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Abendbummel bei den Buddhas von Bago

Die alte Mon Hauptstadt Bago ist für viele nur ein Zwischenstop auf dem Weg von Yangon zum goldenen Fels oder nach Hpa An. Ist auch nicht weiter verwerflich, haben wir 2017 genauso gemacht (⇒ zum Bericht), aber nach sechs Stunden Busfahrt vom Ngwe Saung Beach nach Yangon, und weiteren zwei Stunden on the road mit unserem alten Freund MauMau sind wir definitiv reif für eine gepflegte Übernachtung bevor es weiter gen Osten geht!

Bago ist vor allem bekannt für seine zahlreichen Buddhas und Tempel, und obwohl wir einige Orte schon vom letzten Besuch kennen, haben sie zum Sonnenuntergang ihren ganz eigenen Charme.  Als Highlight erweist sich vor allem der über 80(!) Meter lange liegende Mya Tha Lyaung Buddha, dem die Sonne am Abend buchstäblich zu Füßen liegt. Auch Felix kommt anschließend auf seine Kosten, denn mitten im Pagodenviertel hat man für die jüngeren Bewohner eine stattliche Hüpfburg aufgestellt, wie üblich beschallt mit übersteuerter Techno Musik :-). Das Hotelangebot ist übrigens überschaubar, aber im Kanbawza Hinthar etwas außerhalb des Stadtkerns gibts hübsche Zimmer unter 50$ und zudem ein wirklich ausgezeichnetes Frühstück – traut euch ruhig auch an die Mohinga!

 

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Dawei sein ist alles – der weite Weg nach Süden

Der Tag beginnt mit einem Schreck: Das Geld ist weg! Nicht unsere Barvorräte, aber die von Maumau, der den Verlust gerade an einer Tanke südlich von Mawlamyaing festgestellt und darüber verständlicherweise so gar nicht amused ist. Natürlich fahren wir erstmal wieder zurück in Maumaus Guesthouse, auch wenn sich keiner allzu große Hoffnung macht, dass die Scheine wieder auftauchen. Das tun sie zwar auch nicht, aber immerhin kann er anschließend den Tathergang vor dem geistigen Auge weitgehend reproduzieren, und scheint dadurch schlagartig wieder seine buddhistische Gelassenheit zurückerlangt zu haben! Ich werde mich hingegen noch Weilchen darüber ärgern, wie jemand diesen sympathischen Landsmann bestehlen kann, der gewiss selber nicht wirklich reich ist. Allerdings ist das Ganze auch für uns eine Warnung: Passt auf eure Sachen auf – die Leute mögen noch so nett sein, schwarze Schafe gibts leider immer!

Zurück auf der Road 8 Richtung Thanbyuzayat können wir uns dann wieder den schönen Dingen des Landes widmen, zum Beispiel der Landschaft. Rechts und links tauchen plötzlich 2 markante Karstfelsen auf, die natürlich von Tempeln gekrönt sind. Wie die spätere Recherche ergibt nennt sich der westliche von beiden Kyauktalon Taung. Für eine Besteigung reicht die Zeit leider nicht aus, ist aber sicher ein schöner Tagesausflug von Mawlamyaing aus, bei dem man garantiert wenig andere Besucher trifft. Bei unserem nächsten Stopp am liegenden Buddha Win Sein Taw Ya ist schon ein wenig mehr los, aber schließlich handelt es sich auch um den größten liegenden Buddha der Welt. Ob diese Information noch aktuell ist weiß ich nicht, gerade in Asien ist man mit Buddha-Superlativen ja nicht gerade sparsam, aber unabhängig der Größe weist der stolze Bau noch eine weitere Besonderheit auf: Er ist innen (!) begehbar!

Wir wählen den Eingang am wenig besuchten Fußende. Innen wird seit Jahrzehnten immer noch fleißig gemalt und gemauert und man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Baustelle, aber viele der Kammern (182 sollen es angeblich sein) sind bereits fertig gestellt und zeigen Szenen aus dem Leben Buddhas oder hier und da vielleicht auch einfach nur Szenen aus vergangenen Zeiten, die Übergänge scheinen fließend. Manche Szenen sind recht gruselig, andere unfreiwillig komisch aber beeindruckend ist das Innenleben allemal. Auf jeden Fall auch für Kinder ein spannendes Erlebnis, wenngleich einige Kammern nicht ganz als jugendfrei durchgehen. Zum Abschluss lassen wir uns natürlich auch nicht lumpen und spenden eine Kachel fürs Buddha-Gewand.

Nach dem Buddha Sightseeing wird es aber höchste Zeit, etwas Strecke zu machen. Stolze 322 Kilometer weist Google für den Trip von Mawlamyaing nach Maungmagan aus, und noch bis 2013 war der Landweg nach Dawei für ausländische Touristen komplett tabu. Die Infrastruktur hinkt dementsprechend etwas hinterher, aber der Zustand der Straße ist inzwischen überwiegend in Ordnung und an allen Ecken raucht heißer Teer in Tonnen vor sich hin, es wird fleißig verbreitert, und auch die letzten nicht asphaltierten Etappen dürften bald verschwunden sein. Felix haben wir in weiser Voraussicht mit ausreichend Hörspielen eingedeckt, so dass die Fahrt eigentlich überraschend entspannend verläuft und wir mit ausreichend Tageslichtreserven am späten Nachmittag in Dawei einrollen. Jetzt erstmal eine Suppe!

Eine gute Woche sind wir jetzt schon in Asien unterwegs ohne das Meer gesehen zu haben, Dawei ist der perfekte Ort dies zu ändern – die Andamanensee die wir schon aus Thailand kennen liegt schließlich vor der Haustüre, und an Stränden mangelt es auch nicht. Wir steuern den Maungmagan Beach an, der zwar im direkten Vergleich mit den etwas etwas abgelegenen südlichen Stränden eher schlecht abschneidet, aber hier gibts sowohl Unterkünfte als auch Restaurants und beides ist andernorts eher rar gesät. Der Tripadvisor Liebling Coconut Guesthouse ist ausgebucht, liegt aber auch zu weit vom Meer weg um als strandnah durchzugehen, und ein herzlicher Empfang geht auch anders. Am relativ neuen Long Beach Resort werden wir schließlich fündig, für ~35$ gibts einen sauberen Reihenbungalow, einen angemessenen Fahrer-Rabatt und – entgegen der Vorhersagen – auch einen relativ sauberen Strandabschnitt mit ausreichend Buddelpotential dazu!

Es mag sich in den nächsten Jahren noch ändern, aber heuer sieht man hier fast nur Einheimische und die lokale Fischerei scheint noch hoch um Kurs zu stehen. Da die Boote nachts raus fahren, kann man bei Sonnenuntergang zuschauen, wie Netze geflickt und Boote bepackt werden. Das ist echtes Myanmar Feierabend TV! Verhungern muss hier natürlich auch keiner, an der „Strandpromenade“ reiht sich ein Lokal ans andere. Michelin Sterne oder Schickimicki Bars sucht man allerdings vergebens, aber wen es in diese Ecke verschlägt, der sucht die auch nicht wirklich. Und keine Angst – auch es nirgendwo beworben wird (was wohl eher „lizenzrechtliche“ Gründe hat :-)) ist ein kühles Myanmar Bier niemals weit!

Sitzende Buddhas, Inseln zum Haare waschen und ein Geheimtipp mit Aussicht – nachmittags in Mawlamyine

Nach dem schweißtreibenden Radtrip durch Mawlamyine  Downtown am Morgen ist erstmal eine ausgiebige Dusche fällig. Viel Zeit zum trocknen und ausruhen bleibt nicht, denn Maumau steht entgegen aller Südostasien Klischees mal wieder extrem pünktlich auf der Matte. Die Fahrt geht gen Süden, wir lassen uns überraschen wohin, aber den Ankündigungen entnehme ich, dass Buddha in irgendeiner Form involviert ist. An der auf den ersten Blick eher unscheinbaren Kyaikmaya Pagode kommen wir schließlich zum Stehen. Im Außenbereich gibt es einen großen goldenen Stupa, ein von Schildkröten (über-)bevölkertes Becken sowie eine etwas mitgenommene Weltkugel mit einer Statue zu entdecken, die ein wenig an Fritz Wepper erinnert (genau: der Harry mit dem Wagen).  An den Wänden dominieren Mosaike aus kleinen Spiegeln und in der Tat gibt es zahlreiche Buddhafiguren in diversen Posen. Aber erst auf den 2. Blick erkennen wir im Zentrum die Besonderheit, auf die uns Maumau auf der Fahrt aufmerksam machen wollte: Der Buddha sitzt! Also nicht wie üblich im Lotussitz, sondern mit herunterhängenden Beinen, so wie wir Europäer das für gewöhnlich tun (hier gibt es noch nähere Erläuterungen zu Buddhas Sitzgewohnheiten). Ob das wirklich einzigartig ist sei mal dahin gestellt, aber uns fällt spontan zumindest kein zweites Exemplar ein.  Insgesamt also  ein durchaus interessanter Tempel, zumindest für alle die die „Klassiker“ in der Region schon durch haben.

Zeit für Lunch, Zeit mein frisch erradeltes Wissen vom Vormittag zum Besten zu geben. An der Strand Road wars am schönsten, da sollte es doch sicher auch was leckeres zu Essen geben. Wir landen schließlich im gut gefüllten Bone Gyi, dessen zweites Standbein der Verkauf von edlem Fusel zu sein scheint – selten sieht man in dieser Ecke Myanmars derart üppig gefüllte Flaschenregale in normalen Restaurants.  Auch die feste Nahrung schmeckt gut, kann man also hingehen . Anschließend fahren wir zum Ufer östlich der Mawlamyaing Brücke. Hier legen die Boote nach Gaungse Kyun ab und wir ergattern noch ein paar der letzten Plätze. Wer den Namen noch nie gehört hat braucht sich übrigens nicht zu schämen, da das Inselchen meist „Shampoo Island“ genannt wir, weil hier das heilige Quellwasser für die jährlichen königlichen Haarwaschzeromien entsprungen ist. Heutzutage werden die Häupter hier eher selten gewaschen, da die königlichen Zeremonien längst passé sind und die Insel nur noch von Mönchen bewohnt ist, die sich ja bekanntlich bei Einzug ins Kloster ihrer Haarpracht entledigen. Shampoo Island ist üppig begrünt aber strandlos und nicht wirklich groß, in einer Stunde hat man locker jede Ecke dieses Mikrokosmos inklusive des Klosters erkundet. Lohnt sich unserer Meinung nach trotzdem! Profi-Tipp: nicht das edelste Schuhwerk mitnehmen, denn die zieht man direkt am Anleger aus (offenbar gilt die gesamte Insel als Tempelgelände) und die heimischen Hunde schienen teilweise recht erpicht auf neues Spielzeug… Unsere gut abgehangenen Flip Flops wurden aber glücklicherweise verschmäht!

Unser Loose Myanmar Reiseführer ist schon etwas betagt und war bereits gebraucht, als wir ihn beim ersten Myanmartrip 2015  an Bord hatten. Im Kapitel Mawlamyaing findet sich ein Exkurs mit dem verlockenden Titel „Sonnenuntergang mit Panoramablick“. An der Kyaik Fin Gu Pagode auf der anderen Seite der Brücke bei Mottama soll man angeblich spektakuläre Ausblicke auf die zahlreichen Flussarme in der Umgebung haben, und das auch noch in weitgehender Einsamkeit! Wir sind zugegebenermaßen etwas skeptisch: Da sich Myanmar in den letzten Jahren so rasant entwickelt hat, dürfte die Einsamkeit in populären Ecken sicher ähnlich wie in in Bagan längst Geschichte sein. Wir fahren trotzdem rüber, zumal Maumau den Tempel offensichtlich noch nicht kennt – und das will ja was heißen! Die beiden Abzweige nach der Brücke ohne sichtbare Beschilderung sind schon mal nicht auf Massentourismus ausgelegt, auch die Straße die sich auf den Berg windet gleicht eher einem Feldweg.

Kurz vor dem Kloster ist dann Endstation für Automobile, und die Loose Textbox hat wahrhaft nicht übertrieben: Die nahezu 360° Aussicht auf die Mawlamyaing Brücke, den Thanlwin River und das Delta im Südwesten ist wirklich phantastisch, und dabei steht die Sonne noch relativ hoch.  Selbst der ansonsten recht coole Maumau ist sichtlich beeindruckt von diesem Ort und rennt begeistert durch die Büsche, um ein paar Smartphone Fotos zu schießen. Wir freuen uns diebisch, dass wir diesem alten Hasen offenbar doch noch eine neue spektakuläre Ecke zeigen konnten, und hoffen seine nächsten Gäste kommen auch in diesen Genuss. Und selbst als sich die Sonne irgendwo über dem Flussdelta verabschiedet, sind wir abgesehen von den Mönchen im anliegenden Kloster die einzigen Gäste. Kino Grande!

Roques Around The Clock – von San Juan zu Garcías Felsen

 

img_7307_road-to-teide_panoimg_7275_thebeachÜber Los Gigantes ziehen heute Morgen ganz schön grimmige Wolken hinweg, denn auch 300 Sonnentage müssen irgendwann mal aufgebraucht sein. Mit viel Optimismus orten wir im Süden ein paar potenzielle Schönwetterzonen und fahren runter Richtung Playa San Juan. Der Reiseführer warnt, dass man hier besser nicht allzu viel Fischerdorf-Romantik erwarten wollte, aber zumindest hält die massive Betonmole lästige Wellen fern und verleiht dem Strand somit das Prädikat kinderfreundlich. Von oben sieht die geschwungene Bucht auch gar nicht mal so unhübsch aus, und die wenigen Besucher wie auch der Kneipenwirt wirken alle wohltuend relaxed.

img_7291_outofthefogNachmittags machen die Wolken leider ernst, und wir suchen nach Fluchtmöglichkeiten. Wintersportler und Hobby-Alpinisten kennen sicher die abgedroschene Floskel „Oben reißt’s bestimmt auf“, und da wir auf Madeira bei einer ähnlichen Tour schon einmal Glück hatten, wagen wir den Trip hoch zum Teide. Um Kilometer zu sparen schlägt das Navi die etwas abenteuerlichere Route von Guía de Isora über Aripe und Chirche vor, die trotz wachsender Bedenken und nahezu senkrechten Gassen irgendwann dann doch die TF-38 trifft. Und bei ~1400m passiert es tatsächlich: Die dicken Wolken lichten sich und die karge Felslandschaft rund um den Teide hüllt sich in tiefstes Blau. Geht doch!

img_7313_therockDa es für ausgedehnte Wanderungen schon zu spät ist, steuern wir die einschlägig bekannte Felsformation Roques de García an, die wir gestern Abend in der Dunkelheit gar nicht mehr wahrnehmen konnten. Die Breite der Zubringerstraße lässt erahnen, dass hier gewiss öfters mal zig Busse auf einmal Station machen, aber am späten Nachmittag hält sich der Ansturm in Grenzen. Die meisten kraxeln einfach die Treppe beim Parkplatz hoch (die übrigens auch von Kleinkindern problemlos zu meistern ist), knipsen ein paar Bilder und marschieren wieder zurück, und wer sich in die umliegende Prärie verdrückt, hat nach spätestens 500 Metern seine Ruhe. Egal ob nah oder fern, der Anblick der bizarren Roques ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Auf der Rückfahrt parken wir in 1800 m Höhe bei „Montaña Samara“ und machen es uns auf einem Felsen gemütlich, um Frau Sonne (mit der wir heute eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatten) gebührend zu verabschieden. Das Tal liegt nach wie vor in einer dichten Wolkensuppe, die sich in Form und Farbe ständig verändert und ab und zu schauen die Spitzen von Gomera & co heraus. Für Knipser ist das natürlich Fluch und Segen zugleich, da man zuhause wieder zig Motive ausmisten muss, aber mit derlei Luxus-Sorgen muss man sich eben arrangieren. Als wir auf dem Heimweg wieder in die Suppe eintauchen, ist es längst stockdunkel … und auf dem Teide herrscht wieder Ruhe und Friede!

Oh wie schön ist Anaga – der verhinderte Gipfelsturm und ein Stückchen Sahara

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daytripHeute sind wir mal halbwegs zeitig auf der Piste, da wir aus dem tiefen Westen bis ins Anagagebirge und an den viel gerühmten Playa de las Teresitas am Nordostzipfel der Insel hüpfen wollen (Rückweg eingeschlossen). Die erste Etappe bis nach Icod kennen wir ja noch vom gestrigen Weintrip, kurz vor Puerto de la Cruz wird man sogar auf eine ausgewachsene Autobahn geleitet, und nach einer guten Stunde stehen wir am Humbold Mirador. Hier mitten im schönen Orotavatal gestand der überaus reiselustige Forscher anno 1799 angeblich mit blumigen Worten, dass er „… nirgends ein so mannigfaltiges, so anziehendes, durch die Verteilung von Grün und Felsmassen so harmonisches Gemälde“ gesehen habe. Recht hatte er  – der Norden Teneriffas hat schon so einige Naturkunstwerke auf Lager, was wir spätestens nach dem gestrigen Trip bestätigen können. Uns hat die Aussicht von Humbolds Mirador heute nicht so nachhaltig beeindruckt, vielleicht lag’s auch einfach am bewölkten Himmel oder an den urbanen Ausläufern im Tal, die es hier 1799 in dieser Form sicher noch nicht gab?

img_7164_schlumpfbootBei Tacoronte wechseln wir auf die gemächliche TF-16, während die Autobahn in Richtung Santa Cruz abbiegt. Schnell wird das Leben ländlicher während wir die ersten Anaga-Ausläufer erklimmen. Da zählte der gastfreundliche Schlumpf in seinem Boot vor einer Kita schon zu den aufregenderen Momenten, zumindest aus Felix‘ Sicht. Erstes Highlight ist der Mirador de Jardina an einer scharfen 180° Kurve mit bestem Blick auf San Cristóbal de La Laguna, die umliegenden Berge sowie die herumwuselnden stets hungrigen Eidechsen. Die Straße führt weiter zum Cruz del Carmen (unter Westfalen auch „Carmener Kreuz“ genannt) durch dichten Wald und soll uns eigentlich zu einem Parkplatz namens La Ensillada führen, laut Bildatlas der Start zu einem klassischen phantastischen Rundweg durch die Weiten des Gebirges!

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Der aufmerksame Leser ahnt es bereits: Irgendwas läuft anders! Den Parkplatz meinen wir zwar gefunden zu haben, aber die einzigen vorhanden Schilder weisen unmissverständlich drauf hin, dass Wanderer ohne Sondergenehmigung hier mit schlanken 601,01€ Strafe zur Kasse gebeten werden. Jetzt kann man sich natürlich über den krummen Betrag wundern (wir helfen: Das waren mal 1 Millionen Peseten), oder warum ein aktueller Bildatlas eines namhaften Verlages auf diese Kleinigkeit nicht hinweist (war der Autor wirklich da?), aber es hilft nix – die Wanderung fällt für uns flach und wir schauen mal wo uns die Straße noch hinführt. In Anbetracht des mystischen Nebels hätten wir womöglich eh nicht viel gesehen! Wer mehr dazu wissen will: Hier haben andere Urlauber das Thema bereits etwas intensiver diskutiert.

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Bei Lomo de las Bodegas endet schließlich die Straße und offensichtlich auch irgendwie die Welt: Die Einwohner scheinen alle außer Haus oder sind unsichtbar, der Atlantik rauscht kaum hörbar in der Ferne, ein Hund und ein paar Echsen dösen auf dem Kirchvorplatz, und im Infokasten wird als nächster Event ein Vortag über die Arbeitsschutzbedingungen beim Palmenklettern angepriesen. Kurzum: Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird hier gewiss Beides finden. Wir nutzen die Pause für ein Picknick, haken weitere Wanderungen mit Blick auf die Uhr gedanklich ab, und machen uns auf den Weg nach San Sandrés, wo uns hoffentlich ein wundervoller Strand und keine weiteren Verbotsschilder erwarten!

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Szenenwechsel: Wir befinden uns inzwischen an der Playa de Las Teresitas. 2km feinster Sand vor den Toren von Santa Cruz, der in der 70ern eigens aus der Sahara über den Atlantik geschippert wurde, damit sich die gestressten Hauptstadtbewohner zumindest am Wochenende mal wie in der Karibik fühlen können. Und die Größe des Parkplatzes lässt zumindest erahnen, dass sie das auch im 21. Jahrhundert noch gerne tun. Heute ist aber zum Glück Donnerstag und somit massig Platz an dem riesigen Strand. Ein paar von Generatoren mit Strom versorgte Kioske und Imbisse, ein paar moderne Duschen und offenbar noch humane Strandliegenpreise sind erfreulicherweise alles an Infrastruktur. Wenn überhaupt stört allenfalls die gerade langsam Richtung Horizont geschleppte Bohrinsel die Idylle (offenbar befindet sich in der Nähe eine Art Bohrinselvertragswerkstatt). Felix kann endlich das Burgenbaudefizit der letzten Tage aufholen, eine Steinmole sorgt für einen halbwegs brandungsresistenten Schwimmbereich für den Nachwuchs, und aus dem Wasser hat man einen imposanten Blick auf die schroffe Bergkulisse. Der Playa de Las Teresitas ziert also nicht umsonst das Titelbild unseres Reiseführers und wird auch gerne als der schönste Strand Teneriffas beschrieben. Das ist natürlich immer subjektiv, aber verkehrt macht man hier auf jeden Fall nix, und hat als „echter“ Tourist glatt noch einen Exotenbonus!


img_7249_sunsetEigentlich haben wir keine große Lust unserem Stückchen Sahara nach knapp 3 Stunden schon wieder den Rücken zu kehren, aber leider sind wir immer noch auf der falschen Seite der Insel . Als Heimweg gibt es zum einen den vom Navi präferierten schnellen Südweg auf der Autobahn komplett um die Insel rum mit 111 km (gähn), den kürzesten Weg an der Nordküste von heute morgen wieder zurück mit 99 km (schnarch), oder über La Esperanza auf Landstraßen einmal quer durch die Bergwelt des Teide Nationparks mit 123 km und hoffen, dass es dort nicht allzu schnell dunkel wird (wow). Wie würden Sie entscheiden?

img_7248_da-is-was-im-buschWir wählen natürlich Option 3 und nachdem wir das doch etwas stressige Autobahnstück bei Santa Cruz hinter uns gelassen haben, geht es in Richtung Westen gemächlich durch den Wald bergauf in die Einsamkeit. Da die Sonne schon recht tief steht, verzichten wir auf ausgedehnte Viewpoint-Jagden und machen es uns am Mirador de Chipeque gemütlich, von wo aus man heute einen Hammerblick auf das Wolkenmeer im Tal und den Teide im Hintergrund hat. Anschließend wird es auch zügig dunkel, aber der Verkehr hält sich zu dieser Zeit zum Glück in Grenzen und die Straßen sind gut in Schuss und überwiegend geradlinig. Auf Höhe des Observatoriums verabschiedet sich der Tag dann nochmal mit einem gefälligen Rot, dann bricht die Nacht über die Mondlandschaft hinein. Als wir schließlich in Puerto de Santiago einrollen ist es 22 Uhr, über die Autobahn wäre es gewiss schneller gegangen (laut Routenplaner ziemlich genau um 1 Std. Fahrzeit weniger), aber dieser Heimtrip hat definitiv Maßstäbe gesetzt! Morgen kommen wir zurück und schauen uns die Ecke bei Tageslicht an. Gute Nacht!

Best of Nordwest – über Icod durchs Tenogebirge nach Masca

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img_6903_teideUnsere erste Tour in Teneriffas grünen Norden startet dramatisch: Felix hat sein Pferd mit den Regenbogenhaaren vergessen einzupacken, das ihm die letzten Tage auf dem Rücksitz Gesellschaft geleistet hat, und ist darüber wahrlich not amused. Erfahrene Reise-Eltern erkennen sofort die Brisanz der Situation: Eiert man den weiten Weg zurück, verliert man wertvolles Tageslicht und ärgert sich, dass das Objekt der Begierde nach 2 Minuten eh nicht mehr interessant ist. Bleibt man standhaft so braucht zumindest der Fahrer starke Nerven. Wir wählen Option #2, versprechen ein Eis, und hinter Santiago de Teide herrscht auf dem Rücksitz endlich wieder Freude und Friede. Wenig später lugt der mit 3718m höchste Berg der Insel (und übrigens auch ganz Spaniens) dann auch höchstpersönlich hinter einer Kurve hervor.

Der berühmte Drachenbaum

Über eine flotte Nebenstraße gelangen wir schließlich zu unserem ersten Halt Icod de los Vinos. Der Namenszusatz soll Icod angeblich vom deutlich unbekannteren Dorf Icod el Alto abgrenzen, wahrscheinlich aber auch kaufkräftige  Weinliebhaber anlocken. Vor allem ist es aber im Gegensatz zu den Retortenorten im Südwesten auch einfach eine richtige gewachsene Stadt, und eine hübsche noch dazu. Im Cafe Masquepan (Vorsicht: süße Sünden im Überfluss) in der Nähe eines öffentlichen Parks bei der Iglesia de San Marcos machen wir erstmal Station, im Park selbst erblickt man dann auch die Attrakion, die zumindest die meisten Tagesbesucher nach Icod lockt: Der Drago Milenario („ziemlich alter Drachenbaum“)! Beim Alter schwanken die Spekulationen deutlich, aber man ist sich zumindest einig, dass er locker 300 Jahre auf dem Buckel hat und ihm damit zumindest auf den Kanaren kein anderer Drachenbaum das Wasser reichen kann. Sieht imposant aus, wer aber in Icod nur flugs den Baum knipst und gleich wieder weiter zieht, verpasst definitiv etwas.

img_6968_fx-jungleZum Beispiel das Museo de Malvasia ein paar Ecken weiter! Museumsmuffel können beruhigt weiterlesen, streng genommen handelt es sich eher um eine Boutique für Wein und andere lokale Köstlichkeiten, und der weitläufige dschungelartige „Hinterhof“ dürfte im Stadtkern einmalig sein. Zur Weinprobe werden kanarische Käsehappen gereicht, passende Anekdoten zum jeweiligen Tropfen gibt es gratis dazu (so soll zum Beispiel der Genuss der lieblichen Variante unweigerlich eine Schwangerschaft nach sich ziehen). Hier könnte man es getrost länger aushalten, aber zumindest einer muss ja noch fahrtüchtig bleiben und so nehmen wir einfach eine Pulle und etwas Mojo mit und fahren auf der Küstenstraße TF42 zunächst gen Westen in Richtung Garachico.

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Auch Garachico kann sich sehen lassen, obwohl ein Vulkanausbruch im 18. Jahrhundert dem Ort übel zugesetzt hat. Rund um das Castillo de San Miguel hat man auf schwarzem Lavagestein eine Art Freibad mit Parkanlage errichtet, die sich auch durchaus für einen Badestop anbietet, wenn der Wellengang nicht gerade allzu heftig ist. Die Straße führt über Los Silos weiter in das 5500 Seelendorf Buenavista del Norte, das zumindest an diesem Zipfel Teneriffas das Ende der Zivilisation markiert. Über eine Serpentinenstraße kann man von hier allerdings das Teno-Gebirge erklimmen und gelangt vorbei am Mirador de Baracan bis nach Masca, unserem letzten Etappenziel für heute!

 

Fast zu schön um echt zu sein

Es ist praktisch unmöglich, sich an irgendeinem touristischen Ort auf Tenriffa zu bewegen und dabei nicht mindestens einmal eine Tour nach Masca offeriert zu bekommen. Ja – spätestens seit man es in den 90ern durch eine Straße erschlossen hat gibt es einen regelrechten Hype um das vermeintlich schönste Dorf der Insel, und daher haben wir unseren Abstecher auch ans Ende der Tour gelegt und hoffen mal ganz naiv, dass sich die Massen zur Abendzeit deutlich reduziert haben.Von Norden kommend passiert man zunächst Cruz de Hilda und kann bei einem Käffchen auf der Terrasse schon einmal die ersten leckeren Ausblicke ins Masca Tal bewundern.

Vorhang aufOberhalb des Dorfes (das gerade mal gut 100 Einwohner hat) lässt ein großzügiger Parkplatz erahnen, wie viele Besucher hier tagsüber im Schnitt vorbeischauen, unsere Strategie scheint jedoch aufzugehen, da die meisten davon um diese Zeit nicht besetzt sind. Als erstes fällt die markante Felsnadel El Catán auf, die Assoziationen mit Machu Picchu weckt. Am Ortseingang erfüllt ein großer Shop mit angeschlossenem Terrassenlokal alle Souvenir- und Aussichtswünsche, der Dorfkern bleibt aber erfreulich unkitschig und frei von Nippesläden, obwohl es noch nicht einmal von den strengen Augen der UNESCO geschützt wird. Bis zur Felsnadel kann man auf Kopfsteinpflaster marschieren, wen es ins weitere Umfeld zieht, der kann dem gut ausgeschilderten mehrstündigen Wanderweg folgen, der von hier durch die (selbstredend) „schönste Schlucht Teneriffas“ bis runter an den Atlantik führt. Vielleicht ein andermal 🙂

img_7152_therocksunsetNach so vielen pittoresken Orten haben wir für heute eigentlich genug Erinnerungen im Kopf (und auf der Speicherkarte) festgehalten und wollen vor Einbruch völliger Dunkelheit eigentlich nur auf der kurvigen TF436 über Santiago del Teide nach Hause zurück. Unterwegs brauen sich ein paar Kurven später allerdings dramatische Wolkenszenen zusammen. Die Straße führt zunächst bergauf bis zum Mirador de Cherfe, und wir bleiben somit erfreulicherweise stets oberhalb der Wolken, denn ohne Sicht würde einen hier spätestens bei Gegenverkehr schnell der Mut verlassen. Unbezahlbar dann der Blick vom Mirador aufs Wokenmeer bis hinüber nach La Gomera und La Palma, während die Sonne langsam in der Watte versinkt.  Das letzte Stück zurück nach Puerto de Santiago ist im Vergleich eher unspektakulär, aber zumindest gut ausgebaut, und bei Penny wartet schließlich auch unversehrt das Pferd mit den Regenbogenhaaren.
→ Routenplan von heute zum nachfahren

Ein Schiff wird kommen – Koh Rong zu Wasser

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IMG_4251_matteDas Leben auf einer Insel ohne Infrastruktur hat viele Vorzüge, aber auch einen Haken: Um rumzukommen braucht man in der Regel ein Boot! Und da wir den Platzhirsch Adventure Adam gestern nicht zu fassen bekamen (zum Bericht), sehen wir uns in Koh Tui nach Alternativen um, die zwar zahlreich aber auch nicht gerade individuell sind. Das Programm ist in der Regel immer das Gleiche: Schnorcheln rund um die Pagodeninsel, Angeln irgendwo auf dem Meer, ein Abstecher zum Long Beach mit Aufenthalt bis zum Sonnenuntergang, gerne garniert mit fluoreszierendem Plankton auf der Heimfahrt (in Fachkreisen auch Biolumineszenz genannt). Kontraste finden sich allenfalls in der Menge des eingepreisten Alkohols, im Fassungsvermögen des Boots sowie bei Qualität und Lautstärke der Musik. Als brave Familie buchen wir einfach in unserer Stammfrühstückskneipe den Nachmittagstrip mit nur einem Freibier pro Nase, was das Pichelpartypublikum hoffentlich hinreichend abschrecken dürfte.

IMG_4269_pagoda_islandIn der Tat finden sich außer uns lediglich drei Franzosen mit auf dem Boot ein, der Captain wirkt relaxed (und maximal 14) und los gehts zur Pagodeninsel. Das Schnorcheln hier ist ganz spaßig und auch der ein oder andere Fisch schaut vorbei, man sollte aber keine üppigen Korallenriffe in explodierenden Farben erwarten. Die Beschallung durch die übrigen Boote hält sich zum Glück auch in Grenzen. Weiter gehts zurück in den Westen mit Kurs auf Long Beach, bis der Captain abrupt auf offener See stoppt – it’s fishing time! Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich bezüglich dieser „Sportart“ ziemlich voreingenommen bin: In jungen Jahren war ich auf der Insel Rab im damaligen Jugoslawien mit einer Urlaubsbekanntschaft angeln und durfte stolz den handflächengroßen Fang nach Hause transportieren. Auf halber Strecke begann der scheintote Fisch urplötzlich heftig zu zappeln, ich bekam einen Riesenschreck und beförderte ihn reflexartig in hohen Bogen zurück in die Adria. Das war vor ca. 30 Jahren und seitdem finde ich Angeln ziemlich doof! Die Franzosen sehen das heute leider anders und scheinen Gefallen daran zu finden, eine verhedderte Nylonschnur für eine gefühlte Ewigkeit in die Wellen zu halten. Captain Jungspund fängt tatsächlich ein paar Kleinfische, die er dann in einem Benzin/Meerwasser Gemisch im Schiffsrumpf zwischenlagert, der Rest der Besatzung kann hingegen keine Erfolge verbuchen. Schließlich fängt dank anhaltenden Wellengeschaukels Felix lautstark an zu moppern, die Angelwütigen haben ein Erbarmen und wir steuern endlich den Long Beach an, der die ganze Zeit zu rufen schien: „Was dümpelt ihr da draußen im Meer rum! Kommt her! Hier ist das wahre Paradies!“

IMG_4283_fxkickstartUnd recht hat er, der Long Beach – soviel unverbauten Sand gibts sonst nur in Geschichten von früher. Leider scheint dieses Fleckchen auch ins Visier der neuen Inselpächter gerückt zu sein, und erste Bauaktivitäten sind unübersehbar. Im Moment kann man allerdings noch kilometerweit bis ins Dorf Sok San am Ende der Bucht marschieren, und wird unterwegs gewiss nicht allzuviele Leute treffen. Der Strand fällt flach ab und ist somit auch für kleine Kinder gut geeignet, auch Freunde von kitschigen Sonnenuntergängen kommen je nach Wolkenlage auf ihre Kosten, da der Großteil des Strands konsequent nach Westen zeigt. Nachdem die Sonne komplett verschwunden ist tuckern die teils reichlich vollgestopften Boote wieder zurück in die Inselhauptstadt. Unser Captain hat aber offenbar der Versuchung widerstanden, noch zahlende Gäste dazuzubuchen, dafür gibt es tatsächlich ein „Fisch BBQ“ mit den gegrillten Minifischen aus der Brühe am Schiffsboden – die Franzosen greifen beherzt zu. So sind die Fischli immerhin nicht umsonst am Haken gelandet…

Daheim ist auch schönDie Biolumineszenz Show fällt heute flach weil der Mond offenbar zu hell (?) ist, macht aber nix weil unsere Heimat rund Koh Tui auch im Dunkeln ein ebenbürtiger Anblick ist. Leider bricht mit der dritten auch schon wieder die letze Nacht auf der Insel an, morgen Abend gehts zurück aufs Festland nach Sihanoukville und von dort (hoffentlich) direkt weiter nach Kampot – unserer letzten Station im Land der Khmer, die im direkten Vergleich mit dem relaxten Inselleben auch wieder etwas mehr Action im Urlaubsalltag verspricht. Versprochen!