scheinen noch fast alle auf Achse zu sein), oder fegen eifrig den Sand vor ihren Restaurants. Maungmagan wird zwar gerne als vermüllt kritisiert – und es gibt in der Tat einige vereinzelte unschöne Plastikberge – aber der Weg vor der „Restaurantmeile“ ist zumindest zu dieser frühen Stunde picobello in Schuss. Zurück an der Basis ist der Rest der Familie inzwischen auch wach und es gibt ein nettes Open-Air-Frühstück mit Meerblick!

Ich hatte die Lady vom Long Beach gestern Abend gefragt, ob sie uns für heute einen Roller organisieren kann, und pünktlich zur vereinbarten Zeit steht tatsächlich ein freundlicher Herr vom hiesigen Verleih mit einen Gefährt auf der Matte. Der Reisepass bleibt als Pfand da, was man aber auch aus anderen Ländern kennt, dafür gibt es für gut 10$ ein vollgetanktes und optisch einwandfreies Vehikel mit richtigem Vertrag, Helmen und einer leicht improvisierten Karte.  MauMau hat demzufolge heute Mittag frei, zumal die Strecken zu den meisten Stränden in dieser Ecke mit gewöhnlichen PKWs ohnehin kaum zu befahren sind. Und wir brauchen seinen Toyota schließlich noch für den steinigen Weg zur thailändischen Grenze! 🙂

 

Unsere Tour führt uns zunächst zum winzigen Kan Pa Ni Village  (Schreibweisen können wie üblich variieren) im Landesinneren südlich von Maungmagan auf einer zunächst recht komfortablen Straße, die von dort weiter zum San Maria Beach führt und zunehmend holpriger wird. Der Strand ist riesig und ganz OK, aber es gibt zu wenig Vegetation um echtes Tropenfeeling aufkommen zu lassen. Also lieber mit Schwung um den Berg herum, wo man am Fuße der Myaw Yit Pagoda landet, der man auf jeden Fall einen Besuch abstatten sollte! Die liegt nämlich pittoresk auf einer kleinen vorgelagerten Insel über eine schmale Brücke mit dem Festland verbunden, hier ist dann auch Endstation für den Roller und Zeit für eine Snack-Pause.

Da die Straße an der Pagode endet muss man zunächst den gleichen Weg nach Kan Pa Ni zurück, biegt dann aber hinter dem „Island Travel & Tours“ Shop nach rechts auf eine nicht asphaltierte Straße ab – Schilder sind hier leider Mangelware, lateinische Buchstaben sowieso. Der Weg wird nun zunehmend abenteuerlicher und vor allem bei den Aufstiegen weiß man es schnell zu schätzen, wenn der Roller ausreichend Reserven unter der Haube hat. Es geht auf und ab über diverse Kurven, aber verfahren kann man sich eigentlich nicht wirklich, und zumindest in der Trockenzeit ist der Weg trotz Schlaglöchern gut zu befahren, wenn auch vielleicht nix für die allerersten Roller-Fahrstunden. Irgendwann taucht  in der Ferne die Andamanensee wieder auf, es folgt ein Minidorf (spätestens hier oder besser noch vorher sollte man sich mit Getränken eindecken!) in dem man sich rechts hält und dann ist er da: Der Pa Nyit Beach – touristisch völlig unerschlossen, traumhaft schön und fast menschenleer. Etwaige Schmerzen im Hintern ob der holprigen Anfahrt sind rasch vergessen! Weiter südlich soll es auf der Dawei Halbinsel angeblich noch zig weitere solcher einsamen „Strandschätze“ geben, die man nur mit Roller und einer tüchtigen Portion Enthusiasmus erreichen kann, Interessierte finden hier oder hier weitere Inspirationen. Wir sind erstmal mit unserm Pa Nyit hochzufrieden und schlagen ein behelfsmäßiges Quartier auf.

Lässt man den Abzweig zum Strand links liegen gelangt man geradeaus am Nordende über die Sandpiste noch zu einer weiteren kleinen Pagode auf einem Felsen im Meer. Auf der Jagd nach einem möglichst günstigen Winkel für ein Feierabendfoto missachte ich unnötigerweise die goldene Regel, dass man nicht gleichzeitig die Augen am Sucher haben sollte, während man barfuß über scharfe Felsen kraxelt, und stolpere prompt in eine tiefe Spalte. Glück im Unglück: Die Gegenlichtblende aus Plastik verhindert ernsthafte Schäden am Objektiv, das wir sonst im weiteren Reiseverlauf sicher schmerzlich vermisst hätten, und die langen Hosen die wir aus Prinzip immer auf Rollerfahrten tragen, fangen einen Teil der „Schärfe“ ab. Die Wunde blutet trotzdem heftig und ich muss mich erst mal hinlegen. Ruckzuck kommen ein paar einheimische Gäste sowie der lokale Mönch herbeigeeilt und bieten ihre Hilfe und Tee an. Maria hat auch stets ein gut bestücktes Erste Hilfe Kit dabei, das zwar ursprünglich eher für Felix gedacht war, aber auf Reisen meist eher für den Vater herhalten muss 🙂 Nachdem der erste Schrecken vergangen und die Wunde ausreichend versorgt ist, können wir zumindest ohne Probleme nach Maungmagan  zurück fahren, eine knappe Stunde sollte man hierfür übrigens durchaus rechnen. Natürlich fahren wir nicht ohne zumindest eine kleine Tempelspende zu hinterlassen, die freundlichen Helfer wollen natürlich alle keineswegs etwas annehmen. Was für’n Tag!

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Dawei sein ist alles – der weite Weg nach Süden

Der Tag beginnt mit einem Schreck: Das Geld ist weg! Nicht unsere Barvorräte, aber die von Maumau, der den Verlust gerade an einer Tanke südlich von Mawlamyaing festgestellt und darüber verständlicherweise so gar nicht amused ist. Natürlich fahren wir erstmal wieder zurück in Maumaus Guesthouse, auch wenn sich keiner allzu große Hoffnung macht, dass die Scheine wieder auftauchen. Das tun sie zwar auch nicht, aber immerhin kann er anschließend den Tathergang vor dem geistigen Auge weitgehend reproduzieren, und scheint dadurch schlagartig wieder seine buddhistische Gelassenheit zurückerlangt zu haben! Ich werde mich hingegen noch Weilchen darüber ärgern, wie jemand diesen sympathischen Landsmann bestehlen kann, der gewiss selber nicht wirklich reich ist. Allerdings ist das Ganze auch für uns eine Warnung: Passt auf eure Sachen auf – die Leute mögen noch so nett sein, schwarze Schafe gibts leider immer!

Zurück auf der Road 8 Richtung Thanbyuzayat können wir uns dann wieder den schönen Dingen des Landes widmen, zum Beispiel der Landschaft. Rechts und links tauchen plötzlich 2 markante Karstfelsen auf, die natürlich von Tempeln gekrönt sind. Wie die spätere Recherche ergibt nennt sich der westliche von beiden Kyauktalon Taung. Für eine Besteigung reicht die Zeit leider nicht aus, ist aber sicher ein schöner Tagesausflug von Mawlamyaing aus, bei dem man garantiert wenig andere Besucher trifft. Bei unserem nächsten Stopp am liegenden Buddha Win Sein Taw Ya ist schon ein wenig mehr los, aber schließlich handelt es sich auch um den größten liegenden Buddha der Welt. Ob diese Information noch aktuell ist weiß ich nicht, gerade in Asien ist man mit Buddha-Superlativen ja nicht gerade sparsam, aber unabhängig der Größe weist der stolze Bau noch eine weitere Besonderheit auf: Er ist innen (!) begehbar!

Wir wählen den Eingang am wenig besuchten Fußende. Innen wird seit Jahrzehnten immer noch fleißig gemalt und gemauert und man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Baustelle, aber viele der Kammern (182 sollen es angeblich sein) sind bereits fertig gestellt und zeigen Szenen aus dem Leben Buddhas oder hier und da vielleicht auch einfach nur Szenen aus vergangenen Zeiten, die Übergänge scheinen fließend. Manche Szenen sind recht gruselig, andere unfreiwillig komisch aber beeindruckend ist das Innenleben allemal. Auf jeden Fall auch für Kinder ein spannendes Erlebnis, wenngleich einige Kammern nicht ganz als jugendfrei durchgehen. Zum Abschluss lassen wir uns natürlich auch nicht lumpen und spenden eine Kachel fürs Buddha-Gewand.

Nach dem Buddha Sightseeing wird es aber höchste Zeit, etwas Strecke zu machen. Stolze 322 Kilometer weist Google für den Trip von Mawlamyaing nach Maungmagan aus, und noch bis 2013 war der Landweg nach Dawei für ausländische Touristen komplett tabu. Die Infrastruktur hinkt dementsprechend etwas hinterher, aber der Zustand der Straße ist inzwischen überwiegend in Ordnung und an allen Ecken raucht heißer Teer in Tonnen vor sich hin, es wird fleißig verbreitert, und auch die letzten nicht asphaltierten Etappen dürften bald verschwunden sein. Felix haben wir in weiser Voraussicht mit ausreichend Hörspielen eingedeckt, so dass die Fahrt eigentlich überraschend entspannend verläuft und wir mit ausreichend Tageslichtreserven am späten Nachmittag in Dawei einrollen. Jetzt erstmal eine Suppe!

Eine gute Woche sind wir jetzt schon in Asien unterwegs ohne das Meer gesehen zu haben, Dawei ist der perfekte Ort dies zu ändern – die Andamanensee die wir schon aus Thailand kennen liegt schließlich vor der Haustüre, und an Stränden mangelt es auch nicht. Wir steuern den Maungmagan Beach an, der zwar im direkten Vergleich mit den etwas etwas abgelegenen südlichen Stränden eher schlecht abschneidet, aber hier gibts sowohl Unterkünfte als auch Restaurants und beides ist andernorts eher rar gesät. Der Tripadvisor Liebling Coconut Guesthouse ist ausgebucht, liegt aber auch zu weit vom Meer weg um als strandnah durchzugehen, und ein herzlicher Empfang geht auch anders. Am relativ neuen Long Beach Resort werden wir schließlich fündig, für ~35$ gibts einen sauberen Reihenbungalow, einen angemessenen Fahrer-Rabatt und – entgegen der Vorhersagen – auch einen relativ sauberen Strandabschnitt mit ausreichend Buddelpotential dazu!

Es mag sich in den nächsten Jahren noch ändern, aber heuer sieht man hier fast nur Einheimische und die lokale Fischerei scheint noch hoch um Kurs zu stehen. Da die Boote nachts raus fahren, kann man bei Sonnenuntergang zuschauen, wie Netze geflickt und Boote bepackt werden. Das ist echtes Myanmar Feierabend TV! Verhungern muss hier natürlich auch keiner, an der „Strandpromenade“ reiht sich ein Lokal ans andere. Michelin Sterne oder Schickimicki Bars sucht man allerdings vergebens, aber wen es in diese Ecke verschlägt, der sucht die auch nicht wirklich. Und keine Angst – auch es nirgendwo beworben wird (was wohl eher „lizenzrechtliche“ Gründe hat :-)) ist ein kühles Myanmar Bier niemals weit!

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Sitzende Buddhas, Inseln zum Haare waschen und ein Geheimtipp mit Aussicht – nachmittags in Mawlamyine

Nach dem schweißtreibenden Radtrip durch Mawlamyine  Downtown am Morgen ist erstmal eine ausgiebige Dusche fällig. Viel Zeit zum trocknen und ausruhen bleibt nicht, denn Maumau steht entgegen aller Südostasien Klischees mal wieder extrem pünktlich auf der Matte. Die Fahrt geht gen Süden, wir lassen uns überraschen wohin, aber den Ankündigungen entnehme ich, dass Buddha in irgendeiner Form involviert ist. An der auf den ersten Blick eher unscheinbaren Kyaikmaya Pagode kommen wir schließlich zum Stehen. Im Außenbereich gibt es einen großen goldenen Stupa, ein von Schildkröten (über-)bevölkertes Becken sowie eine etwas mitgenommene Weltkugel mit einer Statue zu entdecken, die ein wenig an Fritz Wepper erinnert (genau: der Harry mit dem Wagen).  An den Wänden dominieren Mosaike aus kleinen Spiegeln und in der Tat gibt es zahlreiche Buddhafiguren in diversen Posen. Aber erst auf den 2. Blick erkennen wir im Zentrum die Besonderheit, auf die uns Maumau auf der Fahrt aufmerksam machen wollte: Der Buddha sitzt! Also nicht wie üblich im Lotussitz, sondern mit herunterhängenden Beinen, so wie wir Europäer das für gewöhnlich tun (hier gibt es noch nähere Erläuterungen zu Buddhas Sitzgewohnheiten). Ob das wirklich einzigartig ist sei mal dahin gestellt, aber uns fällt spontan zumindest kein zweites Exemplar ein.  Insgesamt also  ein durchaus interessanter Tempel, zumindest für alle die die „Klassiker“ in der Region schon durch haben.

Zeit für Lunch, Zeit mein frisch erradeltes Wissen vom Vormittag zum Besten zu geben. An der Strand Road wars am schönsten, da sollte es doch sicher auch was leckeres zu Essen geben. Wir landen schließlich im gut gefüllten Bone Gyi, dessen zweites Standbein der Verkauf von edlem Fusel zu sein scheint – selten sieht man in dieser Ecke Myanmars derart üppig gefüllte Flaschenregale in normalen Restaurants.  Auch die feste Nahrung schmeckt gut, kann man also hingehen . Anschließend fahren wir zum Ufer östlich der Mawlamyaing Brücke. Hier legen die Boote nach Gaungse Kyun ab und wir ergattern noch ein paar der letzten Plätze. Wer den Namen noch nie gehört hat braucht sich übrigens nicht zu schämen, da das Inselchen meist „Shampoo Island“ genannt wir, weil hier das heilige Quellwasser für die jährlichen königlichen Haarwaschzeromien entsprungen ist. Heutzutage werden die Häupter hier eher selten gewaschen, da die königlichen Zeremonien längst passé sind und die Insel nur noch von Mönchen bewohnt ist, die sich ja bekanntlich bei Einzug ins Kloster ihrer Haarpracht entledigen. Shampoo Island ist üppig begrünt aber strandlos und nicht wirklich groß, in einer Stunde hat man locker jede Ecke dieses Mikrokosmos inklusive des Klosters erkundet. Lohnt sich unserer Meinung nach trotzdem! Profi-Tipp: nicht das edelste Schuhwerk mitnehmen, denn die zieht man direkt am Anleger aus (offenbar gilt die gesamte Insel als Tempelgelände) und die heimischen Hunde schienen teilweise recht erpicht auf neues Spielzeug… Unsere gut abgehangenen Flip Flops wurden aber glücklicherweise verschmäht!

Unser Loose Myanmar Reiseführer ist schon etwas betagt und war bereits gebraucht, als wir ihn beim ersten Myanmartrip 2015  an Bord hatten. Im Kapitel Mawlamyaing findet sich ein Exkurs mit dem verlockenden Titel „Sonnenuntergang mit Panoramablick“. An der Kyaik Fin Gu Pagode auf der anderen Seite der Brücke bei Mottama soll man angeblich spektakuläre Ausblicke auf die zahlreichen Flussarme in der Umgebung haben, und das auch noch in weitgehender Einsamkeit! Wir sind zugegebenermaßen etwas skeptisch: Da sich Myanmar in den letzten Jahren so rasant entwickelt hat, dürfte die Einsamkeit in populären Ecken sicher ähnlich wie in in Bagan längst Geschichte sein. Wir fahren trotzdem rüber, zumal Maumau den Tempel offensichtlich noch nicht kennt – und das will ja was heißen! Die beiden Abzweige nach der Brücke ohne sichtbare Beschilderung sind schon mal nicht auf Massentourismus ausgelegt, auch die Straße die sich auf den Berg windet gleicht eher einem Feldweg.

Kurz vor dem Kloster ist dann Endstation für Automobile, und die Loose Textbox hat wahrhaft nicht übertrieben: Die nahezu 360° Aussicht auf die Mawlamyaing Brücke, den Thanlwin River und das Delta im Südwesten ist wirklich phantastisch, und dabei steht die Sonne noch relativ hoch.  Selbst der ansonsten recht coole Maumau ist sichtlich beeindruckt von diesem Ort und rennt begeistert durch die Büsche, um ein paar Smartphone Fotos zu schießen. Wir freuen uns diebisch, dass wir diesem alten Hasen offenbar doch noch eine neue spektakuläre Ecke zeigen konnten, und hoffen seine nächsten Gäste kommen auch in diesen Genuss. Und selbst als sich die Sonne irgendwo über dem Flussdelta verabschiedet, sind wir abgesehen von den Mönchen im anliegenden Kloster die einzigen Gäste. Kino Grande!

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Nachradler gesucht – Auf und Ab in Mawlamyine

City Biking boomt nicht nur in Europa sondern auch in Südostasien! Selbst in tendenziell eher radfeindlichen Metropolen wie Bangkok oder Phnom Penh wächst das Angebot an Touren, und unsere Radeln auf Reisen Seite wächst munter mit. In Mawlamyaing – dem designierten Tor zu Myanmars tiefem Süden – ist man davon aber noch weit entfernt, und das obwohl die relaxte Stadt eigentlich prima auf zwei Rädern zu erkunden ist. Höchste Zeit also für einen Versuch in Eigenregie …

Es geht los im Queen Jamadevi in einer ruhigen Ecke abseits vom Stadtkern (zur Karte). Das ist natürlich keine Grundvoraussetzung für den Trip , aber wir wohnen nun mal da und die übrigens durchweg empfehlenswerte Bleibe löst gleich zwei wichtige Probleme: Es gibt anständige Kawasaki (!) Räder mit Schaltung und funktionierender Bremse, und eine brauchbare Karte obendrauf – beides unerlässlich für einen entspannten Trip. Weiter geht’s bis zu einem großen Kreisel mit bunten Soldaten, offenbar ein weniger dekoratives Erbe des Militärregimes. Hier kann es mitunter etwas hektisch werden, aber wir verlassen den Kreisel auch gleich an der 2. Ausfahrt Richtung Kyaikkami Street (nicht auf die Road 8) und biegen gleich die zweite Straße wieder scharf nach rechts oben ab. Jetzt wird es ruhig … und steil … und schön, sollte nichts davon zutreffen ist man wahrscheinlich falsch abgebogen.

Die Straße schlängelt sich weiter in nördlicher Richtung und beglückt den keuchenden Radler mit einer beeindruckenden Tempeldichte. Ein netter Viewpoint mit relativ unverbautem Blick auf den Saluen Fluss – auch bekannt als Thanlwin – lädt zum verschnaufen ein. Wer es spiritueller mag ist unter dem schattigen Baum an der U Zina Pagode gut aufgehoben, und mit dem Sri Shamuganathar ist auch ein Hindutempel vertreten. An der Kyaik Tan Lan Pagoda führt natürlich ebenfalls kein Weg vorbei, auch wenn es eigentlich ein klassischer Sunset Spot ist (wir berichteten). Tagsüber sieht man hier kaum westliche Gesichter, und dafür um so mehr Myanmar Wusel-Alltag.

Anschließend geht es auch endlich wieder bergab. Zur Linken befindet sich das koloniale Gefängnis aus dem Jahre 1908, das aber allenfalls für Freunde zeitgenössischer Knastarchitektur interessant sein dürfte. Rechts hingegen passiert man den Nachtmarkt der auch bei Tag aktiv ist und durchaus einen Stop wert ist. Am Ende und sozusagen „zurück im Tal“ biegt man rechts in die Upper Main Road ab, die abermals in einen großen Kreisverkehr mündet, diesmal aber ohne bunte Soldatenfiguren sondern mit einem überdimensionalen goldenen Hahn (wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht täuscht). Von hier gelangt man direkt auf die große 3,5 km lange Mawlamyaing Brücke, die auch von der Bahn genutzt wird. Radfahrer zahlen keine Maut! Von hier hat man eine ganz adrette Sicht auf die Stadt, wer Zeit und Abenteuerlust mit bringt kann auch ganz rüber nach Mottama fahren und neue Welten erkunden. Es gibt zwar keinen Radweg auf der Brücke selbst, aber der Verkehr und Luft waren zumindest morgens gegen 10:00 erträglich.

 

Ich fahre zurück bis zur auffälligen Kaladan Mosque und von dort auf die Strand Road ans Ufer. Einen Strand gibt es hier zwar leider nicht, aber es ist trotzdem eine sehr schöne Strecke direkt am Fluss mit vielen Bäumen und nicht all zu viel Autoverkehr. An den Piers kann man das Be- und Entladegewusel beobachten, empfehlenswert ist auch ein Stop am Delifrance Bakery House, wenn es einen nach edlem Gebäck oder einem ordentlichen Espresso gelüstet, wie es ihn zuhause nur in überteuerten Cafés gibt. Am Ende wird die Strand Road dann aber schlagartig  langweilig, und es wird Zeit sich links zu halten und die Lower Main Road und ihre Seitenstraßen zu erkunden. Hier habe ich mich dann trotz Karte wie üblich doch noch verfahren, und kann daher keine detaillierten Tipps mehr geben. Aber früher oder später findet man irgendwie zum großen „Soldaten-Kreisverkehr“ im Südosten zurück.

Wer mehr Zeit hat kann auch einfach die 8 weiter gen Süden fahren, oder auf der großen Straße Richtung Queens bleiben, die einen früher oder später bis nach Hpa-an führt. Ich habe auf dem Rückweg am Ende noch einen Schlenker nach rechts auf einen Feldweg gemacht (siehe Karte unten) und den strahlend weißen  Tempel links im Bild entdeckt – sicher nicht der Größte  im Lande, aber definitiv in keinem Reiseführer erwähnt. Und jetzt viel Spaß beim Nach- und Weiterradeln!

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Und hier gibts die Map zum Trip (natürlich ohne Gewähr) 

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Tagesmenü: Hpa-an Höhlenhopping mit Mawlamyine Sunset

Yes! Siebenunddreißig! Zugegebenermaßen keine wirklich spektakuläre Zahl wie 42 oder 11, aber dennoch ist die digitale 37, die mir gerade vom Fieberthermometer angezeigt wird, für mich die beste Nachricht des noch jungen Tages: Das Fieber von gestern hat sich nach knapp zwölf Stunden im Bett endlich verzogen, und ich fühle mich auch deutlich weniger schlapp. Maumau taucht ebenfalls gut gelaunt kurz nach dem Frühstück auf, und hat nach dem gestrigen Abstecher zu den Bayin Nyi Naung Höhlen noch mindestens zwei weitere „must see“ Höhlen in der Umgebung von Hpa-an auf der Agenda. Als erstes steuern wir nach einer kurzen Fahrt die Kawgun Caves an. Hier beeindruckt vor allem der Eingangsbereich vor der Höhle mit den unzähligen Reliefs, wo zudem noch gerade die Buddhas frisch getüncht werden und golden in der Morgensonne strahlen.

Ein paar Kilometer weiter durchs grüne Feld wartet der Yathaypyan Cave auf neugierige Höhlenforscher. Nach einem kurzen Aufstieg steht man auf einer Terrasse zusammen mit zig Buddha Statuen mit Blick in die Ferne. Die Aussicht ist wirklich großartig, tauscht man gedanklich die Hügel von Hpa-an gegen den Mekong, erinnert die Szenerie mit den Silhouetten fast ein wenig an Pak Ou in Laos (wer da mal hin radeln möchte: Bitteschön). Auch innen gibts einiges zu erkunden, hier kann man nämlich auch richtig tief in den Fels rein marschieren. Insofern auch für Kinder ganz spannend, die sich ja allgemein eher weniger für Statuen und Fresken interessieren.

An weiteren Höhlen in der Umgebung mangelt es zwar nicht, aber ich will es nach der flotten Genesung auch nicht gleich übertreiben, und außerdem müssen wir auch erstmal im Thiri Hpa An auschecken. Allerdings nicht, bevor wir nicht einmal den Außenpool gebührend getestet haben. Pools sind in dieser Ecke nämlich zumindest in der Guesthouse-bis-Mittelklasse eine echte Rarität, und dieser hier wartet sogar noch mit einer 1a Aussicht auf einen dicht bewaldetet Karstfelsen auf.  Das Hotel fanden wir ja ingesamt eigentlich nicht so dolle, aber für das Badeerlebnis gibts auf jeden Fall Bonuspunkte, auch wenn es natürlich Sünde ist, in einer solchen Landschaft mehr als eine Stunde am Pool zu lungern 🙂

Unsere nächste Station auf dem Weg in den Süden heißt Mawlamyaing und ist nicht wirklich weit von Hpa-an entfernt, und da wir uns dort auch endlich mal zwei Übernachtungen gönnen wollen, gibt es keinen Grund zu übertriebener Eile. Am Fuße des imposanten Mount Zwegabin (725m) befinden sich die Buddha Gärten, in der Reiseliteratur auch gerne als Lumbini Park bezeichnet (nach Buddhas angeblichem Geburtsort in Nepal). Wer nach den Höhlenbesuchen meint noch nicht genug Buddhastatuen gesehen zu haben, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten: Über die genaue Anzahl ist man sich zwar nicht so ganz einig, vier(!)stellig dürfte sie aber in jedem Fall sein. Am Ende der Gärten beginnt auch der Aufgang auf den Berg. Dafür haben wir heute weder Zeit noch Kondition, aber nicht nur wegen des entgangen Aufstiegs kann ich den Familienrat hoffentlich davon überzeugen, irgendwann nochmal Station in Hpa-an zu machen. Übrigens: Die Grenze nach Thailand bei Mae Sot / Myawaddy ist von hier gar nicht weit weg, und seit ein paar Jahren auch für Ausländer passierbar, Ideal also für eine Myanmar – Thailand Kombi!

Bevor wir Hpa-an endgültig hinter uns lassen stoppen wir noch an einer letzen Höhle, die trotz der starken Konkurrenz zum heutigen Favoriten avancieren soll: Die Sadan Caves. Der Eingangsbereich wirkt zunächst etwas kitschig mit einem neonfarbenen liegenden Buddha, aber dann gehts auf einem langen Trip ins dunkle Innere, dämmrige Brücke und Stalaktiten inbegriffen . Es gibt zwar elektrisches Licht, aber eine Stirnlampe ist sicher keine schlechte Idee. Und noch ein Tip: Wie üblich ist die Höhle barfuß zu betreten, aber man sollte seine Schlappen in einer Tüte mitnehmen und nicht am Eingang zurück lassen (wie wir). Dazu später mehr!

Hat man die Höhle durchquert, steht man am Ende vor einer großen Felsöffnung und staunt (wahrscheinlich), denn beim Anblick des spiegelglatten Sees vor Felskulisse fühlt man sich abermals in ein Fantasy Epos versetzt. Am Ufer kann man sich ein Boot mieten (Preis habe ich nicht mehr im Kopf aber keiner ist in Ohnmacht gefallen) und sich gemächlich über den See und einen künstlichen Kanal durch die Reisfelder am Berg vorbei rudern lassen.  An einer improvisierten Kneipe ist dann Endstation, der Bootsmann dreht wieder um, der Passagier gönnt sich ein kühles Myanmar Bier, bevor man über einen Feldweg wieder an den eigentlichen Eingang der Höhle zurückkommt. Wer Tip Nr. 2 beherzigt hat, freut sich jetzt auch über die mitgebrachten Schlappen – die Steine können nämlich ziemlich pieksen. Toller Abschluss, nur vereinzelte Müllhaufen konnten die Idylle hier und da stören.

Dann ist es aber wirklich Zeit für den Aufbruch. Über eine Sandpiste gelangen wir zurück zur Hauptstraße und nehmen Kurs auf Mawlamyaing. Das mitgebrachte Spielzeug überbrückt die Fahrzeit auf dem Rücksitz ganz gut – heute im Angebot: Chamäleons und Dinos. Als Bleibe haben wir uns das relativ neue Queen Jamadevi Hotel in einer ruhigen Ecke am Standrand ausgesucht, das auf den ersten Blick schon mal mit modernen Zimmern und nettem Personal überzeugt. Es gibt sicherlich viele interessante Sunset Spots in und um Mawlamyine, aber wer nicht all zu viel Zeit zum Überlegen hat (und die Sonne steht schon mächtig tief), kann mit der Kyaik Thanlan Pagoda eigentlich nicht viel verkehrt machen. Von der Straße aus überbrückt ein Turm den Höhenunterschied zum Plateau, oben dann die übliche Mischung aus goldenen Stupas, Einheimischen, Mönchen und vereinzelten westlichen Gesichtern – der Tourismus scheint in dieser Ecke Myanmars offenbar erst langsam Fahrt aufzunehmen. Das Abendlicht und der Blick auf den Thanlwin (Saluen) Fluss sind heute vom Feinsten, man munkelt übrigens, dass Herr Kipling ggf. hier wertvolle Inspirationen für seine berühmte Mandalay Ballade getankt hat (wo er ja niemals gewesen ist). Denkbar wärs, als die Sonne schließlich irgendwann im Delta entschwindet geht dann auch dieser bewegte Tag endgültig zu Ende. Morgen mehr!

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Let there be rock – zwischen Kyaiktiyo und Kyauk Ka Lat

Wer morgens unter den ersten Besuchern der Kyaiktiyo Pagode alias „Golden Rock“ sein will, muss entweder früh aus den Federn kriechen oder gleich oben am Gipfel übernachten. Als ich gegen 7 vor dem Eternity herum tigere herrscht auf jeden Fall schon reger Betrieb auf der Zubringerstraße, und ich nutze die Gelegenheit, um die Trucks aus der Ferne grob zu inspizieren. Die schlimmsten Befürchtungen malten wir uns etwa so aus: Zahllose Menschen drängeln sich stehend auf der unüberdachten Ladefläche eines schrottreifen Lasters der über eine staubige Sandpiste holpert. Die Realität sieht zumindest im Jahre 2017 anders aus: Die Trucks wirken gepflegt und voll aber nicht überfüllt, von dem Herrn am Heck abgesehen haben alle einen Sitzplatz, und die asphaltierte Straße würde auch im Ruhrgebiet als „gut in Schuss“ durchgehen.

Warten mit Stil

Nach dem Frühstück bringt uns Maumau zum Basecamp, wie die zentrale Pilgerverladestelle gemeinhin genannt wird. Man könnte die Strecke sicher auch problemlos laufen, aber für ihn scheint es eine Frage der Ehre zu sein, mit seinem Toyota immer so weit wie möglich vorzufahren. Wir sind ganz froh, dass er auch mit uns den Weg nach oben antritt, denn touristischen Luxus wie Hinweisschilder, Ticketschalter oder Hinweistafeln sehen wir spontan nicht – im übrigen auch keine Touristen. Wir nehmen in der vorderen Hälfte eines wartenden Trucks Platz und warten bis sich die übrigen Bänke füllen. Es ist eng aber erträglich, und außer den Plätzen neben dem Fahren gibt hier ohnehin nur „Economy Class“ – immerhin mit optionalen Sicherheitsgurten. Kurz vor Ende der Zusteigephase stolpert eine ältere Frau beim Überqueren der Ladefläche, erholt sich zunächst aber fällt dann wenige Minuten nach Abfahrt in eine Art Schock-Ohnmacht. Es dauert zwar etwas bis diese Nachricht zum Fahrer vorgedrungen ist, aber immerhin wird die Dame zügig evakuiert und erholt sich auch wieder, verzichtet aber dann doch auf die Weiterfahrt. Nach einem Tankstop geht es endlich nach oben, und zwar mit einem Tempo das ich den kleinen Lastern in Anbetracht der Steigung nicht zugetraut hätte. Felix sitzt bei Maria auf dem Schoß und trägt den Aufstieg mit Fassung, die knapp 45 Minuten sind auf jeden Fall alles andere als langatmig.

Laut Loose steht ausländischen Touristen am Ende nochmal ein einstündiger Aufstieg mit 300 Höhenmetern bevor, was aber nicht mehr (oder zumindest heute nicht) zu stimmen scheint – alle verlassen den Truck an der Endhaltestelle, wo eine Art Pilgerdorf beginnt. Dass es hier oben inzwischen auch 24h ATMs gibt dürfte Myanmar Pioniere sicher etwas irritieren, insgesamt geht das Treiben aber durchaus als authentisch durch und ist zudem überaus unterhaltsam. Die Angebote der Bambus-Sänften-Träger lehnen wir dankend ab, zahlen aber brav die Touristen-Eintrittsgebühr. Das letzte Drittel ist dann bereits Schuhfreie Zone und einige der Hotels die wir unterwegs passieren sehen sogar recht passabel aus. Natürlich wollen aber früher oder später alle ans Ende, wo der Goldene Fels leuchtend über dem Abgrund schwebt! Angeblich wird der Fels nur von einem einzigen strategisch platzierten Haar Buddhas im inneren der Stupa im Gleichgewicht gehalten, der Aufenthalt auf der Terrasse scheint trotzdem als risikofrei eingestuft zu werden. Es soll ja Besucher geben die am Ende in Anbetracht der mühsam bis abenteuerlichen Anreise eher enttäuscht zurück gekehrt sind – wir fanden sowohl den Fels selbst als auch das Drumherum großartig und jede Minute der Anreise wert, und für Hobbyknipser ist das Motiv ohnehin in Traum da der „Wow Effekt“ zumindest bei gutem Wetter quasi garantiert ist.

Maumau eröffnet uns derweil, dass man bereits mit den Planungen für eine Gondel aus dem Tal begonnen hat, die die Anreise deutlich bequemer machen soll. Ob das Projekt wirklich Fluch, Segen oder beides zugleicht ist, und es es überhaupt in absehbarer Zeit realisiert wird, bleibt abzuwarten. Eigentlich gehört ja die Anreise mit den Einheimischen auch irgendwie zum Gesamterlebnis dazu. Die Talfahrt kam uns dann übrigens auch gleich deutlich geruhsamer vor, und Felix hat es trotz harter Bank und Serpentinen tatsächlich geschafft nach halber Strecke einzudösen – im bequemen Flieger dauert das mitunter erheblich länger 🙂

Nach dem Checkout verabreden wir uns mit Maumau zwecks Weiterreise in den Süden. Das Personal kann es natürlich nicht mit ansehen, dass Gäste einfach so in der prallen Sonne stehen, und stattet uns mit den Warteschirmen des Hauses aus. Die erinnern ein wenig an die lustigen Dekoschirme, die man früher ins Eis gesteckt bekam. Just als wir uns ernsthaft wundern wo der ansonsten immer überpünktliche Herr Maumau wohl abgeblieben ist, taucht er grinsend wieder auf: Offenbar sind wir auf dem Rückweg in eine Schraube gefahren, den Reifen hat er aber mal eben wieder im Ort richten lassen – keine schlechte Performance, bei uns hätte das zeitlich wahrscheinlich gerade mal für einen Kostenvoranschlag gereicht.

Später queren wir die Grenze zum Kayin Staat. Das darf man sich nicht so wie die Landsgrenzen bei uns vorstellen, wo irgendwo ein verwaistet „Willkommen in NRW“ Schild in der Pampa steht: Hier gibt es noch  Schlagbäume und Polizisten, aber zumindest an dieser Grenze keine weitere Formalitäten. Felix interessiert das alles gar nicht, er ist auf dem Rücksitz völlig eins mit dem MP3 Player, den wir mit Yakari, Nimmerlandpiraten und sonstigen Hörspielen randvoll gepackt habe (unvergessen bleibt die legendäre „Plapperfahrt nach Battambang„, bei der wir in Sachen Langzeitbeschäftigung bei Tagesfahrten im Auto noch nicht ganz so versiert waren :-))

Unseren ersten Zwischenstop machen wir bei den Bayin Nyi Naung Höhlen in der Nähe von Thaton, bei dem Maumau ausnahmsweise mal draußen parken muss. Fast noch faszinierender als die Höhle selbst fand ich die bunten an den Hang geklebten Häuschen der Klosters, die sich werbewirksam im vorgelagerten See spiegeln und direkt aus einem Fantasyfilm stammen könnten. Das ist eben Myanmar, da reicht eine an sich schon beeindruckende Höhle nicht aus, es müssen selbstredend noch überall Buddhas hin, ein Tempel davor, ne‘ Stupa auf den Berg, und alles bitte schön in Gold. Hammeranblick! Ein paar Einheimische baden draußen in den angeblich heißen Quellen, normalerweise wäre das das Zeichen für mich da auch rein springen zu wollen, und das Zeichen für Maria mich davon abzuhalten, weil stehende heiße Gewässer in tropischen Gefilden auf der „Meiden“ Liste stehen. Aber mir ist auch gar nicht nach einem Bad, schon seit dem Rückweg vom Goldenen Fels fühle ich mich irgendwie schlapp und unwohl. Die übliche Diagnose wäre jetzt „Kreislauf wegen Rumlaufens bei sengender Mittagshitze“ oder „man wird eben nicht jünger“, aber mein Kreislauf verträgt Hitze (zumindest trockene) normalerweise ganz gut, und so bleibt nur die Hoffnung, dass ich mir nicht irgendeinen lästigen Virus eingefangen habe.

Vor den Toren Hpa-Ans lässt uns Maumau wissen, dass das kulinarische Angebot im Ort jetzt nicht wirklich Michelinverdächtig ist, er aber ein nettes Restaurant außerhalb kennt. Unweit der Thanlwin Brücke liegt es, das „Thai Village Restaurant“ – passend illustriert durch einen verschmitzten Mexikaner mit überdimensionalem Sombrero! Thai Food scheint in der Ecke gerade en vogue zu sein, es entpuppt sich aber als gemütliche und zudem preiswerte Oase mit reichlich Auslauf, und trotz Schläpplichkeit gelingt es mir immerhin einen Riesenpott Tom Yum und eine Cola zu vertilgen. Finaler Stop zum Sonnenuntergang ist heute die Kyauk Ka Lat Pagode südlich von Hpa An. Und wieder so ein Ort an dem man sich fragt: Ist das real? Wo sind die Hobbits? Wer soll bloß später zuhause diese ganzen Bilder ausmisten? Kleiner Wermutstropfen: Die gesamte vordere Hälfte die ich von anderen Aufnahmen als See in Erinnerung habe ist komplett trocken. Das sieht natürlich nicht ganz so märchenhaft aus wie ein spiegelglatter See, auf dem vielleicht noch gerade ein Fischer (oder eine Elfe) herumpaddelt, aber diese Felsnadel kann sowas auch nicht wirklich entstellen. Das Umfeld ist übrigens riesig und attraktiv, also ruhig ordentliche Schuhe und etwas Zeit mitbringen!

Auf dem Heimweg sagen wir auch noch der Sonne Tschüss, die hier im Märchenland natürlich auch nach allen Regeln der Kunst hinter einem Karstfelsen über einem sattgrünen Reisfeld entschwindet. Als Übernachtungsquartier haben wir heute das Thiri Hpa-An gewählt, obwohl es eigentlich über unserem Budget lag. Die Gegend um Hpa-An lockt zwar nicht erst seit gestern viele Reisende an, aber trotzdem ist das Übernachtungsangebot überraschend schwach, und vieles bereits lange vorab ausgebucht. Eins muss man unserer Bleibe lassen:  Riesige Zimmer haben sie, hier hätte man locker eine mittlere Geburtstagsparty feiern können. Leider trügt der erste Anblick etwas, irgendwie ist überall ein wenig der Lack ab und dazu kommt noch das leicht verpeilte Personal (zumindest das männliche – sorry Geschlechtsgenossen). Aber mir ist das heute gerade recht wurscht – das Fieberthermometer zeigt nämlich in der Tat  >38° und ich ziehe mich daher für die nächsten 12h in das überdimensierte Bett zurück, während Maria mit Felix auf Essensjagd gehen. Man sieht sich morgen bei hoffentlich normalen Temperaturen wieder – schließlich wollen noch viele Höhlen erforscht werden!

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Zurück im goldenen Land – Bagos Buddhas und eine kurze Ewigkeit in Kin Pun

Dienstag morgens kurz nach neun: Wir haben die relaxte Oase Ayutthaya Ost gegen den wuseligen Don Muang Airport im Norden Bangkoks getauscht.  Bis zum Abflug nach Yangon sind es noch weit über 2 Stunden, doch die Frage „Was machen wir hier bloß so lange?“ beantwortet sich beim Betreten der Abflughalle von selbst: Warten! An allen Air Asia Schaltern haben sich stattliche Staus gebildet, gespeist werden sie von einer zentralen Riesenschlange, die sich träge durch den kompletten Bereich zieht. Wir stellen uns brav am Ende der Polonaise an, irgendwann ruft ein Spaßvogel verzückt „Hey – they checked somebody in!“, und da man bei Air Asia in der Regel online eincheckt wundern man sich tatsächlich was hier eigentlich solange braucht.

In Yangon immigrieren wir dafür überaus zügig, zumal wir unser Visum bereits im Pass haben. Draußen erwartet ein grinsender Herr im Longyi (Sarong) einen Mr. Till und stellt sich als Maung Maung Aung vor. Es ist zwar nicht der Kollege, mit dem ich die letzten Wochen rege über E-Mail und Facebook kommuniziert habe, aber er kennt unsere Pläne, spricht passables Englisch, hat ein verkehrstüchtigen Auto und besteht auch den ersten Sympathie Check. Der Leser mag sich an dieser Stelle fragen, warum wir soviel Aufhebens um einen Airport Transfer machen, aber Maumau (wir wir unseren fahrenden Freund schnell der Einfachheit halber getauft haben) soll uns nicht etwa ins nächste Yangoner Hotel bringen, sondern uns mit seinem fahrbaren Untersatz eine Woche bis Htee Khee begleiten – ein abgelegener knapp 800km entfernter Grenzübergang im tiefen und touristisch noch recht unberührten Süden Myanmars. Und diesen Trip würde vermutlich nicht jedes herangewunkene Taxi einfach so mitmachen…

Wir verlassen schnell die letzten Ausläufer Yangons und die damit verbundenen Blechlawinen in Richtung Bago. Erster Halt ist Htauk Kyant, ein Soldatenfriedhof auf dem überwiegend alliierte Gefallen des 2. Weltkriegs ihre letzte Ruhe gefunden haben. Laut Loose bringt es zwar großes Unglück einen Friedhof gleich zu Anfang der Reise zu besuchen, aber laut Maumau ist das zumindest für uns Nichtbuddhisten Humbug, zumal unsere Reise ja streng genommen auch schon vor 3 Tagen in Bangkok begonnen hat. Der Anblick der unzähligen Grabsteine stimmt natürlich nachdenklich, vor allem wenn einem anhand der Inschriften bewusst wird, wie jung die meisten Gefallenen waren (wenn sie denn überhaupt namentlich bekannt waren). Aber das gepflegte Grün sorgt für eine parkähnliche und überaus friedliche Atmosphäre, die neben den ausländischen auch viele einheimische Besucher anzuziehen scheint, was ja irgendwie auch wieder im Sinne einer „Gedenkstätte“ ist.

Nach einer schnellen Mahlzeit und dem ersten Myanmar Bier seit 2 Jahren halten wir an der Kyaik Pun Pagode vor den Toren Bagos. Die vier offensichtlich frisch getünchten sitzenden Buddhas decken alle Himmelsrichtungen ab und leuchten fast schon surreal in der späten Mittagssonne. Vor allem sind sie weitaus größer als ich es von Bildern erwarte habe, und ich muss erstmal das Objektiv wechseln, damit alles im Rahmen bleibt. Felix muss derweil erstmal wieder die goldene Myanmar Regel lernen, dass Outdoor Tempel ohne Schuhwerk mächtig heiß werden können, wenn man beim Schattenhüpfen schludert. Als nächstes schauen wir beim liegenden Shwethalyaung Buddha vorbei, dessen kleiner Finger alleine 3 Meter misst (weitere spannende Fakten hier). Hier lohnt auch ein Blick hinter den Buddha – alleine für die Lektüre aller Mosaike würde gewiss ein Nachmittag drauf gehen.  Persönliches Tages-Highlight ist jedoch die Shwemawdaw Pagode, die optisch an die Schwedagon Pagode in Yangon erinnert, wobei es hier wesentlich ruhiger zu geht. Ein Blick in die entlegeneren Winkel deckt die gesamte Myanmar Skala von sympathisch bis kurios ab, wie zum Beispiel urige Wahrsagerhäuschen, freundlich grinsende Melonenverkäuferinnen oder winkende Goldeulen. Obwohl laut Guide in und um Bago noch zahlreiche spannende Sehenswürdigkeiten auf Gäste warten, müssen wir leider nach diesem Trio weiter ziehen, um bei Einbruch der Dunkelheit in Kinpun zu sein. Bago als klassisches Zwischenstopziel erscheint uns mit Blick auf die typische Myanmar Top Ten eher unterbewertet und hätte durchaus eine Übernachtung verdient.

Hinter Bago wird es dann sehr schnell sehr ländlich, und man sieht allenfalls mal hier und da eine kleine Pagode in der Botanik hervor blitzen. Als wir einen See passieren und ich gerade etwas eingedöst bin, malt die untergehende Sonne gerade ein paar besonders kitschige Farben in den myanmarischen Abendhimmel, und wie bestellt tuckert auch noch ein einsames Holzboot gen Osten (da man Touristen hier vergebens sucht werte ich das mal einfach als Glück). Der nächste ungeplante Stop ist dann leider weitaus weniger idyllisch, denn obwohl Maumau recht zivil fährt und auch die Straßen als passabel durchgehen, wird Felix plötzlich schlecht. Es bleibt zum Glück ein Einzelfall, den wir zu gleichen Teilen dem Lutscher aus purem Zucker sowie dem Lesen von kleingedruckten Playmobil Zeitschriften bei voller Fahrt zuschreiben.

Als wir im Eternity Resort hinter Kin Pun einrollen ist es bereits dunkel, daher entstand das Bild nebenan am nächsten Morgen vor dem Frühstück. Gebucht hatten wir bereits vorab, da die Ecke nicht umsonst den Spitznamen „Golden Rock Basecamp“ trägt und manche Unterkünfte schon Monate vorab ausgebucht sind. Das Personal scheint überaus bemüht dem Gast jedem Wunsch zu erfüllen, auch wenn dieser eigentlich wunschlos glücklich ist. Als ich mich kurz im angeschlossenen Lokal umsehen will, werde ich sofort umringt und bestelle aus Verlegenheit ein Bier, für das auch gleich 2 Bedienstete loseilen. Felix Magen hat sich zum Glück wieder beruhigt, und alle erfreuen sich am guten Essen. Auch an den recht modernen Zimmern gibt’s für den moderaten Preis nix zu meckern, einziger Kritikpunkt wären die superweichen Matratzen, bei denen mir mal richtig bewusst wird, warum so viele Leute keine weichen Matratzen mögen. Aber die Nacht wird ohnehin kurz, denn morgen wollen wir zeitig zum Golden Rock aufbrechen! Nach den unterschiedlichen Berichten steigt die Spannung wie abenteuerlich dieser Trip wohl werden wird.

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