Sitzende Buddhas, Inseln zum Haare waschen und ein Geheimtipp mit Aussicht – nachmittags in Mawlamyine

Nach dem schweißtreibenden Radtrip durch Mawlamyine  Downtown am Morgen ist erstmal eine ausgiebige Dusche fällig. Viel Zeit zum trocknen und ausruhen bleibt nicht, denn Maumau steht entgegen aller Südostasien Klischees mal wieder extrem pünktlich auf der Matte. Die Fahrt geht gen Süden, wir lassen uns überraschen wohin, aber den Ankündigungen entnehme ich, dass Buddha in irgendeiner Form involviert ist. An der auf den ersten Blick eher unscheinbaren Kyaikmaya Pagode kommen wir schließlich zum Stehen. Im Außenbereich gibt es einen großen goldenen Stupa, ein von Schildkröten (über-)bevölkertes Becken sowie eine etwas mitgenommene Weltkugel mit einer Statue zu entdecken, die ein wenig an Fritz Wepper erinnert (genau: der Harry mit dem Wagen).  An den Wänden dominieren Mosaike aus kleinen Spiegeln und in der Tat gibt es zahlreiche Buddhafiguren in diversen Posen. Aber erst auf den 2. Blick erkennen wir im Zentrum die Besonderheit, auf die uns Maumau auf der Fahrt aufmerksam machen wollte: Der Buddha sitzt! Also nicht wie üblich im Lotussitz, sondern mit herunterhängenden Beinen, so wie wir Europäer das für gewöhnlich tun (hier gibt es noch nähere Erläuterungen zu Buddhas Sitzgewohnheiten). Ob das wirklich einzigartig ist sei mal dahin gestellt, aber uns fällt spontan zumindest kein zweites Exemplar ein.  Insgesamt also  ein durchaus interessanter Tempel, zumindest für alle die die „Klassiker“ in der Region schon durch haben.

Zeit für Lunch, Zeit mein frisch erradeltes Wissen vom Vormittag zum Besten zu geben. An der Strand Road wars am schönsten, da sollte es doch sicher auch was leckeres zu Essen geben. Wir landen schließlich im gut gefüllten Bone Gyi, dessen zweites Standbein der Verkauf von edlem Fusel zu sein scheint – selten sieht man in dieser Ecke Myanmars derart üppig gefüllte Flaschenregale in normalen Restaurants.  Auch die feste Nahrung schmeckt gut, kann man also hingehen . Anschließend fahren wir zum Ufer östlich der Mawlamyaing Brücke. Hier legen die Boote nach Gaungse Kyun ab und wir ergattern noch ein paar der letzten Plätze. Wer den Namen noch nie gehört hat braucht sich übrigens nicht zu schämen, da das Inselchen meist „Shampoo Island“ genannt wir, weil hier das heilige Quellwasser für die jährlichen königlichen Haarwaschzeromien entsprungen ist. Heutzutage werden die Häupter hier eher selten gewaschen, da die königlichen Zeremonien längst passé sind und die Insel nur noch von Mönchen bewohnt ist, die sich ja bekanntlich bei Einzug ins Kloster ihrer Haarpracht entledigen. Shampoo Island ist üppig begrünt aber strandlos und nicht wirklich groß, in einer Stunde hat man locker jede Ecke dieses Mikrokosmos inklusive des Klosters erkundet. Lohnt sich unserer Meinung nach trotzdem! Profi-Tipp: nicht das edelste Schuhwerk mitnehmen, denn die zieht man direkt am Anleger aus (offenbar gilt die gesamte Insel als Tempelgelände) und die heimischen Hunde schienen teilweise recht erpicht auf neues Spielzeug… Unsere gut abgehangenen Flip Flops wurden aber glücklicherweise verschmäht!

Unser Loose Myanmar Reiseführer ist schon etwas betagt und war bereits gebraucht, als wir ihn beim ersten Myanmartrip 2015  an Bord hatten. Im Kapitel Mawlamyaing findet sich ein Exkurs mit dem verlockenden Titel „Sonnenuntergang mit Panoramablick“. An der Kyaik Fin Gu Pagode auf der anderen Seite der Brücke bei Mottama soll man angeblich spektakuläre Ausblicke auf die zahlreichen Flussarme in der Umgebung haben, und das auch noch in weitgehender Einsamkeit! Wir sind zugegebenermaßen etwas skeptisch: Da sich Myanmar in den letzten Jahren so rasant entwickelt hat, dürfte die Einsamkeit in populären Ecken sicher ähnlich wie in in Bagan längst Geschichte sein. Wir fahren trotzdem rüber, zumal Maumau den Tempel offensichtlich noch nicht kennt – und das will ja was heißen! Die beiden Abzweige nach der Brücke ohne sichtbare Beschilderung sind schon mal nicht auf Massentourismus ausgelegt, auch die Straße die sich auf den Berg windet gleicht eher einem Feldweg.

Kurz vor dem Kloster ist dann Endstation für Automobile, und die Loose Textbox hat wahrhaft nicht übertrieben: Die nahezu 360° Aussicht auf die Mawlamyaing Brücke, den Thanlwin River und das Delta im Südwesten ist wirklich phantastisch, und dabei steht die Sonne noch relativ hoch.  Selbst der ansonsten recht coole Maumau ist sichtlich beeindruckt von diesem Ort und rennt begeistert durch die Büsche, um ein paar Smartphone Fotos zu schießen. Wir freuen uns diebisch, dass wir diesem alten Hasen offenbar doch noch eine neue spektakuläre Ecke zeigen konnten, und hoffen seine nächsten Gäste kommen auch in diesen Genuss. Und selbst als sich die Sonne irgendwo über dem Flussdelta verabschiedet, sind wir abgesehen von den Mönchen im anliegenden Kloster die einzigen Gäste. Kino Grande!

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Nachradler gesucht – Auf und Ab in Mawlamyine

City Biking boomt nicht nur in Europa sondern auch in Südostasien! Selbst in tendenziell eher radfeindlichen Metropolen wie Bangkok oder Phnom Penh wächst das Angebot an Touren, und unsere Radeln auf Reisen Seite wächst munter mit. In Mawlamyaing – dem designierten Tor zu Myanmars tiefem Süden – ist man davon aber noch weit entfernt, und das obwohl die relaxte Stadt eigentlich prima auf zwei Rädern zu erkunden ist. Höchste Zeit also für einen Versuch in Eigenregie …

Es geht los im Queen Jamadevi in einer ruhigen Ecke abseits vom Stadtkern (zur Karte). Das ist natürlich keine Grundvoraussetzung für den Trip , aber wir wohnen nun mal da und die übrigens durchweg empfehlenswerte Bleibe löst gleich zwei wichtige Probleme: Es gibt anständige Kawasaki (!) Räder mit Schaltung und funktionierender Bremse, und eine brauchbare Karte obendrauf – beides unerlässlich für einen entspannten Trip. Weiter geht’s bis zu einem großen Kreisel mit bunten Soldaten, offenbar ein weniger dekoratives Erbe des Militärregimes. Hier kann es mitunter etwas hektisch werden, aber wir verlassen den Kreisel auch gleich an der 2. Ausfahrt Richtung Kyaikkami Street (nicht auf die Road 8) und biegen gleich die zweite Straße wieder scharf nach rechts oben ab. Jetzt wird es ruhig … und steil … und schön, sollte nichts davon zutreffen ist man wahrscheinlich falsch abgebogen.

Die Straße schlängelt sich weiter in nördlicher Richtung und beglückt den keuchenden Radler mit einer beeindruckenden Tempeldichte. Ein netter Viewpoint mit relativ unverbautem Blick auf den Saluen Fluss – auch bekannt als Thanlwin – lädt zum verschnaufen ein. Wer es spiritueller mag ist unter dem schattigen Baum an der U Zina Pagode gut aufgehoben, und mit dem Sri Shamuganathar ist auch ein Hindutempel vertreten. An der Kyaik Tan Lan Pagoda führt natürlich ebenfalls kein Weg vorbei, auch wenn es eigentlich ein klassischer Sunset Spot ist (wir berichteten). Tagsüber sieht man hier kaum westliche Gesichter, und dafür um so mehr Myanmar Wusel-Alltag.

Anschließend geht es auch endlich wieder bergab. Zur Linken befindet sich das koloniale Gefängnis aus dem Jahre 1908, das aber allenfalls für Freunde zeitgenössischer Knastarchitektur interessant sein dürfte. Rechts hingegen passiert man den Nachtmarkt der auch bei Tag aktiv ist und durchaus einen Stop wert ist. Am Ende und sozusagen „zurück im Tal“ biegt man rechts in die Upper Main Road ab, die abermals in einen großen Kreisverkehr mündet, diesmal aber ohne bunte Soldatenfiguren sondern mit einem überdimensionalen goldenen Hahn (wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht täuscht). Von hier gelangt man direkt auf die große 3,5 km lange Mawlamyaing Brücke, die auch von der Bahn genutzt wird. Radfahrer zahlen keine Maut! Von hier hat man eine ganz adrette Sicht auf die Stadt, wer Zeit und Abenteuerlust mit bringt kann auch ganz rüber nach Mottama fahren und neue Welten erkunden. Es gibt zwar keinen Radweg auf der Brücke selbst, aber der Verkehr und Luft waren zumindest morgens gegen 10:00 erträglich.

 

Ich fahre zurück bis zur auffälligen Kaladan Mosque und von dort auf die Strand Road ans Ufer. Einen Strand gibt es hier zwar leider nicht, aber es ist trotzdem eine sehr schöne Strecke direkt am Fluss mit vielen Bäumen und nicht all zu viel Autoverkehr. An den Piers kann man das Be- und Entladegewusel beobachten, empfehlenswert ist auch ein Stop am Delifrance Bakery House, wenn es einen nach edlem Gebäck oder einem ordentlichen Espresso gelüstet, wie es ihn zuhause nur in überteuerten Cafés gibt. Am Ende wird die Strand Road dann aber schlagartig  langweilig, und es wird Zeit sich links zu halten und die Lower Main Road und ihre Seitenstraßen zu erkunden. Hier habe ich mich dann trotz Karte wie üblich doch noch verfahren, und kann daher keine detaillierten Tipps mehr geben. Aber früher oder später findet man irgendwie zum großen „Soldaten-Kreisverkehr“ im Südosten zurück.

Wer mehr Zeit hat kann auch einfach die 8 weiter gen Süden fahren, oder auf der großen Straße Richtung Queens bleiben, die einen früher oder später bis nach Hpa-an führt. Ich habe auf dem Rückweg am Ende noch einen Schlenker nach rechts auf einen Feldweg gemacht (siehe Karte unten) und den strahlend weißen  Tempel links im Bild entdeckt – sicher nicht der Größte  im Lande, aber definitiv in keinem Reiseführer erwähnt. Und jetzt viel Spaß beim Nach- und Weiterradeln!

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Und hier gibts die Map zum Trip (natürlich ohne Gewähr) 

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Tagesmenü: Hpa-an Höhlenhopping mit Mawlamyine Sunset

Yes! Siebenunddreißig! Zugegebenermaßen keine wirklich spektakuläre Zahl wie 42 oder 11, aber dennoch ist die digitale 37, die mir gerade vom Fieberthermometer angezeigt wird, für mich die beste Nachricht des noch jungen Tages: Das Fieber von gestern hat sich nach knapp zwölf Stunden im Bett endlich verzogen, und ich fühle mich auch deutlich weniger schlapp. Maumau taucht ebenfalls gut gelaunt kurz nach dem Frühstück auf, und hat nach dem gestrigen Abstecher zu den Bayin Nyi Naung Höhlen noch mindestens zwei weitere „must see“ Höhlen in der Umgebung von Hpa-an auf der Agenda. Als erstes steuern wir nach einer kurzen Fahrt die Kawgun Caves an. Hier beeindruckt vor allem der Eingangsbereich vor der Höhle mit den unzähligen Reliefs, wo zudem noch gerade die Buddhas frisch getüncht werden und golden in der Morgensonne strahlen.

Ein paar Kilometer weiter durchs grüne Feld wartet der Yathaypyan Cave auf neugierige Höhlenforscher. Nach einem kurzen Aufstieg steht man auf einer Terrasse zusammen mit zig Buddha Statuen mit Blick in die Ferne. Die Aussicht ist wirklich großartig, tauscht man gedanklich die Hügel von Hpa-an gegen den Mekong, erinnert die Szenerie mit den Silhouetten fast ein wenig an Pak Ou in Laos (wer da mal hin radeln möchte: Bitteschön). Auch innen gibts einiges zu erkunden, hier kann man nämlich auch richtig tief in den Fels rein marschieren. Insofern auch für Kinder ganz spannend, die sich ja allgemein eher weniger für Statuen und Fresken interessieren.

An weiteren Höhlen in der Umgebung mangelt es zwar nicht, aber ich will es nach der flotten Genesung auch nicht gleich übertreiben, und außerdem müssen wir auch erstmal im Thiri Hpa An auschecken. Allerdings nicht, bevor wir nicht einmal den Außenpool gebührend getestet haben. Pools sind in dieser Ecke nämlich zumindest in der Guesthouse-bis-Mittelklasse eine echte Rarität, und dieser hier wartet sogar noch mit einer 1a Aussicht auf einen dicht bewaldetet Karstfelsen auf.  Das Hotel fanden wir ja ingesamt eigentlich nicht so dolle, aber für das Badeerlebnis gibts auf jeden Fall Bonuspunkte, auch wenn es natürlich Sünde ist, in einer solchen Landschaft mehr als eine Stunde am Pool zu lungern 🙂

Unsere nächste Station auf dem Weg in den Süden heißt Mawlamyaing und ist nicht wirklich weit von Hpa-an entfernt, und da wir uns dort auch endlich mal zwei Übernachtungen gönnen wollen, gibt es keinen Grund zu übertriebener Eile. Am Fuße des imposanten Mount Zwegabin (725m) befinden sich die Buddha Gärten, in der Reiseliteratur auch gerne als Lumbini Park bezeichnet (nach Buddhas angeblichem Geburtsort in Nepal). Wer nach den Höhlenbesuchen meint noch nicht genug Buddhastatuen gesehen zu haben, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten: Über die genaue Anzahl ist man sich zwar nicht so ganz einig, vier(!)stellig dürfte sie aber in jedem Fall sein. Am Ende der Gärten beginnt auch der Aufgang auf den Berg. Dafür haben wir heute weder Zeit noch Kondition, aber nicht nur wegen des entgangen Aufstiegs kann ich den Familienrat hoffentlich davon überzeugen, irgendwann nochmal Station in Hpa-an zu machen. Übrigens: Die Grenze nach Thailand bei Mae Sot / Myawaddy ist von hier gar nicht weit weg, und seit ein paar Jahren auch für Ausländer passierbar, Ideal also für eine Myanmar – Thailand Kombi!

Bevor wir Hpa-an endgültig hinter uns lassen stoppen wir noch an einer letzen Höhle, die trotz der starken Konkurrenz zum heutigen Favoriten avancieren soll: Die Sadan Caves. Der Eingangsbereich wirkt zunächst etwas kitschig mit einem neonfarbenen liegenden Buddha, aber dann gehts auf einem langen Trip ins dunkle Innere, dämmrige Brücke und Stalaktiten inbegriffen . Es gibt zwar elektrisches Licht, aber eine Stirnlampe ist sicher keine schlechte Idee. Und noch ein Tip: Wie üblich ist die Höhle barfuß zu betreten, aber man sollte seine Schlappen in einer Tüte mitnehmen und nicht am Eingang zurück lassen (wie wir). Dazu später mehr!

Hat man die Höhle durchquert, steht man am Ende vor einer großen Felsöffnung und staunt (wahrscheinlich), denn beim Anblick des spiegelglatten Sees vor Felskulisse fühlt man sich abermals in ein Fantasy Epos versetzt. Am Ufer kann man sich ein Boot mieten (Preis habe ich nicht mehr im Kopf aber keiner ist in Ohnmacht gefallen) und sich gemächlich über den See und einen künstlichen Kanal durch die Reisfelder am Berg vorbei rudern lassen.  An einer improvisierten Kneipe ist dann Endstation, der Bootsmann dreht wieder um, der Passagier gönnt sich ein kühles Myanmar Bier, bevor man über einen Feldweg wieder an den eigentlichen Eingang der Höhle zurückkommt. Wer Tip Nr. 2 beherzigt hat, freut sich jetzt auch über die mitgebrachten Schlappen – die Steine können nämlich ziemlich pieksen. Toller Abschluss, nur vereinzelte Müllhaufen konnten die Idylle hier und da stören.

Dann ist es aber wirklich Zeit für den Aufbruch. Über eine Sandpiste gelangen wir zurück zur Hauptstraße und nehmen Kurs auf Mawlamyaing. Das mitgebrachte Spielzeug überbrückt die Fahrzeit auf dem Rücksitz ganz gut – heute im Angebot: Chamäleons und Dinos. Als Bleibe haben wir uns das relativ neue Queen Jamadevi Hotel in einer ruhigen Ecke am Standrand ausgesucht, das auf den ersten Blick schon mal mit modernen Zimmern und nettem Personal überzeugt. Es gibt sicherlich viele interessante Sunset Spots in und um Mawlamyine, aber wer nicht all zu viel Zeit zum Überlegen hat (und die Sonne steht schon mächtig tief), kann mit der Kyaik Thanlan Pagoda eigentlich nicht viel verkehrt machen. Von der Straße aus überbrückt ein Turm den Höhenunterschied zum Plateau, oben dann die übliche Mischung aus goldenen Stupas, Einheimischen, Mönchen und vereinzelten westlichen Gesichtern – der Tourismus scheint in dieser Ecke Myanmars offenbar erst langsam Fahrt aufzunehmen. Das Abendlicht und der Blick auf den Thanlwin (Saluen) Fluss sind heute vom Feinsten, man munkelt übrigens, dass Herr Kipling ggf. hier wertvolle Inspirationen für seine berühmte Mandalay Ballade getankt hat (wo er ja niemals gewesen ist). Denkbar wärs, als die Sonne schließlich irgendwann im Delta entschwindet geht dann auch dieser bewegte Tag endgültig zu Ende. Morgen mehr!

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Let there be rock – zwischen Kyaiktiyo und Kyauk Ka Lat

Wer morgens unter den ersten Besuchern der Kyaiktiyo Pagode alias „Golden Rock“ sein will, muss entweder früh aus den Federn kriechen oder gleich oben am Gipfel übernachten. Als ich gegen 7 vor dem Eternity herum tigere herrscht auf jeden Fall schon reger Betrieb auf der Zubringerstraße, und ich nutze die Gelegenheit, um die Trucks aus der Ferne grob zu inspizieren. Die schlimmsten Befürchtungen malten wir uns etwa so aus: Zahllose Menschen drängeln sich stehend auf der unüberdachten Ladefläche eines schrottreifen Lasters der über eine staubige Sandpiste holpert. Die Realität sieht zumindest im Jahre 2017 anders aus: Die Trucks wirken gepflegt und voll aber nicht überfüllt, von dem Herrn am Heck abgesehen haben alle einen Sitzplatz, und die asphaltierte Straße würde auch im Ruhrgebiet als „gut in Schuss“ durchgehen.

Warten mit Stil

Nach dem Frühstück bringt uns Maumau zum Basecamp, wie die zentrale Pilgerverladestelle gemeinhin genannt wird. Man könnte die Strecke sicher auch problemlos laufen, aber für ihn scheint es eine Frage der Ehre zu sein, mit seinem Toyota immer so weit wie möglich vorzufahren. Wir sind ganz froh, dass er auch mit uns den Weg nach oben antritt, denn touristischen Luxus wie Hinweisschilder, Ticketschalter oder Hinweistafeln sehen wir spontan nicht – im übrigen auch keine Touristen. Wir nehmen in der vorderen Hälfte eines wartenden Trucks Platz und warten bis sich die übrigen Bänke füllen. Es ist eng aber erträglich, und außer den Plätzen neben dem Fahren gibt hier ohnehin nur „Economy Class“ – immerhin mit optionalen Sicherheitsgurten. Kurz vor Ende der Zusteigephase stolpert eine ältere Frau beim Überqueren der Ladefläche, erholt sich zunächst aber fällt dann wenige Minuten nach Abfahrt in eine Art Schock-Ohnmacht. Es dauert zwar etwas bis diese Nachricht zum Fahrer vorgedrungen ist, aber immerhin wird die Dame zügig evakuiert und erholt sich auch wieder, verzichtet aber dann doch auf die Weiterfahrt. Nach einem Tankstop geht es endlich nach oben, und zwar mit einem Tempo das ich den kleinen Lastern in Anbetracht der Steigung nicht zugetraut hätte. Felix sitzt bei Maria auf dem Schoß und trägt den Aufstieg mit Fassung, die knapp 45 Minuten sind auf jeden Fall alles andere als langatmig.

Laut Loose steht ausländischen Touristen am Ende nochmal ein einstündiger Aufstieg mit 300 Höhenmetern bevor, was aber nicht mehr (oder zumindest heute nicht) zu stimmen scheint – alle verlassen den Truck an der Endhaltestelle, wo eine Art Pilgerdorf beginnt. Dass es hier oben inzwischen auch 24h ATMs gibt dürfte Myanmar Pioniere sicher etwas irritieren, insgesamt geht das Treiben aber durchaus als authentisch durch und ist zudem überaus unterhaltsam. Die Angebote der Bambus-Sänften-Träger lehnen wir dankend ab, zahlen aber brav die Touristen-Eintrittsgebühr. Das letzte Drittel ist dann bereits Schuhfreie Zone und einige der Hotels die wir unterwegs passieren sehen sogar recht passabel aus. Natürlich wollen aber früher oder später alle ans Ende, wo der Goldene Fels leuchtend über dem Abgrund schwebt! Angeblich wird der Fels nur von einem einzigen strategisch platzierten Haar Buddhas im inneren der Stupa im Gleichgewicht gehalten, der Aufenthalt auf der Terrasse scheint trotzdem als risikofrei eingestuft zu werden. Es soll ja Besucher geben die am Ende in Anbetracht der mühsam bis abenteuerlichen Anreise eher enttäuscht zurück gekehrt sind – wir fanden sowohl den Fels selbst als auch das Drumherum großartig und jede Minute der Anreise wert, und für Hobbyknipser ist das Motiv ohnehin in Traum da der „Wow Effekt“ zumindest bei gutem Wetter quasi garantiert ist.

Maumau eröffnet uns derweil, dass man bereits mit den Planungen für eine Gondel aus dem Tal begonnen hat, die die Anreise deutlich bequemer machen soll. Ob das Projekt wirklich Fluch, Segen oder beides zugleicht ist, und es es überhaupt in absehbarer Zeit realisiert wird, bleibt abzuwarten. Eigentlich gehört ja die Anreise mit den Einheimischen auch irgendwie zum Gesamterlebnis dazu. Die Talfahrt kam uns dann übrigens auch gleich deutlich geruhsamer vor, und Felix hat es trotz harter Bank und Serpentinen tatsächlich geschafft nach halber Strecke einzudösen – im bequemen Flieger dauert das mitunter erheblich länger 🙂

Nach dem Checkout verabreden wir uns mit Maumau zwecks Weiterreise in den Süden. Das Personal kann es natürlich nicht mit ansehen, dass Gäste einfach so in der prallen Sonne stehen, und stattet uns mit den Warteschirmen des Hauses aus. Die erinnern ein wenig an die lustigen Dekoschirme, die man früher ins Eis gesteckt bekam. Just als wir uns ernsthaft wundern wo der ansonsten immer überpünktliche Herr Maumau wohl abgeblieben ist, taucht er grinsend wieder auf: Offenbar sind wir auf dem Rückweg in eine Schraube gefahren, den Reifen hat er aber mal eben wieder im Ort richten lassen – keine schlechte Performance, bei uns hätte das zeitlich wahrscheinlich gerade mal für einen Kostenvoranschlag gereicht.

Später queren wir die Grenze zum Kayin Staat. Das darf man sich nicht so wie die Landsgrenzen bei uns vorstellen, wo irgendwo ein verwaistet „Willkommen in NRW“ Schild in der Pampa steht: Hier gibt es noch  Schlagbäume und Polizisten, aber zumindest an dieser Grenze keine weitere Formalitäten. Felix interessiert das alles gar nicht, er ist auf dem Rücksitz völlig eins mit dem MP3 Player, den wir mit Yakari, Nimmerlandpiraten und sonstigen Hörspielen randvoll gepackt habe (unvergessen bleibt die legendäre „Plapperfahrt nach Battambang„, bei der wir in Sachen Langzeitbeschäftigung bei Tagesfahrten im Auto noch nicht ganz so versiert waren :-))

Unseren ersten Zwischenstop machen wir bei den Bayin Nyi Naung Höhlen in der Nähe von Thaton, bei dem Maumau ausnahmsweise mal draußen parken muss. Fast noch faszinierender als die Höhle selbst fand ich die bunten an den Hang geklebten Häuschen der Klosters, die sich werbewirksam im vorgelagerten See spiegeln und direkt aus einem Fantasyfilm stammen könnten. Das ist eben Myanmar, da reicht eine an sich schon beeindruckende Höhle nicht aus, es müssen selbstredend noch überall Buddhas hin, ein Tempel davor, ne‘ Stupa auf den Berg, und alles bitte schön in Gold. Hammeranblick! Ein paar Einheimische baden draußen in den angeblich heißen Quellen, normalerweise wäre das das Zeichen für mich da auch rein springen zu wollen, und das Zeichen für Maria mich davon abzuhalten, weil stehende heiße Gewässer in tropischen Gefilden auf der „Meiden“ Liste stehen. Aber mir ist auch gar nicht nach einem Bad, schon seit dem Rückweg vom Goldenen Fels fühle ich mich irgendwie schlapp und unwohl. Die übliche Diagnose wäre jetzt „Kreislauf wegen Rumlaufens bei sengender Mittagshitze“ oder „man wird eben nicht jünger“, aber mein Kreislauf verträgt Hitze (zumindest trockene) normalerweise ganz gut, und so bleibt nur die Hoffnung, dass ich mir nicht irgendeinen lästigen Virus eingefangen habe.

Vor den Toren Hpa-Ans lässt uns Maumau wissen, dass das kulinarische Angebot im Ort jetzt nicht wirklich Michelinverdächtig ist, er aber ein nettes Restaurant außerhalb kennt. Unweit der Thanlwin Brücke liegt es, das „Thai Village Restaurant“ – passend illustriert durch einen verschmitzten Mexikaner mit überdimensionalem Sombrero! Thai Food scheint in der Ecke gerade en vogue zu sein, es entpuppt sich aber als gemütliche und zudem preiswerte Oase mit reichlich Auslauf, und trotz Schläpplichkeit gelingt es mir immerhin einen Riesenpott Tom Yum und eine Cola zu vertilgen. Finaler Stop zum Sonnenuntergang ist heute die Kyauk Ka Lat Pagode südlich von Hpa An. Und wieder so ein Ort an dem man sich fragt: Ist das real? Wo sind die Hobbits? Wer soll bloß später zuhause diese ganzen Bilder ausmisten? Kleiner Wermutstropfen: Die gesamte vordere Hälfte die ich von anderen Aufnahmen als See in Erinnerung habe ist komplett trocken. Das sieht natürlich nicht ganz so märchenhaft aus wie ein spiegelglatter See, auf dem vielleicht noch gerade ein Fischer (oder eine Elfe) herumpaddelt, aber diese Felsnadel kann sowas auch nicht wirklich entstellen. Das Umfeld ist übrigens riesig und attraktiv, also ruhig ordentliche Schuhe und etwas Zeit mitbringen!

Auf dem Heimweg sagen wir auch noch der Sonne Tschüss, die hier im Märchenland natürlich auch nach allen Regeln der Kunst hinter einem Karstfelsen über einem sattgrünen Reisfeld entschwindet. Als Übernachtungsquartier haben wir heute das Thiri Hpa-An gewählt, obwohl es eigentlich über unserem Budget lag. Die Gegend um Hpa-An lockt zwar nicht erst seit gestern viele Reisende an, aber trotzdem ist das Übernachtungsangebot überraschend schwach, und vieles bereits lange vorab ausgebucht. Eins muss man unserer Bleibe lassen:  Riesige Zimmer haben sie, hier hätte man locker eine mittlere Geburtstagsparty feiern können. Leider trügt der erste Anblick etwas, irgendwie ist überall ein wenig der Lack ab und dazu kommt noch das leicht verpeilte Personal (zumindest das männliche – sorry Geschlechtsgenossen). Aber mir ist das heute gerade recht wurscht – das Fieberthermometer zeigt nämlich in der Tat  >38° und ich ziehe mich daher für die nächsten 12h in das überdimensierte Bett zurück, während Maria mit Felix auf Essensjagd gehen. Man sieht sich morgen bei hoffentlich normalen Temperaturen wieder – schließlich wollen noch viele Höhlen erforscht werden!

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Zurück im goldenen Land – Bagos Buddhas und eine kurze Ewigkeit in Kin Pun

Dienstag morgens kurz nach neun: Wir haben die relaxte Oase Ayutthaya Ost gegen den wuseligen Don Muang Airport im Norden Bangkoks getauscht.  Bis zum Abflug nach Yangon sind es noch weit über 2 Stunden, doch die Frage „Was machen wir hier bloß so lange?“ beantwortet sich beim Betreten der Abflughalle von selbst: Warten! An allen Air Asia Schaltern haben sich stattliche Staus gebildet, gespeist werden sie von einer zentralen Riesenschlange, die sich träge durch den kompletten Bereich zieht. Wir stellen uns brav am Ende der Polonaise an, irgendwann ruft ein Spaßvogel verzückt „Hey – they checked somebody in!“, und da man bei Air Asia in der Regel online eincheckt wundern man sich tatsächlich was hier eigentlich solange braucht.

In Yangon immigrieren wir dafür überaus zügig, zumal wir unser Visum bereits im Pass haben. Draußen erwartet ein grinsender Herr im Longyi (Sarong) einen Mr. Till und stellt sich als Maung Maung Aung vor. Es ist zwar nicht der Kollege, mit dem ich die letzten Wochen rege über E-Mail und Facebook kommuniziert habe, aber er kennt unsere Pläne, spricht passables Englisch, hat ein verkehrstüchtigen Auto und besteht auch den ersten Sympathie Check. Der Leser mag sich an dieser Stelle fragen, warum wir soviel Aufhebens um einen Airport Transfer machen, aber Maumau (wir wir unseren fahrenden Freund schnell der Einfachheit halber getauft haben) soll uns nicht etwa ins nächste Yangoner Hotel bringen, sondern uns mit seinem fahrbaren Untersatz eine Woche bis Htee Khee begleiten – ein abgelegener knapp 800km entfernter Grenzübergang im tiefen und touristisch noch recht unberührten Süden Myanmars. Und diesen Trip würde vermutlich nicht jedes herangewunkene Taxi einfach so mitmachen…

Wir verlassen schnell die letzten Ausläufer Yangons und die damit verbundenen Blechlawinen in Richtung Bago. Erster Halt ist Htauk Kyant, ein Soldatenfriedhof auf dem überwiegend alliierte Gefallen des 2. Weltkriegs ihre letzte Ruhe gefunden haben. Laut Loose bringt es zwar großes Unglück einen Friedhof gleich zu Anfang der Reise zu besuchen, aber laut Maumau ist das zumindest für uns Nichtbuddhisten Humbug, zumal unsere Reise ja streng genommen auch schon vor 3 Tagen in Bangkok begonnen hat. Der Anblick der unzähligen Grabsteine stimmt natürlich nachdenklich, vor allem wenn einem anhand der Inschriften bewusst wird, wie jung die meisten Gefallenen waren (wenn sie denn überhaupt namentlich bekannt waren). Aber das gepflegte Grün sorgt für eine parkähnliche und überaus friedliche Atmosphäre, die neben den ausländischen auch viele einheimische Besucher anzuziehen scheint, was ja irgendwie auch wieder im Sinne einer „Gedenkstätte“ ist.

Nach einer schnellen Mahlzeit und dem ersten Myanmar Bier seit 2 Jahren halten wir an der Kyaik Pun Pagode vor den Toren Bagos. Die vier offensichtlich frisch getünchten sitzenden Buddhas decken alle Himmelsrichtungen ab und leuchten fast schon surreal in der späten Mittagssonne. Vor allem sind sie weitaus größer als ich es von Bildern erwarte habe, und ich muss erstmal das Objektiv wechseln, damit alles im Rahmen bleibt. Felix muss derweil erstmal wieder die goldene Myanmar Regel lernen, dass Outdoor Tempel ohne Schuhwerk mächtig heiß werden können, wenn man beim Schattenhüpfen schludert. Als nächstes schauen wir beim liegenden Shwethalyaung Buddha vorbei, dessen kleiner Finger alleine 3 Meter misst (weitere spannende Fakten hier). Hier lohnt auch ein Blick hinter den Buddha – alleine für die Lektüre aller Mosaike würde gewiss ein Nachmittag drauf gehen.  Persönliches Tages-Highlight ist jedoch die Shwemawdaw Pagode, die optisch an die Schwedagon Pagode in Yangon erinnert, wobei es hier wesentlich ruhiger zu geht. Ein Blick in die entlegeneren Winkel deckt die gesamte Myanmar Skala von sympathisch bis kurios ab, wie zum Beispiel urige Wahrsagerhäuschen, freundlich grinsende Melonenverkäuferinnen oder winkende Goldeulen. Obwohl laut Guide in und um Bago noch zahlreiche spannende Sehenswürdigkeiten auf Gäste warten, müssen wir leider nach diesem Trio weiter ziehen, um bei Einbruch der Dunkelheit in Kinpun zu sein. Bago als klassisches Zwischenstopziel erscheint uns mit Blick auf die typische Myanmar Top Ten eher unterbewertet und hätte durchaus eine Übernachtung verdient.

Hinter Bago wird es dann sehr schnell sehr ländlich, und man sieht allenfalls mal hier und da eine kleine Pagode in der Botanik hervor blitzen. Als wir einen See passieren und ich gerade etwas eingedöst bin, malt die untergehende Sonne gerade ein paar besonders kitschige Farben in den myanmarischen Abendhimmel, und wie bestellt tuckert auch noch ein einsames Holzboot gen Osten (da man Touristen hier vergebens sucht werte ich das mal einfach als Glück). Der nächste ungeplante Stop ist dann leider weitaus weniger idyllisch, denn obwohl Maumau recht zivil fährt und auch die Straßen als passabel durchgehen, wird Felix plötzlich schlecht. Es bleibt zum Glück ein Einzelfall, den wir zu gleichen Teilen dem Lutscher aus purem Zucker sowie dem Lesen von kleingedruckten Playmobil Zeitschriften bei voller Fahrt zuschreiben.

Als wir im Eternity Resort hinter Kin Pun einrollen ist es bereits dunkel, daher entstand das Bild nebenan am nächsten Morgen vor dem Frühstück. Gebucht hatten wir bereits vorab, da die Ecke nicht umsonst den Spitznamen „Golden Rock Basecamp“ trägt und manche Unterkünfte schon Monate vorab ausgebucht sind. Das Personal scheint überaus bemüht dem Gast jedem Wunsch zu erfüllen, auch wenn dieser eigentlich wunschlos glücklich ist. Als ich mich kurz im angeschlossenen Lokal umsehen will, werde ich sofort umringt und bestelle aus Verlegenheit ein Bier, für das auch gleich 2 Bedienstete loseilen. Felix Magen hat sich zum Glück wieder beruhigt, und alle erfreuen sich am guten Essen. Auch an den recht modernen Zimmern gibt’s für den moderaten Preis nix zu meckern, einziger Kritikpunkt wären die superweichen Matratzen, bei denen mir mal richtig bewusst wird, warum so viele Leute keine weichen Matratzen mögen. Aber die Nacht wird ohnehin kurz, denn morgen wollen wir zeitig zum Golden Rock aufbrechen! Nach den unterschiedlichen Berichten steigt die Spannung wie abenteuerlich dieser Trip wohl werden wird.

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Ayutthaya bunt und gesund

Radelnde Eltern kennen das Dilemma: Irgendwann will der Nachwuchs einfach nicht mehr so recht in den altgedienten Kindersitz passen, aber der Selbstfahrer Aktionsradius reicht noch kaum über die Stadtgrenze hinaus -und stundenlang passiv im Hänger hocken ist auch keine Option. Doch ausgerechnet im fernen Thailand finden wir bei Recreational Ayutthaya Biking einen Ausweg: Den Weehoo, eine Art mitstrampelfähigen Anhänger, der den Hauptfahrer auch tatsächlich entlastet. So steht der Colors of Ayutthaya Tour nichts mehr im Wege: Ab ins Grüne!

Wir starten am Treffpunkt nördlich des Bahnhofs und reisen natürlich stilgerecht mit unseren Baan Thai Bikes an. Einmal in Fahrt merkt man der Weehoo samt Felix kaum noch, nur beim abbiegen oder rückwärts ausparken hat das Gespann einen Wendekreis wie ein Kleinlaster. Aber in der thailändischen Pampa gibt es ja zum Glück ausreichend Platz und in eben dieser befindet sich unser erster Stop in Form einer Grundschule! Wir hatten letztes Jahr in Kambodscha schon mal eine Schule bei Rulous besucht, aber hier scheint zunächst alles deutlich disziplinierter zuzugehen und die Kids machen fast keinen Mucks, als der Lehrer u. a. versucht uns die Thai Zahlen von 1 – 10 beizubringen. Das ändert sich schlagartig mit dem Beginn der Pause, als alle Schüler fast gleichzeitig auf Felix stürmen, der hier auf dem Lande mit seinen blonden Haaren natürlich ein Exot ist. Ich hatte erst etwas Angst, dass das alles etwas „too much“ ist, aber nach der ersten Schrecksekunde klappt das Miteinander eigentlich ziemlich gut, der schuleigene Spielplatz tut sein Übriges – wenn Integration doch immer so einfach wäre. Der Lehrer scheint ebenfalls mächtig stolz zu sein, dass sich die Langnasen für seine Schule interessiert, obwohl wir gewiss nicht die ersten ausländischen Besucher sind.

Weiter geht’s in gemächlichem Tempo auf überwiegend ruhigen Nebenstraßen vorbei an Reisfeldern und gelegentlichen Tempeln, bis wir bei einem Elefantencamp halten. Wie gestern schon erwähnt, stehen wir den Aktivitäten rund um die Dickhäuter aufgrund zahlreicher Berichte inzwischen eher skeptisch gegenüber. Hier sehen wir zwar niemanden herumreiten und die Tiere machen einen zufriedenen Eindruck, aber ich bin trotzdem froh, dass es sich nur um einen Zwischenstop ohne weitere Aktionen handelt. Unangefochtener Star der Stunde ist ein Baby Elefant mit gewaltigem Zucchini Hunger, der sich weitgehend frei bewegen kann und dies auch ausgiebig ausnutzt. Das Tier ist zwar kaum höher als Felix, aber mindestens genauso agil und weitaus schwerer – da sieht man auch coole Erwachsene ganz flugs weghüpfen!

Der weitere Streckenverlauf bringt uns von Norden aus wieder näher an Ayutthaya heran und es dauert nicht lange bis die ersten Stupas im Feld auftauchen. Die Sonne brutzelt jetzt doch ziemlich umbarmherzig, höchste Zeit für einen Lunchstop. Mit uns ist zwar nur noch eine französische Familie einem Kind im ähnlichen Alter am Start, aber wie nicht anders zu erwarten war, würde die üppige Mischung an Thai Gerichten auch für eine Großfamilie reichen. Fast unbemerkt haben wir eine Runde gedreht und sind etwas überraschend schon wieder in der Stadt. Weiter geht’s ins westliche Zentrum der Altstadt.

Wat Lokayasutharam nötigt förmlich zum Halten. Vom Wat haben wir zwar nicht viel gesehen, aber der Anblick des 37m langen liegenden Buddhas (Phra Buddhasaiyart) mit dem strahlenden safranfarbenen Tuch dürfe auch für alte Tempelhasen nicht alltäglich sein. Ich frage mich was es für ein Aufwand ist mit so einem gigantischen Textil zu hantieren bzw. es zu waschen, aber wo gutes Karma winkt findet sich gewiss auch immer ein Gönner. Unsere Tour führt uns vorbei am Fußende des Buddhas in Richtung Zentrum zum Wat Phra Si Sanphet mit seinen markanten 3 Chedis. Auf den war ich sehr gespannt, schließlich legten wir genau hier im Jahre 2007 unseren ersten und bis dato einzigen Stop in der Stadt ein. Leider plagen mich aber gerade ganz akute Sorgen, die keine Zeit für Sentimentalitäten lassen: Offenbar habe ich beim Lunch doch etwas zu beherzt zugegriffen und brauche jetzt vor allem einen flotten Weg zur nächsten Toilette – gelobt sei die Erfindung des Rades!

Nach dem ungeplanten Abstecher hat sich mein Magen zum Glück schnell wieder beruhigt und ich treffe den Rest der Truppe an einem der wenigen schattigen Plätzchen von Wat Phra Si Sanphet wieder. Viel verändert hat sich hier wahrlich nicht in der letzten Dekade, aber die ersten Bauten datieren schließlich auch zurück ins 15. Jahrhundert. Wir steigen wieder auf unsere Drahtesel und machen uns auf den Weg durch den Park zum letzten Etappenziel Wat Maha That. Ja – da waren wir zwar gestern bereits auf eigene Faust, aber da die Anlage recht abwechslungsreich und weitläufig ist kann man hier auch getrost zweimal aufschlagen. Selbst der eingewachsene Buddhakopf sieht heute irgendwie anders aus, gewiss ist es nur das Licht, aber die (wirklich) allerletzte Aufnahme wird dann auch tatsächlich mein persönlicher Favorit.

Der Hauptgang der Tour ist jetzt eigentlich vorbei, zum Nachtisch winkt aber noch eine besondere Herausforderung: Bekommen wir unsere ganzen Räder und vor allem das Weehoo Gespann ohne Ausfälle auf die klapprige 5 Baht Fähre? Ich bin zunächst skeptisch, aber unsere Recreational Biking Lady signalisiert „Can Do“ und obwohl die Fähre gerade am Nachmittag gut frequentiert ist, bekommen wir alles unter. Als Goodie darf Felix noch neben Frau Kapitän höchstpersönlich Platz nehmen und dabei helfen, den voll beladenden Kahn über den Pasak zu navigieren. Alles in allem war’s ein abwechslungsreicher und trotzdem entspannter Trip ins Umland, der leider auch schon wieder das Ende unsere ersten Reise Etappe einleitet. Bereits morgen wollen wir Thailand wieder verlassen, wohin werdet ihr dann schon sehen. Gute Nacht!
PS: Wer noch nicht müde aber zufällig gerade in der Gegend ist findet in der NoneNine Bike&Bar gegenüber des Bahnhofs preiswertes Futter und kaltes Bier, und wer dann noch Kraftreserven hat kann nach Einbruch der Dunkelheit zum Wat Phra Si Sanphet radeln, der neben ein paar anderen erlesenen Tempeln nachts angestrahlt wird!

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Ayutthaya oder: Man sieht sich immer zweimal

Till 2007 – weniger graue Haare, doch das Hemd sitzt & reist heute noch

Zeitsprung November 2007: die TiMas (damals noch ohne Fe) befinden sich auf ihrer ersten Südostasientour und machen Halt in der altehrwürdigen Königsstadt Ayutthaya. Viel Auslauf lässt der Guide „Schoko“ unserem kleinen Grüppchen nicht für Sightseeing, der Bus soll heute schließlich noch bis ins ferne Sukhothai rollen. Und so bleiben als Erinnerung nur ein paar Bildchen von Wat Phra Sri Sanphet und die Erkenntnis, dass wir beim nächsten Besuch vielleicht etwas mehr Zeit im Gepäck haben sollten. Trotz zahlreicher Abstecher ins Land des Lächelns sollte es dann doch stolze 10 Jahre bis zu unserem nächsten Besuch dauern. Dieses Mal auf eigene Faust ohne Schoko und Bus, dafür aber mit Nachwuchs und 3 Nächten Puffer – das sollte doch eigentlich genügen ?!? Wir werden sehen ….

2017: Die Sonne hat sich bereits verabschiedet, als wir Samstags Abends in Bangkok landen. Knapp 100km bzw. 90 Minuten sind es bis Ayutthaya. Zuhause würde man im Traum nicht auf die Idee kommen, diese Strecke mit der Taxe zu fahren, aber der Taxifahrer am Flughafen zück die Preisliste und ruft 1300 Baht (ca. 35€) ab. Das klingt nach einem fairen Deal für eine vollgepackte schlappe Familie, zumal es ohne Zwischenstopp in Bangkok um diese Zeit ohnehin keine bequeme billigere Alternative gäbe. Unsere überaus schnuckelige Bleibe Baan Thai House liegt im Osten der Stadt weit ab vom Trubel, sieht zumindest im Dunkeln alles sehr gemütlich und geschmackvoll aus. Ja, ich denke hier werden wir uns wohl fühlen!

Am Morgen bin ich kurz vor Sonnenaufgang auf den Beinen und schnappe mir eins der Räder, die es hier dankenswerterweise kostenlos zu leihen gibt. Ein richtiges Ziel habe ich eigentlich nicht, ich freue mich einfach wieder in asiatischen Gefilden zu sein. Ayutthaya gilt zwar als Top Touristenziel, aber wie wir damals vor 10 Jahren halten die meisten Gäste nur für eine Weilchen im historischen Park, machen noch ein schnelles Selfie vorm eingewachsenen Buddha im Wat Mahathat, und weiter geht die Reise. Abseits der Attraktionen ist die Stadt wie an diesem Morgen überraschend relaxt und voller typischer „Thai-Life“ Szenen: Ein Fischer zieht ein leeres Netz aus dem Fluss, um die Ecke döst ein Hund vorm Buddha, dort tuckert ein mobiler Food Stall vorbei, und am Dorfplatz schneidet der Coiffeur vom Dienst allen Frisierwilligen im Freien die Haare. Die letzten Wochen in der Heimat waren durchaus recht stressig, aber das ist jetzt alles schon weit weg und vergessen. Yoga und Wellness können anderen machen, ich habe meine Methode gefunden: Eine Stunde radeln durch Ost-Ayutthaya. Sollte man sich öfter gönnen wenn da nicht die langen Flüge wären 🙂


Mittags geht die Familie nach einem entspannten After-Breakfast-Swim im Hotelpool geschlossen auf Radtour, dank des gepolsterten Gepäckträgers brauchen wir für Felix nicht mal einen Kindersitz – hach, sie werden so schnell erwachsen! Nach der Querung des Bahnhofs müssen wir auch über den Pa Sak Fluss, der zumindest tagsüber permanent von einer kleinen Holzfähre bedient wird. Räder können für 5 Baht mitgenommen werden, und vom Anleger ist es dann auch nicht mehr weit bis zum immergrünen Historical Park, wo sich die meisten kulturellen Highlights befinden. Das Verkehrsaufkommen hält sich übrigens in Grenzen, man sollte sich eher vor Hunden und Touristen auf Rollern in Acht nehmen.

Als erstes nehmen wir Kurs auf Wat Maha That, die wohl bekannteste Anlage. Das liegt in diesem Fall weniger an den Bauten als an dem eingewachsenen Buddhakopf, der fast schon eine Art Wahrzeichen der Stadt ist und gewiss auch Millionen von Selfies ziert. Angeblich wurde der Kopf im 18. Jahrhundert dort verbuddelt, um ihn vor brandschatzenden burmesischen Truppen zu verbergen, und ist dann im Laufe der Jahre mit den Baumwurzeln wieder zu Tage gefördert worden – oder war es doch eine der anderen Theorien und Legenden? Hier tummeln sich dann auch die meisten Besucher, der Rest des Geländes gleicht einem Steinlabyrinth auf teils verfallenen, teils restaurierten Tempeln und  ist vergleichsweise ruhig, obwohl heute sogar Sonntag ist. Noch entspannter geht es am Wat Phra Ram Komplex ca. 10 Radminuten entfernt zu. Ein paar Mädels in knappen  und keinesfalls tempelkompatiblen Outfits posen vor dem Mauerwerk und knipsen wie wild, ansonsten sind wir fast die einzigen, die am Spätnachmittag die steilen Steintreppen erklimmen. Überall im „Altstadtbereich“ sieht man auch Elefanten die hier als eine Art Touristentaxi fungieren. Das gibt der Gegend zwar ein exotischen Flair, stößt aber inzwischen auch außerhalb von Tierschutzkreisen zunehmend auf Ablehnung. Unser Rat: Nehmt lieber das Rad – die Stadt ist überschaubar genug und vor allem flach!

Abends haben wir über das Baan Thai House eine Bootstour gebucht. Die Boote legen in der Nähe des Bahnhofs auf dem Chao Phraya Seitenarm Pa Sak ab und drehen quasi eine Runde um die Innenstadt-Insel, Endstation ist der Nachmarkt im Norden. Die Stops sind scheinbar unabhängig des Anbieters weitgehend identisch, zumindest begegnen uns unterwegs stets die gleichen Leute. Da wäre zunächst Wat Phanan Choeng mit seinem riesigen 19 Meter hohen goldenen Buddha ( für die Detailverliebten unter den Lesern: Kniespannweite 20,1 Meter), dicht gefolgt von weitläufigen Wat Phutthaisawan in dem es nicht nur liegende und sitzende Buddhas zu entdecken gibt. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Aufenthaltsdauer, die mit mit ca. 15 Minuten pro Tempel eher knapp bemessen ist.

Kurz bevor es dunkel wird gehen wir am Wat Chai Watthanaram vor Anker, wahrscheinlich weil die acht Chedi-ähnlichen Kapellen (wieder ein neues Adjektiv gelernt) im Licht der untergehenden Sonne besonders pittoresk aussehen, oder vielleicht auch nur weil es der letzte größere Tempelkomplex auf dem Wasserweg ist. Am Schluss dinieren wir wie es sich gehört mit 1a Streetfood vom Nachmarkt. Maria ist ja meist eher etwas skeptisch an solchen Ständen, zumal man mangels englischer Beschriftungen oft auch nicht so genau weiß, welche Zutaten der Standbesitzer da gerade im Schweiße seines Angesichts zusammenbrutzelt. Aber hier macht alles einen überaus ordentlichen Eindruck, es gibt (englisch angepriesen!) Saté Spieße, Pad Thai und eine Art Shrimp Omlette (?), und auch Stunden später meldet keiner unsere Mägen verdächtige Reaktionen. Das war also Teil 1 unseres Wiedersehens mit Ayutthaya, und obwohl wir schon ein stattliches Programm absolviert haben sind wir auf jeden Fall froh, dass wir noch 2 Nächte im Lande sind.

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