Von Vietnam nach NRW: Reisnudelsalat à la TiMaFe

Die Zutaten stellen sich vor …

Für eine wohl geformte Partyschüssel: Reisnudeln (trocken mind. 125 g), Sprossen,  Rumpsteak (um die 300g), Kirschtomaten, Erdnüsse, Gurke, Frühlingszwiebeln, Limette(n), Zitronengras, Chilies, Kaffir Limettenblätter, Koriander, Thai Basilikum. Leider nicht im Bild: Fischsauce, Minze, Salatherz, Salz / Pfeffer / Zucker, Bier & Beilagen sowie spontane Eingebungen

Warm up: Marinade & Dressing

Zunächst wird wird fleißig gehackt: Zitronengras  ( so gehts), Korianderstängel,  Limettenblätter (Rippe ab!), Chilis je nach „Scharf-Bedarf“ (eine sollte es schon sein damit sich der Salat auch spicy nennen darf) und Knoblauch. Alles ab in den Mörser, kräftig stampfen und in eine Schüssel geben. Dazu frisch gemahlener Pfeffer (gerne den aus Kampot), Zucker, Fischsauce, Sojasauce und Limettensaft und etwas durchziehen lassen. Einen Teil davon zweigen wir für die Marinade ab,  gerne noch mit etwas Öl (wie wär’s mit Sesam?) und das Rumpsteak darin ein paar Stunden marinieren. Der Rest wird zum Dressing befördert, da der  Geschmack vor allem durch die Fischsauce ziemlich intensiv ist, kann man die Mischung mit etwas warmem Wasser oder Brühe strecken. Der Kenner merkt spätestens jetzt: Es handelt sich um eine Nuoc Cham mit ein paar Extras.

Es geht ans Eingemachte …

Drive-through Market

Jetzt wenden wir uns endlich dem Salat zu. Wichtig: Reisnudeln nicht kochen, sondern nur in warmem Wasser einweichen bis sie bissfest sind, dann mit kaltem Wasser spülen und im Sieb trocken lassen.  Möhren am besten mit dem Julienneschneider bearbeiten, dann kann man die resultierenden dünnen Streifen auch lässig „die Julienne“ nennen und seinen Kochbuddy beeindrucken. Tomaten je nach Größe halbieren oder vierteln. Gurke längs halbieren, die Kerne mit einem Löffeln entfernen, den Rest in kleine Stücke. Gehackte Frühlingszwiebeln passen auch immer. Salatherzen sind zwar nicht typisch asiatisch, harmonieren aber ebenfalls gut und machen die Schüssel voller. Aber bitte auch quer in Streifen schneiden. Sojasprossen können, müssen aber nicht (Besserwisser werfen an dieser Stelle ein, dass es sich meist um Mungobohnensprossen handelt). Und das marinierte Rumpsteak im Kühlschrank  vergessen wir natürlich auch nicht: Trocken tupfen, brutzeln und in dünne Streifen schneiden. Da wir keine Meat-Enthusiasten sind, bitte die einzig wahre Zubereitung mit dem Grillguru eures Vertrauens abklären.

An der Ziellinie: Kräuter und Schnickschnack

Ohne Kräuter und ein paar zusätzliche Extras geht es natürlich nicht. Frischer Koriander und gezupfte Thai Basilikum-Blätter runden das Bild ab. Bitte letztere *nicht* mit europäischem Basilikum ersetzen  – dann lieber weglassen. Thai Minze passt auch sehr gut, die kann man wiederum getrost durch „unsere“ etwas intensivere Minze austauschen. Eine Handvoll unbehandelter Erdüsse ohne Öl anbraten, wieder rausholen bevor sie komplett verkokelt sind und klein stampfen. Und noch ein Geheimtipp: Gerösteter gemahlener Reis! Zum fertigen Produkt reichen wir je nach Verfügbarkeit Saigon Beer oder ein heimisches Produkt (Hauptsache kalt), sowie ein knuspriges Baguette und ein paar übrige Limettenviertel und Chillies fürs Auge. Chúc ngon miệng!

Nachtrag: Ob dieser Salat zwingend Vietnam zuzuordnen ist, lasse ich mal dahin gestellt. Nach Südostasien passt er allemal, und zudem basiert er auf dem Rezept eines gewissen Herrn Huynh, der auf jeden Fall vietnamesischen Ursprungs ist 🙂

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Scharfe Sache: Som Tam Papaya Salat

Die Zeiten, in denen der Gastgeber sagte „Bring mal Bier mit!“, sind wohl endgültig gelaufen – ein Salat wird hingegen immer noch gerne gesehen. Kompakt soll er sein, originell bitte auch, und bei den derzeitigen Temperaturen zudem möglichst hitzeresistent. Wer dann noch irgendwo eine knackige unreife Papaya ergattert, ist mit einem thailändischen Som Tam Salat perfekt beraten. Letztere bearbeitet man am besten mit dem Julienne Hobel, 1-2 Karotten ebenso, dann kommen noch Bohnen dazu. Wer es authentisch mag nimmt Schlangenbohnen, die normalen aus deutschen Landen tun es natürlich auch (die aber bitteschön vorher kurz blanchieren). Alles dezent stampfen, Dressing aus Fischsauce, Limettensaft, Knobi und Zucker drüber, gut durchziehen lassen und da haben wir den Salat.

Stop! Eine  essentielle Zutat fehlt natürlich noch, nämlich 🌶️Chillies! Es ist ein Gerücht, dass alle Thai Gerichte höllisch scharf sein müssen, beim Tom Sam ist eine gewisse Schärfe aber schon Pflicht. Wenn man überwiegend westliche Gäste erwartet, muss man es vielleicht nicht gleich übertreiben, aber passt auf, dass es euch nicht so geht wie mir: Aus übertriebener Vorsicht landeten nur 3 Schoten in der Schüssel, und da war doch glatt eine Thailänderin zu Gast, die das Endprodukt prompt mit  „Schmeckt gut – aber scharf ist der nicht!“ kommentierte. Detaillierte Rezepte gibt es zuhauf im Netz, ich bin mal wieder bei Asia Street Food fündig geworden. Khõ hai dja!

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Grenzerfahrungen #6 – Von Südlaos nach Bangkok

Eile mit Weile

Wer schon einmal im Süden von Laos am Bolaven Plateau oder auf einer der 4000 Inseln verweilt hat,  der weiß dass man hier ganz passabel ein paar Tage, Wochen oder gar Monate relaxen kann.  Wer dort nicht auch zufällig seinen Wohnsitz hat, muss aber leider auch eins: Irgendwann zurück in die Heimat, weil die Arbeit ruft oder das Visum abläuft. Meistens führt der Heimweg über Bangkok, und natürlich kann man da auch einfach mit dem nötigen Kleingeld über Pakse hinfliegen, erlebt dabei aber in der Regel auch nichts, das einen Blogbeitrag füllen würde.  Nachdem wir 2013 schon einmal erfolgreich mit dem Nachtzug von Bangkok in Richtung Vientiane gezockelt sind (zum Bericht), wollten wir statt dessen der State Railway of Thailand mal wieder eine Chance geben.

Kurz zur Logistik: Der nächste Gleisanschluss liegt in Ubon Ratchathani, Kenner sagen einfach nur Ubon und wissen, dass die freundliche Stadt im Isaan liegt und somit bereits auf thailändischer Seite. Die Tickets für den Nachtzug nach Bangkok haben wir über 12go.asia gebucht, die sie für uns dort am Bahnhof hinterlegen wollen. Von Champasak – der letzten Station unseres Abstechers nach Südlaos – führt eine relativ neue flotte Straße am Westufer des Mekongs entlang, so dass man auf dem Weg zur Grenze bei Vang Thao Pakse rechts liegen lassen kann.  Während Maria die Rucksäcke packt und dabei gerne die Männer aus dem Haus hat, erkunde ich mit Felix noch mal das Umfeld mit dem Rad.  An einem der zahlreichen Wats sind noch die Reste von einem Fest inklusive Trampolin aufgebaut (so geht Kirchweih‚ in buddhistisch geprägten Ländern), kurzweilig ist auch ein Abstecher in den Süden zum Wat Muang Kang immer schön parallel zum Mekong Ufer …

Geruhsamer Abschied von Champasak

Es handelt sich um den ältesten aktiven Tempel im Umkreis von Champasak, und gerade weil ihn auch ein leichter Hauch des Verfalls umgibt, ist er ein spannendes Erkundungsziel. Ein freundlicher Mönch zeigt Felix sogar seine überaus bescheidene Bleibe (gefühlt 5m² mit Matte und Stuhl – dafür mit Mekongblick). Dann wir es Zeit, sich auf den Weg ins Nachbarland zu machen. Unser Hausherr ist Thai, was in dieser Gegend nichts ungewöhnliches ist. Ungewöhnlich ist schon eher, dass er offenbar früher einen hohen Posten als Grenzbeamter am Übergang nach Thailand hatte – da sollte doch bei der Aus- und Einreise eigentlich nichts schief gehen können. Außerdem chauffiert er uns zu einem fairen Preis quasi direkt ins Grenzgebäude, und kann sich zudem noch per Handy mit dem Taxifahrer aus Ubon unterhalten, der uns auf dem Hinweg nach Chong Mek gebracht hat und dessen Karte wir vorsorglich eingesteckt haben, weil er vernünftig gefahren ist und uns nicht über den Tisch gezogen hat. Die Abholung „drüben“ sollte also auch arrangiert sein.

Grenzüberquerung mit Wat Stop

Der Grenzübertritt verläuft dann in der Tat problemlos, man sollte aber wie immer darauf achten, dass man mit deutschem Pass inzwischen nur noch 2x pro Kalenderjahr visumfrei über Land nach Thailand einreisen darf. Auf der Thai Seite wartet tatsächlich bereits unser Taxi Buddy auf uns, und hält sogar ein Lunchpack mit chinesischen Dumplings auf der Rückbank bereit .  Für Sparfüchse sei erwähnt, dass es zumindest von Pakse aus auch ein grenzüberschreitender Busverkehr existiert. Das ist natürlich deutlich preiswerter, dann gibts aber auch keine Dumplings und – weitaus tragischer – man hat keine Gelegenheit für einen Abstecher zum Wat Sirindhorn Wararam. Der relativ moderne Tempel liegt direkt in der Grenzregion in hübscher Natur, und wird bei Einbruch der Dunkelheit auch noch  eindrucksvoll illuminiert (schaut euch mal ein paar Ergebnisse  der Bildersuche an). Er ist aber auch bei Tageslicht ein lohnenswerter Abstecher.

Dann wird es Zeit zum Bahnhof von Ubon aufzubrechen, denn 90 Minuten sollte man schon für den Trip einkalkuieren. Entgegen meiner Restzweifel liegen die Tickets in der Tat fein säuberlich verpackt in einem Umschlag für uns am Bahnhof  bereit. Überhaupt sind alle hier sehr relaxt und freundlich, es gibt zudem eine Gepäckaufberwahrung, eine extra „Touristenbeauftragten“  sowie eine antike Lok die man zur Freude von Nachwuchs und Liebhabern antiker Eisenbahnen sogar betreten kann. Da wir noch Zeit haben, gönnen wir uns noch einen Lunch in der Umgebung und stocken die Vorräte auf. Wer noch mehr Zeit hat sollte durchaus in Erwägung ziehen, 1-2 Nächte in Ubon zu verweilen: In der Umgebung gibt es Einiges zu sehen, zudem kann man spottbillig essen und übernachten!

Alles einsteigen bitte!

Endlich kann es los gehen und der Zug rollt relativ pünktlich ein. Wir haben uns ein Schlafwagenabteil gegönnt. Die Wagen sind zwar nach wie vor eng, aber dafür top modern ausgestattet. Mein persönliches Highlight: Ein Touchscreen zeigt wie im Langsteckenflieger die aktuelle Position an, dazu gibt es Infos wie Temperatur und Status des Klos. Nach einiger Zeit bittet ein Mitarbeiter zum Verlassen des Abteils, um die Betten für die Nacht klar zu machen.  Zugegeben: Für uns drei (Felix war damals 5 Jahre alt)  ist es im Etagenbett schon sehr eng, und man sollte sich als zweiter Erwachsener überlegen, ob man nicht in einem separaten Abteil (welches man ggf. mit einer anderen Person teilt) oder einfach im Liegesitz in der 2. Klasse nächtigt. Aber es hat auch etwas überaus Gemütliches, wenn beengt man in den Betten hockt während der Zug behäbig durch den nächtlichen Isaan rattert. Da auch die Klimaanlage sehr modern und effektiv ist (aber leider nicht über den Abteil-Monitor steuerbar) wären etwas wärmere Sachen vielleicht gut gewesen, aber auch so hielten uns die Borddecken halbwegs warm.

Bangkok schläft nicht? Von wegen …

Vor Bangkok kommt der Zug relativ häufig zum stehen, und gegen 6:00 morgens erreichen wir endlich Bangkoks altehrwürdigen Bahnhof Hua Lamphong – genau jenen Ort, an dem vor knapp 5 Jahren unser erstes Südostasien Abenteuer als Familie begann. Um diese Zeit herrscht noch recht wenig Trubel, sogar die Metro schläft noch, wie auch die meisten der emsigen TukTuk Fahrer, doch nach kurzer Suche und etwas längerer Verhandlung werden wir schließlich fündig und brausen in einem vollbeladenen chromblitzenden Mobil durch das noch halbdunkle Bangkok.

Unser Ziel ist das Hostel Sleepbox Sukhumvit 22 in der Nähe des Benjakiti Parks. Das hat zum einen praktische Gründe, da unser Heimflug mit Finnair erst spätabends geht und man hier auch ein Zimmer für alternative Zeitperioden mieten kann (06:00 bis 18:00  entspricht ansonsten nicht gerade der üblichen checkin/checkout Zeit wenn man eine Übernachtung bucht). Außerdem wohnt man quasi in echten Containern, was durchaus ein Erlebnis für sich ist. Unsere Reservierung wurde zwar verbummelt, ein Zimmer – pardon – einen Container bekommen wir aber trotzdem. Nach einer Dusche, einem Frühstück und einer Mütze Schlaf gehts in Richtung Chao Phraya Ufer, von wo aus man auf die entspannte Insel Bang Krachao übersetzten kann. Aber das ist eine andere Geschichte 🙂

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Die Na’vi kennen den Weg – Aufbruch nach Zhangjiajie

Wer sich dem Blockbusterkino in diesem Millennium nicht völlig verschlossen hat, der hat in seinem Leben sicher mindestens einmal James Camerons Avatar gesehen. Erinnert ihr euch an die Szene, in der die sympathische Draufgänger-Pilotin Trudy das Team zum ersten mal in die Floating „Hallelujah“ Mountains befördert, und alle den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu bekommen?  So in etwa ging es mir an so einigen Stellen im Zhangjiajie Nationalpark in der chinesischen Hunan Provinz. OK, die Berge gehorchen hier den erd-üblichen Gesetzen der Schwerkraft, und es sausen auch keine Blaumänner auf Riesenechsen durch die Lüfte, aber so manche Bergformation scheint in der Tat nicht von dieser Welt. Beginnen wir von vorne …

Es ist schon fast dunkel, als ich Abends das Mini Inn Guesthouse am westlichen Rande des Parks erreiche. Draußen wacht ein freundlicher Hund, drinnen wartet ein Kühlschrank mit preisgünstigem Bier sowie der emsige Mr. Lucas, mit dem ich bereits im Vorfeld per WeChat Kontakt hatte (dem im chinesischen Alltag inzwischen fast unverzichtbaren Pendant zu WhatsApp). Die Gegend ist einsam, ein paar Schatten am Horizont lassen aber bereits die grandiose Bergwelt erahnen, die mich hoffentlich morgen empfangen wird. Weniger optimistisch zeigt sich hingegen der Wetterbericht: Leichter Regen gefolgt von starkem Regen, gerne auch mit Gewittern, Besserung erst am Montag, aber da muss ich längt wieder im Büro im fernen Nanjing sein 😦 Immerhin werde ich mangels Nightlife morgen schon früh auf der Matte stehen.

Regretting not Having Met Earlier

Um 7:00 morgens sieht die Welt schon besser aus. Zum Frühstück gibt’s eine heiße Nudelsuppe mit Rührei und Tee, und Mr. Lucas baldowert für mich meine persönliche Tagestour aus . Profil: „Viel wandern, viel sehen, wenn möglich Massen meiden“ (zur improvisierten Karte). Hinauf in die Berge geht es zunächst mit dem Yuanjiajie Cablecar, den Fußweg hebe ich mir für den Heimweg auf. Zum ersten Mal bekommt man einen wahren Eindruck von der steilen Karstlandschaft, die sich durch den gesamten Nationalpark zieht. Auch die Namen markanter Orte beflügeln die Phantasie: „Cock Carving for a Harbinger of Dawn“, „Corridor in the Air“ oder mein persönlicher Favorit „Regretting not Having Met Earlier“ – klingt alles einladend, aber Mr. Lucas‘ Karte sieht vor, dass ich mit einem der kostenlosen Shuttlebusse weiter zu den Tianzi Bergen fahre und mich kurz vorher an einem Ort absetzen lasse, den die den meisten Tagesgäste eher rechts liegen lassen.

Shentang Gulf heißt das Plateau über einem tiefen Tal, das man nach einer kurzen Wanderung erreicht, und es ist wirklich äußerst beeindruckend, zumal sich gerade die Wolken etwas lichten. Eine Tafel mit gruseligen Geschichten nährt den Mythos eines geheimnisvollen Tals,  eine andere Quelle weiß gar Folgendes zu berichten: „It is still an unknown for hundreds of years that how deep the valley is. A striking spectacle of Shentang Gulf is that one could hear sounds of gongs and drums, neighs of war-horses and shouts of men from the valley in rainy days.

Der Ansturm hält sich erfreulicherweise auch in Grenzen – ich bin erst einmal vollends zufrieden mit dem Start in den Tag. Schaut euch ruhig mal um, aber stört bitte den Herrn in der Mitte nicht …

🎵 Von den Tianzi Bergen kommen wir …

Das Bild wandelt sich leider als ich am Tianzi „Basislager“ aufschlage. Massen von Reisegruppen trudeln ein, jeweils geführt von einem Guide, der in der Regel mit einer Fahne, einem Headset und einem überforderten Lautspecher bewaffnet ist – übersteuerte Musik oder Sprache scheint man hierzulande generell nicht als unangenehm zu empfinden. Auch funktionale Kleidung scheint noch keinen Markt gefunden zu haben, fast alle haben sich ob des unbeständigen Wetters in einen bunten Einweg-Plastikponcho geworfen, während das Schuhwerk von transparenten Reißverschlusstüten geschützt wird.  Ein riesiger McDonalds macht den Kulturschock perfekt. Die Natur ist zugegebenermaßen auch hier einzigartig, so macht zum  Beispiel der Emperor’s Writing Brush Peak seinem Namen alle Ehre. Die mystische Stimmung vom Morgen ist trotzdem erstmal verflogen. Und als wollte der Himmel auch noch sein Missfallen über das irdische Treiben kund tun, fängt es obendrein noch an zu donnern, und zu regnen, und zu regnen ….

Ich finde Zuflucht an einem freundlichen Streetfood Stand  (die Massen sind wahrscheinlich gen McDonalds geflüchtet), und erwerbe für ca. 5 € eine frische Suppe, eine Kanne Tee, ein Bier und einen Regenschirm – da kann man nicht meckern. Nach einer guten Stunde wage ich den Weitermarsch, aber kehre schließlich um, da der Regen zwar recht warm ist und die Wege leer sind, die Sicht aber dafür nur äußerst bescheiden!

Natural Bridge (Tiansheng Qiao)

Mit dem Bus geht’s zurück ins Zentrum des Parks und anschließend in die legendären Avatar Berge – vielleicht hat das Wetter ja hier ein Erbarmen? Immerhin lässt der Regen etwas nach und die Wege sind sehr gut ausgebaut. Das müssen sie auch sein, denn zieht es offenbar die meisten der überwiegend einheimischen Besucher hin (Langnasen trifft man nur äußerst sporadisch). Es gibt zahlreiche Aussichtsplattformen auf dem Rundweg, und das Wetter macht sich offenbar einen Spaß daraus, den Besucher an der Nase herumzuführen. Mal sieht man die Hand vor Augen nicht, dann kommt plötzlich eine Windböe und legt wie von Geisterhand ein komplettes Bergmassiv frei, und ein großes Raunen geht durch die Menge. Ja, es ist voll hier, aber es ist auch wirklich beeindruckend welche Formationen die Natur hier geschaffen hat, und mit etwas Glück hat man manchmal eben doch eine Minute für sich:

Zum Abschluss hat Mr. Lucas noch ein besonderes Schmankerl für mich auf den Plan gekritzelt : Der Weg von der Yuanjiajie Gondelstation zur Tianbo Mansion ist zwar nicht wirklich beschwerlich, aber doch verhältnismäßig weit, und mit der Entfernung zu Gondel, Busstation und anderen Annehmlichkeiten nimmt erfahrungsgemäß auch die Besucheranzahl rapide ab (ich sollte das vielleicht noch etwas näher er forschen und daraus ein Gesetz des chinesischen Andrangs formulieren). Der Pfad ist äußerst abwechslungsreich , führt vorbei an einem Kloster und ist zum Teil direkt in den Fels gehauen, glücklicherweise trifft man nur äußerst selten auf Gegenverkehr.

Aller Abstieg ist schwer

Am Ziel erwartet einen übrigens keine Villa, sondern „nur“ eine Aussichtsplattform, aber die will erst einmal erklommen werden. Die ursprüngliche Brücke ist gesperrt, dafür hat man weiter unten ein paar Leitern verschweißt, die zwar einen sicheren Eindruck machen, aber auch ganz schön Steil nach oben gehen! Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Bringt vernünftiges Schuhwerk mit, Zhangjiajie ist kein Terrain für Flip Flops! Die Aussicht von oben entschädigt dann auch für etwaige Unannehmlichkeiten, auf dem Rückweg kann man sich dann entscheiden, ob man wieder ein Stück bergauf läuft und die Gondel nach unten nimmt, oder komplett durch den Wald nach unten läuft. Spätestens hier ist man dann weitgehend alleine mit sich und der Natur, die Gedanken sollten nur nicht all zu weit abdriften, denn zumindest nach einem Regenguss können die Treppenstufen ziemlich glatt werden.  Im Mini Inn wartet wieder der freundliche Hund, Mr. Lucas und sein gut gefüllter Kühlschrank, und trotz Regenschauer und vereinzelter „Stoßzeiten“ wars dann eben doch ein fantastischer Tag!

Lust auf mehr? In der 2. Ausgabe erwartet euch ein Besuch am Strom der goldenen Peitsche und ein Dorf in den Wolken.

Extrablatt zum Jubiläum: Südostasien in 91 Tagen

Der Captain von Tatei gibt das Fazit ab

Genau ein Jahr ist es her, seit wir am 11. Mai 2018 von unserem bislang längsten Familienabenteuer unter dem Motto „It’s now or never“ wieder ins Ruhrgebiet und in den Alltag zurückgekehrt sind: Drei volle Monate on Tour, über 6000 Straßenkilometer, fünf Länder und Grenzübergänge sowie unzählige Busse, Songthaews, Tuk Tuks, Boote und Züge. Und das allerwichtigste: Bis heute nix davon bereut! Zeit für den Routenplaner, bevor die ersten Erinnerungen verblassen …

Alle Etappen im Überblick – unten rechts gehts los


⇒ Die bisherigen „91“ Blog-Artikel in einem Rutsch (für Vielleser)

Etappe 1: Südvietnam – Start im Mekong Delta

Von Deutschland ging es über Saigon / HCMC nach Can Tho im Mekong Delta, wo wir unseren ersten längeren Aufenthalt am Rande der Vorbereitungen für das vietnamesische Tet-Fest hatten (es sollte nicht das letzte Neujahrsfest bleiben). Von dort ging es über Rach Giá  nach Ha Tien, von wo aus wir mit tatkräftiger Hilfe einer älteren Dame  in den Südosten Kambodschas einreisten.  Immerhin fünf schlanke Artikel konnten wir währenddessen noch verfassen:

Etappe 2: An Kambodschas Küste entlang

Über den kleinen Grenzort Prek Chak ging es erst einmal nach  Kep und ein paar Tage später nach Kampot, wo wir uns 2016 schon wohl gefühlt haben. Über Sihanoukville setzten wir über auf die Insel Ko Rong Samloem, von dort ging es weiter in den wilden Westen Kambodschas, wo wir ein paar Tage im Dschungel bei Tatei wohnten, um dann schließlich hinter Ko Kong  nach Thailand einzureisen :

Etappe 3: Ost-Thailands Inselwelt

Die Grenze bei Hat Lek haben wir schnell hinter uns gelassen, nach einer Nacht in Trat ging es dann auf die Insel Ko Kood, bevor wir das Meer erst einmal für eine ganze Weile hinter uns lassen sollten. Nach einer Nacht in Bangkoks legendärem Banglamphu Viertel ging es dann mit Air Asia nach Myanmar (einer von zwei Inlandsflügen, die sich leider nicht ganz vermeiden ließen).  Viele Artikel gab’s nicht, aber so gehört sich das ja auch für eine überaus erholsame Zeit am Meer:

Etappe 4:  More Myanmar

Nach der Landung in Mandalay sind wir erst einmal für eine Nacht nach Monywa übergesiedelt, um dann mit Mandalay als Basis die Umgebung zu erkunden. Es folgte unsere erste Nachtbusfahrt in Myanmar nach Nyaung Shwe am Inle See, wo wir fast eine Woche residierten, um anschließend über Yangon den Golf von Bengalen anzusteuern. 10 sonnige Tage verbrachten wir zwischen Ngwe Saung und Chaung Tha, bevor wir wieder Kurs auf Vietnam nahmen. Über Yangon, Bago und Hpa An ging es bei Myawaddy mit fast voll ausgereiztem Visum über die Grenze nach Mae Sot zurück nach Thailand.

Etappe 5: Nordost-Thailand – einmal mittendurch

Ab Mae Sot hatten wir uns für eine Woche einen Mietwagen gegönnt, um uns auf einem Roadtrip quer durch den touristisch eher unerschlossenen Nordosten Thailands bis zur Grenze nach Laos zu kutschieren. Unterwegs machen wir für jeweils 1-2 Nächte Halt in  Sukothai, Phrae, Nan und schließlich Chiang Khong, von wo aus wir mit dem Slowboat weiter nach Laos tuckern wollten. Wer beim Lesen Lust  bekommen hat: Diese Zwischenetappe ist fast schon akribisch als Myawaddy Mekong Trip dokumentiert 🙂

Etappe 6: Laos – immer am Mekong entlang

Zur laotischen Grenzstadt  Huay Xai gings noch mit dem Bus, von dort weiter in 2 Tagen mit dem Slowboat auf dem Mekong über Pak Beng nach Luang Prabang, wo wir das feuchtfröhliche laotische neue Jahr feiern durften.  Weitere Station auf dem Weg nach Süden: Das „Karstparadies“ Vang Vieng, die Hauptstadt Vientiane, die riesige Höhle von Kong Lor, und noch viel mehr Höhlen rund um Thakhaek.  Die entspannte Provinzhaupstadt Savannakhet markierte schließlich den Abschluss von fast einem Monat in Laos, bevor wir mit dem Bus über den Grenzübergang Dansavan  / Lao Bao zurück nach Vietnam gelangten. Herausgekommen ist eine bunte Artikelmischung:

Etappe 7: Zentral- und Nordvietnam (Finale)

Nach jeweils einer Nacht in Dong Ha und Hue verbrachten wir eine äußert entspannte Woche „under the Coconut Tree“ in An Bang etwas abseits des Trubels rund um Hoi An. Das Ende der Reise rückte jetzt schon schnell näher, aber die letzen 4 Tage in der trockenen Halong Bucht rund um Nin Binh und Tam Coc waren auf jeden Fall ein echtes Schlusshighlight, bevor es mit dem Zug nach Hanoi und von dort zurück nach Deutschland ging. Und hier folgen dann auch die letzten sechs Artikel!

Ninh Binh Episode 2 – zwischen Himmel & Höhle

Im ersten Teil unseres Ninh Binh Berichts hatten wir mit Trang An und Vang Long bereits zwei Hochkaräter am Start, heute wagen wir uns mal an die südlichere Route heran.  Und  weil’s am ersten Abend so schön (anstrengend) war, darf heute mal die gesamte Familie zum Einstieg den Hang Mua Viewpoint erklimmen. Mit seinen kurzen Beinen hat Felix bei den hohen Stufen natürlich ein gewisses Handicap, aber die magischen „Powerbonbons“ (für Eltern: bunter Traubenzucker) wirken bei Gipfelstürmen Wunder, und welches Kind würde nicht einmal dem überdimensionalen Steindrachen links im Bild aus nächster Nähe auf die Zähne schauen wollen?  Unten im Tal kann man den Puls bei einem Höhlenbesuch wieder auf Normalniveau bringen.

Der geheime Garten und die Höhle des Wortschwalls

Wir fahren weiter ins Landesinnere und lassen die überfüllten Bootsanleger von Tam Coc rechts liegen, da wir gestern bereits zu genüge Bötchen gefahren sind. Die Bich Dong Pagode mit ihrem markanten Eingangangsportal zwischen einem See und den steil aufragenden Kartstfelsen nötigt dann aber doch zu einem Stopp, auch wenn es hier je nach Tageszeit auch etwas voller werden kann. Ruhe findet man dafür, wenn man den Weg rechts außerhalb der eigentlichen Anlage herauf und wieder herunter kraxelt, und sich dann in einer Art riesigem einsamen Garten wieder findet. OK, so ganz vereinsamt ist er nicht, da hier ein vietnamesischer Herr ansässig ist, der zwar wirklich kein Wort Englisch spricht, uns aber trotzdem seine Haushöhle zeigen möchte. Etwas mulmig ist uns schon, als wir durch das alte Eisentor marschieren (hoffentlich schließt das keiner von außen wieder zu), unser Guide ist aber immerhin mit einer kräftigen Lampe bewaffnet und redet dabei ununterbrochen auf fast-forward-vietnamesisch, während er mit dem Lichtkegel über die verschiedenen Formationen fuchtelt.  Eine durchaus bleibende Erinnerung 🙂 Ansonsten kann man hier nach Zeit und Laune frei herumwandern und sich vielleicht einfach nur an der Schönheit der Natur erfreuen. Unbeschadet heraus gekommen sind wir natürlich auch und es wurde nur ein überaus angemessener Preis für die Privatführung verlangt…

Hinreichend erfreut rollern wir weiter in Richtung Thung Nham Bird Garden, wobei die Bezeichnung etwas irreführend ist, da es sich um einen üppig dimensionierten Park handelt, den man kaum an einem Nachmittag komplett erkunden kann. Den Roller muss man draußen stehen lassen, im Park kann man sich allerdings Räder leihen – ein Angebot, dass wir rückblickend besser in Anspruch genommen hätten, weil die Wege wirklich weit sind.  Das Angebot ist wohl eher auf größere Besucheranstürme ausgerichtet, aber als wir am Ende des Parks in der Welt der Vögel ankommen, begegnen wir allenfalls einer Hand voll Leute an der Aussichtsplattform. Jetzt ist Ornithologie natürlich auch nicht jedermanns Sache (auch unsere Leidenschaft diesbezüglich hält sich in Grenzen), aber schon die ansehnliche Landschaft rechtfertigt einen Besuch, und die gefiederten Bewohner scheinen sich hier auch sichtlich wohl zu fühlen und brüten fleißig – sie könnten ja auch sonst auch einfach woanders hinfliegen 🙂

Zwischen Himmel und Hölle

Tja, an Höhlen mangelte es uns an diesem Tag gewiss nicht, aber  wenn die Vai_Gioi_Höhle schon mit so einem vollmundigen Schild wirbt, muss man natürlich mal rein schauen. Die 439 Stufen sind übrigens nicht Teil der Hölle, sondern noch vor dem Betreten des Höhleninnerens zu erklimmen. Den Aufstieg in den Himmel kann man durchaus als abenteuerlich bezeichnen, dafür gibt’s zur Belohnung eine hübsche Aussicht in den Park (leider hinter Gittern). In der Hölle findet man dafür die eindrucksvolleren Stalagniten und Stalaktiten. Auch hier sind wir überrascht, dass sich außer uns kaum ein anderer Höhlenforscher trotz guter Beschilderung hierher verirrt hat . Vielleicht lag’s ja an den 439 Stufen. Damit haben wir unsere Eintrittsgebühr von etwa 10 Euro ausreichend ausgenutzt und auch der Tag neigt sich dem Ende zu.

Radler mit Aussicht

An unserem letzten vollen Tag in Ninh Binh lassen wir es mal etwas ruhiger angehen. Luong (der Hausherr des An Phu Homestays) borgt uns seine Räder und wir radeln unter anderem am Sông Sào Khê Fluss entlang. Nach zwei ergiebigen Rollertouren kennen wir uns in der Gegend inzwischen ein bisschen aus, und so wussten wir zum Beispiel auch, dass das Resort neben dem Trang An Eco Homestay einen adretten Pool mit Hammer Aussicht hat. Der ist natürlich eher den eigenen Hausgästen vorbehalten, aber gegen eine kleine Gebühr (vielleicht war’s auch nur der Konsum zweier Bierchen) durften wir unsere Mittagspause hier verbringen – sehr zur Freude von Felix, der somit kurz vor Ende unserer Reise zumindest noch einmal in den Genuss des Planschens bei tropischen Temperaturen gekommen ist. Morgen geht es nämlich mit dem Zug weiter nach Hanoi (zum Bericht),  und bereits einen Tag später zurück in die Heimat. Ninh Binh hat sich auf jeden Fall als würdiger „Kurzurlaub“ zum Abschied aus Südostasien erwiesen. Sicherlich auch kein schlechter Ort um einen Vietnamurlaub erstmal ruhig angehen zu lassen nach der Landung in Hanoi. Nette Leute, beste Lage – wir kommen wieder, keine Frage!

Ninh Binh Episode 1 – manche mögen’s trocken

Zeit für einen kurzen Zeitsprung zum Einstieg: Wir schreiben das Jahr 2011, Maria und Till sind gerade zum ersten Mal in Vietnam unterwegs und bestaunen die naturgegebenen Schönheiten der Halong Bucht. Die kennen in der Leserschaft sicher alle, weil sie entweder selber schon mal dort waren, oder zumindest in der einschlägigen Fernwehpresse darüber gelesen und anschließen gesagt haben: „Da will ich mal hin“! Und auch wenn es viele andere auch wollen – man sollte da wirklich mal hin und sich einfach 1-2 Nächte auf einer Dschunke durch die Karstfelsen schippern lassen, nichts tun und staunen. Dabei handelt es sich aber auch um eine relativ passive Angelegenheit, und schon damals hörten wir von der Existenz einer „trockenenen Halong Bucht“, die ebenfalls unfassbar schön sein soll,  und die man zudem auch zu Lande erkunden kann.  Einst war dazu leider keine Zeit mehr, 7 Jahre später ist der Ort zwischen Hue und unserem finalen Ziel Hanoi allerdings der perfekte Abschluss-Stop unserer langen Reise durch Südostasien! Anfang Mai ist es zwar schon ganz schön heiß, aber vom Regen bleiben wir tagsüber verschont und schön grün ist es auch überall.

Nix wie hin nach Ninh Binh

De Zoch kütt … früher oder später

Zurück in der Gegenwart: Am besten (aber auch am gemächlichsten ) reist man preiswert mit dem Zug an, der Wiedervereinigungsexpress hält mehrmals am Tag  (zum Fahrplan). Wer am Hanoi Airport ankommt, kann sich auch überlegen, von dort direkt einen privaten Transfer zu buchen. Vor allem als Familie ist das preislich nicht uninteressant, zumal man sonst erstmal in die Hanoier Innenstadt zum nächsten Bahnhof reisen muss. Wir haben beides ausprobiert (Transfer über HTS hin, Zug zurück mit anschließendem Bummel in Hanoi) und waren beide Male zufrieden. Die weitaus schwierigere Frage : Wo wohnt man denn hier bitte schön? Die Auswahl scheint schier endlos und deckt alle Preiskategorien von Sparfuchs bis Luxus ab, wem Ninh Binh zu „urban“ ist der findet auch im Umland zig Unterkünfte . Besonders beliebt sind kleinere Homestays und Guesthouses, bei denen man auch nicht zwingend mit der Familie auf dem Sofa wohnen muss. Wir hatten zum Beispiel im An Phu Homestay einen gemütlichen kleinen Bungalow im Garten der Familie am westlichen Ende der Stadt:

Die Berge rufen …

Aber man kommt natürlich nicht nach Ninh Binh, um im Garten herum zu lungern. sondern um die Gegend zu erkunden. Und da gibt es allerhand zu sehen! Ein Fahrrad sollte es schon sein, weil die Wege zu Fuß einfach zu weit sind, für größere Distanzen (oder größere Schlappfüchse) bietet sich ein Roller an. Unser Hausherr ist mit Zweirädern ganz gut ausgestattet, und leiht uns später sogar das Rad seines Sohnes, der ungefähr so alt wie Felix ist. Ein Muss ist schon mal ein Besuch des Hang Mua Viewpoints links oben im Bild. Die steilen Stufen nach oben bringen einen zwar ganz schön ins Keuchen, aber der Ausblick über die Karstfelsen auf den Ngo Dong Fluss ist wirklich einzigartig. Unten schippern die unzähligen Ausflugsboote aus Tam Coc wie kleine Ameisen durchs Tal – ein Geheimtipp ist die Region natürlich auch schon lange nicht mehr, aber da man Route und Zeiten individuell planen kann, ist es auch nicht allzu schwer, den Massen zu entkommen.

Leinen los!

Zumindest eine Bootstour wollen wir auch mal mitmachen,  und aufgrund des besseren Feedbacks ist die Wahl auf Trang An gefallen. Gleich zu Anfang muss man sich für eine der Routen entscheiden, die sich in der Anzahl der besuchten Höhlen und Tempel unterscheiden. Es geht los wenn das Boot voll besetzt ist, mitpaddeln ist erlaubt, aber nicht zwingend notwendig. Die Kapazitäten sind eindeutig für größeren Ansturm ausgelegt, wir haben wahrscheinlich Glück, dass kein Wochenende ist und im Mai wohl auch nicht gerade Hochsaison in Vietnam herrscht. Der Andrang an den besuchten Tempeln und auf dem Wasser hält sich auf jeden Fall im Rahmen, durch die Höhlenabstecher und „Landausflüge“ bleibt die Sache auch für Kinder spannend, die sich sonst an landschaftlichen Schönheiten für gewöhnlich etwas schneller satt sehen. Dazu passt auch der leicht skurrile letzte Stop: Ein kurzweiliger Halt am Drehort der Abenteuer-Schmonzette Kong: Skull Island, auch wenn man den Film wohl nicht zwingend gesehen haben muss (zur Kritik „Ewig lockt das Gestrige“ 🙂

Genug organisierte Bespaßung – wir rollern auf unserem An Phu Mobil weiter durch die Karstwelt und machen einen weiteren Stop an den Überresten der alten Kaiserstadt Hoa Lu,  wo man schön umherspazieren kann. Unser eigentliches Ziel des Nachmittags liegt aber noch deutlich weiter draußen: Das Vang Long Nature Reserve! Auch hier gibt’s Berge und Wasser (von wegen „trockene“ Halong Bucht), aber das Reservat hebt sich landschaftlich doch deutlich von Trang An ab. Auch touristisch ist hier alles noch etwas weniger entwickelt, und am Bootststand herrscht bei unsere Ankunft erst einmal Siesta. Nach einem üppigen (und spottbilligen) Lunch im Ort findet sich dann doch eine geschwätzige Dame, die uns auf einem der Holzboote durch die Landschaft paddelt. Unterwegs erhaschen wir tatsächlich einen Blick auf die seltenen wilden Panda-Languren, die buchstäblich mit einem Affenzahn über die schroffen Steilwände flitzen. Für ein scharfes Foto war die Entfernung (und die Überraschung) leider zu groß, das müsst ihr uns jetzt einfach mal so abkaufen.

Tja, und dann neigt sich der Tag dann auch schon wieder zügig dem Ende zu. Die gewaltige Bái Đính Pagoda, auf der wir auf dem Rückweg vorbei fahren, hat bereits dicht gemacht, aber dafür finden wir rechtzeitig in der Nähe von Hoa Lu vor Sonnenuntergang noch einen Viewpoint  . Der Name ist uns leider entfallen (evtl. King Dinh?), von der Straße aus ist der recht abenteuerliche (aber offenbar frisch renovierte) Aufstieg allerdings kaum zu übersehen!

In der zweiten Episode bekommen wir es mit steinernen Drachen zu tun, entdecken den verborgenen Garten von Bich Dong, versuchen uns im Bird Valley als Hobby-Ornithologen, und pendeln in einer einsamen Höhle zwischen Himmel und Hölle. Bleibt  am Ball!

Woanders is auch schön!