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Abendbummel bei den Buddhas von Bago

Die alte Mon Hauptstadt Bago ist für viele nur ein Zwischenstop auf dem Weg von Yangon zum goldenen Fels oder nach Hpa An. Ist auch nicht weiter verwerflich, haben wir 2017 genauso gemacht (⇒ zum Bericht), aber nach sechs Stunden Busfahrt vom Ngwe Saung Beach nach Yangon, und weiteren zwei Stunden on the road mit unserem alten Freund MauMau sind wir definitiv reif für eine gepflegte Übernachtung bevor es weiter gen Osten geht!

Bago ist vor allem bekannt für seine zahlreichen Buddhas und Tempel, und obwohl wir einige Orte schon vom letzten Besuch kennen, haben sie zum Sonnenuntergang ihren ganz eigenen Charme.  Als Highlight erweist sich vor allem der über 80(!) Meter lange liegende Mya Tha Lyaung Buddha, dem die Sonne am Abend buchstäblich zu Füßen liegt. Auch Felix kommt anschließend auf seine Kosten, denn mitten im Pagodenviertel hat man für die jüngeren Bewohner eine stattliche Hüpfburg aufgestellt, wie üblich beschallt mit übersteuerter Techno Musik :-). Das Hotelangebot ist übrigens überschaubar, aber im Kanbawza Hinthar etwas außerhalb des Stadtkerns gibts hübsche Zimmer unter 50$ und zudem ein wirklich ausgezeichnetes Frühstück – traut euch ruhig auch an die Mohinga!

 

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Ko Rongs Schwester S

Wer durch Kambodscha reist und bei all der kulturellen Vielfalt auf dem Festland nicht ganz auf touristisch erschlossene Eiländer verzichten möchte, wird früher oder später vor die entscheidende Frage gestellt: Ko Rong oder Ko Rong Samloem? Auf Ko Rong hatten wir uns vor zwei Jahren schon herum getrieben (zur Übersicht) und uns dort  eigentlich auch ziemlich wohl gefühlt. Allerdings hat auch hier  vermehrt der Bau- und Partyboom eingesetzt, ergo bekommt jetzt die vermeintlich (noch) ruhigere Schwesterinsel ihre Chance.

Dreh- und Angelpunkt ist für beide Inseln der trubelige Pier in Sihanoukville am Sokha Beach, von wo aus die Inseln von verschiedenen Fähren bedient werden. Sihanoukville hat zwar auch schöne Stände,  ist aber ansonsten im Vergleich noch 2016 irgendwie noch unsympathischer geworden, weil überall hohe Klötze hochgezogen werden. Nix wie weg! Die Speedferry braucht für die Überfahrt gerade mal eine Stunde, versucht ihren Speed allerdings auch bei rauem Seegang zu halten, schwache Mägen seien hiermit gewarnt.

Der Anblick der lang gezogenen Saracen Bay mit ihrem weißen Bilderbuchsand sollte dann aber alles wieder gut machen, auch wenn Wiederkehrer gewiss monieren werden, dass es früher deutlich weniger Unterkünfte in der Bucht gab und das Preisniveau nicht gerade gefallen ist. Noch fühlt man sich aber nicht eingeengt und wird auch finanziell nicht völlig ruiniert, nur sollte man je nach Saison ggf. vorbuchen – vielerorts vermeldet man im Februar ausgebucht!

Für Reisende mit kleinen Kindern bis Seepferdchenstadium  dürfte die Bucht ein Traum sein, da man selbst bei Flut ewig weit rausmarschieren kann, bis einem das Wasser zumindest bis zum Hals steht. Zahlreiche Schaukeln am und im Wasser runden das Angebot ab. Passionierte Wasserratten dürften sich hingegen eher an der Westküste wohl fühlen, womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: Was macht man hier eigentlich den lieben langen Tag, wenn nach einer Stunde Sonnenbad die Hummeln im Hintern anrücken?

Zwei Dschungelpfade durchkreuzen die Insel von Ost nach West. Der Nördlichere zum Sunset Beach  ist definitiv der Spannendere – wenn man den Strand tatsächlich zum Sonnenuntergang besucht, sollte man aber auf jeden Fall für den Rückmarsch eine Taschen- oder Stirnlampe am Start haben. Festere Schuhe als Flip-Flops sind auch mehr als ratsam! Drüben gibt es drei Resorts, hier scheinen all  jene zu stranden, denen die Sacaren Bay nicht hip genug ist. Kann man aber auch als aktive Ü40 Familie machen, aber der Pfad durch den Dschungel erreicht durchaus Kraxel & Tekking Niveau!

Alternative #2 führt weiter südlich rüber zum Lazy Beach. Der Pfad ist vergleichsweise breit und daher weniger abenteuerlich, potentiell schicke Sonnenuntergänge gibt es drüben natürlich auch, da der Strand die gleiche Ausrichtung wie der Sunset Beach hat, nur war der Name offenbar schon vergeben. Uns hat es hier am Lazy Beach eindeutig besser gefallen. Das gleichnamige Resort am Platze hat übrigens auch  einen öffentlich zugänglichen gemütlichen Restaurantbereich und nutzt sein Monopol bei der Preisgestaltung der Karte  erfreulicherweiser nicht aus.

Wer immer noch nicht genug hat: Im Norden der Insel gibt es noch das M‘ Pay Village mit preiswerten  Unterkünften, das aber zumindest vom Tauchboot aus nicht so aussah, als müsste man extra einen Tagesausflug dorthin buchen. Apropos Tauchboot: Tauchen kann man hier übrigens auch, die Riffe zählen zwar gewiss nicht zu den spektakulärsten auf der Erde, aber zumindest in Kambodscha spielt man in der ersten Liga mit – das KRDC Samloem hilft gerne weiter. Und dann wäre da noch der Marsch zum Leuchtturm im Süden der Insel , den wir trotz vier Nächten Aufenthalt irgendwie nicht unterbringen konnten. Vielleicht ist Ko Rong Samloem eben doch vor allem eins: Eine Insel zum nichts oder zumindest wenig tun 🙂

♥ Leser die diesen Bericht informativ / kurzweilig / besser als nix fanden, könnten sich auch für diese Artikel interessieren ♥

Zurück im Pot – Kampot Guide für Wiederkehrer

Als wir 2016 ein paar Tage in Kampot verbrachten (zur Übersicht) wussten wir relativ schnell, dass wir hier mal wieder vorbei schauen müssen, und so ist der sympathische Ort am Teuk Chhou Fluss nicht ganz zufällig 2 Jahre später wieder auf der Route gelandet. Das Risiko bei Zweitbesuchen ist natürlich immer, dass man enttäuscht ist und früher natürlich alles viel besser war, der Vorteil ist dagegen, dass man  die angeblichen Must Sees auch schon gesehen hat und es daher etwas ruhiger angehen kann.

Wie wäre es denn zum Beispiel mit einer Kanutour? In der Champa Lodge nördlich der Stadt kann man welche für 5$/Stunde mieten, wobei die Stunde auch sehr großzügig ausgelegt wird. Ein paar Paddelschläge stromaufwärts zweigt an einer Brücke westlich ein Seitenarm ins Landesinnere ab, hier kann man in eine große Schleife drehen und kommt dann (hoffentlich) entspannt nebenan wieder raus. Wenn der Nachwuchs noch nicht zu alt bzw. die Eltern nicht zu schwer sind, passt auch eine dreiköpfige Familie ins Kanu. Und falls ein Elternteil keine Lust hat, kann man in der Lodge übrigens auch sehr gut am Flussufer abhängen, ohne irgend etwas anderes zu tun.
Hier gibts noch ein kurzes Video vom „Anlanden“.

Wenn mann dann schon mal in der Gegend ist und einen Roller gechartert hat (übrigens gleicher Preis und „Fassungsvermögen“ wie das Kanu), kann man das Ganze mit einem Besuch bei den Phnom Chhngok Höhlentempeln kombinieren. Dazu zunächst den Highway 3 in Richtung Phnom Penh fahren, dann zweigt irgendwann eine Piste nach Süden ab (bei Google Maps als 139 eingezeichnet). Die Höhle ist nicht die spektakulärste ihrer Art, aber durchaus ihren 1$ Eintritt wert. Und die Fahrt durch die Felder macht auf jeden Fall Laune, vor allem am Abend wenn die Sonne tief steht, Bauern ihre Felder bewässern und die Kühe nach Hause treiben. Heimwärts gehts dann hinter den Schienen gen Westen!

Alles schön und gut aber doch eine Spur zu ruhig? Wie wärs dann mit einen Abstecher zu den Jungs von Climbodia? Spektakuläre Karstfelsen gibt es in dieser Region Kambodschas ja genug, nur die einheimische Kletterei beschränkt sich nach wie vor überwiegend auf Kokospalmen. Der Belgier David hat es sich zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern und für ein Gebiet ca. 12km östlich von Kampot die erforderlichen Genehmigungen eingeholt. Neben der Kletterei und dem Abseiling (ja – das Wort hat es tatsächlich in den englischen Sprachgebrauch geschafft) gibt es noch eine Höhlenführung dazu, am Ende darf man dann selbst beim (gesicherten) freien Klettern ausloten, wo die persönliche Grenze liegt (meine lag bei 5b).

Zum Schluss gibts dann noch ein echtes Highlight: Nehmt doch einfach das Rad! Jetzt kann man natürlich einfach irgendwo einen Drahtesel leihen und drauf los fahren und dabei sicherlich spannende Sachen sehen. Wer obendrein noch etwas von Land und Leuten mitbekommen will, kann alternativ einen Ausritt bei Butterfly Tours buchen. Ursprünglich in Battambang ansässig, gibt es inzwischen auch Zweigstellen in Sieam Reap und eben Kampot.  Laut Guide alles lokal von ehemaligen oder immer-noch Studenten gemanaged. Das Tempo ist gemäßigt, wir schauen in diversen lokalen Manufakturen sowie einer Schule vorbei, bekommen die frischsten Nudeln der Region serviert, und sind vor Sonnenuntergang zurück. Guide Chenda ist ein fröhlicher Mensch und kann hier uneingeschränkt weiterempfohlen werden,  Kinder bekommen übrigens Rabatt!

Für eine Stärkung zu jeder Tageszeit oder auch einen Sunset Cocktail empfiehlt sich unser Favorit Rikitikitavi am Ufer neben der Post. Hier haben wir eine echte Premiere geschafft – in über 10 Jahren Reiserei sind wir tatsächlich ein zweites Mal im gleichen Hotel untergekommen! Und auch jetzt war es (für uns) wieder perfekt hier!

Kep Going – Angkul, Höhlen, Tempel und ordentlich Salz

Viele Langnasen besuchen Kampot und Kep im Süden Kambodschas, aber aus unerfindlichen Gründen erkunden offenbar nur wenige davon die Gegend östlich von Kep auf dem Weg zur vietnamesischen Grenze. Wir probieren das jetzt mit dem Roller mal aus!

Start ist der Butterfly Garden am Rande des Kep Nationalparks, ein sehr relaxter grüner Ort, an dem man auch gut eine Stunde abhängen kann, wenn man kein Schmetterlingsfanatiker ist. Kinder schätzen die Auswahl an Schaukeln in verschiedenen Längen. Dann nehmen wir eine gepunktete Strecke, die auf der Karte als „Shortcut to Saltfields“ in östlicher Richtung von der Kep Schleife  abzweigt. Gepunktete Strecken sind hier in der Regel mit Vorsicht zu genießen, da selbst die normalen Straßen teilweise eher Feldwegen gleichen. Hier handelt es sich allerdings im 1. Abschnitt um eine superbreite Piste, die irgendwann mal eine große grenzüberschreitende Straße nach Ha Tien werden will. Kurz vorm ersten Ziel – dem Fischerdorf Angkul (Beach) – endet sie allerdings schlagartig mitten in der Pampa und man muss sich auf der letzten Meile auf schmalen Pfaden durch die Felder kämpfen. Angkul Beach könnte mit seinem feinen Sand und den Kokospalmen ein echter Geheimtip sein, hat allerdings wie die Haseninsel mit angeschwemmtem Müll zu kämpfen. Trotzdem sehenswert!

 Nach einem Abstecher zum lokalen Wat gelangt man über die Umfahrung 1332 in westlicher Richtung auf die Road 33 (beide gut ausgebaut), auf der man dann ostwärts bis Kampong Trach durchbrausen kann. Im Ort zweigt links eine ausgeschilderte Piste zu den Caves ab – man fährt auf einen riesigen Karstfelsen zu, denn man nicht verfehlen kann. Links rum am See vorbei erreicht man gegenüber der Bahnstrecke den ersten Höhlenkomplex. Eine ist nicht so spektkulär, hat aber eine nette Aussicht ins Umland, die andere ist eindrucksvoll aber ohne Aussicht – also bei beiden reinschauen! Dann zuckelt man im Uhrzeigersinn um den Berg herum und gelangt  an einen Höhlentempel mit Pagode, der heute auf dem Vorplatz mit übersteuerter Technomusik beschallt wird. Der Eingang ist etwas unscheinbar, aber hintendran eröffnet sich tatsächlich eine weitere Höhle die innen eine natürliche Öffnung hat. Der tiefhängende Jollystick Nebel hängt tief und sorgt mit dem stimmungsvollen Licht am späten Nachmittag für die passende Atmosphäre – und das alles hätten wir fast verpasst, wenn Felix nicht drauf bestanden hätte.

Zurück in Kampong Trach zweigt die Road 33 scharf nach Süden ab und man gelangt wieder zu den Salzfeldern bei Angkul, mit dem richtigen Timing geht jetzt über dem Meer allerdings gerade die Sonne unter und spiegelt sich in den bei Tag eher mäßig hübschen Salzfeldern. Spätestens jetzt kommen auch die Fotofreunde auf ihre Kosten. Warnung am Rande: Es wird in diesem Breiten sehr schnell sehr dunkel und der Rückweg nach Kep im Dunkeln durch Schwärme von „Sunsetmücken“ zieht sich garantiert. Also den Roller vorher auf funktionierendes Licht und den Helm auf Visierschutz überprüfen, eine schwache (!) Sonnenbrille tuts zur Not auch. Gute Fahrt!

Dawei sein ist alles – der weite Weg nach Süden

Der Tag beginnt mit einem Schreck: Das Geld ist weg! Nicht unsere Barvorräte, aber die von Maumau, der den Verlust gerade an einer Tanke südlich von Mawlamyaing festgestellt und darüber verständlicherweise so gar nicht amused ist. Natürlich fahren wir erstmal wieder zurück in Maumaus Guesthouse, auch wenn sich keiner allzu große Hoffnung macht, dass die Scheine wieder auftauchen. Das tun sie zwar auch nicht, aber immerhin kann er anschließend den Tathergang vor dem geistigen Auge weitgehend reproduzieren, und scheint dadurch schlagartig wieder seine buddhistische Gelassenheit zurückerlangt zu haben! Ich werde mich hingegen noch Weilchen darüber ärgern, wie jemand diesen sympathischen Landsmann bestehlen kann, der gewiss selber nicht wirklich reich ist. Allerdings ist das Ganze auch für uns eine Warnung: Passt auf eure Sachen auf – die Leute mögen noch so nett sein, schwarze Schafe gibts leider immer!

Zurück auf der Road 8 Richtung Thanbyuzayat können wir uns dann wieder den schönen Dingen des Landes widmen, zum Beispiel der Landschaft. Rechts und links tauchen plötzlich 2 markante Karstfelsen auf, die natürlich von Tempeln gekrönt sind. Wie die spätere Recherche ergibt nennt sich der westliche von beiden Kyauktalon Taung. Für eine Besteigung reicht die Zeit leider nicht aus, ist aber sicher ein schöner Tagesausflug von Mawlamyaing aus, bei dem man garantiert wenig andere Besucher trifft. Bei unserem nächsten Stopp am liegenden Buddha Win Sein Taw Ya ist schon ein wenig mehr los, aber schließlich handelt es sich auch um den größten liegenden Buddha der Welt. Ob diese Information noch aktuell ist weiß ich nicht, gerade in Asien ist man mit Buddha-Superlativen ja nicht gerade sparsam, aber unabhängig der Größe weist der stolze Bau noch eine weitere Besonderheit auf: Er ist innen (!) begehbar!

Wir wählen den Eingang am wenig besuchten Fußende. Innen wird seit Jahrzehnten immer noch fleißig gemalt und gemauert und man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Baustelle, aber viele der Kammern (182 sollen es angeblich sein) sind bereits fertig gestellt und zeigen Szenen aus dem Leben Buddhas oder hier und da vielleicht auch einfach nur Szenen aus vergangenen Zeiten, die Übergänge scheinen fließend. Manche Szenen sind recht gruselig, andere unfreiwillig komisch aber beeindruckend ist das Innenleben allemal. Auf jeden Fall auch für Kinder ein spannendes Erlebnis, wenngleich einige Kammern nicht ganz als jugendfrei durchgehen. Zum Abschluss lassen wir uns natürlich auch nicht lumpen und spenden eine Kachel fürs Buddha-Gewand.

Nach dem Buddha Sightseeing wird es aber höchste Zeit, etwas Strecke zu machen. Stolze 322 Kilometer weist Google für den Trip von Mawlamyaing nach Maungmagan aus, und noch bis 2013 war der Landweg nach Dawei für ausländische Touristen komplett tabu. Die Infrastruktur hinkt dementsprechend etwas hinterher, aber der Zustand der Straße ist inzwischen überwiegend in Ordnung und an allen Ecken raucht heißer Teer in Tonnen vor sich hin, es wird fleißig verbreitert, und auch die letzten nicht asphaltierten Etappen dürften bald verschwunden sein. Felix haben wir in weiser Voraussicht mit ausreichend Hörspielen eingedeckt, so dass die Fahrt eigentlich überraschend entspannend verläuft und wir mit ausreichend Tageslichtreserven am späten Nachmittag in Dawei einrollen. Jetzt erstmal eine Suppe!

Eine gute Woche sind wir jetzt schon in Asien unterwegs ohne das Meer gesehen zu haben, Dawei ist der perfekte Ort dies zu ändern – die Andamanensee die wir schon aus Thailand kennen liegt schließlich vor der Haustüre, und an Stränden mangelt es auch nicht. Wir steuern den Maungmagan Beach an, der zwar im direkten Vergleich mit den etwas etwas abgelegenen südlichen Stränden eher schlecht abschneidet, aber hier gibts sowohl Unterkünfte als auch Restaurants und beides ist andernorts eher rar gesät. Der Tripadvisor Liebling Coconut Guesthouse ist ausgebucht, liegt aber auch zu weit vom Meer weg um als strandnah durchzugehen, und ein herzlicher Empfang geht auch anders. Am relativ neuen Long Beach Resort werden wir schließlich fündig, für ~35$ gibts einen sauberen Reihenbungalow, einen angemessenen Fahrer-Rabatt und – entgegen der Vorhersagen – auch einen relativ sauberen Strandabschnitt mit ausreichend Buddelpotential dazu!

Es mag sich in den nächsten Jahren noch ändern, aber heuer sieht man hier fast nur Einheimische und die lokale Fischerei scheint noch hoch um Kurs zu stehen. Da die Boote nachts raus fahren, kann man bei Sonnenuntergang zuschauen, wie Netze geflickt und Boote bepackt werden. Das ist echtes Myanmar Feierabend TV! Verhungern muss hier natürlich auch keiner, an der „Strandpromenade“ reiht sich ein Lokal ans andere. Michelin Sterne oder Schickimicki Bars sucht man allerdings vergebens, aber wen es in diese Ecke verschlägt, der sucht die auch nicht wirklich. Und keine Angst – auch es nirgendwo beworben wird (was wohl eher „lizenzrechtliche“ Gründe hat :-)) ist ein kühles Myanmar Bier niemals weit!

Sitzende Buddhas, Inseln zum Haare waschen und ein Geheimtipp mit Aussicht – nachmittags in Mawlamyine

Nach dem schweißtreibenden Radtrip durch Mawlamyine  Downtown am Morgen ist erstmal eine ausgiebige Dusche fällig. Viel Zeit zum trocknen und ausruhen bleibt nicht, denn Maumau steht entgegen aller Südostasien Klischees mal wieder extrem pünktlich auf der Matte. Die Fahrt geht gen Süden, wir lassen uns überraschen wohin, aber den Ankündigungen entnehme ich, dass Buddha in irgendeiner Form involviert ist. An der auf den ersten Blick eher unscheinbaren Kyaikmaya Pagode kommen wir schließlich zum Stehen. Im Außenbereich gibt es einen großen goldenen Stupa, ein von Schildkröten (über-)bevölkertes Becken sowie eine etwas mitgenommene Weltkugel mit einer Statue zu entdecken, die ein wenig an Fritz Wepper erinnert (genau: der Harry mit dem Wagen).  An den Wänden dominieren Mosaike aus kleinen Spiegeln und in der Tat gibt es zahlreiche Buddhafiguren in diversen Posen. Aber erst auf den 2. Blick erkennen wir im Zentrum die Besonderheit, auf die uns Maumau auf der Fahrt aufmerksam machen wollte: Der Buddha sitzt! Also nicht wie üblich im Lotussitz, sondern mit herunterhängenden Beinen, so wie wir Europäer das für gewöhnlich tun (hier gibt es noch nähere Erläuterungen zu Buddhas Sitzgewohnheiten). Ob das wirklich einzigartig ist sei mal dahin gestellt, aber uns fällt spontan zumindest kein zweites Exemplar ein.  Insgesamt also  ein durchaus interessanter Tempel, zumindest für alle die die „Klassiker“ in der Region schon durch haben.

Zeit für Lunch, Zeit mein frisch erradeltes Wissen vom Vormittag zum Besten zu geben. An der Strand Road wars am schönsten, da sollte es doch sicher auch was leckeres zu Essen geben. Wir landen schließlich im gut gefüllten Bone Gyi, dessen zweites Standbein der Verkauf von edlem Fusel zu sein scheint – selten sieht man in dieser Ecke Myanmars derart üppig gefüllte Flaschenregale in normalen Restaurants.  Auch die feste Nahrung schmeckt gut, kann man also hingehen . Anschließend fahren wir zum Ufer östlich der Mawlamyaing Brücke. Hier legen die Boote nach Gaungse Kyun ab und wir ergattern noch ein paar der letzten Plätze. Wer den Namen noch nie gehört hat braucht sich übrigens nicht zu schämen, da das Inselchen meist „Shampoo Island“ genannt wir, weil hier das heilige Quellwasser für die jährlichen königlichen Haarwaschzeromien entsprungen ist. Heutzutage werden die Häupter hier eher selten gewaschen, da die königlichen Zeremonien längst passé sind und die Insel nur noch von Mönchen bewohnt ist, die sich ja bekanntlich bei Einzug ins Kloster ihrer Haarpracht entledigen. Shampoo Island ist üppig begrünt aber strandlos und nicht wirklich groß, in einer Stunde hat man locker jede Ecke dieses Mikrokosmos inklusive des Klosters erkundet. Lohnt sich unserer Meinung nach trotzdem! Profi-Tipp: nicht das edelste Schuhwerk mitnehmen, denn die zieht man direkt am Anleger aus (offenbar gilt die gesamte Insel als Tempelgelände) und die heimischen Hunde schienen teilweise recht erpicht auf neues Spielzeug… Unsere gut abgehangenen Flip Flops wurden aber glücklicherweise verschmäht!

Unser Loose Myanmar Reiseführer ist schon etwas betagt und war bereits gebraucht, als wir ihn beim ersten Myanmartrip 2015  an Bord hatten. Im Kapitel Mawlamyaing findet sich ein Exkurs mit dem verlockenden Titel „Sonnenuntergang mit Panoramablick“. An der Kyaik Fin Gu Pagode auf der anderen Seite der Brücke bei Mottama soll man angeblich spektakuläre Ausblicke auf die zahlreichen Flussarme in der Umgebung haben, und das auch noch in weitgehender Einsamkeit! Wir sind zugegebenermaßen etwas skeptisch: Da sich Myanmar in den letzten Jahren so rasant entwickelt hat, dürfte die Einsamkeit in populären Ecken sicher ähnlich wie in in Bagan längst Geschichte sein. Wir fahren trotzdem rüber, zumal Maumau den Tempel offensichtlich noch nicht kennt – und das will ja was heißen! Die beiden Abzweige nach der Brücke ohne sichtbare Beschilderung sind schon mal nicht auf Massentourismus ausgelegt, auch die Straße die sich auf den Berg windet gleicht eher einem Feldweg.

Kurz vor dem Kloster ist dann Endstation für Automobile, und die Loose Textbox hat wahrhaft nicht übertrieben: Die nahezu 360° Aussicht auf die Mawlamyaing Brücke, den Thanlwin River und das Delta im Südwesten ist wirklich phantastisch, und dabei steht die Sonne noch relativ hoch.  Selbst der ansonsten recht coole Maumau ist sichtlich beeindruckt von diesem Ort und rennt begeistert durch die Büsche, um ein paar Smartphone Fotos zu schießen. Wir freuen uns diebisch, dass wir diesem alten Hasen offenbar doch noch eine neue spektakuläre Ecke zeigen konnten, und hoffen seine nächsten Gäste kommen auch in diesen Genuss. Und selbst als sich die Sonne irgendwo über dem Flussdelta verabschiedet, sind wir abgesehen von den Mönchen im anliegenden Kloster die einzigen Gäste. Kino Grande!

Roques Around The Clock – von San Juan zu Garcías Felsen

 

img_7307_road-to-teide_panoimg_7275_thebeachÜber Los Gigantes ziehen heute Morgen ganz schön grimmige Wolken hinweg, denn auch 300 Sonnentage müssen irgendwann mal aufgebraucht sein. Mit viel Optimismus orten wir im Süden ein paar potenzielle Schönwetterzonen und fahren runter Richtung Playa San Juan. Der Reiseführer warnt, dass man hier besser nicht allzu viel Fischerdorf-Romantik erwarten wollte, aber zumindest hält die massive Betonmole lästige Wellen fern und verleiht dem Strand somit das Prädikat kinderfreundlich. Von oben sieht die geschwungene Bucht auch gar nicht mal so unhübsch aus, und die wenigen Besucher wie auch der Kneipenwirt wirken alle wohltuend relaxed.

img_7291_outofthefogNachmittags machen die Wolken leider ernst, und wir suchen nach Fluchtmöglichkeiten. Wintersportler und Hobby-Alpinisten kennen sicher die abgedroschene Floskel „Oben reißt’s bestimmt auf“, und da wir auf Madeira bei einer ähnlichen Tour schon einmal Glück hatten, wagen wir den Trip hoch zum Teide. Um Kilometer zu sparen schlägt das Navi die etwas abenteuerlichere Route von Guía de Isora über Aripe und Chirche vor, die trotz wachsender Bedenken und nahezu senkrechten Gassen irgendwann dann doch die TF-38 trifft. Und bei ~1400m passiert es tatsächlich: Die dicken Wolken lichten sich und die karge Felslandschaft rund um den Teide hüllt sich in tiefstes Blau. Geht doch!

img_7313_therockDa es für ausgedehnte Wanderungen schon zu spät ist, steuern wir die einschlägig bekannte Felsformation Roques de García an, die wir gestern Abend in der Dunkelheit gar nicht mehr wahrnehmen konnten. Die Breite der Zubringerstraße lässt erahnen, dass hier gewiss öfters mal zig Busse auf einmal Station machen, aber am späten Nachmittag hält sich der Ansturm in Grenzen. Die meisten kraxeln einfach die Treppe beim Parkplatz hoch (die übrigens auch von Kleinkindern problemlos zu meistern ist), knipsen ein paar Bilder und marschieren wieder zurück, und wer sich in die umliegende Prärie verdrückt, hat nach spätestens 500 Metern seine Ruhe. Egal ob nah oder fern, der Anblick der bizarren Roques ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Auf der Rückfahrt parken wir in 1800 m Höhe bei „Montaña Samara“ und machen es uns auf einem Felsen gemütlich, um Frau Sonne (mit der wir heute eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatten) gebührend zu verabschieden. Das Tal liegt nach wie vor in einer dichten Wolkensuppe, die sich in Form und Farbe ständig verändert und ab und zu schauen die Spitzen von Gomera & co heraus. Für Knipser ist das natürlich Fluch und Segen zugleich, da man zuhause wieder zig Motive ausmisten muss, aber mit derlei Luxus-Sorgen muss man sich eben arrangieren. Als wir auf dem Heimweg wieder in die Suppe eintauchen, ist es längst stockdunkel … und auf dem Teide herrscht wieder Ruhe und Friede!