Zurück im goldenen Land – Bagos Buddhas und eine kurze Ewigkeit in Kin Pun

Dienstag morgens kurz nach neun: Wir haben die relaxte Oase Ayutthaya Ost gegen den wuseligen Don Muang Airport im Norden Bangkoks getauscht.  Bis zum Abflug nach Yangon sind es noch weit über 2 Stunden, doch die Frage „Was machen wir hier bloß so lange?“ beantwortet sich beim Betreten der Abflughalle von selbst: Warten! An allen Air Asia Schaltern haben sich stattliche Staus gebildet, gespeist werden sie von einer zentralen Riesenschlange, die sich träge durch den kompletten Bereich zieht. Wir stellen uns brav am Ende der Polonaise an, irgendwann ruft ein Spaßvogel verzückt „Hey – they checked somebody in!“, und da man bei Air Asia in der Regel online eincheckt wundern man sich tatsächlich was hier eigentlich solange braucht.

In Yangon immigrieren wir dafür überaus zügig, zumal wir unser Visum bereits im Pass haben. Draußen erwartet ein grinsender Herr im Longyi (Sarong) einen Mr. Till und stellt sich als Maung Maung Aung vor. Es ist zwar nicht der Kollege, mit dem ich die letzten Wochen rege über E-Mail und Facebook kommuniziert habe, aber er kennt unsere Pläne, spricht passables Englisch, hat ein verkehrstüchtigen Auto und besteht auch den ersten Sympathie Check. Der Leser mag sich an dieser Stelle fragen, warum wir soviel Aufhebens um einen Airport Transfer machen, aber Maumau (wir wir unseren fahrenden Freund schnell der Einfachheit halber getauft haben) soll uns nicht etwa ins nächste Yangoner Hotel bringen, sondern uns mit seinem fahrbaren Untersatz eine Woche bis Htee Khee begleiten – ein abgelegener knapp 800km entfernter Grenzübergang im tiefen und touristisch noch recht unberührten Süden Myanmars. Und diesen Trip würde vermutlich nicht jedes herangewunkene Taxi einfach so mitmachen…

Wir verlassen schnell die letzten Ausläufer Yangons und die damit verbundenen Blechlawinen in Richtung Bago. Erster Halt ist Htauk Kyant, ein Soldatenfriedhof auf dem überwiegend alliierte Gefallen des 2. Weltkriegs ihre letzte Ruhe gefunden haben. Laut Loose bringt es zwar großes Unglück einen Friedhof gleich zu Anfang der Reise zu besuchen, aber laut Maumau ist das zumindest für uns Nichtbuddhisten Humbug, zumal unsere Reise ja streng genommen auch schon vor 3 Tagen in Bangkok begonnen hat. Der Anblick der unzähligen Grabsteine stimmt natürlich nachdenklich, vor allem wenn einem anhand der Inschriften bewusst wird, wie jung die meisten Gefallenen waren (wenn sie denn überhaupt namentlich bekannt waren). Aber das gepflegte Grün sorgt für eine parkähnliche und überaus friedliche Atmosphäre, die neben den ausländischen auch viele einheimische Besucher anzuziehen scheint, was ja irgendwie auch wieder im Sinne einer „Gedenkstätte“ ist.

Nach einer schnellen Mahlzeit und dem ersten Myanmar Bier seit 2 Jahren halten wir an der Kyaik Pun Pagode vor den Toren Bagos. Die vier offensichtlich frisch getünchten sitzenden Buddhas decken alle Himmelsrichtungen ab und leuchten fast schon surreal in der späten Mittagssonne. Vor allem sind sie weitaus größer als ich es von Bildern erwarte habe, und ich muss erstmal das Objektiv wechseln, damit alles im Rahmen bleibt. Felix muss derweil erstmal wieder die goldene Myanmar Regel lernen, dass Outdoor Tempel ohne Schuhwerk mächtig heiß werden können, wenn man beim Schattenhüpfen schludert. Als nächstes schauen wir beim liegenden Shwethalyaung Buddha vorbei, dessen kleiner Finger alleine 3 Meter misst (weitere spannende Fakten hier). Hier lohnt auch ein Blick hinter den Buddha – alleine für die Lektüre aller Mosaike würde gewiss ein Nachmittag drauf gehen.  Persönliches Tages-Highlight ist jedoch die Shwemawdaw Pagode, die optisch an die Schwedagon Pagode in Yangon erinnert, wobei es hier wesentlich ruhiger zu geht. Ein Blick in die entlegeneren Winkel deckt die gesamte Myanmar Skala von sympathisch bis kurios ab, wie zum Beispiel urige Wahrsagerhäuschen, freundlich grinsende Melonenverkäuferinnen oder winkende Goldeulen. Obwohl laut Guide in und um Bago noch zahlreiche spannende Sehenswürdigkeiten auf Gäste warten, müssen wir leider nach diesem Trio weiter ziehen, um bei Einbruch der Dunkelheit in Kinpun zu sein. Bago als klassisches Zwischenstopziel erscheint uns mit Blick auf die typische Myanmar Top Ten eher unterbewertet und hätte durchaus eine Übernachtung verdient.

Hinter Bago wird es dann sehr schnell sehr ländlich, und man sieht allenfalls mal hier und da eine kleine Pagode in der Botanik hervor blitzen. Als wir einen See passieren und ich gerade etwas eingedöst bin, malt die untergehende Sonne gerade ein paar besonders kitschige Farben in den myanmarischen Abendhimmel, und wie bestellt tuckert auch noch ein einsames Holzboot gen Osten (da man Touristen hier vergebens sucht werte ich das mal einfach als Glück). Der nächste ungeplante Stop ist dann leider weitaus weniger idyllisch, denn obwohl Maumau recht zivil fährt und auch die Straßen als passabel durchgehen, wird Felix plötzlich schlecht. Es bleibt zum Glück ein Einzelfall, den wir zu gleichen Teilen dem Lutscher aus purem Zucker sowie dem Lesen von kleingedruckten Playmobil Zeitschriften bei voller Fahrt zuschreiben.

Als wir im Eternity Resort hinter Kin Pun einrollen ist es bereits dunkel, daher entstand das Bild nebenan am nächsten Morgen vor dem Frühstück. Gebucht hatten wir bereits vorab, da die Ecke nicht umsonst den Spitznamen „Golden Rock Basecamp“ trägt und manche Unterkünfte schon Monate vorab ausgebucht sind. Das Personal scheint überaus bemüht dem Gast jedem Wunsch zu erfüllen, auch wenn dieser eigentlich wunschlos glücklich ist. Als ich mich kurz im angeschlossenen Lokal umsehen will, werde ich sofort umringt und bestelle aus Verlegenheit ein Bier, für das auch gleich 2 Bedienstete loseilen. Felix Magen hat sich zum Glück wieder beruhigt, und alle erfreuen sich am guten Essen. Auch an den recht modernen Zimmern gibt’s für den moderaten Preis nix zu meckern, einziger Kritikpunkt wären die superweichen Matratzen, bei denen mir mal richtig bewusst wird, warum so viele Leute keine weichen Matratzen mögen. Aber die Nacht wird ohnehin kurz, denn morgen wollen wir zeitig zum Golden Rock aufbrechen! Nach den unterschiedlichen Berichten steigt die Spannung wie abenteuerlich dieser Trip wohl werden wird.

Advertisements
Veröffentlicht unter Bago, Kin Pun, Myanmar, Yangon | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ayutthaya bunt und gesund

Radelnde Eltern kennen das Dilemma: Irgendwann will der Nachwuchs einfach nicht mehr so recht in den altgedienten Kindersitz passen, aber der Selbstfahrer Aktionsradius reicht noch kaum über die Stadtgrenze hinaus -und stundenlang passiv im Hänger hocken ist auch keine Option. Doch ausgerechnet im fernen Thailand finden wir bei Recreational Ayutthaya Biking einen Ausweg: Den Weehoo, eine Art mitstrampelfähigen Anhänger, der den Hauptfahrer auch tatsächlich entlastet. So steht der Colors of Ayutthaya Tour nichts mehr im Wege: Ab ins Grüne!

Wir starten am Treffpunkt nördlich des Bahnhofs und reisen natürlich stilgerecht mit unseren Baan Thai Bikes an. Einmal in Fahrt merkt man der Weehoo samt Felix kaum noch, nur beim abbiegen oder rückwärts ausparken hat das Gespann einen Wendekreis wie ein Kleinlaster. Aber in der thailändischen Pampa gibt es ja zum Glück ausreichend Platz und in eben dieser befindet sich unser erster Stop in Form einer Grundschule! Wir hatten letztes Jahr in Kambodscha schon mal eine Schule bei Rulous besucht, aber hier scheint zunächst alles deutlich disziplinierter zuzugehen und die Kids machen fast keinen Mucks, als der Lehrer u. a. versucht uns die Thai Zahlen von 1 – 10 beizubringen. Das ändert sich schlagartig mit dem Beginn der Pause, als alle Schüler fast gleichzeitig auf Felix stürmen, der hier auf dem Lande mit seinen blonden Haaren natürlich ein Exot ist. Ich hatte erst etwas Angst, dass das alles etwas „too much“ ist, aber nach der ersten Schrecksekunde klappt das Miteinander eigentlich ziemlich gut, der schuleigene Spielplatz tut sein Übriges – wenn Integration doch immer so einfach wäre. Der Lehrer scheint ebenfalls mächtig stolz zu sein, dass sich die Langnasen für seine Schule interessiert, obwohl wir gewiss nicht die ersten ausländischen Besucher sind.

Weiter geht’s in gemächlichem Tempo auf überwiegend ruhigen Nebenstraßen vorbei an Reisfeldern und gelegentlichen Tempeln, bis wir bei einem Elefantencamp halten. Wie gestern schon erwähnt, stehen wir den Aktivitäten rund um die Dickhäuter aufgrund zahlreicher Berichte inzwischen eher skeptisch gegenüber. Hier sehen wir zwar niemanden herumreiten und die Tiere machen einen zufriedenen Eindruck, aber ich bin trotzdem froh, dass es sich nur um einen Zwischenstop ohne weitere Aktionen handelt. Unangefochtener Star der Stunde ist ein Baby Elefant mit gewaltigem Zucchini Hunger, der sich weitgehend frei bewegen kann und dies auch ausgiebig ausnutzt. Das Tier ist zwar kaum höher als Felix, aber mindestens genauso agil und weitaus schwerer – da sieht man auch coole Erwachsene ganz flugs weghüpfen!

Der weitere Streckenverlauf bringt uns von Norden aus wieder näher an Ayutthaya heran und es dauert nicht lange bis die ersten Stupas im Feld auftauchen. Die Sonne brutzelt jetzt doch ziemlich umbarmherzig, höchste Zeit für einen Lunchstop. Mit uns ist zwar nur noch eine französische Familie einem Kind im ähnlichen Alter am Start, aber wie nicht anders zu erwarten war, würde die üppige Mischung an Thai Gerichten auch für eine Großfamilie reichen. Fast unbemerkt haben wir eine Runde gedreht und sind etwas überraschend schon wieder in der Stadt. Weiter geht’s ins westliche Zentrum der Altstadt.

Wat Lokayasutharam nötigt förmlich zum Halten. Vom Wat haben wir zwar nicht viel gesehen, aber der Anblick des 37m langen liegenden Buddhas (Phra Buddhasaiyart) mit dem strahlenden safranfarbenen Tuch dürfe auch für alte Tempelhasen nicht alltäglich sein. Ich frage mich was es für ein Aufwand ist mit so einem gigantischen Textil zu hantieren bzw. es zu waschen, aber wo gutes Karma winkt findet sich gewiss auch immer ein Gönner. Unsere Tour führt uns vorbei am Fußende des Buddhas in Richtung Zentrum zum Wat Phra Si Sanphet mit seinen markanten 3 Chedis. Auf den war ich sehr gespannt, schließlich legten wir genau hier im Jahre 2007 unseren ersten und bis dato einzigen Stop in der Stadt ein. Leider plagen mich aber gerade ganz akute Sorgen, die keine Zeit für Sentimentalitäten lassen: Offenbar habe ich beim Lunch doch etwas zu beherzt zugegriffen und brauche jetzt vor allem einen flotten Weg zur nächsten Toilette – gelobt sei die Erfindung des Rades!

Nach dem ungeplanten Abstecher hat sich mein Magen zum Glück schnell wieder beruhigt und ich treffe den Rest der Truppe an einem der wenigen schattigen Plätzchen von Wat Phra Si Sanphet wieder. Viel verändert hat sich hier wahrlich nicht in der letzten Dekade, aber die ersten Bauten datieren schließlich auch zurück ins 15. Jahrhundert. Wir steigen wieder auf unsere Drahtesel und machen uns auf den Weg durch den Park zum letzten Etappenziel Wat Maha That. Ja – da waren wir zwar gestern bereits auf eigene Faust, aber da die Anlage recht abwechslungsreich und weitläufig ist kann man hier auch getrost zweimal aufschlagen. Selbst der eingewachsene Buddhakopf sieht heute irgendwie anders aus, gewiss ist es nur das Licht, aber die (wirklich) allerletzte Aufnahme wird dann auch tatsächlich mein persönlicher Favorit.

Der Hauptgang der Tour ist jetzt eigentlich vorbei, zum Nachtisch winkt aber noch eine besondere Herausforderung: Bekommen wir unsere ganzen Räder und vor allem das Weehoo Gespann ohne Ausfälle auf die klapprige 5 Baht Fähre? Ich bin zunächst skeptisch, aber unsere Recreational Biking Lady signalisiert „Can Do“ und obwohl die Fähre gerade am Nachmittag gut frequentiert ist, bekommen wir alles unter. Als Goodie darf Felix noch neben Frau Kapitän höchstpersönlich Platz nehmen und dabei helfen, den voll beladenden Kahn über den Pasak zu navigieren. Alles in allem war’s ein abwechslungsreicher und trotzdem entspannter Trip ins Umland, der leider auch schon wieder das Ende unsere ersten Reise Etappe einleitet. Bereits morgen wollen wir Thailand wieder verlassen, wohin werdet ihr dann schon sehen. Gute Nacht!
PS: Wer noch nicht müde aber zufällig gerade in der Gegend ist findet in der NoneNine Bike&Bar gegenüber des Bahnhofs preiswertes Futter und kaltes Bier, und wer dann noch Kraftreserven hat kann nach Einbruch der Dunkelheit zum Wat Phra Si Sanphet radeln, der neben ein paar anderen erlesenen Tempeln nachts angestrahlt wird!

rareisTourimpressionen by Youtube

Mehr aus der Rubrik „Radeln auf Reisen“rareis

Veröffentlicht unter Ayutthaya, Thailand | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ayutthaya oder: Man sieht sich immer zweimal

Till 2007 – weniger graue Haare, doch das Hemd sitzt & reist heute noch

Zeitsprung November 2007: die TiMas (damals noch ohne Fe) befinden sich auf ihrer ersten Südostasientour und machen Halt in der altehrwürdigen Königsstadt Ayutthaya. Viel Auslauf lässt der Guide „Schoko“ unserem kleinen Grüppchen nicht für Sightseeing, der Bus soll heute schließlich noch bis ins ferne Sukhothai rollen. Und so bleiben als Erinnerung nur ein paar Bildchen von Wat Phra Sri Sanphet und die Erkenntnis, dass wir beim nächsten Besuch vielleicht etwas mehr Zeit im Gepäck haben sollten. Trotz zahlreicher Abstecher ins Land des Lächelns sollte es dann doch stolze 10 Jahre bis zu unserem nächsten Besuch dauern. Dieses Mal auf eigene Faust ohne Schoko und Bus, dafür aber mit Nachwuchs und 3 Nächten Puffer – das sollte doch eigentlich genügen ?!? Wir werden sehen ….

2017: Die Sonne hat sich bereits verabschiedet, als wir Samstags Abends in Bangkok landen. Knapp 100km bzw. 90 Minuten sind es bis Ayutthaya. Zuhause würde man im Traum nicht auf die Idee kommen, diese Strecke mit der Taxe zu fahren, aber der Taxifahrer am Flughafen zück die Preisliste und ruft 1300 Baht (ca. 35€) ab. Das klingt nach einem fairen Deal für eine vollgepackte schlappe Familie, zumal es ohne Zwischenstopp in Bangkok um diese Zeit ohnehin keine bequeme billigere Alternative gäbe. Unsere überaus schnuckelige Bleibe Baan Thai House liegt im Osten der Stadt weit ab vom Trubel, sieht zumindest im Dunkeln alles sehr gemütlich und geschmackvoll aus. Ja, ich denke hier werden wir uns wohl fühlen!

Am Morgen bin ich kurz vor Sonnenaufgang auf den Beinen und schnappe mir eins der Räder, die es hier dankenswerterweise kostenlos zu leihen gibt. Ein richtiges Ziel habe ich eigentlich nicht, ich freue mich einfach wieder in asiatischen Gefilden zu sein. Ayutthaya gilt zwar als Top Touristenziel, aber wie wir damals vor 10 Jahren halten die meisten Gäste nur für eine Weilchen im historischen Park, machen noch ein schnelles Selfie vorm eingewachsenen Buddha im Wat Mahathat, und weiter geht die Reise. Abseits der Attraktionen ist die Stadt wie an diesem Morgen überraschend relaxt und voller typischer „Thai-Life“ Szenen: Ein Fischer zieht ein leeres Netz aus dem Fluss, um die Ecke döst ein Hund vorm Buddha, dort tuckert ein mobiler Food Stall vorbei, und am Dorfplatz schneidet der Coiffeur vom Dienst allen Frisierwilligen im Freien die Haare. Die letzten Wochen in der Heimat waren durchaus recht stressig, aber das ist jetzt alles schon weit weg und vergessen. Yoga und Wellness können anderen machen, ich habe meine Methode gefunden: Eine Stunde radeln durch Ost-Ayutthaya. Sollte man sich öfter gönnen wenn da nicht die langen Flüge wären 🙂


Mittags geht die Familie nach einem entspannten After-Breakfast-Swim im Hotelpool geschlossen auf Radtour, dank des gepolsterten Gepäckträgers brauchen wir für Felix nicht mal einen Kindersitz – hach, sie werden so schnell erwachsen! Nach der Querung des Bahnhofs müssen wir auch über den Pa Sak Fluss, der zumindest tagsüber permanent von einer kleinen Holzfähre bedient wird. Räder können für 5 Baht mitgenommen werden, und vom Anleger ist es dann auch nicht mehr weit bis zum immergrünen Historical Park, wo sich die meisten kulturellen Highlights befinden. Das Verkehrsaufkommen hält sich übrigens in Grenzen, man sollte sich eher vor Hunden und Touristen auf Rollern in Acht nehmen.

Als erstes nehmen wir Kurs auf Wat Maha That, die wohl bekannteste Anlage. Das liegt in diesem Fall weniger an den Bauten als an dem eingewachsenen Buddhakopf, der fast schon eine Art Wahrzeichen der Stadt ist und gewiss auch Millionen von Selfies ziert. Angeblich wurde der Kopf im 18. Jahrhundert dort verbuddelt, um ihn vor brandschatzenden burmesischen Truppen zu verbergen, und ist dann im Laufe der Jahre mit den Baumwurzeln wieder zu Tage gefördert worden – oder war es doch eine der anderen Theorien und Legenden? Hier tummeln sich dann auch die meisten Besucher, der Rest des Geländes gleicht einem Steinlabyrinth auf teils verfallenen, teils restaurierten Tempeln und  ist vergleichsweise ruhig, obwohl heute sogar Sonntag ist. Noch entspannter geht es am Wat Phra Ram Komplex ca. 10 Radminuten entfernt zu. Ein paar Mädels in knappen  und keinesfalls tempelkompatiblen Outfits posen vor dem Mauerwerk und knipsen wie wild, ansonsten sind wir fast die einzigen, die am Spätnachmittag die steilen Steintreppen erklimmen. Überall im „Altstadtbereich“ sieht man auch Elefanten die hier als eine Art Touristentaxi fungieren. Das gibt der Gegend zwar ein exotischen Flair, stößt aber inzwischen auch außerhalb von Tierschutzkreisen zunehmend auf Ablehnung. Unser Rat: Nehmt lieber das Rad – die Stadt ist überschaubar genug und vor allem flach!

Abends haben wir über das Baan Thai House eine Bootstour gebucht. Die Boote legen in der Nähe des Bahnhofs auf dem Chao Phraya Seitenarm Pa Sak ab und drehen quasi eine Runde um die Innenstadt-Insel, Endstation ist der Nachmarkt im Norden. Die Stops sind scheinbar unabhängig des Anbieters weitgehend identisch, zumindest begegnen uns unterwegs stets die gleichen Leute. Da wäre zunächst Wat Phanan Choeng mit seinem riesigen 19 Meter hohen goldenen Buddha ( für die Detailverliebten unter den Lesern: Kniespannweite 20,1 Meter), dicht gefolgt von weitläufigen Wat Phutthaisawan in dem es nicht nur liegende und sitzende Buddhas zu entdecken gibt. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Aufenthaltsdauer, die mit mit ca. 15 Minuten pro Tempel eher knapp bemessen ist.

Kurz bevor es dunkel wird gehen wir am Wat Chai Watthanaram vor Anker, wahrscheinlich weil die acht Chedi-ähnlichen Kapellen (wieder ein neues Adjektiv gelernt) im Licht der untergehenden Sonne besonders pittoresk aussehen, oder vielleicht auch nur weil es der letzte größere Tempelkomplex auf dem Wasserweg ist. Am Schluss dinieren wir wie es sich gehört mit 1a Streetfood vom Nachmarkt. Maria ist ja meist eher etwas skeptisch an solchen Ständen, zumal man mangels englischer Beschriftungen oft auch nicht so genau weiß, welche Zutaten der Standbesitzer da gerade im Schweiße seines Angesichts zusammenbrutzelt. Aber hier macht alles einen überaus ordentlichen Eindruck, es gibt (englisch angepriesen!) Saté Spieße, Pad Thai und eine Art Shrimp Omlette (?), und auch Stunden später meldet keiner unsere Mägen verdächtige Reaktionen. Das war also Teil 1 unseres Wiedersehens mit Ayutthaya, und obwohl wir schon ein stattliches Programm absolviert haben sind wir auf jeden Fall froh, dass wir noch 2 Nächte im Lande sind.

Veröffentlicht unter Ayutthaya, Thailand | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

La Gomera & Teneriffa Routenplaner und Ré­su­mé

img_6323_theroad_fb

2017-02-10-00_55_05-kanarenhopping-2016

Viele freie Tage hatten wir im späten Herbst 2016 nicht mehr übrig, aber ein ordentlicher Roadtrip mit Sonne, Natur und Meer musste bitteschön schon noch drin sein. Das eher unbekanntere Kanareninselchen La Gomera hatte ich schon seit längeren auf der Wunschliste, bei den Billigheimern von Ryanair gabs den passenden Flug nach Teneriffa für einigermaßen kleines Geld dazu, und schon konnte die Reise losgehen. Die erste Nacht verbrachten wir auf Teneriffa, dann ging’s mit der Fähre (und atemberaubender Geschwindigkeit) rüber nach San Sebastian im Osten La Gomeras. Valle Gran Rey auf der anderen Seite wurde unser Basislager, von dort ging es über ansprechende (aber nie Angst einflößende) Straßen in die restlichen Ecken der Insel (siehe Karte). Nur den kargen Süden mussten wir aus Zeitgründen auslassen. Zurück auf Teneriffa  haben wir uns in Puerto de Santiago an der Westküste niedergelassen. Der Ort ist zwar nicht gerade ein Kleinod, aber eine gute Ausgangsbasis für Touren in den Teide Nationalpark und den in Sachen Natur deutlich ansprechenderen Norden Teneriffas. Weitestes Tagesziel war schließlich der Vorzeigestrand Playa de las Teresitas am nordöstlichsten Zipfel der Insel. Als Fazit bleibt festzuhalten: Überaus abwechslungsreich sind auf jeden Fall beide Inseln, und auf beiden hätten wir auch locker die doppelte Zeit verbringen können. La Gomera hat trotz wachsender Beliebtheit immer noch einen Gewissen Exotenbonus aus der Hippie-Ära in die Gegenwart rüber gerettet und war für uns auf jeden Fall das sympathischere Eiland. Teneriffa punktet dafür zumindest im Norden und im El Teide Nationalpark mit abwechslungsreichen Landschaften und bietet etwas das auf La Gomera Mangelware ist: Sandstrände. Und egal wie viele Tage man jetzt wo verbringt: Mit Mietwagen macht’s erst richtig Spaß!

Frisch gepresst (Übersicht)

  1. Vamos a Los Cristianos
  2. Valle Gran Rey – mit Freds Fähre ins Tal des großen Königs
  3. Kubo auf Hochtouren – Roadtrip durch La Gomeras Norden
  4. Gomera Gemütlich – Rochenwatching und eine Runde Laguna Grande
  5. Viva La Fortaleza – Gipfelsturm dank Siesta und Tankuhr
  6. Im Nebelwald von El Cedro
  7. Goodbye Gomera
  8. Best of Nordwest – über Icod durchs Tenogebirge nach Masca
  9. Oh wie schön ist Anaga – der verhinderte Gipfelsturm und ein Stückchen Sahara
  10. Roques Around The Clock – von San Juan zu Garcías Felsen
  11. Hoch hinaus – vom Meer durch die Schlucht von Masca

 Visueller Vorgeschmack

Veröffentlicht unter Kanaren, La Gomera, Teneriffa | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Hoch hinaus – vom Meer durch die Schlucht von Masca

img_7516_enter-the-unknown_pano

Gibt auch schöne EckenDie morgige Abreise wirft ihre Schatten voraus – der Kühlschrank will nämlich geleert sein, und da gibt es eben auch schon mal hausgemachte Currywurst zum Frühstück. Zur Verdauung marschiere ich anschließend in Richtung Los Gigantes, denn trotz aller Skepsis muss man dem Ort schließlich mal eine Chance geben. Und so findet man durchaus auch mal putzige Ecken, verstecke Strände oder immer wieder einen imposanten Blick auf die „Giganten“. Der Hafen markiert schließlich mehr oder weniger auch das urbane Ende des Ortes, denn dahinter fällt die westlich verlaufende schroffe Steilküste unbarmherzig und nahezu senkrecht ins Meer.

img_7479_losgigantesIm Hafen buhlen allerlei Touranbieter um die Gunst der Gäste, wenngleich nicht alle Angebote wie zum Beispiel „Dolphin Watching“ von einer Art Partyboot empfehlenswert wirken. Verlockend ist allerdings der Boots-Transfer zum Playa de Masca, von wo aus man auf Schusters Rappen durch einen tiefen Barranco ins 650m höher gelegene Dorf aufsteigen kann (eifrige Leser erinnern sich an unseren Abstecher nach Masca vor 3 Tagen). 10 € kostet der Transfer übers Meer, Plätze gibt es zumindest heute auch für Kurzentschlossene. Ob Maria so einen Alleingang am Tag vor der Abreise auch gut heißt, oder sich gar noch als Pickup Taxi für den Rücktransfer zur Verfügung stellt könnte allerdings noch etwas Überzeugungsarbeit erfordern 🙂

Hinterm Horizont gehts weiterWie man links sieht ist das Projekt „Überzeugungsarbeit“ geglückt und der Rest der Familie begleitet mich am späten Mittag zumindest bis zum Playa. Dort warten bereits zahlreiche „Absteiger“ auf die ersehnte Mitfahrgelegenheit zurück, aber die Rushhour für den Aufstieg scheint definitiv vorbei, denn wenn man erst einmal den von einer dösenden Katze bewachten Eingang zur Schlucht passiert hat, wird es sehr schnell sehr ruhig im Tal!

img_7529_hochhinaus

Die Tour zählt nicht umsonst zu den Kraxelklassikern auf Teneriffa. Das aus der Ferne so karge Gebirge ist aus der Nähe betrachtet überraschend grün und abwechslungsreich, und der Bilderbuchort Masca als Ziel sorgt für den nötigen Ansporn wenn die Kondition mal nicht mitspielt. Selbstverständlich kann man die Route auch abwärts gehen, aber ein Aufstieg scheint irgendwie angemessener, zumal man als erschöpfter Wanderer gerade bei ggf. stürmischer See gewiss lieber oben Masca als in einer Bucht im Nirgendwo landen möchte. Unterwegs laufe ich öfter einem netten Pärchen mit Berliner Dialekt über den Weg, die offensichtlich exakt mein Lauftempo haben, und irgendwann schließen wir uns einfach zu einem Lauftrio zusammen. Der Pfad hat zwar keine wirklich schwindelerregenden Passagen, aber halbwegs trittsicher sollte man schon sein, und Verpflegungsmöglichkeiten gibt es unterwegs auch keine. Ergo: Flip-Flops daheim lassen und lieber eine Stulle/Pulle mehr einpacken.

img_7568_tanz

Nach knapp 3 Stunden stehen wir am Fuße von El Catán, der markanten Felsnadel, die Masca so unverwechselbar macht. Einziger Wermutstropfen: Die gemütliche Bar Blanky Casa Fidel, in der wir neulich noch zu Gast warten, hat leider dicht. Und nicht nur die Bar, die ganze Ecke scheint wie ausgestorben, nur vom Kirchplatz aus wird eifrig das gesamte Tal beschallt. Dort finden wir unter dem riesigen Baum schließlich auch die verschollenen Einwohner Mascas in schicker Tracht versammelt, die just hier und heute eine Art Erntedankfest (oder Kirchweih?) zelebrieren. Eine bestens ausgerüstete Live Band gibt Folklore zum Besten und es wird eifrig getanzt und getrunken,  hier gibts ein kurzes Video zum mitschunkeln.

img_7593_summer_wineIch verabschiede mich nach einem Bierchen von meinen Wanderfreunden, und  Maria und Felix picken mich eine Stunde später am Dorfplatz auf.  Es ist schön zu sehen, dass sich Masca trotz aller Popularität ein derart authentisches Fest bewahrt hat und es nicht als kommerzieller Touristen-Event vermarktet wird. Und wie hat sich der Rest der Familie die Zeit unterdessen vertrieben? Mit einem Abstecher nach Playa San Juan wo es uns neulich schon gut gefallen hat: hier gibt es einen Snack, einen ausgiebigen Spielplatz-Stopp und sogar noch einen Stadtbummel mit Eis. Dann geht’s für den treuen „Hierro“ (unser Gefährt) mit neuer Kutscherin schon wieder in die Berge – vielleicht hat er mit den nächsten Mietern ein ruhigeres Dasein… Felix hilft tatkräftig mit vor Gegenverkehr zu warnen und so meistern die zwei den Aufstieg ohne Zwischenfälle (und ohne Reisebusse).
Abends gönnen wir uns zum Abschied noch den fruchtigen Vino Afrutado aus Icod des los Vinos, und am Tag drauf sind wir auch schon wieder zurück im herbstlichen Ruhrgebiet. Ja – mit Teneriffa war es nicht gerade Liebe auf den 1. Blick, aber was wir hier in den wenigen Tagen an Natur gesehen haben muss man einfach lieb haben. Es folgt wie gewohnt noch ein R’nR (Routenplaner + Resümee) und dann wird es langsam mal wieder Zeit für die nächste Reise 🙂 ¡Hasta pronto!

Veröffentlicht unter Kanaren, Teneriffa | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Roques Around The Clock – von San Juan zu Garcías Felsen

 

img_7307_road-to-teide_panoimg_7275_thebeachÜber Los Gigantes ziehen heute Morgen ganz schön grimmige Wolken hinweg, denn auch 300 Sonnentage müssen irgendwann mal aufgebraucht sein. Mit viel Optimismus orten wir im Süden ein paar potenzielle Schönwetterzonen und fahren runter Richtung Playa San Juan. Der Reiseführer warnt, dass man hier besser nicht allzu viel Fischerdorf-Romantik erwarten wollte, aber zumindest hält die massive Betonmole lästige Wellen fern und verleiht dem Strand somit das Prädikat kinderfreundlich. Von oben sieht die geschwungene Bucht auch gar nicht mal so unhübsch aus, und die wenigen Besucher wie auch der Kneipenwirt wirken alle wohltuend relaxed.

img_7291_outofthefogNachmittags machen die Wolken leider ernst, und wir suchen nach Fluchtmöglichkeiten. Wintersportler und Hobby-Alpinisten kennen sicher die abgedroschene Floskel „Oben reißt’s bestimmt auf“, und da wir auf Madeira bei einer ähnlichen Tour schon einmal Glück hatten, wagen wir den Trip hoch zum Teide. Um Kilometer zu sparen schlägt das Navi die etwas abenteuerlichere Route von Guía de Isora über Aripe und Chirche vor, die trotz wachsender Bedenken und nahezu senkrechten Gassen irgendwann dann doch die TF-38 trifft. Und bei ~1400m passiert es tatsächlich: Die dicken Wolken lichten sich und die karge Felslandschaft rund um den Teide hüllt sich in tiefstes Blau. Geht doch!

img_7313_therockDa es für ausgedehnte Wanderungen schon zu spät ist, steuern wir die einschlägig bekannte Felsformation Roques de García an, die wir gestern Abend in der Dunkelheit gar nicht mehr wahrnehmen konnten. Die Breite der Zubringerstraße lässt erahnen, dass hier gewiss öfters mal zig Busse auf einmal Station machen, aber am späten Nachmittag hält sich der Ansturm in Grenzen. Die meisten kraxeln einfach die Treppe beim Parkplatz hoch (die übrigens auch von Kleinkindern problemlos zu meistern ist), knipsen ein paar Bilder und marschieren wieder zurück, und wer sich in die umliegende Prärie verdrückt, hat nach spätestens 500 Metern seine Ruhe. Egal ob nah oder fern, der Anblick der bizarren Roques ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

img_7447_goodnight

Auf der Rückfahrt parken wir in 1800 m Höhe bei „Montaña Samara“ und machen es uns auf einem Felsen gemütlich, um Frau Sonne (mit der wir heute eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatten) gebührend zu verabschieden. Das Tal liegt nach wie vor in einer dichten Wolkensuppe, die sich in Form und Farbe ständig verändert und ab und zu schauen die Spitzen von Gomera & co heraus. Für Knipser ist das natürlich Fluch und Segen zugleich, da man zuhause wieder zig Motive ausmisten muss, aber mit derlei Luxus-Sorgen muss man sich eben arrangieren. Als wir auf dem Heimweg wieder in die Suppe eintauchen, ist es längst stockdunkel … und auf dem Teide herrscht wieder Ruhe und Friede!

Veröffentlicht unter Kanaren, Teneriffa | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Oh wie schön ist Anaga – der verhinderte Gipfelsturm und ein Stückchen Sahara

img_7184_lizard2_pano

daytripHeute sind wir mal halbwegs zeitig auf der Piste, da wir aus dem tiefen Westen bis ins Anagagebirge und an den viel gerühmten Playa de las Teresitas am Nordostzipfel der Insel hüpfen wollen (Rückweg eingeschlossen). Die erste Etappe bis nach Icod kennen wir ja noch vom gestrigen Weintrip, kurz vor Puerto de la Cruz wird man sogar auf eine ausgewachsene Autobahn geleitet, und nach einer guten Stunde stehen wir am Humbold Mirador. Hier mitten im schönen Orotavatal gestand der überaus reiselustige Forscher anno 1799 angeblich mit blumigen Worten, dass er „… nirgends ein so mannigfaltiges, so anziehendes, durch die Verteilung von Grün und Felsmassen so harmonisches Gemälde“ gesehen habe. Recht hatte er  – der Norden Teneriffas hat schon so einige Naturkunstwerke auf Lager, was wir spätestens nach dem gestrigen Trip bestätigen können. Uns hat die Aussicht von Humbolds Mirador heute nicht so nachhaltig beeindruckt, vielleicht lag’s auch einfach am bewölkten Himmel oder an den urbanen Ausläufern im Tal, die es hier 1799 in dieser Form sicher noch nicht gab?

img_7164_schlumpfbootBei Tacoronte wechseln wir auf die gemächliche TF-16, während die Autobahn in Richtung Santa Cruz abbiegt. Schnell wird das Leben ländlicher während wir die ersten Anaga-Ausläufer erklimmen. Da zählte der gastfreundliche Schlumpf in seinem Boot vor einer Kita schon zu den aufregenderen Momenten, zumindest aus Felix‘ Sicht. Erstes Highlight ist der Mirador de Jardina an einer scharfen 180° Kurve mit bestem Blick auf San Cristóbal de La Laguna, die umliegenden Berge sowie die herumwuselnden stets hungrigen Eidechsen. Die Straße führt weiter zum Cruz del Carmen (unter Westfalen auch „Carmener Kreuz“ genannt) durch dichten Wald und soll uns eigentlich zu einem Parkplatz namens La Ensillada führen, laut Bildatlas der Start zu einem klassischen phantastischen Rundweg durch die Weiten des Gebirges!

img_7191_fabelwesenwald

Der aufmerksame Leser ahnt es bereits: Irgendwas läuft anders! Den Parkplatz meinen wir zwar gefunden zu haben, aber die einzigen vorhanden Schilder weisen unmissverständlich drauf hin, dass Wanderer ohne Sondergenehmigung hier mit schlanken 601,01€ Strafe zur Kasse gebeten werden. Jetzt kann man sich natürlich über den krummen Betrag wundern (wir helfen: Das waren mal 1 Millionen Peseten), oder warum ein aktueller Bildatlas eines namhaften Verlages auf diese Kleinigkeit nicht hinweist (war der Autor wirklich da?), aber es hilft nix – die Wanderung fällt für uns flach und wir schauen mal wo uns die Straße noch hinführt. In Anbetracht des mystischen Nebels hätten wir womöglich eh nicht viel gesehen! Wer mehr dazu wissen will: Hier haben andere Urlauber das Thema bereits etwas intensiver diskutiert.

img_7198_tuer25

Bei Lomo de las Bodegas endet schließlich die Straße und offensichtlich auch irgendwie die Welt: Die Einwohner scheinen alle außer Haus oder sind unsichtbar, der Atlantik rauscht kaum hörbar in der Ferne, ein Hund und ein paar Echsen dösen auf dem Kirchvorplatz, und im Infokasten wird als nächster Event ein Vortag über die Arbeitsschutzbedingungen beim Palmenklettern angepriesen. Kurzum: Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird hier gewiss Beides finden. Wir nutzen die Pause für ein Picknick, haken weitere Wanderungen mit Blick auf die Uhr gedanklich ab, und machen uns auf den Weg nach San Sandrés, wo uns hoffentlich ein wundervoller Strand und keine weiteren Verbotsschilder erwarten!

img_7203_thepalm

Szenenwechsel: Wir befinden uns inzwischen an der Playa de Las Teresitas. 2km feinster Sand vor den Toren von Santa Cruz, der in der 70ern eigens aus der Sahara über den Atlantik geschippert wurde, damit sich die gestressten Hauptstadtbewohner zumindest am Wochenende mal wie in der Karibik fühlen können. Und die Größe des Parkplatzes lässt zumindest erahnen, dass sie das auch im 21. Jahrhundert noch gerne tun. Heute ist aber zum Glück Donnerstag und somit massig Platz an dem riesigen Strand. Ein paar von Generatoren mit Strom versorgte Kioske und Imbisse, ein paar moderne Duschen und offenbar noch humane Strandliegenpreise sind erfreulicherweise alles an Infrastruktur. Wenn überhaupt stört allenfalls die gerade langsam Richtung Horizont geschleppte Bohrinsel die Idylle (offenbar befindet sich in der Nähe eine Art Bohrinselvertragswerkstatt). Felix kann endlich das Burgenbaudefizit der letzten Tage aufholen, eine Steinmole sorgt für einen halbwegs brandungsresistenten Schwimmbereich für den Nachwuchs, und aus dem Wasser hat man einen imposanten Blick auf die schroffe Bergkulisse. Der Playa de Las Teresitas ziert also nicht umsonst das Titelbild unseres Reiseführers und wird auch gerne als der schönste Strand Teneriffas beschrieben. Das ist natürlich immer subjektiv, aber verkehrt macht man hier auf jeden Fall nix, und hat als „echter“ Tourist glatt noch einen Exotenbonus!


img_7249_sunsetEigentlich haben wir keine große Lust unserem Stückchen Sahara nach knapp 3 Stunden schon wieder den Rücken zu kehren, aber leider sind wir immer noch auf der falschen Seite der Insel . Als Heimweg gibt es zum einen den vom Navi präferierten schnellen Südweg auf der Autobahn komplett um die Insel rum mit 111 km (gähn), den kürzesten Weg an der Nordküste von heute morgen wieder zurück mit 99 km (schnarch), oder über La Esperanza auf Landstraßen einmal quer durch die Bergwelt des Teide Nationparks mit 123 km und hoffen, dass es dort nicht allzu schnell dunkel wird (wow). Wie würden Sie entscheiden?

img_7248_da-is-was-im-buschWir wählen natürlich Option 3 und nachdem wir das doch etwas stressige Autobahnstück bei Santa Cruz hinter uns gelassen haben, geht es in Richtung Westen gemächlich durch den Wald bergauf in die Einsamkeit. Da die Sonne schon recht tief steht, verzichten wir auf ausgedehnte Viewpoint-Jagden und machen es uns am Mirador de Chipeque gemütlich, von wo aus man heute einen Hammerblick auf das Wolkenmeer im Tal und den Teide im Hintergrund hat. Anschließend wird es auch zügig dunkel, aber der Verkehr hält sich zu dieser Zeit zum Glück in Grenzen und die Straßen sind gut in Schuss und überwiegend geradlinig. Auf Höhe des Observatoriums verabschiedet sich der Tag dann nochmal mit einem gefälligen Rot, dann bricht die Nacht über die Mondlandschaft hinein. Als wir schließlich in Puerto de Santiago einrollen ist es 22 Uhr, über die Autobahn wäre es gewiss schneller gegangen (laut Routenplaner ziemlich genau um 1 Std. Fahrzeit weniger), aber dieser Heimtrip hat definitiv Maßstäbe gesetzt! Morgen kommen wir zurück und schauen uns die Ecke bei Tageslicht an. Gute Nacht!

Veröffentlicht unter Teneriffa | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare