Let there be rock – zwischen Kyaiktiyo und Kyauk Ka Lat

Wer morgens unter den ersten Besuchern der Kyaiktiyo Pagode alias „Golden Rock“ sein will, muss entweder früh aus den Federn kriechen oder gleich oben am Gipfel übernachten. Als ich gegen 7 vor dem Eternity herum tigere herrscht auf jeden Fall schon reger Betrieb auf der Zubringerstraße, und ich nutze die Gelegenheit, um die Trucks aus der Ferne grob zu inspizieren. Die schlimmsten Befürchtungen malten wir uns etwa so aus: Zahllose Menschen drängeln sich stehend auf der unüberdachten Ladefläche eines schrottreifen Lasters der über eine staubige Sandpiste holpert. Die Realität sieht zumindest im Jahre 2017 anders aus: Die Trucks wirken gepflegt und voll aber nicht überfüllt, von dem Herrn am Heck abgesehen haben alle einen Sitzplatz, und die asphaltierte Straße würde auch im Ruhrgebiet als „gut in Schuss“ durchgehen.

Warten mit Stil

Nach dem Frühstück bringt uns Maumau zum Basecamp, wie die zentrale Pilgerverladestelle gemeinhin genannt wird. Man könnte die Strecke sicher auch problemlos laufen, aber für ihn scheint es eine Frage der Ehre zu sein, mit seinem Toyota immer so weit wie möglich vorzufahren. Wir sind ganz froh, dass er auch mit uns den Weg nach oben antritt, denn touristischen Luxus wie Hinweisschilder, Ticketschalter oder Hinweistafeln sehen wir spontan nicht – im übrigen auch keine Touristen. Wir nehmen in der vorderen Hälfte eines wartenden Trucks Platz und warten bis sich die übrigen Bänke füllen. Es ist eng aber erträglich, und außer den Plätzen neben dem Fahren gibt hier ohnehin nur „Economy Class“ – immerhin mit optionalen Sicherheitsgurten. Kurz vor Ende der Zusteigephase stolpert eine ältere Frau beim Überqueren der Ladefläche, erholt sich zunächst aber fällt dann wenige Minuten nach Abfahrt in eine Art Schock-Ohnmacht. Es dauert zwar etwas bis diese Nachricht zum Fahrer vorgedrungen ist, aber immerhin wird die Dame zügig evakuiert und erholt sich auch wieder, verzichtet aber dann doch auf die Weiterfahrt. Nach einem Tankstop geht es endlich nach oben, und zwar mit einem Tempo das ich den kleinen Lastern in Anbetracht der Steigung nicht zugetraut hätte. Felix sitzt bei Maria auf dem Schoß und trägt den Aufstieg mit Fassung, die knapp 45 Minuten sind auf jeden Fall alles andere als langatmig.

Laut Loose steht ausländischen Touristen am Ende nochmal ein einstündiger Aufstieg mit 300 Höhenmetern bevor, was aber nicht mehr (oder zumindest heute nicht) zu stimmen scheint – alle verlassen den Truck an der Endhaltestelle, wo eine Art Pilgerdorf beginnt. Dass es hier oben inzwischen auch 24h ATMs gibt dürfte Myanmar Pioniere sicher etwas irritieren, insgesamt geht das Treiben aber durchaus als authentisch durch und ist zudem überaus unterhaltsam. Die Angebote der Bambus-Sänften-Träger lehnen wir dankend ab, zahlen aber brav die Touristen-Eintrittsgebühr. Das letzte Drittel ist dann bereits Schuhfreie Zone und einige der Hotels die wir unterwegs passieren sehen sogar recht passabel aus. Natürlich wollen aber früher oder später alle ans Ende, wo der Goldene Fels leuchtend über dem Abgrund schwebt! Angeblich wird der Fels nur von einem einzigen strategisch platzierten Haar Buddhas im inneren der Stupa im Gleichgewicht gehalten, der Aufenthalt auf der Terrasse scheint trotzdem als risikofrei eingestuft zu werden. Es soll ja Besucher geben die am Ende in Anbetracht der mühsam bis abenteuerlichen Anreise eher enttäuscht zurück gekehrt sind – wir fanden sowohl den Fels selbst als auch das Drumherum großartig und jede Minute der Anreise wert, und für Hobbyknipser ist das Motiv ohnehin in Traum da der „Wow Effekt“ zumindest bei gutem Wetter quasi garantiert ist.

Maumau eröffnet uns derweil, dass man bereits mit den Planungen für eine Gondel aus dem Tal begonnen hat, die die Anreise deutlich bequemer machen soll. Ob das Projekt wirklich Fluch, Segen oder beides zugleicht ist, und es es überhaupt in absehbarer Zeit realisiert wird, bleibt abzuwarten. Eigentlich gehört ja die Anreise mit den Einheimischen auch irgendwie zum Gesamterlebnis dazu. Die Talfahrt kam uns dann übrigens auch gleich deutlich geruhsamer vor, und Felix hat es trotz harter Bank und Serpentinen tatsächlich geschafft nach halber Strecke einzudösen – im bequemen Flieger dauert das mitunter erheblich länger 🙂

Nach dem Checkout verabreden wir uns mit Maumau zwecks Weiterreise in den Süden. Das Personal kann es natürlich nicht mit ansehen, dass Gäste einfach so in der prallen Sonne stehen, und stattet uns mit den Warteschirmen des Hauses aus. Die erinnern ein wenig an die lustigen Dekoschirme, die man früher ins Eis gesteckt bekam. Just als wir uns ernsthaft wundern wo der ansonsten immer überpünktliche Herr Maumau wohl abgeblieben ist, taucht er grinsend wieder auf: Offenbar sind wir auf dem Rückweg in eine Schraube gefahren, den Reifen hat er aber mal eben wieder im Ort richten lassen – keine schlechte Performance, bei uns hätte das zeitlich wahrscheinlich gerade mal für einen Kostenvoranschlag gereicht.

Später queren wir die Grenze zum Kayin Staat. Das darf man sich nicht so wie die Landsgrenzen bei uns vorstellen, wo irgendwo ein verwaistet „Willkommen in NRW“ Schild in der Pampa steht: Hier gibt es noch  Schlagbäume und Polizisten, aber zumindest an dieser Grenze keine weitere Formalitäten. Felix interessiert das alles gar nicht, er ist auf dem Rücksitz völlig eins mit dem MP3 Player, den wir mit Yakari, Nimmerlandpiraten und sonstigen Hörspielen randvoll gepackt habe (unvergessen bleibt die legendäre „Plapperfahrt nach Battambang„, bei der wir in Sachen Langzeitbeschäftigung bei Tagesfahrten im Auto noch nicht ganz so versiert waren :-))

Unseren ersten Zwischenstop machen wir bei den Bayin Nyi Naung Höhlen in der Nähe von Thaton, bei dem Maumau ausnahmsweise mal draußen parken muss. Fast noch faszinierender als die Höhle selbst fand ich die bunten an den Hang geklebten Häuschen der Klosters, die sich werbewirksam im vorgelagerten See spiegeln und direkt aus einem Fantasyfilm stammen könnten. Das ist eben Myanmar, da reicht eine an sich schon beeindruckende Höhle nicht aus, es müssen selbstredend noch überall Buddhas hin, ein Tempel davor, ne‘ Stupa auf den Berg, und alles bitte schön in Gold. Hammeranblick! Ein paar Einheimische baden draußen in den angeblich heißen Quellen, normalerweise wäre das das Zeichen für mich da auch rein springen zu wollen, und das Zeichen für Maria mich davon abzuhalten, weil stehende heiße Gewässer in tropischen Gefilden auf der „Meiden“ Liste stehen. Aber mir ist auch gar nicht nach einem Bad, schon seit dem Rückweg vom Goldenen Fels fühle ich mich irgendwie schlapp und unwohl. Die übliche Diagnose wäre jetzt „Kreislauf wegen Rumlaufens bei sengender Mittagshitze“ oder „man wird eben nicht jünger“, aber mein Kreislauf verträgt Hitze (zumindest trockene) normalerweise ganz gut, und so bleibt nur die Hoffnung, dass ich mir nicht irgendeinen lästigen Virus eingefangen habe.

Vor den Toren Hpa-Ans lässt uns Maumau wissen, dass das kulinarische Angebot im Ort jetzt nicht wirklich Michelinverdächtig ist, er aber ein nettes Restaurant außerhalb kennt. Unweit der Thanlwin Brücke liegt es, das „Thai Village Restaurant“ – passend illustriert durch einen verschmitzten Mexikaner mit überdimensionalem Sombrero! Thai Food scheint in der Ecke gerade en vogue zu sein, es entpuppt sich aber als gemütliche und zudem preiswerte Oase mit reichlich Auslauf, und trotz Schläpplichkeit gelingt es mir immerhin einen Riesenpott Tom Yum und eine Cola zu vertilgen. Finaler Stop zum Sonnenuntergang ist heute die Kyauk Ka Lat Pagode südlich von Hpa An. Und wieder so ein Ort an dem man sich fragt: Ist das real? Wo sind die Hobbits? Wer soll bloß später zuhause diese ganzen Bilder ausmisten? Kleiner Wermutstropfen: Die gesamte vordere Hälfte die ich von anderen Aufnahmen als See in Erinnerung habe ist komplett trocken. Das sieht natürlich nicht ganz so märchenhaft aus wie ein spiegelglatter See, auf dem vielleicht noch gerade ein Fischer (oder eine Elfe) herumpaddelt, aber diese Felsnadel kann sowas auch nicht wirklich entstellen. Das Umfeld ist übrigens riesig und attraktiv, also ruhig ordentliche Schuhe und etwas Zeit mitbringen!

Auf dem Heimweg sagen wir auch noch der Sonne Tschüss, die hier im Märchenland natürlich auch nach allen Regeln der Kunst hinter einem Karstfelsen über einem sattgrünen Reisfeld entschwindet. Als Übernachtungsquartier haben wir heute das Thiri Hpa-An gewählt, obwohl es eigentlich über unserem Budget lag. Die Gegend um Hpa-An lockt zwar nicht erst seit gestern viele Reisende an, aber trotzdem ist das Übernachtungsangebot überraschend schwach, und vieles bereits lange vorab ausgebucht. Eins muss man unserer Bleibe lassen:  Riesige Zimmer haben sie, hier hätte man locker eine mittlere Geburtstagsparty feiern können. Leider trügt der erste Anblick etwas, irgendwie ist überall ein wenig der Lack ab und dazu kommt noch das leicht verpeilte Personal (zumindest das männliche – sorry Geschlechtsgenossen). Aber mir ist das heute gerade recht wurscht – das Fieberthermometer zeigt nämlich in der Tat  >38° und ich ziehe mich daher für die nächsten 12h in das überdimensierte Bett zurück, während Maria mit Felix auf Essensjagd gehen. Man sieht sich morgen bei hoffentlich normalen Temperaturen wieder – schließlich wollen noch viele Höhlen erforscht werden!

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Zurück im goldenen Land – Bagos Buddhas und eine kurze Ewigkeit in Kin Pun

Dienstag morgens kurz nach neun: Wir haben die relaxte Oase Ayutthaya Ost gegen den wuseligen Don Muang Airport im Norden Bangkoks getauscht.  Bis zum Abflug nach Yangon sind es noch weit über 2 Stunden, doch die Frage „Was machen wir hier bloß so lange?“ beantwortet sich beim Betreten der Abflughalle von selbst: Warten! An allen Air Asia Schaltern haben sich stattliche Staus gebildet, gespeist werden sie von einer zentralen Riesenschlange, die sich träge durch den kompletten Bereich zieht. Wir stellen uns brav am Ende der Polonaise an, irgendwann ruft ein Spaßvogel verzückt „Hey – they checked somebody in!“, und da man bei Air Asia in der Regel online eincheckt wundern man sich tatsächlich was hier eigentlich solange braucht.

In Yangon immigrieren wir dafür überaus zügig, zumal wir unser Visum bereits im Pass haben. Draußen erwartet ein grinsender Herr im Longyi (Sarong) einen Mr. Till und stellt sich als Maung Maung Aung vor. Es ist zwar nicht der Kollege, mit dem ich die letzten Wochen rege über E-Mail und Facebook kommuniziert habe, aber er kennt unsere Pläne, spricht passables Englisch, hat ein verkehrstüchtigen Auto und besteht auch den ersten Sympathie Check. Der Leser mag sich an dieser Stelle fragen, warum wir soviel Aufhebens um einen Airport Transfer machen, aber Maumau (wir wir unseren fahrenden Freund schnell der Einfachheit halber getauft haben) soll uns nicht etwa ins nächste Yangoner Hotel bringen, sondern uns mit seinem fahrbaren Untersatz eine Woche bis Htee Khee begleiten – ein abgelegener knapp 800km entfernter Grenzübergang im tiefen und touristisch noch recht unberührten Süden Myanmars. Und diesen Trip würde vermutlich nicht jedes herangewunkene Taxi einfach so mitmachen…

Wir verlassen schnell die letzten Ausläufer Yangons und die damit verbundenen Blechlawinen in Richtung Bago. Erster Halt ist Htauk Kyant, ein Soldatenfriedhof auf dem überwiegend alliierte Gefallen des 2. Weltkriegs ihre letzte Ruhe gefunden haben. Laut Loose bringt es zwar großes Unglück einen Friedhof gleich zu Anfang der Reise zu besuchen, aber laut Maumau ist das zumindest für uns Nichtbuddhisten Humbug, zumal unsere Reise ja streng genommen auch schon vor 3 Tagen in Bangkok begonnen hat. Der Anblick der unzähligen Grabsteine stimmt natürlich nachdenklich, vor allem wenn einem anhand der Inschriften bewusst wird, wie jung die meisten Gefallenen waren (wenn sie denn überhaupt namentlich bekannt waren). Aber das gepflegte Grün sorgt für eine parkähnliche und überaus friedliche Atmosphäre, die neben den ausländischen auch viele einheimische Besucher anzuziehen scheint, was ja irgendwie auch wieder im Sinne einer „Gedenkstätte“ ist.

Nach einer schnellen Mahlzeit und dem ersten Myanmar Bier seit 2 Jahren halten wir an der Kyaik Pun Pagode vor den Toren Bagos. Die vier offensichtlich frisch getünchten sitzenden Buddhas decken alle Himmelsrichtungen ab und leuchten fast schon surreal in der späten Mittagssonne. Vor allem sind sie weitaus größer als ich es von Bildern erwarte habe, und ich muss erstmal das Objektiv wechseln, damit alles im Rahmen bleibt. Felix muss derweil erstmal wieder die goldene Myanmar Regel lernen, dass Outdoor Tempel ohne Schuhwerk mächtig heiß werden können, wenn man beim Schattenhüpfen schludert. Als nächstes schauen wir beim liegenden Shwethalyaung Buddha vorbei, dessen kleiner Finger alleine 3 Meter misst (weitere spannende Fakten hier). Hier lohnt auch ein Blick hinter den Buddha – alleine für die Lektüre aller Mosaike würde gewiss ein Nachmittag drauf gehen.  Persönliches Tages-Highlight ist jedoch die Shwemawdaw Pagode, die optisch an die Schwedagon Pagode in Yangon erinnert, wobei es hier wesentlich ruhiger zu geht. Ein Blick in die entlegeneren Winkel deckt die gesamte Myanmar Skala von sympathisch bis kurios ab, wie zum Beispiel urige Wahrsagerhäuschen, freundlich grinsende Melonenverkäuferinnen oder winkende Goldeulen. Obwohl laut Guide in und um Bago noch zahlreiche spannende Sehenswürdigkeiten auf Gäste warten, müssen wir leider nach diesem Trio weiter ziehen, um bei Einbruch der Dunkelheit in Kinpun zu sein. Bago als klassisches Zwischenstopziel erscheint uns mit Blick auf die typische Myanmar Top Ten eher unterbewertet und hätte durchaus eine Übernachtung verdient.

Hinter Bago wird es dann sehr schnell sehr ländlich, und man sieht allenfalls mal hier und da eine kleine Pagode in der Botanik hervor blitzen. Als wir einen See passieren und ich gerade etwas eingedöst bin, malt die untergehende Sonne gerade ein paar besonders kitschige Farben in den myanmarischen Abendhimmel, und wie bestellt tuckert auch noch ein einsames Holzboot gen Osten (da man Touristen hier vergebens sucht werte ich das mal einfach als Glück). Der nächste ungeplante Stop ist dann leider weitaus weniger idyllisch, denn obwohl Maumau recht zivil fährt und auch die Straßen als passabel durchgehen, wird Felix plötzlich schlecht. Es bleibt zum Glück ein Einzelfall, den wir zu gleichen Teilen dem Lutscher aus purem Zucker sowie dem Lesen von kleingedruckten Playmobil Zeitschriften bei voller Fahrt zuschreiben.

Als wir im Eternity Resort hinter Kin Pun einrollen ist es bereits dunkel, daher entstand das Bild nebenan am nächsten Morgen vor dem Frühstück. Gebucht hatten wir bereits vorab, da die Ecke nicht umsonst den Spitznamen „Golden Rock Basecamp“ trägt und manche Unterkünfte schon Monate vorab ausgebucht sind. Das Personal scheint überaus bemüht dem Gast jedem Wunsch zu erfüllen, auch wenn dieser eigentlich wunschlos glücklich ist. Als ich mich kurz im angeschlossenen Lokal umsehen will, werde ich sofort umringt und bestelle aus Verlegenheit ein Bier, für das auch gleich 2 Bedienstete loseilen. Felix Magen hat sich zum Glück wieder beruhigt, und alle erfreuen sich am guten Essen. Auch an den recht modernen Zimmern gibt’s für den moderaten Preis nix zu meckern, einziger Kritikpunkt wären die superweichen Matratzen, bei denen mir mal richtig bewusst wird, warum so viele Leute keine weichen Matratzen mögen. Aber die Nacht wird ohnehin kurz, denn morgen wollen wir zeitig zum Golden Rock aufbrechen! Nach den unterschiedlichen Berichten steigt die Spannung wie abenteuerlich dieser Trip wohl werden wird.

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Ayutthaya bunt und gesund

Radelnde Eltern kennen das Dilemma: Irgendwann will der Nachwuchs einfach nicht mehr so recht in den altgedienten Kindersitz passen, aber der Selbstfahrer Aktionsradius reicht noch kaum über die Stadtgrenze hinaus -und stundenlang passiv im Hänger hocken ist auch keine Option. Doch ausgerechnet im fernen Thailand finden wir bei „Recreational Ayutthaya Biking“ einen Ausweg: Den Weehoo, eine Art mitstrampelfähigen Anhänger, der den Hauptfahrer auch tatsächlich entlastet. So steht der Colors of Ayutthaya Tour nichts mehr im Wege: Ab ins Grüne!

Wir starten am Treffpunkt nördlich des Bahnhofs und reisen natürlich stilgerecht mit unseren Baan Thai Bikes an. Einmal in Fahrt merkt man der Weehoo samt Felix kaum noch, nur beim abbiegen oder rückwärts ausparken hat das Gespann einen Wendekreis wie ein Kleinlaster. Aber in der thailändischen Pampa gibt es ja zum Glück ausreichend Platz und in eben dieser befindet sich unser erster Stop in Form einer Grundschule! Wir hatten letztes Jahr in Kambodscha schon mal eine Schule bei Rulous besucht, aber hier scheint zunächst alles deutlich disziplinierter zuzugehen und die Kids machen fast keinen Mucks, als der Lehrer u. a. versucht uns die Thai Zahlen von 1 – 10 beizubringen. Das ändert sich schlagartig mit dem Beginn der Pause, als alle Schüler fast gleichzeitig auf Felix stürmen, der hier auf dem Lande mit seinen blonden Haaren natürlich ein Exot ist. Ich hatte erst etwas Angst, dass das alles etwas „too much“ ist, aber nach der ersten Schrecksekunde klappt das Miteinander eigentlich ziemlich gut, der schuleigene Spielplatz tut sein Übriges – wenn Integration doch immer so einfach wäre. Der Lehrer scheint ebenfalls mächtig stolz zu sein, dass sich die Langnasen für seine Schule interessiert, obwohl wir gewiss nicht die ersten ausländischen Besucher sind.

Weiter geht’s in gemächlichem Tempo auf überwiegend ruhigen Nebenstraßen vorbei an Reisfeldern und gelegentlichen Tempeln, bis wir bei einem Elefantencamp halten. Wie gestern schon erwähnt, stehen wir den Aktivitäten rund um die Dickhäuter aufgrund zahlreicher Berichte inzwischen eher skeptisch gegenüber. Hier sehen wir zwar niemanden herumreiten und die Tiere machen einen zufriedenen Eindruck, aber ich bin trotzdem froh, dass es sich nur um einen Zwischenstop ohne weitere Aktionen handelt. Unangefochtener Star der Stunde ist ein Baby Elefant mit gewaltigem Zucchini Hunger, der sich weitgehend frei bewegen kann und dies auch ausgiebig ausnutzt. Das Tier ist zwar kaum höher als Felix, aber mindestens genauso agil und weitaus schwerer – da sieht man auch coole Erwachsene ganz flugs weghüpfen!

Der weitere Streckenverlauf bringt uns von Norden aus wieder näher an Ayutthaya heran und es dauert nicht lange bis die ersten Stupas im Feld auftauchen. Die Sonne brutzelt jetzt doch ziemlich umbarmherzig, höchste Zeit für einen Lunchstop. Mit uns ist zwar nur noch eine französische Familie einem Kind im ähnlichen Alter am Start, aber wie nicht anders zu erwarten war, würde die üppige Mischung an Thai Gerichten auch für eine Großfamilie reichen. Fast unbemerkt haben wir eine Runde gedreht und sind etwas überraschend schon wieder in der Stadt. Weiter geht’s ins westliche Zentrum der Altstadt.

Wat Lokayasutharam nötigt förmlich zum Halten. Vom Wat haben wir zwar nicht viel gesehen, aber der Anblick des 37m langen liegenden Buddhas (Phra Buddhasaiyart) mit dem strahlenden safranfarbenen Tuch dürfe auch für alte Tempelhasen nicht alltäglich sein. Ich frage mich was es für ein Aufwand ist mit so einem gigantischen Textil zu hantieren bzw. es zu waschen, aber wo gutes Karma winkt findet sich gewiss auch immer ein Gönner. Unsere Tour führt uns vorbei am Fußende des Buddhas in Richtung Zentrum zum Wat Phra Si Sanphet mit seinen markanten 3 Chedis. Auf den war ich sehr gespannt, schließlich legten wir genau hier im Jahre 2007 unseren ersten und bis dato einzigen Stop in der Stadt ein. Leider plagen mich aber gerade ganz akute Sorgen, die keine Zeit für Sentimentalitäten lassen: Offenbar habe ich beim Lunch doch etwas zu beherzt zugegriffen und brauche jetzt vor allem einen flotten Weg zur nächsten Toilette – gelobt sei die Erfindung des Rades!

Nach dem ungeplanten Abstecher hat sich mein Magen zum Glück schnell wieder beruhigt und ich treffe den Rest der Truppe an einem der wenigen schattigen Plätzchen von Wat Phra Si Sanphet wieder. Viel verändert hat sich hier wahrlich nicht in der letzten Dekade, aber die ersten Bauten datieren schließlich auch zurück ins 15. Jahrhundert. Wir steigen wieder auf unsere Drahtesel und machen uns auf den Weg durch den Park zum letzten Etappenziel Wat Maha That. Ja – da waren wir zwar gestern bereits auf eigene Faust, aber da die Anlage recht abwechslungsreich und weitläufig ist kann man hier auch getrost zweimal aufschlagen. Selbst der eingewachsene Buddhakopf sieht heute irgendwie anders aus, gewiss ist es nur das Licht, aber die (wirklich) allerletzte Aufnahme wird dann auch tatsächlich mein persönlicher Favorit.

Der Hauptgang der Tour ist jetzt eigentlich vorbei, zum Nachtisch winkt aber noch eine besondere Herausforderung: Bekommen wir unsere ganzen Räder und vor allem das Weehoo Gespann ohne Ausfälle auf die klapprige 5 Baht Fähre? Ich bin zunächst skeptisch, aber unsere Recreational Biking Lady signalisiert „Can Do“ und obwohl die Fähre gerade am Nachmittag gut frequentiert ist, bekommen wir alles unter. Als Goodie darf Felix noch neben Frau Kapitän höchstpersönlich Platz nehmen und dabei helfen, den voll beladenden Kahn über den Pasak zu navigieren. Alles in allem war’s ein abwechslungsreicher und trotzdem entspannter Trip ins Umland, der leider auch schon wieder das Ende unsere ersten Reise Etappe einleitet. Bereits morgen wollen wir Thailand wieder verlassen, wohin werdet ihr dann schon sehen. Gute Nacht!
PS: Wer noch nicht müde aber zufällig gerade in der Gegend ist findet in der NoneNine Bike&Bar gegenüber des Bahnhofs preiswertes Futter und kaltes Bier, und wer dann noch Kraftreserven hat kann nach Einbruch der Dunkelheit zum Wat Phra Si Sanphet radeln, der neben ein paar anderen erlesenen Tempeln nachts angestrahlt wird!

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Ayutthaya oder: Man sieht sich immer zweimal

Till 2007 – weniger graue Haare, doch das Hemd sitzt & reist heute noch

Zeitsprung November 2007: die TiMas (damals noch ohne Fe) befinden sich auf ihrer ersten Südostasientour und machen Halt in der altehrwürdigen Königsstadt Ayutthaya. Viel Auslauf lässt der Guide „Schoko“ unserem kleinen Grüppchen nicht für Sightseeing, der Bus soll heute schließlich noch bis ins ferne Sukhothai rollen. Und so bleiben als Erinnerung nur ein paar Bildchen von Wat Phra Sri Sanphet und die Erkenntnis, dass wir beim nächsten Besuch vielleicht etwas mehr Zeit im Gepäck haben sollten. Trotz zahlreicher Abstecher ins Land des Lächelns sollte es dann doch stolze 10 Jahre bis zu unserem nächsten Besuch dauern. Dieses Mal auf eigene Faust ohne Schoko und Bus, dafür aber mit Nachwuchs und 3 Nächten Puffer – das sollte doch eigentlich genügen ?!? Wir werden sehen ….

2017: Die Sonne hat sich bereits verabschiedet, als wir Samstags Abends in Bangkok landen. Knapp 100km bzw. 90 Minuten sind es bis Ayutthaya. Zuhause würde man im Traum nicht auf die Idee kommen, diese Strecke mit der Taxe zu fahren, aber der Taxifahrer am Flughafen zück die Preisliste und ruft 1300 Baht (ca. 35€) ab. Das klingt nach einem fairen Deal für eine vollgepackte schlappe Familie, zumal es ohne Zwischenstopp in Bangkok um diese Zeit ohnehin keine bequeme billigere Alternative gäbe. Unsere überaus schnuckelige Bleibe Baan Thai House liegt im Osten der Stadt weit ab vom Trubel, sieht zumindest im Dunkeln alles sehr gemütlich und geschmackvoll aus. Ja, ich denke hier werden wir uns wohl fühlen!

Am Morgen bin ich kurz vor Sonnenaufgang auf den Beinen und schnappe mir eins der Räder, die es hier dankenswerterweise kostenlos zu leihen gibt. Ein richtiges Ziel habe ich eigentlich nicht, ich freue mich einfach wieder in asiatischen Gefilden zu sein. Ayutthaya gilt zwar als Top Touristenziel, aber wie wir damals vor 10 Jahren halten die meisten Gäste nur für eine Weilchen im historischen Park, machen noch ein schnelles Selfie vorm eingewachsenen Buddha im Wat Mahathat, und weiter geht die Reise. Abseits der Attraktionen ist die Stadt wie an diesem Morgen überraschend relaxt und voller typischer „Thai-Life“ Szenen: Ein Fischer zieht ein leeres Netz aus dem Fluss, um die Ecke döst ein Hund vorm Buddha, dort tuckert ein mobiler Food Stall vorbei, und am Dorfplatz schneidet der Coiffeur vom Dienst allen Frisierwilligen im Freien die Haare. Die letzten Wochen in der Heimat waren durchaus recht stressig, aber das ist jetzt alles schon weit weg und vergessen. Yoga und Wellness können anderen machen, ich habe meine Methode gefunden: Eine Stunde radeln durch Ost-Ayutthaya. Sollte man sich öfter gönnen wenn da nicht die langen Flüge wären 🙂


Mittags geht die Familie nach einem entspannten After-Breakfast-Swim im Hotelpool geschlossen auf Radtour, dank des gepolsterten Gepäckträgers brauchen wir für Felix nicht mal einen Kindersitz – hach, sie werden so schnell erwachsen! Nach der Querung des Bahnhofs müssen wir auch über den Pa Sak Fluss, der zumindest tagsüber permanent von einer kleinen Holzfähre bedient wird. Räder können für 5 Baht mitgenommen werden, und vom Anleger ist es dann auch nicht mehr weit bis zum immergrünen Historical Park, wo sich die meisten kulturellen Highlights befinden. Das Verkehrsaufkommen hält sich übrigens in Grenzen, man sollte sich eher vor Hunden und Touristen auf Rollern in Acht nehmen.

Als erstes nehmen wir Kurs auf Wat Maha That, die wohl bekannteste Anlage. Das liegt in diesem Fall weniger an den Bauten als an dem eingewachsenen Buddhakopf, der fast schon eine Art Wahrzeichen der Stadt ist und gewiss auch Millionen von Selfies ziert. Angeblich wurde der Kopf im 18. Jahrhundert dort verbuddelt, um ihn vor brandschatzenden burmesischen Truppen zu verbergen, und ist dann im Laufe der Jahre mit den Baumwurzeln wieder zu Tage gefördert worden – oder war es doch eine der anderen Theorien und Legenden? Hier tummeln sich dann auch die meisten Besucher, der Rest des Geländes gleicht einem Steinlabyrinth auf teils verfallenen, teils restaurierten Tempeln und  ist vergleichsweise ruhig, obwohl heute sogar Sonntag ist. Noch entspannter geht es am Wat Phra Ram Komplex ca. 10 Radminuten entfernt zu. Ein paar Mädels in knappen  und keinesfalls tempelkompatiblen Outfits posen vor dem Mauerwerk und knipsen wie wild, ansonsten sind wir fast die einzigen, die am Spätnachmittag die steilen Steintreppen erklimmen. Überall im „Altstadtbereich“ sieht man auch Elefanten die hier als eine Art Touristentaxi fungieren. Das gibt der Gegend zwar ein exotischen Flair, stößt aber inzwischen auch außerhalb von Tierschutzkreisen zunehmend auf Ablehnung. Unser Rat: Nehmt lieber das Rad – die Stadt ist überschaubar genug und vor allem flach!

Abends haben wir über das Baan Thai House eine Bootstour gebucht. Die Boote legen in der Nähe des Bahnhofs auf dem Chao Phraya Seitenarm Pa Sak ab und drehen quasi eine Runde um die Innenstadt-Insel, Endstation ist der Nachmarkt im Norden. Die Stops sind scheinbar unabhängig des Anbieters weitgehend identisch, zumindest begegnen uns unterwegs stets die gleichen Leute. Da wäre zunächst Wat Phanan Choeng mit seinem riesigen 19 Meter hohen goldenen Buddha ( für die Detailverliebten unter den Lesern: Kniespannweite 20,1 Meter), dicht gefolgt von weitläufigen Wat Phutthaisawan in dem es nicht nur liegende und sitzende Buddhas zu entdecken gibt. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Aufenthaltsdauer, die mit mit ca. 15 Minuten pro Tempel eher knapp bemessen ist.

Kurz bevor es dunkel wird gehen wir am Wat Chai Watthanaram vor Anker, wahrscheinlich weil die acht Chedi-ähnlichen Kapellen (wieder ein neues Adjektiv gelernt) im Licht der untergehenden Sonne besonders pittoresk aussehen, oder vielleicht auch nur weil es der letzte größere Tempelkomplex auf dem Wasserweg ist. Am Schluss dinieren wir wie es sich gehört mit 1a Streetfood vom Nachmarkt. Maria ist ja meist eher etwas skeptisch an solchen Ständen, zumal man mangels englischer Beschriftungen oft auch nicht so genau weiß, welche Zutaten der Standbesitzer da gerade im Schweiße seines Angesichts zusammenbrutzelt. Aber hier macht alles einen überaus ordentlichen Eindruck, es gibt (englisch angepriesen!) Saté Spieße, Pad Thai und eine Art Shrimp Omlette (?), und auch Stunden später meldet keiner unsere Mägen verdächtige Reaktionen. Das war also Teil 1 unseres Wiedersehens mit Ayutthaya, und obwohl wir schon ein stattliches Programm absolviert haben sind wir auf jeden Fall froh, dass wir noch 2 Nächte im Lande sind.

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La Gomera & Teneriffa Routenplaner und Ré­su­mé

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Viele freie Tage hatten wir im späten Herbst 2016 nicht mehr übrig, aber ein ordentlicher Roadtrip mit Sonne, Natur und Meer musste bitteschön schon noch drin sein. Das eher unbekanntere Kanareninselchen La Gomera hatte ich schon seit längeren auf der Wunschliste, bei den Billigheimern von Ryanair gabs den passenden Flug nach Teneriffa für einigermaßen kleines Geld dazu, und schon konnte die Reise losgehen. Die erste Nacht verbrachten wir auf Teneriffa, dann ging’s mit der Fähre (und atemberaubender Geschwindigkeit) rüber nach San Sebastian im Osten La Gomeras. Valle Gran Rey auf der anderen Seite wurde unser Basislager, von dort ging es über ansprechende (aber nie Angst einflößende) Straßen in die restlichen Ecken der Insel (siehe Karte). Nur den kargen Süden mussten wir aus Zeitgründen auslassen. Zurück auf Teneriffa  haben wir uns in Puerto de Santiago an der Westküste niedergelassen. Der Ort ist zwar nicht gerade ein Kleinod, aber eine gute Ausgangsbasis für Touren in den Teide Nationalpark und den in Sachen Natur deutlich ansprechenderen Norden Teneriffas. Weitestes Tagesziel war schließlich der Vorzeigestrand Playa de las Teresitas am nordöstlichsten Zipfel der Insel. Als Fazit bleibt festzuhalten: Überaus abwechslungsreich sind auf jeden Fall beide Inseln, und auf beiden hätten wir auch locker die doppelte Zeit verbringen können. La Gomera hat trotz wachsender Beliebtheit immer noch einen Gewissen Exotenbonus aus der Hippie-Ära in die Gegenwart rüber gerettet und war für uns auf jeden Fall das sympathischere Eiland. Teneriffa punktet dafür zumindest im Norden und im El Teide Nationalpark mit abwechslungsreichen Landschaften und bietet etwas das auf La Gomera Mangelware ist: Sandstrände. Und egal wie viele Tage man jetzt wo verbringt: Mit Mietwagen macht’s erst richtig Spaß!

Frisch gepresst (Übersicht)

  1. Vamos a Los Cristianos
  2. Valle Gran Rey – mit Freds Fähre ins Tal des großen Königs
  3. Kubo auf Hochtouren – Roadtrip durch La Gomeras Norden
  4. Gomera Gemütlich – Rochenwatching und eine Runde Laguna Grande
  5. Viva La Fortaleza – Gipfelsturm dank Siesta und Tankuhr
  6. Im Nebelwald von El Cedro
  7. Goodbye Gomera
  8. Best of Nordwest – über Icod durchs Tenogebirge nach Masca
  9. Oh wie schön ist Anaga – der verhinderte Gipfelsturm und ein Stückchen Sahara
  10. Roques Around The Clock – von San Juan zu Garcías Felsen
  11. Hoch hinaus – vom Meer durch die Schlucht von Masca

 Visueller Vorgeschmack

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Hoch hinaus – vom Meer durch die Schlucht von Masca

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Gibt auch schöne EckenDie morgige Abreise wirft ihre Schatten voraus – der Kühlschrank will nämlich geleert sein, und da gibt es eben auch schon mal hausgemachte Currywurst zum Frühstück. Zur Verdauung marschiere ich anschließend in Richtung Los Gigantes, denn trotz aller Skepsis muss man dem Ort schließlich mal eine Chance geben. Und so findet man durchaus auch mal putzige Ecken, verstecke Strände oder immer wieder einen imposanten Blick auf die „Giganten“. Der Hafen markiert schließlich mehr oder weniger auch das urbane Ende des Ortes, denn dahinter fällt die westlich verlaufende schroffe Steilküste unbarmherzig und nahezu senkrecht ins Meer.

img_7479_losgigantesIm Hafen buhlen allerlei Touranbieter um die Gunst der Gäste, wenngleich nicht alle Angebote wie zum Beispiel „Dolphin Watching“ von einer Art Partyboot empfehlenswert wirken. Verlockend ist allerdings der Boots-Transfer zum Playa de Masca, von wo aus man auf Schusters Rappen durch einen tiefen Barranco ins 650m höher gelegene Dorf aufsteigen kann (eifrige Leser erinnern sich an unseren Abstecher nach Masca vor 3 Tagen). 10 € kostet der Transfer übers Meer, Plätze gibt es zumindest heute auch für Kurzentschlossene. Ob Maria so einen Alleingang am Tag vor der Abreise auch gut heißt, oder sich gar noch als Pickup Taxi für den Rücktransfer zur Verfügung stellt könnte allerdings noch etwas Überzeugungsarbeit erfordern 🙂

Hinterm Horizont gehts weiterWie man links sieht ist das Projekt „Überzeugungsarbeit“ geglückt und der Rest der Familie begleitet mich am späten Mittag zumindest bis zum Playa. Dort warten bereits zahlreiche „Absteiger“ auf die ersehnte Mitfahrgelegenheit zurück, aber die Rushhour für den Aufstieg scheint definitiv vorbei, denn wenn man erst einmal den von einer dösenden Katze bewachten Eingang zur Schlucht passiert hat, wird es sehr schnell sehr ruhig im Tal!

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Die Tour zählt nicht umsonst zu den Kraxelklassikern auf Teneriffa. Das aus der Ferne so karge Gebirge ist aus der Nähe betrachtet überraschend grün und abwechslungsreich, und der Bilderbuchort Masca als Ziel sorgt für den nötigen Ansporn wenn die Kondition mal nicht mitspielt. Selbstverständlich kann man die Route auch abwärts gehen, aber ein Aufstieg scheint irgendwie angemessener, zumal man als erschöpfter Wanderer gerade bei ggf. stürmischer See gewiss lieber oben Masca als in einer Bucht im Nirgendwo landen möchte. Unterwegs laufe ich öfter einem netten Pärchen mit Berliner Dialekt über den Weg, die offensichtlich exakt mein Lauftempo haben, und irgendwann schließen wir uns einfach zu einem Lauftrio zusammen. Der Pfad hat zwar keine wirklich schwindelerregenden Passagen, aber halbwegs trittsicher sollte man schon sein, und Verpflegungsmöglichkeiten gibt es unterwegs auch keine. Ergo: Flip-Flops daheim lassen und lieber eine Stulle/Pulle mehr einpacken.

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Nach knapp 3 Stunden stehen wir am Fuße von El Catán, der markanten Felsnadel, die Masca so unverwechselbar macht. Einziger Wermutstropfen: Die gemütliche Bar Blanky Casa Fidel, in der wir neulich noch zu Gast warten, hat leider dicht. Und nicht nur die Bar, die ganze Ecke scheint wie ausgestorben, nur vom Kirchplatz aus wird eifrig das gesamte Tal beschallt. Dort finden wir unter dem riesigen Baum schließlich auch die verschollenen Einwohner Mascas in schicker Tracht versammelt, die just hier und heute eine Art Erntedankfest (oder Kirchweih?) zelebrieren. Eine bestens ausgerüstete Live Band gibt Folklore zum Besten und es wird eifrig getanzt und getrunken,  hier gibts ein kurzes Video zum mitschunkeln.

img_7593_summer_wineIch verabschiede mich nach einem Bierchen von meinen Wanderfreunden, und  Maria und Felix picken mich eine Stunde später am Dorfplatz auf.  Es ist schön zu sehen, dass sich Masca trotz aller Popularität ein derart authentisches Fest bewahrt hat und es nicht als kommerzieller Touristen-Event vermarktet wird. Und wie hat sich der Rest der Familie die Zeit unterdessen vertrieben? Mit einem Abstecher nach Playa San Juan wo es uns neulich schon gut gefallen hat: hier gibt es einen Snack, einen ausgiebigen Spielplatz-Stopp und sogar noch einen Stadtbummel mit Eis. Dann geht’s für den treuen „Hierro“ (unser Gefährt) mit neuer Kutscherin schon wieder in die Berge – vielleicht hat er mit den nächsten Mietern ein ruhigeres Dasein… Felix hilft tatkräftig mit vor Gegenverkehr zu warnen und so meistern die zwei den Aufstieg ohne Zwischenfälle (und ohne Reisebusse).
Abends gönnen wir uns zum Abschied noch den fruchtigen Vino Afrutado aus Icod des los Vinos, und am Tag drauf sind wir auch schon wieder zurück im herbstlichen Ruhrgebiet. Ja – mit Teneriffa war es nicht gerade Liebe auf den 1. Blick, aber was wir hier in den wenigen Tagen an Natur gesehen haben muss man einfach lieb haben. Es folgt wie gewohnt noch ein R’nR (Routenplaner + Resümee) und dann wird es langsam mal wieder Zeit für die nächste Reise 🙂 ¡Hasta pronto!

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Roques Around The Clock – von San Juan zu Garcías Felsen

 

img_7307_road-to-teide_panoimg_7275_thebeachÜber Los Gigantes ziehen heute Morgen ganz schön grimmige Wolken hinweg, denn auch 300 Sonnentage müssen irgendwann mal aufgebraucht sein. Mit viel Optimismus orten wir im Süden ein paar potenzielle Schönwetterzonen und fahren runter Richtung Playa San Juan. Der Reiseführer warnt, dass man hier besser nicht allzu viel Fischerdorf-Romantik erwarten wollte, aber zumindest hält die massive Betonmole lästige Wellen fern und verleiht dem Strand somit das Prädikat kinderfreundlich. Von oben sieht die geschwungene Bucht auch gar nicht mal so unhübsch aus, und die wenigen Besucher wie auch der Kneipenwirt wirken alle wohltuend relaxed.

img_7291_outofthefogNachmittags machen die Wolken leider ernst, und wir suchen nach Fluchtmöglichkeiten. Wintersportler und Hobby-Alpinisten kennen sicher die abgedroschene Floskel „Oben reißt’s bestimmt auf“, und da wir auf Madeira bei einer ähnlichen Tour schon einmal Glück hatten, wagen wir den Trip hoch zum Teide. Um Kilometer zu sparen schlägt das Navi die etwas abenteuerlichere Route von Guía de Isora über Aripe und Chirche vor, die trotz wachsender Bedenken und nahezu senkrechten Gassen irgendwann dann doch die TF-38 trifft. Und bei ~1400m passiert es tatsächlich: Die dicken Wolken lichten sich und die karge Felslandschaft rund um den Teide hüllt sich in tiefstes Blau. Geht doch!

img_7313_therockDa es für ausgedehnte Wanderungen schon zu spät ist, steuern wir die einschlägig bekannte Felsformation Roques de García an, die wir gestern Abend in der Dunkelheit gar nicht mehr wahrnehmen konnten. Die Breite der Zubringerstraße lässt erahnen, dass hier gewiss öfters mal zig Busse auf einmal Station machen, aber am späten Nachmittag hält sich der Ansturm in Grenzen. Die meisten kraxeln einfach die Treppe beim Parkplatz hoch (die übrigens auch von Kleinkindern problemlos zu meistern ist), knipsen ein paar Bilder und marschieren wieder zurück, und wer sich in die umliegende Prärie verdrückt, hat nach spätestens 500 Metern seine Ruhe. Egal ob nah oder fern, der Anblick der bizarren Roques ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Auf der Rückfahrt parken wir in 1800 m Höhe bei „Montaña Samara“ und machen es uns auf einem Felsen gemütlich, um Frau Sonne (mit der wir heute eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatten) gebührend zu verabschieden. Das Tal liegt nach wie vor in einer dichten Wolkensuppe, die sich in Form und Farbe ständig verändert und ab und zu schauen die Spitzen von Gomera & co heraus. Für Knipser ist das natürlich Fluch und Segen zugleich, da man zuhause wieder zig Motive ausmisten muss, aber mit derlei Luxus-Sorgen muss man sich eben arrangieren. Als wir auf dem Heimweg wieder in die Suppe eintauchen, ist es längst stockdunkel … und auf dem Teide herrscht wieder Ruhe und Friede!

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