Pulau Weh und die unvollendete Reise zum Kilometer 0

Auf 17.508 Inseln verteilt sich Indonesien angeblich insgesamt, wer also nicht den Massen nach Bali folgen will, hat die Qual der Wahl. „Einfach oben anfangen“ ist ein bewährter pragmatischer Ansatz, und dort stoßen wir über Sumatra auf die Insel Pulau Weh, die außer schönen Stränden und hochgelobten Tauchrevieren auch noch den offiziellen Kilometer 0 (Indonesiens) beherbergt. Schauen wir mal, wie weit wir kommen, denn die Anreise ist erstmal eine kleine Herausforderung. Unsere Route führt uns über Kuala Lumpur und Banda Aceh zum Hafen, wo je nach Wetterlage und Wochentag mal mehr, mal weniger Fähren auf die Insel verkehren. Immerhin: Die Expressfähre um 10:00 braucht gerade mal eine Dreiviertelstunde, wenn alles gut läuft kann man also schon mittags den Schnorchel klar machen:

Pantai Sumur Tiga – Ein Strand zum Abtauchen

Gut gekühlt: Freddie präsentiert das Menu

Es gibt zwar auch alternative Unterkünfte auf der Insel, aber als westlicher Besucher ist es bei der Recherche fast unmöglich, nicht über Freddies Santai Sumur Tiga zu stoßen. Der Südafrikaner kam ein Jahr nach dem verheerenden Tsunami 2004 mit der UN Hilfsmission nach Sumatra, und ist geblieben. Die einfachen Holzhütten sind sauber und geräumig, die Aussicht und der Strand inklusive Hausriff zum Schnorcheln ein Traum. Beim gemeinsamen Abendessen lässt es sich der Hausherr nicht nehmen, das Menu des Tages persönlich vorzustellen, und sich bei den Anwesenden nach dem Befinden zu erkunden. Aufraffen fällt hier schwer!

Am 2. Tag kommen wir dem Kilometer 0 immerhin ziemlich nahe. Auf der Hinfahrt haben Felix und ich nämlich drei deutsche Ladies kennen gelernt (Konstellation Mutter / Freundin / Tochter), die einen Schnorcheltrip buchen wollen und noch Platz an Bord haben – die Gelegenheit lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Felix darf mit den Damen stilgerecht im pinken Hello Kitty Tuk Tuk zum Hafen von Sabang brausen, ich muss mit dem Sozius des Guides Vorlieb nehmen. Der Trip führt an die Nordwestspitze zum Long Beach Riff, später machen wir Mittagspause auf der Mini-Insel Pulau Rubia , die Anfang des letzten Jahrhunderts unter anderem als Quarantänestation für heimkehrende Pilger aus Mekka gedient hat.  Weiter im Süden duftet es dann unverkennbar nach faulen Eiern: Schuld sind Schwefelblasen, die in schöner Regelmäßigkeit von einem  waschechten Unterwasservulkan aus aufsteigen. Unter Wasser müffelt natürlich nix mehr, und für Felix ist das Schnorcheln hier trotz Fischmangel das Highlight des Tages, das auch von den bunten Nemo Clownfischen am letzten Stop  nicht getoppt werden kann.

Am nächsten Tag ist es zu bedeckt um einfach nur am Sumur Tiga herumzulungern, und zum Schnorcheln am Hausriff sind die Wellen zu hoch. Wir leihen uns bei Freddies ein Moped und fahren zum Wasserfall in der Mitte der Insel. Sumatras Straßen genießen in der Regel keinen so guten Ruf, aber hier auf Pulau Weh sind die meisten Beläge in einem überraschend gutem Zustand, zudem herrscht abseits der Inselhaupstadt Sabang  nicht viel Verkehr.  Die letzten Kilometer zum Wasserfall müssen wir zu Fuß durch den Dschungel gehen, und werden dabei immer wieder von Regengüssen überrascht. Der Wasserfall selbst (indonesisch: Air Terjun) ist durchaus hübsch anzuschauen, auf ein Bad verzichten wir aufgrund des Wetters und des unwegsamen Geländes trotzdem. Im späteren Verlauf der Reise wird uns dann jemand berichten, dass im dortigen Pool angeblich eine meterlange Python wohnt – ob es sich hierbei um die üblichen Guide-Gruselgeschichten oder um eine authentische Begegnung handelte, konnten wir leider nicht klären.

Der Regen lässt nicht locker und das Fahren macht trotz der tollen Natur rundherum einfach keinen Spaß mehr. In einem gemütlichen halboffenen Warung in der Nähe des Unterwasservulkans trocknen wir erstmal unsere Klamotten, und während ich mich an dem leckeren Kaffee erfreue, futtert Felix den Kuchen des Hauses fast leer.  In der anschließenden Trockenphase schaffen wir es immerhin bis zum Gapang Beach, der sich als würdige Endstation unseres Roadtrips erweist. Der Kilometer 0 bleibt wie viele andere Ecken von Pulau Weh für uns heute unerreichbar, die Insel ist auf jeden Fall noch einen Folgebesuch wert. Aber auf Felix und mich wartet erst einmal der Dschungel von Bukit Lawang! 

Kuala Lumpur – Stopover bei Lord Murugan

Das Abenteuer beginnt …

Malaysias Hauptstadt sollte für uns eigentlich nur Sprungbrett über die Straße von Malakka in den Norden Sumatras sein, aber 2 Nächste mussten zum Verschnaufen schon drin sein – rückblickend hätte es wie so oft auch gerne eine mehr sein dürfen. Als super praktisch erwies sich der KLIA Ekspres, der beide Terminals direkt mit dem Bahnhof Sentral verbindet. In der Nähe kann man preiswert  (oder je nach Geldbeutel auch teuer) wohnen, einkaufen, essen, und vor allem treffen sich hier eigentlich alle wichtigen öffentlichen Verkehrslinien, mit denen man die vielfältige Stadt erkunden kann.

Im Internet gibt es unzählige Seiten, die einem schmackhaft machen wollen, was man mit Kindern und Erwachsenen in „KL“ so alles erleben und shoppen kann. Felix war jedoch vom Hinflug noch etwas angeschlagen (ein Virus oder vielleicht einfach nur schlechtes Essen schlug ihm auf den Magen) und hat erstmal bis nachmittags durchgeschlafen, es folgte ein heftiger wenn auch nicht unüblicher tropischer Schauer, und so mussten wir unser Tagesprogramm deutlich straffen. Bei unserem ersten Malaysia Besuch vor fast 10 Jahren war ich mit Maria bei den Batu Caves etwas außerhalb der Stadt, und die erschienen mir heute auch das ideale Ziel: Weitläufige Kalksteinhöhlen mit bunten Hindu Tempeln, bewacht von Fledermäusen, Affen sowie einer gigantischen Statue des Gottes Murugan – da kann kein Museum oder Park mithalten. Die rote Port Klang Linie ist zwar nicht die schnellste, bringt einen aber für ca. 1€ fast direkt ans Ziel, und für die Anlage selbst ist nach wie vor keinen Eintritt fällig. Nur die knallbunten Treppen – die gab es vor einer Dekade noch nicht (zum Vergleich), aber die fügen sich durchaus harmonisch ins Gesamtbild ein 🙂

6 Monate schlafen, 6 Monate essen

Auf dem Rückweg zur Bahnstation besuchen wir kurz vor „Ladenschluss“ noch den ebenfalls imposanten Ramayana Cave.  Im Mittelpunkt steht der hedonistische  Herr zur Rechten, der auf den Namen Kumbhakarna hört und seine Zeit angeblich im 6 Monatstakt abwechselnd mit Schlafen und Essen verbringt. Das behauptet zumindest ein indischer Mitbesucher der Höhle, verifizieren konnten wir diese Information zwar nicht, aber dafür hat der Trip auch uns ordentlich hungrig gemacht. Zurück am Sentral Bahnhof gibts für mich endlich die ersehnte malaysische Laksa (Nachkocher bedienen sich hier), Felix‘ Magen kann immerhin bereits eine Bolognese verarbeiten. Nächster Stop nach dem Stopover: Banda Aceh

Eine Nacht in Banda Aceh

Meet Mr. Bob!

Unser jüngstes Abenteuer auf Sumatra beginnt ganz im Norden der Insel in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Banda Aceh. Für viele weckt der Name noch Erinnerungen an den verheerenden Tsunami 2004, der große Teile der Region zerstörte. Zudem gilt die Provinz als sehr konservativ – es gilt die Scharia, das Kopftuch ist obligat und ein kühles Bintang  Bier braucht man gar nicht erst zu suchen. Das alles lockt natürlich nicht gerade viele Touristen an, aber nach einem kurzen Abendspaziergang  war ich trotzdem positiv überrascht: Die Bewohner sind überaus freundlich, ohne aufdringlich zu sein, es herrscht eine angenehme Atmosphäre, und das fehlende Feierabendbier lässt sich mit dem phantastischen Kaffee (Kopi) kompensieren, den es hier an jeder Ecke gibt. Zudem ist der Fährhafen der Stadt Sprungbrett zur Insel Pulau Weh, die sowohl über als auch unter Wasser ein echtes Schmuckstück sein soll. Höchste Zeit also für einen Check … Fortsetzung folgt!

Von Vietnam nach NRW: Reisnudelsalat à la TiMaFe

Die Zutaten stellen sich vor …

Für eine wohl geformte Partyschüssel: Reisnudeln (trocken mind. 125 g), Sprossen,  Rumpsteak (um die 300g), Kirschtomaten, Erdnüsse, Gurke, Frühlingszwiebeln, Limette(n), Zitronengras, Chilies, Kaffir Limettenblätter, Koriander, Thai Basilikum. Leider nicht im Bild: Fischsauce, Minze, Salatherz, Salz / Pfeffer / Zucker, Bier & Beilagen sowie spontane Eingebungen

Warm up: Marinade & Dressing

Zunächst wird wird fleißig gehackt: Zitronengras  ( so gehts), Korianderstängel,  Limettenblätter (Rippe ab!), Chilis je nach „Scharf-Bedarf“ (eine sollte es schon sein damit sich der Salat auch spicy nennen darf) und Knoblauch. Alles ab in den Mörser, kräftig stampfen und in eine Schüssel geben. Dazu frisch gemahlener Pfeffer (gerne den aus Kampot), Zucker, Fischsauce, Sojasauce und Limettensaft und etwas durchziehen lassen. Einen Teil davon zweigen wir für die Marinade ab,  gerne noch mit etwas Öl (wie wär’s mit Sesam?) und das Rumpsteak darin ein paar Stunden marinieren. Der Rest wird zum Dressing befördert, da der  Geschmack vor allem durch die Fischsauce ziemlich intensiv ist, kann man die Mischung mit etwas warmem Wasser oder Brühe strecken. Der Kenner merkt spätestens jetzt: Es handelt sich um eine Nuoc Cham mit ein paar Extras.

Es geht ans Eingemachte …

Drive-through Market

Jetzt wenden wir uns endlich dem Salat zu. Wichtig: Reisnudeln nicht kochen, sondern nur in warmem Wasser einweichen bis sie bissfest sind, dann mit kaltem Wasser spülen und im Sieb trocken lassen.  Möhren am besten mit dem Julienneschneider bearbeiten, dann kann man die resultierenden dünnen Streifen auch lässig „die Julienne“ nennen und seinen Kochbuddy beeindrucken. Tomaten je nach Größe halbieren oder vierteln. Gurke längs halbieren, die Kerne mit einem Löffeln entfernen, den Rest in kleine Stücke. Gehackte Frühlingszwiebeln passen auch immer. Salatherzen sind zwar nicht typisch asiatisch, harmonieren aber ebenfalls gut und machen die Schüssel voller. Aber bitte auch quer in Streifen schneiden. Sojasprossen können, müssen aber nicht (Besserwisser werfen an dieser Stelle ein, dass es sich meist um Mungobohnensprossen handelt). Und das marinierte Rumpsteak im Kühlschrank  vergessen wir natürlich auch nicht: Trocken tupfen, brutzeln und in dünne Streifen schneiden. Da wir keine Meat-Enthusiasten sind, bitte die einzig wahre Zubereitung mit dem Grillguru eures Vertrauens abklären.

An der Ziellinie: Kräuter und Schnickschnack

Ohne Kräuter und ein paar zusätzliche Extras geht es natürlich nicht. Frischer Koriander und gezupfte Thai Basilikum-Blätter runden das Bild ab. Bitte letztere *nicht* mit europäischem Basilikum ersetzen  – dann lieber weglassen. Thai Minze passt auch sehr gut, die kann man wiederum getrost durch „unsere“ etwas intensivere Minze austauschen. Eine Handvoll unbehandelter Erdüsse ohne Öl anbraten, wieder rausholen bevor sie komplett verkokelt sind und klein stampfen. Und noch ein Geheimtipp: Gerösteter gemahlener Reis! Zum fertigen Produkt reichen wir je nach Verfügbarkeit Saigon Beer oder ein heimisches Produkt (Hauptsache kalt), sowie ein knuspriges Baguette und ein paar übrige Limettenviertel und Chillies fürs Auge. Chúc ngon miệng!

Nachtrag: Ob dieser Salat zwingend Vietnam zuzuordnen ist, lasse ich mal dahin gestellt. Nach Südostasien passt er allemal, und zudem basiert er auf dem Rezept eines gewissen Herrn Huynh, der auf jeden Fall vietnamesischen Ursprungs ist 🙂

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Scharfe Sache: Som Tam Papaya Salat

Die Zeiten, in denen der Gastgeber sagte „Bring mal Bier mit!“, sind wohl endgültig gelaufen – ein Salat wird hingegen immer noch gerne gesehen. Kompakt soll er sein, originell bitte auch, und bei den derzeitigen Temperaturen zudem möglichst hitzeresistent. Wer dann noch irgendwo eine knackige unreife Papaya ergattert, ist mit einem thailändischen Som Tam Salat perfekt beraten. Letztere bearbeitet man am besten mit dem Julienne Hobel, 1-2 Karotten ebenso, dann kommen noch Bohnen dazu. Wer es authentisch mag nimmt Schlangenbohnen, die normalen aus deutschen Landen tun es natürlich auch (die aber bitteschön vorher kurz blanchieren). Alles dezent stampfen, Dressing aus Fischsauce, Limettensaft, Knobi und Zucker drüber, gut durchziehen lassen und da haben wir den Salat.

Stop! Eine  essentielle Zutat fehlt natürlich noch, nämlich 🌶️Chillies! Es ist ein Gerücht, dass alle Thai Gerichte höllisch scharf sein müssen, beim Tom Sam ist eine gewisse Schärfe aber schon Pflicht. Wenn man überwiegend westliche Gäste erwartet, muss man es vielleicht nicht gleich übertreiben, aber passt auf, dass es euch nicht so geht wie mir: Aus übertriebener Vorsicht landeten nur 3 Schoten in der Schüssel, und da war doch glatt eine Thailänderin zu Gast, die das Endprodukt prompt mit  „Schmeckt gut – aber scharf ist der nicht!“ kommentierte. Detaillierte Rezepte gibt es zuhauf im Netz, ich bin mal wieder bei Asia Street Food fündig geworden. Khõ hai dja!

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Grenzerfahrungen #6 – Von Südlaos nach Bangkok

Eile mit Weile

Wer schon einmal im Süden von Laos am Bolaven Plateau oder auf einer der 4000 Inseln verweilt hat,  der weiß dass man hier ganz passabel ein paar Tage, Wochen oder gar Monate relaxen kann.  Wer dort nicht auch zufällig seinen Wohnsitz hat, muss aber leider auch eins: Irgendwann zurück in die Heimat, weil die Arbeit ruft oder das Visum abläuft. Meistens führt der Heimweg über Bangkok, und natürlich kann man da auch einfach mit dem nötigen Kleingeld über Pakse hinfliegen, erlebt dabei aber in der Regel auch nichts, das einen Blogbeitrag füllen würde.  Nachdem wir 2013 schon einmal erfolgreich mit dem Nachtzug von Bangkok in Richtung Vientiane gezockelt sind (zum Bericht), wollten wir statt dessen der State Railway of Thailand mal wieder eine Chance geben.

Kurz zur Logistik: Der nächste Gleisanschluss liegt in Ubon Ratchathani, Kenner sagen einfach nur Ubon und wissen, dass die freundliche Stadt im Isaan liegt und somit bereits auf thailändischer Seite. Die Tickets für den Nachtzug nach Bangkok haben wir über 12go.asia gebucht, die sie für uns dort am Bahnhof hinterlegen wollen. Von Champasak – der letzten Station unseres Abstechers nach Südlaos – führt eine relativ neue flotte Straße am Westufer des Mekongs entlang, so dass man auf dem Weg zur Grenze bei Vang Thao Pakse rechts liegen lassen kann.  Während Maria die Rucksäcke packt und dabei gerne die Männer aus dem Haus hat, erkunde ich mit Felix noch mal das Umfeld mit dem Rad.  An einem der zahlreichen Wats sind noch die Reste von einem Fest inklusive Trampolin aufgebaut (so geht Kirchweih‚ in buddhistisch geprägten Ländern), kurzweilig ist auch ein Abstecher in den Süden zum Wat Muang Kang immer schön parallel zum Mekong Ufer …

Geruhsamer Abschied von Champasak

Es handelt sich um den ältesten aktiven Tempel im Umkreis von Champasak, und gerade weil ihn auch ein leichter Hauch des Verfalls umgibt, ist er ein spannendes Erkundungsziel. Ein freundlicher Mönch zeigt Felix sogar seine überaus bescheidene Bleibe (gefühlt 5m² mit Matte und Stuhl – dafür mit Mekongblick). Dann wir es Zeit, sich auf den Weg ins Nachbarland zu machen. Unser Hausherr ist Thai, was in dieser Gegend nichts ungewöhnliches ist. Ungewöhnlich ist schon eher, dass er offenbar früher einen hohen Posten als Grenzbeamter am Übergang nach Thailand hatte – da sollte doch bei der Aus- und Einreise eigentlich nichts schief gehen können. Außerdem chauffiert er uns zu einem fairen Preis quasi direkt ins Grenzgebäude, und kann sich zudem noch per Handy mit dem Taxifahrer aus Ubon unterhalten, der uns auf dem Hinweg nach Chong Mek gebracht hat und dessen Karte wir vorsorglich eingesteckt haben, weil er vernünftig gefahren ist und uns nicht über den Tisch gezogen hat. Die Abholung „drüben“ sollte also auch arrangiert sein.

Grenzüberquerung mit Wat Stop

Der Grenzübertritt verläuft dann in der Tat problemlos, man sollte aber wie immer darauf achten, dass man mit deutschem Pass inzwischen nur noch 2x pro Kalenderjahr visumfrei über Land nach Thailand einreisen darf. Auf der Thai Seite wartet tatsächlich bereits unser Taxi Buddy auf uns, und hält sogar ein Lunchpack mit chinesischen Dumplings auf der Rückbank bereit .  Für Sparfüchse sei erwähnt, dass es zumindest von Pakse aus auch ein grenzüberschreitender Busverkehr existiert. Das ist natürlich deutlich preiswerter, dann gibts aber auch keine Dumplings und – weitaus tragischer – man hat keine Gelegenheit für einen Abstecher zum Wat Sirindhorn Wararam. Der relativ moderne Tempel liegt direkt in der Grenzregion in hübscher Natur, und wird bei Einbruch der Dunkelheit auch noch  eindrucksvoll illuminiert (schaut euch mal ein paar Ergebnisse  der Bildersuche an). Er ist aber auch bei Tageslicht ein lohnenswerter Abstecher.

Dann wird es Zeit zum Bahnhof von Ubon aufzubrechen, denn 90 Minuten sollte man schon für den Trip einkalkuieren. Entgegen meiner Restzweifel liegen die Tickets in der Tat fein säuberlich verpackt in einem Umschlag für uns am Bahnhof  bereit. Überhaupt sind alle hier sehr relaxt und freundlich, es gibt zudem eine Gepäckaufberwahrung, eine extra „Touristenbeauftragten“  sowie eine antike Lok die man zur Freude von Nachwuchs und Liebhabern antiker Eisenbahnen sogar betreten kann. Da wir noch Zeit haben, gönnen wir uns noch einen Lunch in der Umgebung und stocken die Vorräte auf. Wer noch mehr Zeit hat sollte durchaus in Erwägung ziehen, 1-2 Nächte in Ubon zu verweilen: In der Umgebung gibt es Einiges zu sehen, zudem kann man spottbillig essen und übernachten!

Alles einsteigen bitte!

Endlich kann es los gehen und der Zug rollt relativ pünktlich ein. Wir haben uns ein Schlafwagenabteil gegönnt. Die Wagen sind zwar nach wie vor eng, aber dafür top modern ausgestattet. Mein persönliches Highlight: Ein Touchscreen zeigt wie im Langsteckenflieger die aktuelle Position an, dazu gibt es Infos wie Temperatur und Status des Klos. Nach einiger Zeit bittet ein Mitarbeiter zum Verlassen des Abteils, um die Betten für die Nacht klar zu machen.  Zugegeben: Für uns drei (Felix war damals 5 Jahre alt)  ist es im Etagenbett schon sehr eng, und man sollte sich als zweiter Erwachsener überlegen, ob man nicht in einem separaten Abteil (welches man ggf. mit einer anderen Person teilt) oder einfach im Liegesitz in der 2. Klasse nächtigt. Aber es hat auch etwas überaus Gemütliches, wenn beengt man in den Betten hockt während der Zug behäbig durch den nächtlichen Isaan rattert. Da auch die Klimaanlage sehr modern und effektiv ist (aber leider nicht über den Abteil-Monitor steuerbar) wären etwas wärmere Sachen vielleicht gut gewesen, aber auch so hielten uns die Borddecken halbwegs warm.

Bangkok schläft nicht? Von wegen …

Vor Bangkok kommt der Zug relativ häufig zum stehen, und gegen 6:00 morgens erreichen wir endlich Bangkoks altehrwürdigen Bahnhof Hua Lamphong – genau jenen Ort, an dem vor knapp 5 Jahren unser erstes Südostasien Abenteuer als Familie begann. Um diese Zeit herrscht noch recht wenig Trubel, sogar die Metro schläft noch, wie auch die meisten der emsigen TukTuk Fahrer, doch nach kurzer Suche und etwas längerer Verhandlung werden wir schließlich fündig und brausen in einem vollbeladenen chromblitzenden Mobil durch das noch halbdunkle Bangkok.

Unser Ziel ist das Hostel Sleepbox Sukhumvit 22 in der Nähe des Benjakiti Parks. Das hat zum einen praktische Gründe, da unser Heimflug mit Finnair erst spätabends geht und man hier auch ein Zimmer für alternative Zeitperioden mieten kann (06:00 bis 18:00  entspricht ansonsten nicht gerade der üblichen checkin/checkout Zeit wenn man eine Übernachtung bucht). Außerdem wohnt man quasi in echten Containern, was durchaus ein Erlebnis für sich ist. Unsere Reservierung wurde zwar verbummelt, ein Zimmer – pardon – einen Container bekommen wir aber trotzdem. Nach einer Dusche, einem Frühstück und einer Mütze Schlaf gehts in Richtung Chao Phraya Ufer, von wo aus man auf die entspannte Insel Bang Krachao übersetzten kann. Aber das ist eine andere Geschichte 🙂

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Die Na’vi kennen den Weg – Aufbruch nach Zhangjiajie

Wer sich dem Blockbusterkino in diesem Millennium nicht völlig verschlossen hat, der hat in seinem Leben sicher mindestens einmal James Camerons Avatar gesehen. Erinnert ihr euch an die Szene, in der die sympathische Draufgänger-Pilotin Trudy das Team zum ersten mal in die Floating „Hallelujah“ Mountains befördert, und alle den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu bekommen?  So in etwa ging es mir an so einigen Stellen im Zhangjiajie Nationalpark in der chinesischen Hunan Provinz. OK, die Berge gehorchen hier den erd-üblichen Gesetzen der Schwerkraft, und es sausen auch keine Blaumänner auf Riesenechsen durch die Lüfte, aber so manche Bergformation scheint in der Tat nicht von dieser Welt. Beginnen wir von vorne …

Es ist schon fast dunkel, als ich Abends das Mini Inn Guesthouse am westlichen Rande des Parks erreiche. Draußen wacht ein freundlicher Hund, drinnen wartet ein Kühlschrank mit preisgünstigem Bier sowie der emsige Mr. Lucas, mit dem ich bereits im Vorfeld per WeChat Kontakt hatte (dem im chinesischen Alltag inzwischen fast unverzichtbaren Pendant zu WhatsApp). Die Gegend ist einsam, ein paar Schatten am Horizont lassen aber bereits die grandiose Bergwelt erahnen, die mich hoffentlich morgen empfangen wird. Weniger optimistisch zeigt sich hingegen der Wetterbericht: Leichter Regen gefolgt von starkem Regen, gerne auch mit Gewittern, Besserung erst am Montag, aber da muss ich längt wieder im Büro im fernen Nanjing sein 😦 Immerhin werde ich mangels Nightlife morgen schon früh auf der Matte stehen.

Regretting not Having Met Earlier

Um 7:00 morgens sieht die Welt schon besser aus. Zum Frühstück gibt’s eine heiße Nudelsuppe mit Rührei und Tee, und Mr. Lucas baldowert für mich meine persönliche Tagestour aus . Profil: „Viel wandern, viel sehen, wenn möglich Massen meiden“ (zur improvisierten Karte). Hinauf in die Berge geht es zunächst mit dem Yuanjiajie Cablecar, den Fußweg hebe ich mir für den Heimweg auf. Zum ersten Mal bekommt man einen wahren Eindruck von der steilen Karstlandschaft, die sich durch den gesamten Nationalpark zieht. Auch die Namen markanter Orte beflügeln die Phantasie: „Cock Carving for a Harbinger of Dawn“, „Corridor in the Air“ oder mein persönlicher Favorit „Regretting not Having Met Earlier“ – klingt alles einladend, aber Mr. Lucas‘ Karte sieht vor, dass ich mit einem der kostenlosen Shuttlebusse weiter zu den Tianzi Bergen fahre und mich kurz vorher an einem Ort absetzen lasse, den die den meisten Tagesgäste eher rechts liegen lassen.

Shentang Gulf heißt das Plateau über einem tiefen Tal, das man nach einer kurzen Wanderung erreicht, und es ist wirklich äußerst beeindruckend, zumal sich gerade die Wolken etwas lichten. Eine Tafel mit gruseligen Geschichten nährt den Mythos eines geheimnisvollen Tals,  eine andere Quelle weiß gar Folgendes zu berichten: „It is still an unknown for hundreds of years that how deep the valley is. A striking spectacle of Shentang Gulf is that one could hear sounds of gongs and drums, neighs of war-horses and shouts of men from the valley in rainy days.

Der Ansturm hält sich erfreulicherweise auch in Grenzen – ich bin erst einmal vollends zufrieden mit dem Start in den Tag. Schaut euch ruhig mal um, aber stört bitte den Herrn in der Mitte nicht …

🎵 Von den Tianzi Bergen kommen wir …

Das Bild wandelt sich leider als ich am Tianzi „Basislager“ aufschlage. Massen von Reisegruppen trudeln ein, jeweils geführt von einem Guide, der in der Regel mit einer Fahne, einem Headset und einem überforderten Lautspecher bewaffnet ist – übersteuerte Musik oder Sprache scheint man hierzulande generell nicht als unangenehm zu empfinden. Auch funktionale Kleidung scheint noch keinen Markt gefunden zu haben, fast alle haben sich ob des unbeständigen Wetters in einen bunten Einweg-Plastikponcho geworfen, während das Schuhwerk von transparenten Reißverschlusstüten geschützt wird.  Ein riesiger McDonalds macht den Kulturschock perfekt. Die Natur ist zugegebenermaßen auch hier einzigartig, so macht zum  Beispiel der Emperor’s Writing Brush Peak seinem Namen alle Ehre. Die mystische Stimmung vom Morgen ist trotzdem erstmal verflogen. Und als wollte der Himmel auch noch sein Missfallen über das irdische Treiben kund tun, fängt es obendrein noch an zu donnern, und zu regnen, und zu regnen ….

Ich finde Zuflucht an einem freundlichen Streetfood Stand  (die Massen sind wahrscheinlich gen McDonalds geflüchtet), und erwerbe für ca. 5 € eine frische Suppe, eine Kanne Tee, ein Bier und einen Regenschirm – da kann man nicht meckern. Nach einer guten Stunde wage ich den Weitermarsch, aber kehre schließlich um, da der Regen zwar recht warm ist und die Wege leer sind, die Sicht aber dafür nur äußerst bescheiden!

Natural Bridge (Tiansheng Qiao)

Mit dem Bus geht’s zurück ins Zentrum des Parks und anschließend in die legendären Avatar Berge – vielleicht hat das Wetter ja hier ein Erbarmen? Immerhin lässt der Regen etwas nach und die Wege sind sehr gut ausgebaut. Das müssen sie auch sein, denn zieht es offenbar die meisten der überwiegend einheimischen Besucher hin (Langnasen trifft man nur äußerst sporadisch). Es gibt zahlreiche Aussichtsplattformen auf dem Rundweg, und das Wetter macht sich offenbar einen Spaß daraus, den Besucher an der Nase herumzuführen. Mal sieht man die Hand vor Augen nicht, dann kommt plötzlich eine Windböe und legt wie von Geisterhand ein komplettes Bergmassiv frei, und ein großes Raunen geht durch die Menge. Ja, es ist voll hier, aber es ist auch wirklich beeindruckend welche Formationen die Natur hier geschaffen hat, und mit etwas Glück hat man manchmal eben doch eine Minute für sich:

Zum Abschluss hat Mr. Lucas noch ein besonderes Schmankerl für mich auf den Plan gekritzelt : Der Weg von der Yuanjiajie Gondelstation zur Tianbo Mansion ist zwar nicht wirklich beschwerlich, aber doch verhältnismäßig weit, und mit der Entfernung zu Gondel, Busstation und anderen Annehmlichkeiten nimmt erfahrungsgemäß auch die Besucheranzahl rapide ab (ich sollte das vielleicht noch etwas näher er forschen und daraus ein Gesetz des chinesischen Andrangs formulieren). Der Pfad ist äußerst abwechslungsreich , führt vorbei an einem Kloster und ist zum Teil direkt in den Fels gehauen, glücklicherweise trifft man nur äußerst selten auf Gegenverkehr.

Aller Abstieg ist schwer

Am Ziel erwartet einen übrigens keine Villa, sondern „nur“ eine Aussichtsplattform, aber die will erst einmal erklommen werden. Die ursprüngliche Brücke ist gesperrt, dafür hat man weiter unten ein paar Leitern verschweißt, die zwar einen sicheren Eindruck machen, aber auch ganz schön Steil nach oben gehen! Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Bringt vernünftiges Schuhwerk mit, Zhangjiajie ist kein Terrain für Flip Flops! Die Aussicht von oben entschädigt dann auch für etwaige Unannehmlichkeiten, auf dem Rückweg kann man sich dann entscheiden, ob man wieder ein Stück bergauf läuft und die Gondel nach unten nimmt, oder komplett durch den Wald nach unten läuft. Spätestens hier ist man dann weitgehend alleine mit sich und der Natur, die Gedanken sollten nur nicht all zu weit abdriften, denn zumindest nach einem Regenguss können die Treppenstufen ziemlich glatt werden.  Im Mini Inn wartet wieder der freundliche Hund, Mr. Lucas und sein gut gefüllter Kühlschrank, und trotz Regenschauer und vereinzelter „Stoßzeiten“ wars dann eben doch ein fantastischer Tag!

Lust auf mehr? In der 2. Ausgabe erwartet euch ein Besuch am Strom der goldenen Peitsche und ein Dorf in den Wolken.

Woanders is auch schön!