La Gomera & Teneriffa Routenplaner und Ré­su­mé

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Viele freie Tage hatten wir im späten Herbst 2016 nicht mehr übrig, aber ein ordentlicher Roadtrip mit Sonne, Natur und Meer musste bitteschön schon noch drin sein. Das eher unbekanntere Kanareninselchen La Gomera hatte ich schon seit längeren auf der Wunschliste, bei den Billigheimern von Ryanair gabs den passenden Flug nach Teneriffa für einigermaßen kleines Geld dazu, und schon konnte die Reise losgehen. Die erste Nacht verbrachten wir auf Teneriffa, dann ging’s mit der Fähre (und atemberaubender Geschwindigkeit) rüber nach San Sebastian im Osten La Gomeras. Valle Gran Rey auf der anderen Seite wurde unser Basislager, von dort ging es über ansprechende (aber nie Angst einflößende) Straßen in die restlichen Ecken der Insel (siehe Karte). Nur den kargen Süden mussten wir aus Zeitgründen auslassen. Zurück auf Teneriffa  haben wir uns in Puerto de Santiago an der Westküste niedergelassen. Der Ort ist zwar nicht gerade ein Kleinod, aber eine gute Ausgangsbasis für Touren in den Teide Nationalpark und den in Sachen Natur deutlich ansprechenderen Norden Teneriffas. Weitestes Tagesziel war schließlich der Vorzeigestrand Playa de las Teresitas am nordöstlichsten Zipfel der Insel. Als Fazit bleibt festzuhalten: Überaus abwechslungsreich sind auf jeden Fall beide Inseln, und auf beiden hätten wir auch locker die doppelte Zeit verbringen können. La Gomera hat trotz wachsender Beliebtheit immer noch einen Gewissen Exotenbonus aus der Hippie-Ära in die Gegenwart rüber gerettet und war für uns auf jeden Fall das sympathischere Eiland. Teneriffa punktet dafür zumindest im Norden und im El Teide Nationalpark mit abwechslungsreichen Landschaften und bietet etwas das auf La Gomera Mangelware ist: Sandstrände. Und egal wie viele Tage man jetzt wo verbringt: Mit Mietwagen macht’s erst richtig Spaß!

Frisch gepresst (Übersicht)

  1. Vamos a Los Cristianos
  2. Valle Gran Rey – mit Freds Fähre ins Tal des großen Königs
  3. Kubo auf Hochtouren – Roadtrip durch La Gomeras Norden
  4. Gomera Gemütlich – Rochenwatching und eine Runde Laguna Grande
  5. Viva La Fortaleza – Gipfelsturm dank Siesta und Tankuhr
  6. Im Nebelwald von El Cedro
  7. Goodbye Gomera
  8. Best of Nordwest – über Icod durchs Tenogebirge nach Masca
  9. Oh wie schön ist Anaga – der verhinderte Gipfelsturm und ein Stückchen Sahara
  10. Roques Around The Clock – von San Juan zu Garcías Felsen
  11. Hoch hinaus – vom Meer durch die Schlucht von Masca

 Visueller Vorgeschmack

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Hoch hinaus – vom Meer durch die Schlucht von Masca

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Gibt auch schöne EckenDie morgige Abreise wirft ihre Schatten voraus – der Kühlschrank will nämlich geleert sein, und da gibt es eben auch schon mal hausgemachte Currywurst zum Frühstück. Zur Verdauung marschiere ich anschließend in Richtung Los Gigantes, denn trotz aller Skepsis muss man dem Ort schließlich mal eine Chance geben. Und so findet man durchaus auch mal putzige Ecken, verstecke Strände oder immer wieder einen imposanten Blick auf die „Giganten“. Der Hafen markiert schließlich mehr oder weniger auch das urbane Ende des Ortes, denn dahinter fällt die westlich verlaufende schroffe Steilküste unbarmherzig und nahezu senkrecht ins Meer.

img_7479_losgigantesIm Hafen buhlen allerlei Touranbieter um die Gunst der Gäste, wenngleich nicht alle Angebote wie zum Beispiel „Dolphin Watching“ von einer Art Partyboot empfehlenswert wirken. Verlockend ist allerdings der Boots-Transfer zum Playa de Masca, von wo aus man auf Schusters Rappen durch einen tiefen Barranco ins 650m höher gelegene Dorf aufsteigen kann (eifrige Leser erinnern sich an unseren Abstecher nach Masca vor 3 Tagen). 10 € kostet der Transfer übers Meer, Plätze gibt es zumindest heute auch für Kurzentschlossene. Ob Maria so einen Alleingang am Tag vor der Abreise auch gut heißt, oder sich gar noch als Pickup Taxi für den Rücktransfer zur Verfügung stellt könnte allerdings noch etwas Überzeugungsarbeit erfordern 🙂

Hinterm Horizont gehts weiterWie man links sieht ist das Projekt „Überzeugungsarbeit“ geglückt und der Rest der Familie begleitet mich am späten Mittag zumindest bis zum Playa. Dort warten bereits zahlreiche „Absteiger“ auf die ersehnte Mitfahrgelegenheit zurück, aber die Rushhour für den Aufstieg scheint definitiv vorbei, denn wenn man erst einmal den von einer dösenden Katze bewachten Eingang zur Schlucht passiert hat, wird es sehr schnell sehr ruhig im Tal!

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Die Tour zählt nicht umsonst zu den Kraxelklassikern auf Teneriffa. Das aus der Ferne so karge Gebirge ist aus der Nähe betrachtet überraschend grün und abwechslungsreich, und der Bilderbuchort Masca als Ziel sorgt für den nötigen Ansporn wenn die Kondition mal nicht mitspielt. Selbstverständlich kann man die Route auch abwärts gehen, aber ein Aufstieg scheint irgendwie angemessener, zumal man als erschöpfter Wanderer gerade bei ggf. stürmischer See gewiss lieber oben Masca als in einer Bucht im Nirgendwo landen möchte. Unterwegs laufe ich öfter einem netten Pärchen mit Berliner Dialekt über den Weg, die offensichtlich exakt mein Lauftempo haben, und irgendwann schließen wir uns einfach zu einem Lauftrio zusammen. Der Pfad hat zwar keine wirklich schwindelerregenden Passagen, aber halbwegs trittsicher sollte man schon sein, und Verpflegungsmöglichkeiten gibt es unterwegs auch keine. Ergo: Flip-Flops daheim lassen und lieber eine Stulle/Pulle mehr einpacken.

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Nach knapp 3 Stunden stehen wir am Fuße von El Catán, der markanten Felsnadel, die Masca so unverwechselbar macht. Einziger Wermutstropfen: Die gemütliche Bar Blanky Casa Fidel, in der wir neulich noch zu Gast warten, hat leider dicht. Und nicht nur die Bar, die ganze Ecke scheint wie ausgestorben, nur vom Kirchplatz aus wird eifrig das gesamte Tal beschallt. Dort finden wir unter dem riesigen Baum schließlich auch die verschollenen Einwohner Mascas in schicker Tracht versammelt, die just hier und heute eine Art Erntedankfest (oder Kirchweih?) zelebrieren. Eine bestens ausgerüstete Live Band gibt Folklore zum Besten und es wird eifrig getanzt und getrunken,  hier gibts ein kurzes Video zum mitschunkeln.

img_7593_summer_wineIch verabschiede mich nach einem Bierchen von meinen Wanderfreunden, und  Maria und Felix picken mich eine Stunde später am Dorfplatz auf.  Es ist schön zu sehen, dass sich Masca trotz aller Popularität ein derart authentisches Fest bewahrt hat und es nicht als kommerzieller Touristen-Event vermarktet wird. Und wie hat sich der Rest der Familie die Zeit unterdessen vertrieben? Mit einem Abstecher nach Playa San Juan wo es uns neulich schon gut gefallen hat: hier gibt es einen Snack, einen ausgiebigen Spielplatz-Stopp und sogar noch einen Stadtbummel mit Eis. Dann geht’s für den treuen „Hierro“ (unser Gefährt) mit neuer Kutscherin schon wieder in die Berge – vielleicht hat er mit den nächsten Mietern ein ruhigeres Dasein… Felix hilft tatkräftig mit vor Gegenverkehr zu warnen und so meistern die zwei den Aufstieg ohne Zwischenfälle (und ohne Reisebusse).
Abends gönnen wir uns zum Abschied noch den fruchtigen Vino Afrutado aus Icod des los Vinos, und am Tag drauf sind wir auch schon wieder zurück im herbstlichen Ruhrgebiet. Ja – mit Teneriffa war es nicht gerade Liebe auf den 1. Blick, aber was wir hier in den wenigen Tagen an Natur gesehen haben muss man einfach lieb haben. Es folgt wie gewohnt noch ein R’nR (Routenplaner + Resümee) und dann wird es langsam mal wieder Zeit für die nächste Reise 🙂 ¡Hasta pronto!

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Roques Around The Clock – von San Juan zu Garcías Felsen

 

img_7307_road-to-teide_panoimg_7275_thebeachÜber Los Gigantes ziehen heute Morgen ganz schön grimmige Wolken hinweg, denn auch 300 Sonnentage müssen irgendwann mal aufgebraucht sein. Mit viel Optimismus orten wir im Süden ein paar potenzielle Schönwetterzonen und fahren runter Richtung Playa San Juan. Der Reiseführer warnt, dass man hier besser nicht allzu viel Fischerdorf-Romantik erwarten wollte, aber zumindest hält die massive Betonmole lästige Wellen fern und verleiht dem Strand somit das Prädikat kinderfreundlich. Von oben sieht die geschwungene Bucht auch gar nicht mal so unhübsch aus, und die wenigen Besucher wie auch der Kneipenwirt wirken alle wohltuend relaxed.

img_7291_outofthefogNachmittags machen die Wolken leider ernst, und wir suchen nach Fluchtmöglichkeiten. Wintersportler und Hobby-Alpinisten kennen sicher die abgedroschene Floskel „Oben reißt’s bestimmt auf“, und da wir auf Madeira bei einer ähnlichen Tour schon einmal Glück hatten, wagen wir den Trip hoch zum Teide. Um Kilometer zu sparen schlägt das Navi die etwas abenteuerlichere Route von Guía de Isora über Aripe und Chirche vor, die trotz wachsender Bedenken und nahezu senkrechten Gassen irgendwann dann doch die TF-38 trifft. Und bei ~1400m passiert es tatsächlich: Die dicken Wolken lichten sich und die karge Felslandschaft rund um den Teide hüllt sich in tiefstes Blau. Geht doch!

img_7313_therockDa es für ausgedehnte Wanderungen schon zu spät ist, steuern wir die einschlägig bekannte Felsformation Roques de García an, die wir gestern Abend in der Dunkelheit gar nicht mehr wahrnehmen konnten. Die Breite der Zubringerstraße lässt erahnen, dass hier gewiss öfters mal zig Busse auf einmal Station machen, aber am späten Nachmittag hält sich der Ansturm in Grenzen. Die meisten kraxeln einfach die Treppe beim Parkplatz hoch (die übrigens auch von Kleinkindern problemlos zu meistern ist), knipsen ein paar Bilder und marschieren wieder zurück, und wer sich in die umliegende Prärie verdrückt, hat nach spätestens 500 Metern seine Ruhe. Egal ob nah oder fern, der Anblick der bizarren Roques ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Auf der Rückfahrt parken wir in 1800 m Höhe bei „Montaña Samara“ und machen es uns auf einem Felsen gemütlich, um Frau Sonne (mit der wir heute eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatten) gebührend zu verabschieden. Das Tal liegt nach wie vor in einer dichten Wolkensuppe, die sich in Form und Farbe ständig verändert und ab und zu schauen die Spitzen von Gomera & co heraus. Für Knipser ist das natürlich Fluch und Segen zugleich, da man zuhause wieder zig Motive ausmisten muss, aber mit derlei Luxus-Sorgen muss man sich eben arrangieren. Als wir auf dem Heimweg wieder in die Suppe eintauchen, ist es längst stockdunkel … und auf dem Teide herrscht wieder Ruhe und Friede!

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Oh wie schön ist Anaga – der verhinderte Gipfelsturm und ein Stückchen Sahara

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daytripHeute sind wir mal halbwegs zeitig auf der Piste, da wir aus dem tiefen Westen bis ins Anagagebirge und an den viel gerühmten Playa de las Teresitas am Nordostzipfel der Insel hüpfen wollen (Rückweg eingeschlossen). Die erste Etappe bis nach Icod kennen wir ja noch vom gestrigen Weintrip, kurz vor Puerto de la Cruz wird man sogar auf eine ausgewachsene Autobahn geleitet, und nach einer guten Stunde stehen wir am Humbold Mirador. Hier mitten im schönen Orotavatal gestand der überaus reiselustige Forscher anno 1799 angeblich mit blumigen Worten, dass er „… nirgends ein so mannigfaltiges, so anziehendes, durch die Verteilung von Grün und Felsmassen so harmonisches Gemälde“ gesehen habe. Recht hatte er  – der Norden Teneriffas hat schon so einige Naturkunstwerke auf Lager, was wir spätestens nach dem gestrigen Trip bestätigen können. Uns hat die Aussicht von Humbolds Mirador heute nicht so nachhaltig beeindruckt, vielleicht lag’s auch einfach am bewölkten Himmel oder an den urbanen Ausläufern im Tal, die es hier 1799 in dieser Form sicher noch nicht gab?

img_7164_schlumpfbootBei Tacoronte wechseln wir auf die gemächliche TF-16, während die Autobahn in Richtung Santa Cruz abbiegt. Schnell wird das Leben ländlicher während wir die ersten Anaga-Ausläufer erklimmen. Da zählte der gastfreundliche Schlumpf in seinem Boot vor einer Kita schon zu den aufregenderen Momenten, zumindest aus Felix‘ Sicht. Erstes Highlight ist der Mirador de Jardina an einer scharfen 180° Kurve mit bestem Blick auf San Cristóbal de La Laguna, die umliegenden Berge sowie die herumwuselnden stets hungrigen Eidechsen. Die Straße führt weiter zum Cruz del Carmen (unter Westfalen auch „Carmener Kreuz“ genannt) durch dichten Wald und soll uns eigentlich zu einem Parkplatz namens La Ensillada führen, laut Bildatlas der Start zu einem klassischen phantastischen Rundweg durch die Weiten des Gebirges!

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Der aufmerksame Leser ahnt es bereits: Irgendwas läuft anders! Den Parkplatz meinen wir zwar gefunden zu haben, aber die einzigen vorhanden Schilder weisen unmissverständlich drauf hin, dass Wanderer ohne Sondergenehmigung hier mit schlanken 601,01€ Strafe zur Kasse gebeten werden. Jetzt kann man sich natürlich über den krummen Betrag wundern (wir helfen: Das waren mal 1 Millionen Peseten), oder warum ein aktueller Bildatlas eines namhaften Verlages auf diese Kleinigkeit nicht hinweist (war der Autor wirklich da?), aber es hilft nix – die Wanderung fällt für uns flach und wir schauen mal wo uns die Straße noch hinführt. In Anbetracht des mystischen Nebels hätten wir womöglich eh nicht viel gesehen! Wer mehr dazu wissen will: Hier haben andere Urlauber das Thema bereits etwas intensiver diskutiert.

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Bei Lomo de las Bodegas endet schließlich die Straße und offensichtlich auch irgendwie die Welt: Die Einwohner scheinen alle außer Haus oder sind unsichtbar, der Atlantik rauscht kaum hörbar in der Ferne, ein Hund und ein paar Echsen dösen auf dem Kirchvorplatz, und im Infokasten wird als nächster Event ein Vortag über die Arbeitsschutzbedingungen beim Palmenklettern angepriesen. Kurzum: Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird hier gewiss Beides finden. Wir nutzen die Pause für ein Picknick, haken weitere Wanderungen mit Blick auf die Uhr gedanklich ab, und machen uns auf den Weg nach San Sandrés, wo uns hoffentlich ein wundervoller Strand und keine weiteren Verbotsschilder erwarten!

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Szenenwechsel: Wir befinden uns inzwischen an der Playa de Las Teresitas. 2km feinster Sand vor den Toren von Santa Cruz, der in der 70ern eigens aus der Sahara über den Atlantik geschippert wurde, damit sich die gestressten Hauptstadtbewohner zumindest am Wochenende mal wie in der Karibik fühlen können. Und die Größe des Parkplatzes lässt zumindest erahnen, dass sie das auch im 21. Jahrhundert noch gerne tun. Heute ist aber zum Glück Donnerstag und somit massig Platz an dem riesigen Strand. Ein paar von Generatoren mit Strom versorgte Kioske und Imbisse, ein paar moderne Duschen und offenbar noch humane Strandliegenpreise sind erfreulicherweise alles an Infrastruktur. Wenn überhaupt stört allenfalls die gerade langsam Richtung Horizont geschleppte Bohrinsel die Idylle (offenbar befindet sich in der Nähe eine Art Bohrinselvertragswerkstatt). Felix kann endlich das Burgenbaudefizit der letzten Tage aufholen, eine Steinmole sorgt für einen halbwegs brandungsresistenten Schwimmbereich für den Nachwuchs, und aus dem Wasser hat man einen imposanten Blick auf die schroffe Bergkulisse. Der Playa de Las Teresitas ziert also nicht umsonst das Titelbild unseres Reiseführers und wird auch gerne als der schönste Strand Teneriffas beschrieben. Das ist natürlich immer subjektiv, aber verkehrt macht man hier auf jeden Fall nix, und hat als „echter“ Tourist glatt noch einen Exotenbonus!


img_7249_sunsetEigentlich haben wir keine große Lust unserem Stückchen Sahara nach knapp 3 Stunden schon wieder den Rücken zu kehren, aber leider sind wir immer noch auf der falschen Seite der Insel . Als Heimweg gibt es zum einen den vom Navi präferierten schnellen Südweg auf der Autobahn komplett um die Insel rum mit 111 km (gähn), den kürzesten Weg an der Nordküste von heute morgen wieder zurück mit 99 km (schnarch), oder über La Esperanza auf Landstraßen einmal quer durch die Bergwelt des Teide Nationparks mit 123 km und hoffen, dass es dort nicht allzu schnell dunkel wird (wow). Wie würden Sie entscheiden?

img_7248_da-is-was-im-buschWir wählen natürlich Option 3 und nachdem wir das doch etwas stressige Autobahnstück bei Santa Cruz hinter uns gelassen haben, geht es in Richtung Westen gemächlich durch den Wald bergauf in die Einsamkeit. Da die Sonne schon recht tief steht, verzichten wir auf ausgedehnte Viewpoint-Jagden und machen es uns am Mirador de Chipeque gemütlich, von wo aus man heute einen Hammerblick auf das Wolkenmeer im Tal und den Teide im Hintergrund hat. Anschließend wird es auch zügig dunkel, aber der Verkehr hält sich zu dieser Zeit zum Glück in Grenzen und die Straßen sind gut in Schuss und überwiegend geradlinig. Auf Höhe des Observatoriums verabschiedet sich der Tag dann nochmal mit einem gefälligen Rot, dann bricht die Nacht über die Mondlandschaft hinein. Als wir schließlich in Puerto de Santiago einrollen ist es 22 Uhr, über die Autobahn wäre es gewiss schneller gegangen (laut Routenplaner ziemlich genau um 1 Std. Fahrzeit weniger), aber dieser Heimtrip hat definitiv Maßstäbe gesetzt! Morgen kommen wir zurück und schauen uns die Ecke bei Tageslicht an. Gute Nacht!

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Best of Nordwest – über Icod durchs Tenogebirge nach Masca

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img_6903_teideUnsere erste Tour in Teneriffas grünen Norden startet dramatisch: Felix hat sein Pferd mit den Regenbogenhaaren vergessen einzupacken, das ihm die letzten Tage auf dem Rücksitz Gesellschaft geleistet hat, und ist darüber wahrlich not amused. Erfahrene Reise-Eltern erkennen sofort die Brisanz der Situation: Eiert man den weiten Weg zurück, verliert man wertvolles Tageslicht und ärgert sich, dass das Objekt der Begierde nach 2 Minuten eh nicht mehr interessant ist. Bleibt man standhaft so braucht zumindest der Fahrer starke Nerven. Wir wählen Option #2, versprechen ein Eis, und hinter Santiago de Teide herrscht auf dem Rücksitz endlich wieder Freude und Friede. Wenig später lugt der mit 3718m höchste Berg der Insel (und übrigens auch ganz Spaniens) dann auch höchstpersönlich hinter einer Kurve hervor.

Der berühmte Drachenbaum

Über eine flotte Nebenstraße gelangen wir schließlich zu unserem ersten Halt Icod de los Vinos. Der Namenszusatz soll Icod angeblich vom deutlich unbekannteren Dorf Icod el Alto abgrenzen, wahrscheinlich aber auch kaufkräftige  Weinliebhaber anlocken. Vor allem ist es aber im Gegensatz zu den Retortenorten im Südwesten auch einfach eine richtige gewachsene Stadt, und eine hübsche noch dazu. Im Cafe Masquepan (Vorsicht: süße Sünden im Überfluss) in der Nähe eines öffentlichen Parks bei der Iglesia de San Marcos machen wir erstmal Station, im Park selbst erblickt man dann auch die Attrakion, die zumindest die meisten Tagesbesucher nach Icod lockt: Der Drago Milenario („ziemlich alter Drachenbaum“)! Beim Alter schwanken die Spekulationen deutlich, aber man ist sich zumindest einig, dass er locker 300 Jahre auf dem Buckel hat und ihm damit zumindest auf den Kanaren kein anderer Drachenbaum das Wasser reichen kann. Sieht imposant aus, wer aber in Icod nur flugs den Baum knipst und gleich wieder weiter zieht, verpasst definitiv etwas.

img_6968_fx-jungleZum Beispiel das Museo de Malvasia ein paar Ecken weiter! Museumsmuffel können beruhigt weiterlesen, streng genommen handelt es sich eher um eine Boutique für Wein und andere lokale Köstlichkeiten, und der weitläufige dschungelartige „Hinterhof“ dürfte im Stadtkern einmalig sein. Zur Weinprobe werden kanarische Käsehappen gereicht, passende Anekdoten zum jeweiligen Tropfen gibt es gratis dazu (so soll zum Beispiel der Genuss der lieblichen Variante unweigerlich eine Schwangerschaft nach sich ziehen). Hier könnte man es getrost länger aushalten, aber zumindest einer muss ja noch fahrtüchtig bleiben und so nehmen wir einfach eine Pulle und etwas Mojo mit und fahren auf der Küstenstraße TF42 zunächst gen Westen in Richtung Garachico.

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Auch Garachico kann sich sehen lassen, obwohl ein Vulkanausbruch im 18. Jahrhundert dem Ort übel zugesetzt hat. Rund um das Castillo de San Miguel hat man auf schwarzem Lavagestein eine Art Freibad mit Parkanlage errichtet, die sich auch durchaus für einen Badestop anbietet, wenn der Wellengang nicht gerade allzu heftig ist. Die Straße führt über Los Silos weiter in das 5500 Seelendorf Buenavista del Norte, das zumindest an diesem Zipfel Teneriffas das Ende der Zivilisation markiert. Über eine Serpentinenstraße kann man von hier allerdings das Teno-Gebirge erklimmen und gelangt vorbei am Mirador de Baracan bis nach Masca, unserem letzten Etappenziel für heute!

 

Fast zu schön um echt zu sein

Es ist praktisch unmöglich, sich an irgendeinem touristischen Ort auf Tenriffa zu bewegen und dabei nicht mindestens einmal eine Tour nach Masca offeriert zu bekommen. Ja – spätestens seit man es in den 90ern durch eine Straße erschlossen hat gibt es einen regelrechten Hype um das vermeintlich schönste Dorf der Insel, und daher haben wir unseren Abstecher auch ans Ende der Tour gelegt und hoffen mal ganz naiv, dass sich die Massen zur Abendzeit deutlich reduziert haben.Von Norden kommend passiert man zunächst Cruz de Hilda und kann bei einem Käffchen auf der Terrasse schon einmal die ersten leckeren Ausblicke ins Masca Tal bewundern.

Vorhang aufOberhalb des Dorfes (das gerade mal gut 100 Einwohner hat) lässt ein großzügiger Parkplatz erahnen, wie viele Besucher hier tagsüber im Schnitt vorbeischauen, unsere Strategie scheint jedoch aufzugehen, da die meisten davon um diese Zeit nicht besetzt sind. Als erstes fällt die markante Felsnadel El Catán auf, die Assoziationen mit Machu Picchu weckt. Am Ortseingang erfüllt ein großer Shop mit angeschlossenem Terrassenlokal alle Souvenir- und Aussichtswünsche, der Dorfkern bleibt aber erfreulich unkitschig und frei von Nippesläden, obwohl es noch nicht einmal von den strengen Augen der UNESCO geschützt wird. Bis zur Felsnadel kann man auf Kopfsteinpflaster marschieren, wen es ins weitere Umfeld zieht, der kann dem gut ausgeschilderten mehrstündigen Wanderweg folgen, der von hier durch die (selbstredend) „schönste Schlucht Teneriffas“ bis runter an den Atlantik führt. Vielleicht ein andermal 🙂

img_7152_therocksunsetNach so vielen pittoresken Orten haben wir für heute eigentlich genug Erinnerungen im Kopf (und auf der Speicherkarte) festgehalten und wollen vor Einbruch völliger Dunkelheit eigentlich nur auf der kurvigen TF436 über Santiago del Teide nach Hause zurück. Unterwegs brauen sich ein paar Kurven später allerdings dramatische Wolkenszenen zusammen. Die Straße führt zunächst bergauf bis zum Mirador de Cherfe, und wir bleiben somit erfreulicherweise stets oberhalb der Wolken, denn ohne Sicht würde einen hier spätestens bei Gegenverkehr schnell der Mut verlassen. Unbezahlbar dann der Blick vom Mirador aufs Wokenmeer bis hinüber nach La Gomera und La Palma, während die Sonne langsam in der Watte versinkt.  Das letzte Stück zurück nach Puerto de Santiago ist im Vergleich eher unspektakulär, aber zumindest gut ausgebaut, und bei Penny wartet schließlich auch unversehrt das Pferd mit den Regenbogenhaaren.
→ Routenplan von heute zum nachfahren

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Goodbye Gomera

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2017-01-02-22_20_25-valle-gran-rey-nach-puerto-de-santiago-google-mapsZählt es eigentlich bereits als Inselhüpfen, wenn man von einer Insel (Teneriffa) zur anderen (La Gomera) und dann wieder zurück hüpft, oder gehören da schon mindestens drei dazu? Mit derlei Fragen lenke ich mich beim letzen Frühstück auf Marias Terrasse in Vueltas ab, während ich die Familien-Sandwiches für die Fährüberfahrt zurück nach Los Christianos schmiere. Es ist ja auch nicht so, dass uns sofort der Durchmarsch ins Ruhrgebiet bevorsteht, vielmehr haben wir noch fünf Tage auf der großen Schwesterinsel geplant. Aber das Valle sehen wir in diesem Jahr sicherlich nicht mehr wieder, und da darf man schon mal etwas melancholisch werden.

img_6323_roadFür den Eimer waren natürlich auch sämtliche Überlegungen, welche Abstecher denn vielleicht noch auf dem Rückweg über den Inselrücken nach San Sebastián in Frage kämen: Als wir schließlich im Hafen eintrudeln und unseren gut eingefahrenen  Kubo in die Hände von Europcar zurück geben, lässt die Fähre bereits die Motoren an. Wie bei der Ankunft vor 5 Tagen vergeht die Überfahrt wie im Flug und nach ca. einer Stunde haben wir in Los Christianos schon wieder festen Boden unter den Füßen. Von der Mietwagenfirma CICAR hatte ich bisher zwar noch nichts gehört, aber nach etwas Sucherei finden wir auch das mit einem netten Menschen besetzte Büro im Hafengebäude, und können prompt einen Seat Ibiza in Empfang nehmen. Der hat zwar beim Duell in engen Gassen offenbar schon des Öfteren den Kürzeren gezogen, wird aber dafür mit einer gratis Teneriffa Audioguide CD ausgeliefert!

img_6901_housebeach_miniAls Domizil für die nächsten Nächte haben wir uns über Tripadvisor die Ferienwohnung der englischen Penny in einem Wohnkomplex bei Puerto de Santiago am nördlichen Ende der Westküste ausgesucht. Falls das „Ex-Fischerdorf“ (O-Ton Internet) wirklich mal ein Fischerdorf war, ist davon nicht mehr viel übrig. Längst geht der Ort nahtlos in die Nachbarstadt Los Gigantes über, und irgendwie kann man schon froh sein, dass dort die wuchtige Steilküste den Stränden des Westens und somit auch weiteren überambitionierten Bauvorhaben ein natürliches Ende gesetzt hat. Aber wir wollen nicht jammern, denn all das haben wir im Vorfeld gewusst, und trotzdem hat die Ecke einige nicht zu verachtenden Vorteile: Sonne und Meer gibts vor der Haustür, die Westzufahrt zum Teide Nationalpark ist nicht weit, und auch die landschaftlich vielversprechende Nordküste Teneriffas ist nur einen Pass entfernt. Morgens gehts daher auch gleich auf die Piste, heute Abend trauern wir halt Vueltas noch ein wenig hinterher!

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Im Nebelwald von El Cedro

img_6835_pelzigpanoMan sagt zwar gerne, dass auf Gomera die Uhren etwas anders ticken, aber leider vergeht auch hier die Zeit viel zu schnell und morgen geht’s schon wieder auf die Fähre!

img_6822_maerchenwaldDas Ziel der finalen Etappe will also wohl gewählt sein, und nach einiger Recherche brechen wir schließlich nach El Cedro auf, ein kleines Dorf an einem gleichnamigen Bach im Norden des Garajonay Nationalparks, wo der Lorbeerwald angeblich immer dicht und grün sein soll. Um dort hin zu gelangen, müssen wir zunächst auf die CV-14, die uns auf unserer Tour nach Hermigua in umgekehrter Richtung zunächst verschlossen blieb. Heute können wir ungestört passieren,  und nach ein paar Kilometern zweigt dann links eine Kopfsteinpflasterpiste durch den Wald in Richtung El Cedro ab. Nieselregen und dichter Nebel sorgen für die nötige verwunschene Atmosphäre – schließlich muss der Ruf „immergrün“ auch irgendwo herkommen. Wir parken den Kubo am Straßenrand und machen uns per pedes auf die Suche nach dem Kirchlein Ermita Lourdes, das sich hier irgendwo im Nebel versteckt haben soll.

img_6827_nebelkircheDer Wald hat wirklich einen besonderen Charakter, und erinnert mehr an einen Dschungel , den jemand großzügig in Moos eingepackt hat. An der Kirche selbst gibt es einen schönen Rastplatz und der Nebel im Bild links ist übrigens echt, auch wenn es so aussieht, als hätten wir mit einem Feuerchen oder Photoshop nachgeholfen. Auch Wandermuffel-Kinder kommen hier im Wald durchaus auf ihre Kosten, zumindest wenn man bei der Auswahl der Strecke im einstelligen Kilometerbereich bleibt. Daher marschieren wir auch anschließend nicht nach El Cedro durch, sondern nehmen die Abkürzung in Richtung Aula Naturaleza, die uns nach einen knackigen Aufstieg wieder auf die Kopfsteinpflasterpiste zurück führt. Klasse Trip!

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Zurück auf der CV-14 geht es weiter in Richtung Hermigua und über ein paar steile Serpentinen hoch zum Besucherzentrum Juego de Bolas, das mit freiem Eintritt, einem top gepflegten botanischen Garten und einigen multimedialen Goodies punktet. Wer Museen pur aus Prinzip meidet, ist trotzdem nicht umsonst hier hoch gefahren, denn rechts führt die Straße etwa 2 km weiter am Hang hoch zum Mirador de Abrante über den Dächern Agulos.

img_6872_aussichtDas Highlight ist hier natürlich die gläserne Plattform, die weit in den Abgrund hinaus ragt. Felix hält sich ja bei allzu abenteuerlichen Kletter- und Rutschaktionen gerne erst einmal zurück, hier scheint ihm der unverbaute Blick in die Tiefe aber gar nichts auszumachen. Bei mir ist es eher umgekehrt 🙂 Die kulinarischen Spezialitäten des angeschlossenen Restaurant haben wir zwar nicht probiert, aber zumindest der Espresso gefällt und ist in Anbetracht der exponierten Lage nicht überteuert.  Eine ähnliche Attraktion hat uns auch schon auf Madeira gut gefallen!

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