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Rückkehr nach Hpa-an

Der faszinierenden Höhlen- und Bergwelt rund um Hpa-an haben wir zwar bereits 2017 auf der Durchreise einen Besuch abgestattet (zu den Artikeln), aber  der Weg zum Grenzübergang Myawaddy / Mae Sot (Thailand) ist noch weit und nötigt zu mindestens einem weiterem  Übernachtungsstop, Und es wäre doch gelacht, wenn wir hier nicht noch noch ein paar neue Ecken entdecken

Da wären zum einem die Kaw Ka Thaung Höhlen, die sich südöstlich der Stadt gut hinter den Bergen verstecken, und einst unserer Aufmerksamkeit entgangen sind. Hier gibt es viel zu entdecken, wie zum Beispiel kuriose Behausungen, ein steinerner Pool umringt von preiswerter Gastronomie, und einer schier endlosen Treppe zum Berggipfel, die den Bezwinger mit guten Aussichten belohnt!

Wenn man aus Hpa-an kommt, kann man der Road 85 einfach weiter folgen und bei der nächsten Möglichkeit rechts abbiegen, und umrundet somit den alles überragenden Mount Zwe Kapin. Noch vor der Kyauk Ka Lat Pagode (gesprochen ‚chocolat‘ :-)) , die man natürlich alleine aufgrund der potentiell verschiedenen Wasserpegelstände mindestens 2x im Leben besucht haben muss, geht es rechts ab zu einem Wasserfall.  Der führt zwar in der Trockenzeit kein Wasser, dafür gibt es zwei steinerne Planschbecken voll relativ kühlem Quellwasser, die von der lokalen Bevölkerungen auch rege genutzt werden – warum eines davon für Frauen tabu ist, konnten wir leider nicht klären. Weitaus interessanter ist eigentlich ein Abstecher auf dem Pfad, der südlich vom Pool wegführt. Hier gelangt man zunächst  zu einem kleinem Stupafeld, und von dort zu einem offenbar verlassenen hölzernen Kloster am Berghang:

Natürlich zieht es passionierte Kraxler auf den fast 800m hohen Zwe Kapin Felsen, dessen Anblick man sich hier auch nur schwerlich entziehen kann. Aber für einen gemütlichen Familienausflug ist der Aufstieg einfach zu lang, und daher haben Felix und ich uns vorgenommen, am Morgen vor der Abreise nach Mae Sot statt dessen den Hausberg Hpa Phu zu erklimmen. Der ist zwar niedriger, aber nicht ohne Tücken. Zunächst muss man sich am Jetty hinter der Shwe Yin Myaw Pagode einen Platz in einem der Boote sichern, die regelmäßig den Thanlwin Fluss überqueren. Der Weg durchs Dorf und der Aufstieg zum Kloster sind dann noch recht zivil, aber anschließend kommt man je nach Tagestemperatur ganz schön ins schwitzen. Vor dem Gipfel fordern dann noch ein paar Bambusleitern zur Mutprobe, die aber zumindest  einen deutlich stabileren Eindruck als die alten Holzleitern darunter machen. Oben hat man dann je nach Wetterlage eine schöne oder diesige Sicht in alle Himmelsrichtungen, aber auf jeden Fall das Gefühl, einen Gipfel erstürmt zu haben – Zwe Kabin wartet dann auf Besuch #3!

 

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Bengalisches Strandhüpfen von Ngwe Saung bis Chaung Tha

Nachdem wir den sporadisch besiedelten Süden von Ngwe Saung bereits beackert haben (zum Bericht), wenden wir uns mal Chaung Tha zu, das gerade mal 20km entfernt im Norden liegt und sich vor allem bei den Einheimischen großer Beliebtheit erfreut. Wer sich vom Kartenanbieter seiner Wahl eine Route vorschlagen lässt staunt jedoch nicht schlecht, denn der Weg führt eigentlich immer durch die Berge nach Pathein und von dort wieder zurück an die Küste. Wer wie die meisten die Anfahrt mit dem Bus angetreten hat, weiß was das bedeutet: Endlose Auf-und-ab Etappen, scharfe Kurven, bleiche Gesichter – und das gleich im Doppelpack? Vom Zeitaufwand mal ganz zu schweigen…

In der Tat gibt es keine durchgehende Straße zwischen den beiden Orten, was gewiss der Tatsache geschuldet ist, dass man auf den 20km auch eine ganze Menge Wasser überqueren muss. Aber es gibt Alternativen: Für rund 15000 Kyat (ca 10 Euro) kann man sich ein Mopedtaxi nehmen, das auch auf den bescheidenen Holzfähren Platz findet, von denen es auf der Route über den Strand gleich 3 gibt. In Sachen Gepäck muss man sich natürlich etwas einschränken. Da wir vor hatten, 3 Nächte zu bleiben haben wir den Familienbedarf einfach auf einen Rucksack reduziert und den Rest bei unseren Freunden im SoeKoKo Guesthouse deponiert, die uns auch die beiden versierten Fahrer vermittelt haben. Auf ins Abenteuer!

Das erste Stück bis ins Dorf Tazin ist noch befestigt, und die Fähre dort eher Kategorie „Einsteiger“. Die nächste Fähre hat es aber in sich, da sie kleiner ist und je nach Stand der Gezeiten nicht ganz anlegen kann, so dass man im Wasser (!) über die Planke fahren muss. Hier trennt sich bei den Selbstfahrern die Spreu vom Weizen. Eine weitere unerlässliche Fähigkeit, die man in keiner Fahrschule lernt, ist die lässige 180° Wende über den Mopedständer auf dem wackligen Holzboden, der hier besonders schmal ist.

Zu Fähre Nummer drei geht es dann bei Ebbe direkt über den Strand, oder ansonsten über einen sandigen parallelen Pfad. Die dritte und letzte Fähre bringt einen dann bereits schnurstracks in den Fischerhafen von Chaung Tha. Man sollte sich hier von den ersten Strandabschnitten nicht abschrecken lassen, da sie nicht gerade zu den saubersten oder hübschesten des Ortes zählen. Weiter im Norden am Coral Beach noch hinter der großen Pagode am Strand wird es richtig einsam, aber man mietet sich am besten einen Roller und sollte auf jeden Fall auch mindestens eine Nacht bleiben. Unser Zwischenstop Tipp ist das D & W Beach Haven Restaurant an einem besonders schönen Abschnitt, das von dem sympathischen Australier Dennis und seiner burmesischen Frau Wawa geführt wird. Am Wochenende sollen hier viele Expats aus Yangon die freien Tage verbringen, unter der Woche waren wir fast alleine.  Falls jemand eine Bleibe etwas ab vom Schuss sucht: Auch die Hütten machen  von außen einen guten Eindruck.

Life’s a Beach

Auch nördlich von Dennis ist die Welt noch nicht zu Ende. Ein paar Kilometer weiter kann man sich zum Beispiel eine Art Indianer Tipi zur Übernachtung mieten, ein eher ungewöhlicher Anblick in diesen heißen Gefilden. Der Strand ist hier aber auch ganz nett, vor allem aus der Schaukel- oder Altreifensessel Perspektive. Es folgt weiter im Norden noch eine weitere Mopedtaugliche Fähre, daneben wird aber bereits eifrig an einer Brücke gebaut, dann erwartet den Erforscher ein kilometerlanger einsamer Strandabschnitt , an dem ich mit dem Shwe Taung Yan nur ein einziges Hotel ausmachen konnte. Die recht ordentliche Piste endet dann irgendwann, eine sehr sandige Umgehung führ zwar weiter nach Norden, aber das Fahren macht hier mit einem herkömmlich Roller wirklich keinen Spaß mehr – reicht dann auch für heute!

„Unser“ Umbrella Beach

Wer es lieber zentral aber doch einsam mag, sollte dem vorgelagerten Inselchen Aung Mingalar eine Chance geben. OK, der erste Eindruck ist nicht gerade einladend wenn das „Shuttle Boat“ vom Festland am schmuddeligen Strand anlegt,  Am besten marschiert man schnurstracks zur Mya Kyunnyo Pagode am Nordende, denn dort gibt es Schatten, Instantkaffee sowie eine nette Sicht aufs Meer, wo man mit Glück auch die viel gehypte White Sand Insel in der Ferne sehe kann. Die Überraschung kommt dann nach einem Marsch an der Westküste am Fusse des Coral View Resorts: Der Hauptstrand ist schon ganz nett, eine Ecke weiter wird es dann noch einsamer. Wir haben den Strand in Anlehnung an den markanten Baum am Ende der Bucht einfach Umbrella Beach getauft. Im Coral View kann man übrigens auch als Nichtgast halbwegs preiswert essen, die relativ neuen Bungalows sehen auch hübsch aus, sind aber eher in der gehobenen Preiskategorie.

Und egal ob man ihn nun mag oder nicht – ein kurzer Abstecher zum Chaung Tha Hauptstrand ist einfach Pflicht, und sei es nur um zu Zeuge davon zu werden, wie man sich so in Myanmar einen perfekten Strandtag vorstellt. Dazu gehören offenbar Tandemfahren im feuchten Sand, ein Ritt auf einem zum Zebra umlackierten Pferd, unkoordinierte Beachbuggyfahrten , und natürlich massenhaft Streetfood (pardon: Beachfood). Für den Abend schienen schon einige Bungalow-Anlagen die Karaoke Anlage aufzubauen, aber das Spektakel haben wir nicht mehr weiter verfolgt.

Zeitvertreib beim Warten auf die nächste Fähre

Auf dem Rückweg nach Ngwe Saung erlebten wir dann wohl das Äquivalent eines Staus auf dieser Route: Der Fährmann der mittleren Fähre schien etwas überfordert und musste wiederholt wieder anlegen. Der Durchsatz an Mopeds pro Trip reduzierte sich dadurch auf 2-3, so dass ein knappes Stündchen Wartezeit drauf ging, bis unser Konvoi vollzählig auf der anderen Seite eingetrudelt war. Man sollte es also nicht unbedingt eilig haben, wenn man diese Route wählt – als Alternative zur Bergetappe gewinnt sie aber auf jeden Fall, und Stress wird in diesen Gefilden ja ohnehin klein geschrieben 🙂

 

Nimm 2 – in den Pagodenfeldern von Kakku und Indein

Zugegeben: Wir haben keine Ahnung ob wir schon mal in einem Pagodenfeld gewesen sind, oder ab welcher Größenordnung eine Ansammlung an Pagoden überhaupt als Feld gilt. Aber in der Umgebung von Nyaung Shwe am Inle See gibt es angeblich gleich zwei davon, und die nehmen wir jetzt mal näher unter die Lupe!

Nach Kakku geht’s zunächst östlich vom Inle See entlang. Mit den Öffentlichen dürfte es schwierig sein, Mopeds darf man in der Gegend als Tourist ohnehin nicht mieten, also organisiert man sich am besten übers Guesthouse ein Auto mit Fahrer, oder sucht sich eine organisierte Tour. Die Etappe vom See weg in die Berge ist durchaus reizvoll, allerdings auch recht kurvig, wie das mit Bergetappen nun mal so ist. Mindestens eine Stunde sollte man schon einrechnen, man passiert ein paar Pa-O Dörfer (zu erkennen an der markanten turbanartigen Kopfbedeckung der Passanten) und erreicht schließlich das antike Pagodenfeld, das übrigens lange Zeit für westliche Touristen tabu oder nur mit Sondergenehmigung zu besuchen war.

2500 Tempel und Stupas sollen es sein, „so weit das Auge reicht“ trifft es auch ganz gut. Natürlich sehen nicht alle gleich aus: Es gibt glänzende, verfallene, begehbare sowie unzählige Reliefs und Skulpturen zu erkunden. Auch für Kinder ist dieses Labyrinth eine kurzweilige Angelegenheit, man sollte jedoch besser vorab einen Treffpunkt ausmachen und bedenken, dass es in jeder Himmelsrichtung einen Ausgang gibt. Als Suchspiel bietet sich das etwas versteckt gelegene aber laut Reiseführer sehr legendäre Wildschwein an… Abschließender Tip für Knipser: Wer verzweifelt den „gewaltigen“ Wassergraben sucht, in dem sich die Pagoden spiegeln, findet ihn rechts vom Haupteingang. Und nicht enttäuscht sein, einfach tief in die Knie gehen 🙂 Auf dem Rückweg kann man ggf. noch 1-2 Stops am Ostufer des Sees einlegen, im Bericht Nachradler gesucht – von Nyaung Shwe übern Inle See finden sich Inspirationen.

So ganz anders gestaltet sich der Trip nach Indein, für den man sich ein Boot nehmen muss und dafür den üblichen Tarif wie für die Standard Tagestouren bezahlt, bei denen der Schlenker nach Indein aber nicht zwingend inbegriffen ist. Alleine die Anfahrt ist spaßig, da der Kanal an manchen Stellen aufgestaut ist und das lange Holzboot die engen Durchläufe mit Anlauf rauf brettern muss, und erinnert daher ein wenig an die Wasserattraktionen in einem Erlebnispark 🙂

Bei Miss Nyaung Shwe am Flussufer kann man sich erstmal bei hübscher Aussicht in einem Bambuspavillion stärken, dann geht’s ca. 20 Minuten rauf zum Pagodenfeld über einen überdachten Treppengang, in dem man sich unter anderem mit antiken Karten, alten Banknoten, verwitterten Marionetten und traditionellen Kostümen eindecken kann. Ob authentisch oder Nippes aus Massenproduktion, es sieht auf jeden Fall alles etwas origineller aus als das Standardsortiment der üblichen Souvenirstände im Lande.

Kurz hinter dem Eingang findet man rechts ein paar verfallene Ruinen im „Indiana Jones Stil“, die die Natur bereits zum Teil zurück erobert hat und die uns ein wenig an Ta Prohm erinnern. Das eigentliche Pagodenfeld selbst ist ähnlich wie Kakku eine Ansammlung an unterschiedlichen Tempeln und Stupas aus verschiedenen Epochen, und doch wieder ganz anders. Wenn man auf den Berg nebenan kraxelt bekommt man übrigens auch ganz ohne Drohne ein schönes Gesamtbild von oben. Auf der Heimfahrt nehmen wir noch einen Franzosen mit, der den Weg von Nyaung Shwe komplett mit einem simplen Guesthouse Bike zurückgelegt hat (es geht also), allerdings nicht damit gerechnet hat, dass man in  Indein nicht immer einfach spontan ein günstiges Boot für die Rückfahrt anheuern kann.

Fazit: Kakku oder Indein – beide Orte sind interessant und lohnen mindestens einen Halbtagestrip. Ob der Markt in Indein wirklich so touristisch ist wie viele behaupten konnten wir übrigens nicht klären, da dieser heute woanders tagte.  Vielleicht auch besser so!

Monywa – on y va!

Monywa liegt 3 Fahrstunden westlich von Mandalay und steht irgendwie etwas im Schatten des „touristischen Dreiecks“ Mandalay / Bagan / Inle See. Aber alle die da waren und darüber berichteten fanden es dort irgendwie gut, ergo beginnen wir unseren dritten Myanmar Trip doch einfach mal in Monywa. Den Tag startet man am besten ausgeruht nach einer Übernachtung vor Ort. Die meisten Unterkünfte sind zwar leider ziemlich langweilig, aber im Nan Htike Yadanar etwas außerhalb des Stadtkerns gibt man sich zumindest Mühe mit der grünen Außengestaltung, und auch das Essen im neonbeleuchteten Speisesaal ist überraschend gut. Die Stadt erwacht so langsam gegen 7 und man kann ihr erst einmal ganz entspannt dabei zuschauen:

Wer vor Einbruch der Mittagshitze die Höhlen von Hpo Win Daung erkunden möchte muss erst einmal den Chindwin Fluss überqueren. Die Straße dorthin ist deutlich besser als ihr Ruf und wahrscheinlich in den letzten Jahren ausgebessert worden, die Anfahrt zieht sich für uns trotzdem ziemlich lange hin, da offensichtlich in der Umgebung ein großes Pagodenfest stattfindet und jedes Dorf sämtliche fahrbaren Untersätze mobilisiert hat um sich auf den Weg dorthin zu machen. Gefühlt alle hundert Meter trifft man auf eine improvisierte Spendenstation mit übersteuerter Musik, und die überladenen Gefährte halten fast immer und werfen mit Scheinen um sich, es sind ja genug Mitfahrer an Bord. Die Stimmung erinnert  ein wenig an Karneval und ist (die ersten 4-5 Mal) durchaus lustig zu beobachten, aber Strecke man man so natürlich nicht.

Die Höhlen oder besser Labyrinthe rechtfertigen aber durchaus die lange Anreise – auf dem riesigen Areal verteilt über mehrere Hügel gibt es viel zu entdecken und auch Kinder haben hier ihren Spaß (Felix‘ beliebtester Satz an diesem Morgen nachdem er wieder einer weitere der 1000 Höhlen „entdeckt“  hat: „Da – ein Buddha!“). Kehrt man anschließend wieder in die Gefilde von Monywa zurück darf natürlich auch ein Halt an der Thanboddhay-Pagode nicht fehlen, auch wenn man der Meinung ist schon genug Pagoden gesehen zu haben: Diese hier ist wirklich etwas besonderes, vor allem von innen. Glaubt uns einfach!

Noch mehr Superlative erheben sich dann weiter im Osten über der Landschaft. Ein gewaltiger ruhender Buddha, der zweithöchste stehende Budda der Welt, ein neuer liegender Buddha und an einem riesigen sitzenden Buddha wird bereits gebaut, dazu noch ein schier endloses Feld mit über 1000 Figuren unterhalb des Hügels. Wer den stehenden Buddha begehen will braucht bei 24 Stockwerken schon etwas Kondition, dafür ist es im Inneren relativ kühl und zahlreiche Wandmalereien sorgen für Abwechslung. Im unteren Bereich eher grotesk bis gruselig und nicht immer ganz jugendfrei, aber je weiter man nach oben kommt desto entspannter und friedlicher werden auch die Themen. Der Fahrstuhl ist übrigens nicht in Betrieb 🙂

Wer auf der Hin- oder Rückfahrt von Mandalay noch Zeit im Gepäck hat, kann und sollte in Sagaing etwa 10km westlich der Ayeyarwady Brücke einen Stop an der Kaunghmudaw Pagode mit ihrer ungewöhnlichen Kuppelform einschieben. Nebenbei kann man sich in den Shops hinter der Pagode noch mit ein paar Kubikmetern Thanaka Rinde eindecken. Abschließend können wir den bisherigen Monywa Berichterstattern eigentlich nur zustimmen: Die sympathische Stadt hat auf jeden Fall eine hohe Dichte an spannenden Zielen und somit  einen Übernachtungsstopp redlich verdient!

Grenzerfahrungen – über Htee Khee nach Kanchanaburi

Nachdem wir  bereits erfolgreich über Land (oder besser gesagt über Wasser)  von Thailand nach Laos sowie über Vietnam nach Kambodscha eingereist sind, wären wir bereit für das nächste Level in der Kategorie „exotische Grenzübergänge Südostasiens“: Htee Khee / Phu Nam Ron! Nie gehört? Kein Grund peinlich berührt zu sein, nicht mal Google Maps scheint den kleinen Grenzort im Tenasserim Gebirge zu kennen, der auch erst seit wenigen Jahren für Touristen geöffnet ist. Obwohl das letzte und längste Stück der Piste von Dawei noch nicht asphaltiert und entsprechend rumpelig ist, soll man angeblich auf Thai Seite unkompliziert und schnell nach Kanchanaburi gelangen, was nicht ganz zufällig unser nächstes Etappenziel ist.

Damit man die Reise am Morgen möglichst früh antreten kann, sollte man sich davor zumindest eine Nacht in Dawei gönnen. Wir finden recht spontan noch ein Zimmerchen im Shwe Moung Than Hotel, die Zimmer sind OK wenn auch nicht umwerfend, aber die Dachterasse ist wirklich ein großartiger Ort zum Abhängen, egal ob die Sonne nun gerade auf oder unter geht. Am nächsten Morgen holt uns MauMau gegen 8 ab, und obwohl er sicherlich schon die meisten touristisch halbwegs erschlossenen Ecken (und noch ein paar mehr) gesehen hat, wird auch er die Route nach Htee Khee heute zum ersten Mal passieren. Anfangs kommen wir auch durchaus zügig voran, zumal wir auf Anraten von MauMau im Hotel 4 Kopien von Pass und Visum haben anfertigen lassen, was die Abfertigungszeit an den Checkpoints offenbar erheblich beschleunigt. Im letzten größerem Ort – laut Karte müsste es Myitta sein – ist dann aber nach einem unauffälligen Abzweig für „normale“ PKWs erstmal Schluss mit lustig. Die Pickups die uns ab und an überholen haben es dank besserer Bodenfreiheit etwas leichter, dafür wirken die Mitfahrer auf der offenen Ladefläche reichlich verstaubt. Die Landschaft ist übrigens durchaus abwechslungsreich und schön, man sollte es eben nur nicht eilig haben.

Viele Etablissements gibt es auf der Strecke nicht, auf der letzten Etappe lädt allenfalls das Shwe Restaurant noch mal dazu ein, die letzten Kyats in ein burmesisches Mahl oder diverse Fuselei zu investieren. Die Straße wird übrigens zum Ende hin wieder besser, und am Rande lässt schweres Gerät erahnen, dass hier wahrscheinlich irgendwann mal eine deutlich breitere Handelsroute entstehen soll, falls die Gelder an den richtigen Stellen fließen. Noch ist Htee Khee aber ein eher verschlafener wenn auch nicht gerade charmanter Grenzort, und im Immigration Office sind wir zu dieser Stunde die einzigen Gäste. Man ist freundlich und nimmt sich Zeit, wir sind hier schließlich auf dem Land, aber vor bösen Überraschungen à la „mit den Visumsstempeln aus Yangon können Sie hier aber nicht ausreisen“ bleiben wir dankenswerterweise verschont. MauMau darf uns begleiten, sein Toyota ebenso, was wir ob der Mittagshitze sehr zu schätzen wissen, da man bis zur Thai Grenze noch einige Kilometer im Niemandsland zurücklegen muss, und uns niemand aufgefallen ist, der spontan seine Fahrdienste angeboten hätte. Immerhin gibt es noch eine Tanke mit einem „Duty Free Shop“, der zwar nicht mit Bangkok Airport konkurrieren kann, aber dafür spottbillig ist, und wir ja auch keine Ahnung haben, was uns „drüben“ erwartet.

Als dann der thailändische Grenzposten auftaucht, müssen wir uns dann leider wirklich von MauMau trennen, der nach Myanmar zurück muss und uns auf dem weiten Weg von Yangon bis hierher nie enttäuscht hat. An der Thai Immigration herrscht etwas mehr Andrang und der Papierkram zieht sich auch hin, aber wir haben Glück und erwischen gegen 14:00 noch eine Dame mit Minibus, die uns sowie ein paar andere Mitreisende bis zum Busbahnhof nach Kanchanaburi bringt. Später wäre evtl. noch ein normaler Bus gekommen, aber so richtig frequentiert scheint die Route noch nicht zu sein. Wie eingangs erwähnt sollte man also lieber etwas früher in Dawei aufbrechen, da sich die Fahrt zur Grenze je nach Zustand von Straße, Gefährt und Fahrer durchaus mal 5 Stunden hinziehen kann (ohne Abfertigung). Auch eine Reifenpanne im staubigen Nirgendwo ist sicher kein besonderer Spaß, glücklicherweise blieben wir davon verschont! Marias besonderer Dank gilt Mario & Annett mit ihrer detaillierten Foto-Dokumentation, ohne die wäre diese Route wohl nicht ins Familienreiseprogramm aufgenommen worden!

Nach den letzen Tagen im verschlafenen Süden Myanmars wirkt der Westen Thailands plötzlich wie eine andere Welt. Nun ist Kanchanaburi auch kein unbekannter Ort auf der touristischen Landkarte, und entsprechend trubelig kann es hier zu gehen. Wir haben uns bereits vorab für drei Nächte im P.Y. Guesthouse einquartiert und können es nur jedem empfehlen, der dem Trubel eher aus dem Weg gehen will, aber trotzdem nicht völlig ab vom Schuss wohnen möchte. Das kleine putzige Guesthouse liegt in einer Seitengasse in der Nähe des Mae Klongs, am Fluss kann man nett auf schwimmenden Restaurants essen und es gibt einen völlig untouristischen Nachtmarkt sowie diverse Einkaufsmöglichkeiten. Eigentlich müsste man nach einem solchen Tag früh im Bett verschwinden, aber im P.Y. Garten sitzen heute noch zwei andere Pärchen und es kommt wie es kommen muss – mit steigender Frequenz holt irgendeiner immer wieder Nachschub für die ganze Bande, die Gespräche werden lauter (und für Außenstehende gewiss auch alberner), aber glücklicherweise sind die auch reichhaltigen Biervorräte im P.Y. Schrank (Modell „rausnehmen und Strich machen“) irgendwann restlos aufgebraucht!

 

Jäger des verborgenen Strandes – auf Rollertour zwischen Maungmagan und Pa Nyit

Der Maungmagan Beach ist zwar reich an Lokalen, aber die Gefahr dort Abends zu versacken ist tendenziell eher gering, und so fällt es einem auch nicht weiter schwer, vor Sonnenaufgang wieder auf den Beinen zu sein. Die Sonne geht bekanntlich im Osten und somit über den bewaldeten Bergen auf, die den Strandbereich vom „Daweier“ Hinterland trennen. Während die Sonne den Morgennebel wegbrutzelt, befinden sich die Maungmaganer entweder noch draußen auf Fischfang (die Boote von gestern scheinen noch fast alle auf Achse zu sein), oder fegen eifrig den Sand vor ihren Restaurants. Maungmagan wird zwar gerne als vermüllt kritisiert – und es gibt in der Tat einige vereinzelte unschöne Plastikberge – aber der Weg vor der „Restaurantmeile“ ist zumindest zu dieser frühen Stunde picobello in Schuss. Zurück an der Basis ist der Rest der Familie inzwischen auch wach und es gibt ein nettes Open-Air-Frühstück mit Meerblick!

Ich hatte die Lady vom Long Beach gestern Abend gefragt, ob sie uns für heute einen Roller organisieren kann, und pünktlich zur vereinbarten Zeit steht tatsächlich ein freundlicher Herr vom hiesigen Verleih mit einen Gefährt auf der Matte. Der Reisepass bleibt als Pfand da, was man aber auch aus anderen Ländern kennt, dafür gibt es für gut 10$ ein vollgetanktes und optisch einwandfreies Vehikel mit richtigem Vertrag, Helmen und einer leicht improvisierten Karte.  MauMau hat demzufolge heute Mittag frei, zumal die Strecken zu den meisten Stränden in dieser Ecke mit gewöhnlichen PKWs ohnehin kaum zu befahren sind. Und wir brauchen seinen Toyota schließlich noch für den steinigen Weg zur thailändischen Grenze! 🙂

 

Unsere Tour führt uns zunächst zum winzigen Kan Pa Ni Village  (Schreibweisen können wie üblich variieren) im Landesinneren südlich von Maungmagan auf einer zunächst recht komfortablen Straße, die von dort weiter zum San Maria Beach führt und zunehmend holpriger wird. Der Strand ist riesig und ganz OK, aber es gibt zu wenig Vegetation um echtes Tropenfeeling aufkommen zu lassen. Also lieber mit Schwung um den Berg herum, wo man am Fuße der Myaw Yit Pagoda landet, der man auf jeden Fall einen Besuch abstatten sollte! Die liegt nämlich pittoresk auf einer kleinen vorgelagerten Insel über eine schmale Brücke mit dem Festland verbunden, hier ist dann auch Endstation für den Roller und Zeit für eine Snack-Pause.

Da die Straße an der Pagode endet muss man zunächst den gleichen Weg nach Kan Pa Ni zurück, biegt dann aber hinter dem „Island Travel & Tours“ Shop nach rechts auf eine nicht asphaltierte Straße ab – Schilder sind hier leider Mangelware, lateinische Buchstaben sowieso. Der Weg wird nun zunehmend abenteuerlicher und vor allem bei den Aufstiegen weiß man es schnell zu schätzen, wenn der Roller ausreichend Reserven unter der Haube hat. Es geht auf und ab über diverse Kurven, aber verfahren kann man sich eigentlich nicht wirklich, und zumindest in der Trockenzeit ist der Weg trotz Schlaglöchern gut zu befahren, wenn auch vielleicht nix für die allerersten Roller-Fahrstunden. Irgendwann taucht  in der Ferne die Andamanensee wieder auf, es folgt ein Minidorf (spätestens hier oder besser noch vorher sollte man sich mit Getränken eindecken!) in dem man sich rechts hält und dann ist er da: Der Pa Nyit Beach – touristisch völlig unerschlossen, traumhaft schön und fast menschenleer. Etwaige Schmerzen im Hintern ob der holprigen Anfahrt sind rasch vergessen! Weiter südlich soll es auf der Dawei Halbinsel angeblich noch zig weitere solcher einsamen „Strandschätze“ geben, die man nur mit Roller und einer tüchtigen Portion Enthusiasmus erreichen kann, Interessierte finden hier oder hier weitere Inspirationen. Wir sind erstmal mit unserm Pa Nyit hochzufrieden und schlagen ein behelfsmäßiges Quartier auf.

Lässt man den Abzweig zum Strand links liegen gelangt man geradeaus am Nordende über die Sandpiste noch zu einer weiteren kleinen Pagode auf einem Felsen im Meer. Auf der Jagd nach einem möglichst günstigen Winkel für ein Feierabendfoto missachte ich unnötigerweise die goldene Regel, dass man nicht gleichzeitig die Augen am Sucher haben sollte, während man barfuß über scharfe Felsen kraxelt, und stolpere prompt in eine tiefe Spalte. Glück im Unglück: Die Gegenlichtblende aus Plastik verhindert ernsthafte Schäden am Objektiv, das wir sonst im weiteren Reiseverlauf sicher schmerzlich vermisst hätten, und die langen Hosen die wir aus Prinzip immer auf Rollerfahrten tragen, fangen einen Teil der „Schärfe“ ab. Die Wunde blutet trotzdem heftig und ich muss mich erst mal hinlegen. Ruckzuck kommen ein paar einheimische Gäste sowie der lokale Mönch herbeigeeilt und bieten ihre Hilfe und Tee an. Maria hat auch stets ein gut bestücktes Erste Hilfe Kit dabei, das zwar ursprünglich eher für Felix gedacht war, aber auf Reisen meist eher für den Vater herhalten muss 🙂 Nachdem der erste Schrecken vergangen und die Wunde ausreichend versorgt ist, können wir zumindest ohne Probleme nach Maungmagan  zurück fahren, eine knappe Stunde sollte man hierfür übrigens durchaus rechnen. Natürlich fahren wir nicht ohne zumindest eine kleine Tempelspende zu hinterlassen, die freundlichen Helfer wollen natürlich alle keineswegs etwas annehmen. Was für’n Tag!

Dawei sein ist alles – der weite Weg nach Süden

Der Tag beginnt mit einem Schreck: Das Geld ist weg! Nicht unsere Barvorräte, aber die von Maumau, der den Verlust gerade an einer Tanke südlich von Mawlamyaing festgestellt und darüber verständlicherweise so gar nicht amused ist. Natürlich fahren wir erstmal wieder zurück in Maumaus Guesthouse, auch wenn sich keiner allzu große Hoffnung macht, dass die Scheine wieder auftauchen. Das tun sie zwar auch nicht, aber immerhin kann er anschließend den Tathergang vor dem geistigen Auge weitgehend reproduzieren, und scheint dadurch schlagartig wieder seine buddhistische Gelassenheit zurückerlangt zu haben! Ich werde mich hingegen noch Weilchen darüber ärgern, wie jemand diesen sympathischen Landsmann bestehlen kann, der gewiss selber nicht wirklich reich ist. Allerdings ist das Ganze auch für uns eine Warnung: Passt auf eure Sachen auf – die Leute mögen noch so nett sein, schwarze Schafe gibts leider immer!

Zurück auf der Road 8 Richtung Thanbyuzayat können wir uns dann wieder den schönen Dingen des Landes widmen, zum Beispiel der Landschaft. Rechts und links tauchen plötzlich 2 markante Karstfelsen auf, die natürlich von Tempeln gekrönt sind. Wie die spätere Recherche ergibt nennt sich der westliche von beiden Kyauktalon Taung. Für eine Besteigung reicht die Zeit leider nicht aus, ist aber sicher ein schöner Tagesausflug von Mawlamyaing aus, bei dem man garantiert wenig andere Besucher trifft. Bei unserem nächsten Stopp am liegenden Buddha Win Sein Taw Ya ist schon ein wenig mehr los, aber schließlich handelt es sich auch um den größten liegenden Buddha der Welt. Ob diese Information noch aktuell ist weiß ich nicht, gerade in Asien ist man mit Buddha-Superlativen ja nicht gerade sparsam, aber unabhängig der Größe weist der stolze Bau noch eine weitere Besonderheit auf: Er ist innen (!) begehbar!

Wir wählen den Eingang am wenig besuchten Fußende. Innen wird seit Jahrzehnten immer noch fleißig gemalt und gemauert und man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Baustelle, aber viele der Kammern (182 sollen es angeblich sein) sind bereits fertig gestellt und zeigen Szenen aus dem Leben Buddhas oder hier und da vielleicht auch einfach nur Szenen aus vergangenen Zeiten, die Übergänge scheinen fließend. Manche Szenen sind recht gruselig, andere unfreiwillig komisch aber beeindruckend ist das Innenleben allemal. Auf jeden Fall auch für Kinder ein spannendes Erlebnis, wenngleich einige Kammern nicht ganz als jugendfrei durchgehen. Zum Abschluss lassen wir uns natürlich auch nicht lumpen und spenden eine Kachel fürs Buddha-Gewand.

Nach dem Buddha Sightseeing wird es aber höchste Zeit, etwas Strecke zu machen. Stolze 322 Kilometer weist Google für den Trip von Mawlamyaing nach Maungmagan aus, und noch bis 2013 war der Landweg nach Dawei für ausländische Touristen komplett tabu. Die Infrastruktur hinkt dementsprechend etwas hinterher, aber der Zustand der Straße ist inzwischen überwiegend in Ordnung und an allen Ecken raucht heißer Teer in Tonnen vor sich hin, es wird fleißig verbreitert, und auch die letzten nicht asphaltierten Etappen dürften bald verschwunden sein. Felix haben wir in weiser Voraussicht mit ausreichend Hörspielen eingedeckt, so dass die Fahrt eigentlich überraschend entspannend verläuft und wir mit ausreichend Tageslichtreserven am späten Nachmittag in Dawei einrollen. Jetzt erstmal eine Suppe!

Eine gute Woche sind wir jetzt schon in Asien unterwegs ohne das Meer gesehen zu haben, Dawei ist der perfekte Ort dies zu ändern – die Andamanensee die wir schon aus Thailand kennen liegt schließlich vor der Haustüre, und an Stränden mangelt es auch nicht. Wir steuern den Maungmagan Beach an, der zwar im direkten Vergleich mit den etwas etwas abgelegenen südlichen Stränden eher schlecht abschneidet, aber hier gibts sowohl Unterkünfte als auch Restaurants und beides ist andernorts eher rar gesät. Der Tripadvisor Liebling Coconut Guesthouse ist ausgebucht, liegt aber auch zu weit vom Meer weg um als strandnah durchzugehen, und ein herzlicher Empfang geht auch anders. Am relativ neuen Long Beach Resort werden wir schließlich fündig, für ~35$ gibts einen sauberen Reihenbungalow, einen angemessenen Fahrer-Rabatt und – entgegen der Vorhersagen – auch einen relativ sauberen Strandabschnitt mit ausreichend Buddelpotential dazu!

Es mag sich in den nächsten Jahren noch ändern, aber heuer sieht man hier fast nur Einheimische und die lokale Fischerei scheint noch hoch um Kurs zu stehen. Da die Boote nachts raus fahren, kann man bei Sonnenuntergang zuschauen, wie Netze geflickt und Boote bepackt werden. Das ist echtes Myanmar Feierabend TV! Verhungern muss hier natürlich auch keiner, an der „Strandpromenade“ reiht sich ein Lokal ans andere. Michelin Sterne oder Schickimicki Bars sucht man allerdings vergebens, aber wen es in diese Ecke verschlägt, der sucht die auch nicht wirklich. Und keine Angst – auch es nirgendwo beworben wird (was wohl eher „lizenzrechtliche“ Gründe hat :-)) ist ein kühles Myanmar Bier niemals weit!