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Süd-Myanmar & Thaigolf 2017 – Routenplaner und Ré­su­mé

Frisch gepresst

  1. Ayutthaya oder: Man sieht sich immer zweimal
  2. Ayutthaya bunt und gesund
  3. Zurück im goldenen Land – Bagos Buddhas und eine kurze Ewigkeit in Kin Pun
  4. Let there be rock – zwischen Kyaiktiyo und Kyauk Ka Lat
  5. Tagesmenü: Hpa-an Höhlenhopping mit Mawlamyine Sunset
  6. Nachradler gesucht – Auf und Ab in Mawlamyine
  7. Sitzende Buddhas, Inseln zum Haare waschen und ein Geheimtipp mit Aussicht – nachmittags in Mawlamyine
  8. Dawei sein ist alles – der weite Weg nach Süden
  9. Jäger des verborgenen Strandes – auf Rollertour zwischen Maungmagan und Pa Nyit
  10. Auf alle Fälle – Rollertrip zum Erawan Nationalpark
  11. Hua Hin und wieder weg – in der Holzklasse zurück ans Meer
  12. Über allen Gipfeln ist Ruh – Sam Roi Yot und die Höhle des leuchtenden Pavillons
  13. Durchs wilde Prachuap Khiri Khan – Affentheater und ein Traumstrand im Sperrgebiet
  14. Wat mutt, dat mutt – Ruhetag in Ban Krut
  15. Ab durch die Mitte – der Isthmus von Kra und Klein-Myanmar
  16. Ko Phayam – Paradiesauftakt mit Hindernissen
  17. Es rollt wieder – Strandhopping auf Ko Phayam
  18. Endspurt zwischen zwei Welten – von Ko Phayam nach Nai Yang

Routenplaner und Ré­su­mé

Tja, da konnten wir uns mal wieder nicht für ein Land entscheiden und so ist 2017 wie bereits 2 Jahre zuvor wieder eine Kombi aus Myanmar und Thailand heraus gekommen, wobei uns die Route immer wieder in die Nähe der gemeinsamen Grenze beider Länder geführt hat. Start war wie so oft Bangkok, dieses mal haben wir der Stadt der Engel allerdings gleich am Airport den Rücken gekehrt und sind schnurstracks nach Ayutthaya gefahren, um dort erstmal ein paar Tage erfolgreich auszuspannen. Von dort gings über den alten Don Muang Airport mit Air Asia nach Yangon, wo wir auf MauMau getroffen sind, der uns in in den folgenden Tagen mit seinem Gefährt begleiten sollte.  Auch hier ließen wir die Staus der Haupstadt links liegen und steuerten direkt die alte Mon Haupstadt Bago an. Von dort war es  auch nicht mehr allzu weit nach Kyaiktiyo und hoch zum Golden Rock, den man auf jeden Fall in dieser Ecke auf der Liste haben sollte.  Am nächsten Tag fanden wir uns zum Höhlenhopping in Hpa-An wieder, es folgte ein Stop in der sympathischen Stadt Mawlamyine, das als Tor in den tiefen Süden Myanmars gilt, den man bis vor wenigen Jahren als  Normalsterblicher noch gar nicht bereisen durfte.
Nachdem wir sträflich wenig Zeit an den noch weitgehend unberührten Stränden der Dawei Halbinsel verbracht haben, ging es auf holprigen Pfaden durchs  Tenasserim Gebirge auf dem Landweg zurück nach Thailand.  Auch in der Umgebung von Kanchanaburi ließ es sich gut ein paar Tage aushalten, im Anschluss beförderte uns die State Railway of Thailand zurück ans Meer, genauer gesagt ins mondäne Hua Hin am Golf von Thailand, wo wir uns für den Rest des Roadtrips einen Mietwagen gönnten. Nach Zwischenstationen im Sam Roi Yot Nationalpark und im ebenfalls recht entspannten Dörfchen Ban Krut wechseln wir die Seiten und setzen über nach Ko Phayam, eine (noch) recht naturnahe Insel in der nördlichen Andamanensee am Rande des  Myeik-Archipels. Auf der finale Etappe kurvten wird die überraschend grüne Westküste immer weiter runter bis auf die Halbinsel Phuket, von wo aus wir nach einer Nacht am Nai Yang Beach die Heimreise angetreten haben.

Fazit: 4 Wochen wären besser gewesen, weniger Stops aber eher schwierig  – da hätte man ja glatt was weglassen müssen. Die Route können wir allen empfehlen, die eine ausgewogene Mischung aus Strand, Tempel und Natur suchen, und auch mal gerne selbst am Steuer sitzen. Da dies in Myanmar leider nicht möglich ist, ist das Mieten eines Autos mit Fahrer zwar nicht gerade preiswert, aber durchaus  zu empfehlen – mit den Öffentlichen braucht man sonst vor allem im noch nicht so stark entwickelten Süden definitiv mehr Zeit. Wer es abenteuerlicher mag, kann sich auch von Dawei bis runter nach Kawthaung „durchschlagen“, von wo aus es nur ein Katzensprung nach Ko Phayam ist. Die Insel ist zwar kein Geheimtipp mehr, aber von Massentourismus noch weitgehend verschont – also schnell auf die Wunschliste packen. Für Phuket gilt das natürlich nicht mehr, aber wenn man einen preiswerten Gabelflug hat, ist der internationale Flughafen trotzdem eine super Option, um die Reise hier zu beenden und sich den Schlenker zurück nach Bangkok zu sparen.  Lust auf mehr? Hier gibts die Tagesberichte!

Visueller Vorgeschmack – Episode 1

Visueller Vorgeschmack – Episode 2

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Dawei sein ist alles – der weite Weg nach Süden

Der Tag beginnt mit einem Schreck: Das Geld ist weg! Nicht unsere Barvorräte, aber die von Maumau, der den Verlust gerade an einer Tanke südlich von Mawlamyaing festgestellt und darüber verständlicherweise so gar nicht amused ist. Natürlich fahren wir erstmal wieder zurück in Maumaus Guesthouse, auch wenn sich keiner allzu große Hoffnung macht, dass die Scheine wieder auftauchen. Das tun sie zwar auch nicht, aber immerhin kann er anschließend den Tathergang vor dem geistigen Auge weitgehend reproduzieren, und scheint dadurch schlagartig wieder seine buddhistische Gelassenheit zurückerlangt zu haben! Ich werde mich hingegen noch Weilchen darüber ärgern, wie jemand diesen sympathischen Landsmann bestehlen kann, der gewiss selber nicht wirklich reich ist. Allerdings ist das Ganze auch für uns eine Warnung: Passt auf eure Sachen auf – die Leute mögen noch so nett sein, schwarze Schafe gibts leider immer!

Zurück auf der Road 8 Richtung Thanbyuzayat können wir uns dann wieder den schönen Dingen des Landes widmen, zum Beispiel der Landschaft. Rechts und links tauchen plötzlich 2 markante Karstfelsen auf, die natürlich von Tempeln gekrönt sind. Wie die spätere Recherche ergibt nennt sich der westliche von beiden Kyauktalon Taung. Für eine Besteigung reicht die Zeit leider nicht aus, ist aber sicher ein schöner Tagesausflug von Mawlamyaing aus, bei dem man garantiert wenig andere Besucher trifft. Bei unserem nächsten Stopp am liegenden Buddha Win Sein Taw Ya ist schon ein wenig mehr los, aber schließlich handelt es sich auch um den größten liegenden Buddha der Welt. Ob diese Information noch aktuell ist weiß ich nicht, gerade in Asien ist man mit Buddha-Superlativen ja nicht gerade sparsam, aber unabhängig der Größe weist der stolze Bau noch eine weitere Besonderheit auf: Er ist innen (!) begehbar!

Wir wählen den Eingang am wenig besuchten Fußende. Innen wird seit Jahrzehnten immer noch fleißig gemalt und gemauert und man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Baustelle, aber viele der Kammern (182 sollen es angeblich sein) sind bereits fertig gestellt und zeigen Szenen aus dem Leben Buddhas oder hier und da vielleicht auch einfach nur Szenen aus vergangenen Zeiten, die Übergänge scheinen fließend. Manche Szenen sind recht gruselig, andere unfreiwillig komisch aber beeindruckend ist das Innenleben allemal. Auf jeden Fall auch für Kinder ein spannendes Erlebnis, wenngleich einige Kammern nicht ganz als jugendfrei durchgehen. Zum Abschluss lassen wir uns natürlich auch nicht lumpen und spenden eine Kachel fürs Buddha-Gewand.

Nach dem Buddha Sightseeing wird es aber höchste Zeit, etwas Strecke zu machen. Stolze 322 Kilometer weist Google für den Trip von Mawlamyaing nach Maungmagan aus, und noch bis 2013 war der Landweg nach Dawei für ausländische Touristen komplett tabu. Die Infrastruktur hinkt dementsprechend etwas hinterher, aber der Zustand der Straße ist inzwischen überwiegend in Ordnung und an allen Ecken raucht heißer Teer in Tonnen vor sich hin, es wird fleißig verbreitert, und auch die letzten nicht asphaltierten Etappen dürften bald verschwunden sein. Felix haben wir in weiser Voraussicht mit ausreichend Hörspielen eingedeckt, so dass die Fahrt eigentlich überraschend entspannend verläuft und wir mit ausreichend Tageslichtreserven am späten Nachmittag in Dawei einrollen. Jetzt erstmal eine Suppe!

Eine gute Woche sind wir jetzt schon in Asien unterwegs ohne das Meer gesehen zu haben, Dawei ist der perfekte Ort dies zu ändern – die Andamanensee die wir schon aus Thailand kennen liegt schließlich vor der Haustüre, und an Stränden mangelt es auch nicht. Wir steuern den Maungmagan Beach an, der zwar im direkten Vergleich mit den etwas etwas abgelegenen südlichen Stränden eher schlecht abschneidet, aber hier gibts sowohl Unterkünfte als auch Restaurants und beides ist andernorts eher rar gesät. Der Tripadvisor Liebling Coconut Guesthouse ist ausgebucht, liegt aber auch zu weit vom Meer weg um als strandnah durchzugehen, und ein herzlicher Empfang geht auch anders. Am relativ neuen Long Beach Resort werden wir schließlich fündig, für ~35$ gibts einen sauberen Reihenbungalow, einen angemessenen Fahrer-Rabatt und – entgegen der Vorhersagen – auch einen relativ sauberen Strandabschnitt mit ausreichend Buddelpotential dazu!

Es mag sich in den nächsten Jahren noch ändern, aber heuer sieht man hier fast nur Einheimische und die lokale Fischerei scheint noch hoch um Kurs zu stehen. Da die Boote nachts raus fahren, kann man bei Sonnenuntergang zuschauen, wie Netze geflickt und Boote bepackt werden. Das ist echtes Myanmar Feierabend TV! Verhungern muss hier natürlich auch keiner, an der „Strandpromenade“ reiht sich ein Lokal ans andere. Michelin Sterne oder Schickimicki Bars sucht man allerdings vergebens, aber wen es in diese Ecke verschlägt, der sucht die auch nicht wirklich. Und keine Angst – auch es nirgendwo beworben wird (was wohl eher „lizenzrechtliche“ Gründe hat :-)) ist ein kühles Myanmar Bier niemals weit!

Sitzende Buddhas, Inseln zum Haare waschen und ein Geheimtipp mit Aussicht – nachmittags in Mawlamyine

Nach dem schweißtreibenden Radtrip durch Mawlamyine  Downtown am Morgen ist erstmal eine ausgiebige Dusche fällig. Viel Zeit zum trocknen und ausruhen bleibt nicht, denn Maumau steht entgegen aller Südostasien Klischees mal wieder extrem pünktlich auf der Matte. Die Fahrt geht gen Süden, wir lassen uns überraschen wohin, aber den Ankündigungen entnehme ich, dass Buddha in irgendeiner Form involviert ist. An der auf den ersten Blick eher unscheinbaren Kyaikmaya Pagode kommen wir schließlich zum Stehen. Im Außenbereich gibt es einen großen goldenen Stupa, ein von Schildkröten (über-)bevölkertes Becken sowie eine etwas mitgenommene Weltkugel mit einer Statue zu entdecken, die ein wenig an Fritz Wepper erinnert (genau: der Harry mit dem Wagen).  An den Wänden dominieren Mosaike aus kleinen Spiegeln und in der Tat gibt es zahlreiche Buddhafiguren in diversen Posen. Aber erst auf den 2. Blick erkennen wir im Zentrum die Besonderheit, auf die uns Maumau auf der Fahrt aufmerksam machen wollte: Der Buddha sitzt! Also nicht wie üblich im Lotussitz, sondern mit herunterhängenden Beinen, so wie wir Europäer das für gewöhnlich tun (hier gibt es noch nähere Erläuterungen zu Buddhas Sitzgewohnheiten). Ob das wirklich einzigartig ist sei mal dahin gestellt, aber uns fällt spontan zumindest kein zweites Exemplar ein.  Insgesamt also  ein durchaus interessanter Tempel, zumindest für alle die die „Klassiker“ in der Region schon durch haben.

Zeit für Lunch, Zeit mein frisch erradeltes Wissen vom Vormittag zum Besten zu geben. An der Strand Road wars am schönsten, da sollte es doch sicher auch was leckeres zu Essen geben. Wir landen schließlich im gut gefüllten Bone Gyi, dessen zweites Standbein der Verkauf von edlem Fusel zu sein scheint – selten sieht man in dieser Ecke Myanmars derart üppig gefüllte Flaschenregale in normalen Restaurants.  Auch die feste Nahrung schmeckt gut, kann man also hingehen . Anschließend fahren wir zum Ufer östlich der Mawlamyaing Brücke. Hier legen die Boote nach Gaungse Kyun ab und wir ergattern noch ein paar der letzten Plätze. Wer den Namen noch nie gehört hat braucht sich übrigens nicht zu schämen, da das Inselchen meist „Shampoo Island“ genannt wir, weil hier das heilige Quellwasser für die jährlichen königlichen Haarwaschzeromien entsprungen ist. Heutzutage werden die Häupter hier eher selten gewaschen, da die königlichen Zeremonien längst passé sind und die Insel nur noch von Mönchen bewohnt ist, die sich ja bekanntlich bei Einzug ins Kloster ihrer Haarpracht entledigen. Shampoo Island ist üppig begrünt aber strandlos und nicht wirklich groß, in einer Stunde hat man locker jede Ecke dieses Mikrokosmos inklusive des Klosters erkundet. Lohnt sich unserer Meinung nach trotzdem! Profi-Tipp: nicht das edelste Schuhwerk mitnehmen, denn die zieht man direkt am Anleger aus (offenbar gilt die gesamte Insel als Tempelgelände) und die heimischen Hunde schienen teilweise recht erpicht auf neues Spielzeug… Unsere gut abgehangenen Flip Flops wurden aber glücklicherweise verschmäht!

Unser Loose Myanmar Reiseführer ist schon etwas betagt und war bereits gebraucht, als wir ihn beim ersten Myanmartrip 2015  an Bord hatten. Im Kapitel Mawlamyaing findet sich ein Exkurs mit dem verlockenden Titel „Sonnenuntergang mit Panoramablick“. An der Kyaik Fin Gu Pagode auf der anderen Seite der Brücke bei Mottama soll man angeblich spektakuläre Ausblicke auf die zahlreichen Flussarme in der Umgebung haben, und das auch noch in weitgehender Einsamkeit! Wir sind zugegebenermaßen etwas skeptisch: Da sich Myanmar in den letzten Jahren so rasant entwickelt hat, dürfte die Einsamkeit in populären Ecken sicher ähnlich wie in in Bagan längst Geschichte sein. Wir fahren trotzdem rüber, zumal Maumau den Tempel offensichtlich noch nicht kennt – und das will ja was heißen! Die beiden Abzweige nach der Brücke ohne sichtbare Beschilderung sind schon mal nicht auf Massentourismus ausgelegt, auch die Straße die sich auf den Berg windet gleicht eher einem Feldweg.

Kurz vor dem Kloster ist dann Endstation für Automobile, und die Loose Textbox hat wahrhaft nicht übertrieben: Die nahezu 360° Aussicht auf die Mawlamyaing Brücke, den Thanlwin River und das Delta im Südwesten ist wirklich phantastisch, und dabei steht die Sonne noch relativ hoch.  Selbst der ansonsten recht coole Maumau ist sichtlich beeindruckt von diesem Ort und rennt begeistert durch die Büsche, um ein paar Smartphone Fotos zu schießen. Wir freuen uns diebisch, dass wir diesem alten Hasen offenbar doch noch eine neue spektakuläre Ecke zeigen konnten, und hoffen seine nächsten Gäste kommen auch in diesen Genuss. Und selbst als sich die Sonne irgendwo über dem Flussdelta verabschiedet, sind wir abgesehen von den Mönchen im anliegenden Kloster die einzigen Gäste. Kino Grande!

Nachradler gesucht – Auf und Ab in Mawlamyine

City Biking boomt nicht nur in Europa sondern auch in Südostasien! Selbst in tendenziell eher radfeindlichen Metropolen wie Bangkok oder Phnom Penh wächst das Angebot an Touren, und unsere Radeln auf Reisen Seite wächst munter mit. In Mawlamyaing – dem designierten Tor zu Myanmars tiefem Süden – ist man davon aber noch weit entfernt, und das obwohl die relaxte Stadt eigentlich prima auf zwei Rädern zu erkunden ist. Höchste Zeit also für einen Versuch in Eigenregie …

Es geht los im Queen Jamadevi in einer ruhigen Ecke abseits vom Stadtkern (zur Karte). Das ist natürlich keine Grundvoraussetzung für den Trip , aber wir wohnen nun mal da und die übrigens durchweg empfehlenswerte Bleibe löst gleich zwei wichtige Probleme: Es gibt anständige Kawasaki (!) Räder mit Schaltung und funktionierender Bremse, und eine brauchbare Karte obendrauf – beides unerlässlich für einen entspannten Trip. Weiter geht’s bis zu einem großen Kreisel mit bunten Soldaten, offenbar ein weniger dekoratives Erbe des Militärregimes. Hier kann es mitunter etwas hektisch werden, aber wir verlassen den Kreisel auch gleich an der 2. Ausfahrt Richtung Kyaikkami Street (nicht auf die Road 8) und biegen gleich die zweite Straße wieder scharf nach rechts oben ab. Jetzt wird es ruhig … und steil … und schön, sollte nichts davon zutreffen ist man wahrscheinlich falsch abgebogen.

Die Straße schlängelt sich weiter in nördlicher Richtung und beglückt den keuchenden Radler mit einer beeindruckenden Tempeldichte. Ein netter Viewpoint mit relativ unverbautem Blick auf den Saluen Fluss – auch bekannt als Thanlwin – lädt zum verschnaufen ein. Wer es spiritueller mag ist unter dem schattigen Baum an der U Zina Pagode gut aufgehoben, und mit dem Sri Shamuganathar ist auch ein Hindutempel vertreten. An der Kyaik Tan Lan Pagoda führt natürlich ebenfalls kein Weg vorbei, auch wenn es eigentlich ein klassischer Sunset Spot ist (wir berichteten). Tagsüber sieht man hier kaum westliche Gesichter, und dafür um so mehr Myanmar Wusel-Alltag.

Anschließend geht es auch endlich wieder bergab. Zur Linken befindet sich das koloniale Gefängnis aus dem Jahre 1908, das aber allenfalls für Freunde zeitgenössischer Knastarchitektur interessant sein dürfte. Rechts hingegen passiert man den Nachtmarkt der auch bei Tag aktiv ist und durchaus einen Stop wert ist. Am Ende und sozusagen „zurück im Tal“ biegt man rechts in die Upper Main Road ab, die abermals in einen großen Kreisverkehr mündet, diesmal aber ohne bunte Soldatenfiguren sondern mit einem überdimensionalen goldenen Hahn (wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht täuscht). Von hier gelangt man direkt auf die große 3,5 km lange Mawlamyaing Brücke, die auch von der Bahn genutzt wird. Radfahrer zahlen keine Maut! Von hier hat man eine ganz adrette Sicht auf die Stadt, wer Zeit und Abenteuerlust mit bringt kann auch ganz rüber nach Mottama fahren und neue Welten erkunden. Es gibt zwar keinen Radweg auf der Brücke selbst, aber der Verkehr und Luft waren zumindest morgens gegen 10:00 erträglich.

 

Ich fahre zurück bis zur auffälligen Kaladan Mosque und von dort auf die Strand Road ans Ufer. Einen Strand gibt es hier zwar leider nicht, aber es ist trotzdem eine sehr schöne Strecke direkt am Fluss mit vielen Bäumen und nicht all zu viel Autoverkehr. An den Piers kann man das Be- und Entladegewusel beobachten, empfehlenswert ist auch ein Stop am Delifrance Bakery House, wenn es einen nach edlem Gebäck oder einem ordentlichen Espresso gelüstet, wie es ihn zuhause nur in überteuerten Cafés gibt. Am Ende wird die Strand Road dann aber schlagartig  langweilig, und es wird Zeit sich links zu halten und die Lower Main Road und ihre Seitenstraßen zu erkunden. Hier habe ich mich dann trotz Karte wie üblich doch noch verfahren, und kann daher keine detaillierten Tipps mehr geben. Aber früher oder später findet man irgendwie zum großen „Soldaten-Kreisverkehr“ im Südosten zurück.

Wer mehr Zeit hat kann auch einfach die 8 weiter gen Süden fahren, oder auf der großen Straße Richtung Queens bleiben, die einen früher oder später bis nach Hpa-an führt. Ich habe auf dem Rückweg am Ende noch einen Schlenker nach rechts auf einen Feldweg gemacht (siehe Karte unten) und den strahlend weißen  Tempel links im Bild entdeckt – sicher nicht der Größte  im Lande, aber definitiv in keinem Reiseführer erwähnt. Und jetzt viel Spaß beim Nach- und Weiterradeln!

Mehr aus der Rubrik „Radeln auf Reisen“rareis

Und hier gibts die Map zum Trip (natürlich ohne Gewähr) 

Tagesmenü: Hpa-an Höhlenhopping mit Mawlamyine Sunset

Yes! Siebenunddreißig! Zugegebenermaßen keine wirklich spektakuläre Zahl wie 42 oder 11, aber dennoch ist die digitale 37, die mir gerade vom Fieberthermometer angezeigt wird, für mich die beste Nachricht des noch jungen Tages: Das Fieber von gestern hat sich nach knapp zwölf Stunden im Bett endlich verzogen, und ich fühle mich auch deutlich weniger schlapp. Maumau taucht ebenfalls gut gelaunt kurz nach dem Frühstück auf, und hat nach dem gestrigen Abstecher zu den Bayin Nyi Naung Höhlen noch mindestens zwei weitere „must see“ Höhlen in der Umgebung von Hpa-an auf der Agenda. Als erstes steuern wir nach einer kurzen Fahrt die Kawgun Caves an. Hier beeindruckt vor allem der Eingangsbereich vor der Höhle mit den unzähligen Reliefs, wo zudem noch gerade die Buddhas frisch getüncht werden und golden in der Morgensonne strahlen.

Ein paar Kilometer weiter durchs grüne Feld wartet der Yathaypyan Cave auf neugierige Höhlenforscher. Nach einem kurzen Aufstieg steht man auf einer Terrasse zusammen mit zig Buddha Statuen mit Blick in die Ferne. Die Aussicht ist wirklich großartig, tauscht man gedanklich die Hügel von Hpa-an gegen den Mekong, erinnert die Szenerie mit den Silhouetten fast ein wenig an Pak Ou in Laos (wer da mal hin radeln möchte: Bitteschön). Auch innen gibts einiges zu erkunden, hier kann man nämlich auch richtig tief in den Fels rein marschieren. Insofern auch für Kinder ganz spannend, die sich ja allgemein eher weniger für Statuen und Fresken interessieren.

An weiteren Höhlen in der Umgebung mangelt es zwar nicht, aber ich will es nach der flotten Genesung auch nicht gleich übertreiben, und außerdem müssen wir auch erstmal im Thiri Hpa An auschecken. Allerdings nicht, bevor wir nicht einmal den Außenpool gebührend getestet haben. Pools sind in dieser Ecke nämlich zumindest in der Guesthouse-bis-Mittelklasse eine echte Rarität, und dieser hier wartet sogar noch mit einer 1a Aussicht auf einen dicht bewaldetet Karstfelsen auf.  Das Hotel fanden wir ja ingesamt eigentlich nicht so dolle, aber für das Badeerlebnis gibts auf jeden Fall Bonuspunkte, auch wenn es natürlich Sünde ist, in einer solchen Landschaft mehr als eine Stunde am Pool zu lungern 🙂

Unsere nächste Station auf dem Weg in den Süden heißt Mawlamyaing und ist nicht wirklich weit von Hpa-an entfernt, und da wir uns dort auch endlich mal zwei Übernachtungen gönnen wollen, gibt es keinen Grund zu übertriebener Eile. Am Fuße des imposanten Mount Zwegabin (725m) befinden sich die Buddha Gärten, in der Reiseliteratur auch gerne als Lumbini Park bezeichnet (nach Buddhas angeblichem Geburtsort in Nepal). Wer nach den Höhlenbesuchen meint noch nicht genug Buddhastatuen gesehen zu haben, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten: Über die genaue Anzahl ist man sich zwar nicht so ganz einig, vier(!)stellig dürfte sie aber in jedem Fall sein. Am Ende der Gärten beginnt auch der Aufgang auf den Berg. Dafür haben wir heute weder Zeit noch Kondition, aber nicht nur wegen des entgangen Aufstiegs kann ich den Familienrat hoffentlich davon überzeugen, irgendwann nochmal Station in Hpa-an zu machen. Übrigens: Die Grenze nach Thailand bei Mae Sot / Myawaddy ist von hier gar nicht weit weg, und seit ein paar Jahren auch für Ausländer passierbar, Ideal also für eine Myanmar – Thailand Kombi!

Bevor wir Hpa-an endgültig hinter uns lassen stoppen wir noch an einer letzen Höhle, die trotz der starken Konkurrenz zum heutigen Favoriten avancieren soll: Die Sadan Caves. Der Eingangsbereich wirkt zunächst etwas kitschig mit einem neonfarbenen liegenden Buddha, aber dann gehts auf einem langen Trip ins dunkle Innere, dämmrige Brücke und Stalaktiten inbegriffen . Es gibt zwar elektrisches Licht, aber eine Stirnlampe ist sicher keine schlechte Idee. Und noch ein Tip: Wie üblich ist die Höhle barfuß zu betreten, aber man sollte seine Schlappen in einer Tüte mitnehmen und nicht am Eingang zurück lassen (wie wir). Dazu später mehr!

Hat man die Höhle durchquert, steht man am Ende vor einer großen Felsöffnung und staunt (wahrscheinlich), denn beim Anblick des spiegelglatten Sees vor Felskulisse fühlt man sich abermals in ein Fantasy Epos versetzt. Am Ufer kann man sich ein Boot mieten (Preis habe ich nicht mehr im Kopf aber keiner ist in Ohnmacht gefallen) und sich gemächlich über den See und einen künstlichen Kanal durch die Reisfelder am Berg vorbei rudern lassen.  An einer improvisierten Kneipe ist dann Endstation, der Bootsmann dreht wieder um, der Passagier gönnt sich ein kühles Myanmar Bier, bevor man über einen Feldweg wieder an den eigentlichen Eingang der Höhle zurückkommt. Wer Tip Nr. 2 beherzigt hat, freut sich jetzt auch über die mitgebrachten Schlappen – die Steine können nämlich ziemlich pieksen. Toller Abschluss, nur vereinzelte Müllhaufen konnten die Idylle hier und da stören.

Dann ist es aber wirklich Zeit für den Aufbruch. Über eine Sandpiste gelangen wir zurück zur Hauptstraße und nehmen Kurs auf Mawlamyaing. Das mitgebrachte Spielzeug überbrückt die Fahrzeit auf dem Rücksitz ganz gut – heute im Angebot: Chamäleons und Dinos. Als Bleibe haben wir uns das relativ neue Queen Jamadevi Hotel in einer ruhigen Ecke am Standrand ausgesucht, das auf den ersten Blick schon mal mit modernen Zimmern und nettem Personal überzeugt. Es gibt sicherlich viele interessante Sunset Spots in und um Mawlamyine, aber wer nicht all zu viel Zeit zum Überlegen hat (und die Sonne steht schon mächtig tief), kann mit der Kyaik Thanlan Pagoda eigentlich nicht viel verkehrt machen. Von der Straße aus überbrückt ein Turm den Höhenunterschied zum Plateau, oben dann die übliche Mischung aus goldenen Stupas, Einheimischen, Mönchen und vereinzelten westlichen Gesichtern – der Tourismus scheint in dieser Ecke Myanmars offenbar erst langsam Fahrt aufzunehmen. Das Abendlicht und der Blick auf den Thanlwin (Saluen) Fluss sind heute vom Feinsten, man munkelt übrigens, dass Herr Kipling ggf. hier wertvolle Inspirationen für seine berühmte Mandalay Ballade getankt hat (wo er ja niemals gewesen ist). Denkbar wärs, als die Sonne schließlich irgendwann im Delta entschwindet geht dann auch dieser bewegte Tag endgültig zu Ende. Morgen mehr!