Ma Vallée, mon Paradis – Picknick im Hippietal

Bye Eassouira, schön wars!

Gerade mal 200 km sind es von Essaouira an der Atlantikküste entlang bis nach Agadir, von wo aus wir morgen leider schon unseren Rückflug antreten müssen. Da sollte doch noch genügend Zeit für einen Abstecher ins legendäre Paradise Valley in den Ausläufern des Atlas Gebirges sein? Allzu eilig sollte man es allerdings nicht haben, die omnipräsente Polizei wacht vor allem in der nördlichen Hälfte an gefühlt jeder 3. Kreuzung, und obwohl wir wirklich bewusst zurückhaltend fahren (schleichen), werden wir trotzdem einmal raus gewunken: Angeblich 10 km/h zu schnell am Ortsausgang, macht 15€ und ungefähr 15 Minuten Wartezeit bis der Beamte die Quittung penibel mit bis aufs letzte Feld ausgefüllt hat. Es sollte immerhin unser letztes Knöllchen für diese Reise bleiben.

Bevor wir ins Landesinnere abbiegen gib es noch ein paar Surfertreffs und Strandorte wie zum Beispiel Imi Ouaddar, die sich für einen Kaffeestop mit „auf Wellen starren“ anbieten (im Übrigen eine überaus entspannende Tätigkeit). Dann geht es auf der P1001 aufwärts Richtung Asif Tamrhakht (so heißt das Paradiestal mit bürgerlichem Namen), mit dem Zustand der Straße geht es leider abwärts. Immerhin zerstreut sich hier meine ursprüngliche Sorge, dass sich zig klimatisierte Ausflugsbusse von Agadir aus mit uns den Berg hoch quälen, dafür fehlt (zum Glück) noch die Infrastruktur, oder vielleicht auch die Nachfrage. Zumindest an diesem Nachmittag ist es auch noch recht leer am Parkplatz, von dem aus der Wanderweg ins Flusstal abzweigt.

Einen Guide braucht man nicht wirklich um dem ausgetretenen Pfad zu folgen, maps.me ist natürlich wie immer eine große Hilfe. Das Umfeld wirkt zunächst noch eher karg und man fragt sich, ob das Ganze alles nur ein großer Hype ist, aber spätestens wenn man um den ersten Berg herum gelaufen ist, eröffnet sich der  Blick auf eine palmenreiche Oase, die man in der kargen Umgebung so wirklich nicht vermutet hätte. Es gibt ein paar Einkehrmöglichkeiten mit überraschend unaufdringlichen Wirten, man kann auch einfach dem Flussverlauf nach oben folgen und irgendwo am Ufer in aller Ruhe rasten. Wer tiefer ins Tal vordingen will, geht entweder ab durch die Mitte oder einmal außen rum (beides schön), denn am Ende warten ein paar kleine aufgestaute Becken und ein Wasserfall auf den Wanderer. Der Wasserfall ist in der Trockenzeit nicht wirklich spektakulär, aber wer völlig ohne Skrupel ist kann sich im Cliff Jumping versuchen, Nicht-Draufgänger begnügen sich mit einem erfrischenden Bad. Hippies haben wir bei unserem Besuch zwar keine mehr gesehen, und ob Jimmy Hendrix einst wirklich so präsent war, wie ihm hier (und an zig anderen Orten in Marokko) immer nachgesagt wird, können wir auch nicht beurteilen – einen Besuch wert ist das Paradise Valley allemal – vor allem wenn man auf der Durchreise Richtung Agadir ist oder von dort mal in die Berge entfliehen will.

Da unser Rückflug erst am nächsten Morgen geht, verbringen wir noch eine Nacht in der Nähe des Flughafens von Agadir. Unterkünfte in Flughafennähe zeichnen sich ja normalerweise eher durch Zweckmäßigkeit aus, aber mit der nur über einen Feldweg zu erreichenden und frisch renovierten Villa du Souss hat Maria ein echtes Schmuckstück entdeckt. Das riesige Anwesen hat nur ein paar Gästezimmer und wirkt wie eine Mischung aus Toskana Villa und 1001 Nacht, Hausherr Mekki ist dabei stets um das Wohl der Gäste bemüht. Wirkt exklusiv, ist aber (noch?) durchaus bezahlbar – und ein angemessener Abschluss nach einem Tag im Paradies. Adieu Maroc !

 

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Myawaddy Mekong #4 – Der Tiger von Phu Chi Fa

Wir verlassen Nan am frühen Morgen und begeben uns auf die letzte und zudem kurvenreichste Etappe in Richtung Chiang Khong – dem Tor nach Laos am Mekong, zumindest wenn man gedenkt zu Wasser einzureisen. Eigentlich müssten wir der gut ausgebauten 101 nur weiter folgen und könnten den Abend bereits in Laos verbringen, da der weitgehend unbekannte Grenzübergang  bei Muang_Ngeun seit geraumer Zeit auch für Touristen offen ist. Aber den Mietwagen können wir schlecht in der tiefsten Provinz zurücklassen, ganz zu schweigen von den ganzen spannenden Etappenzielen, die uns auf der Thai Seite noch erwarten. Also ab in die Berge auf die nordwestlich verlaufende Road 1148 !

Im Kurvenhimmel von Phu Lang Ka

Zu einem ersten Stopp lädt die abgelegene Höhle Tham Pha Lak in einem Karstfels hinter dem gleichnamigen Dorf ein – einer der ansässigen Mönche und/oder dessen Hund weisen gerne den Weg. Weiter geht’s durch herrliche Natur und ebenso herrliche S-Kurven nach Phu Lang Ka, wo wir erst einmal Rast machen. Im Vorfeld hatte ich schon einige beeindruckende Bilder vom Sonnenaufgang über dem wolkenverhangenen Tal gesehen (Kostproben gibt es hier oder hier), die ein wenig an die Mogotes von Viñales  auf Kuba erinnerten. Aber auch in der prallen Mittagssonne ist die Aussicht nicht zu verachten. Leider wirken die Apartments am rustikalen Holzbalkon sowie das ansässige Ressort eher verwaist. Schade, denn hier würde man gerne mal übernachten und hätte sicher auch nicht einmal Probleme, den Wecker auf halb sechs zu stellen. Auch das „Magic Mountain Café“ scheint zumindest heute oder gar dauerhaft geschlossen, eigene Snacks sind also durchaus ratsam…

Warmduscher unter sich …

Es folgt ein Mix an vierstelligen Straßen (übrigens alle in gutem Zustand) in Richtung laotischer Grenze zum Phu Sang National Park an der Road 1093, wo man zusammen mit den überwiegend einheimischen Mitbesuchern direkt unter dem Wasserfall eine warme Dusche nehmen kann. Der wird nämlich aus einer heißen Quelle gespeist und führt somit ganzjährig wohltemperiertes Wasser. Auch Riesenhonigbienen (Apis dorsata) scheinen sich in der Ecke ziemlich wohl zu fühlen und zieren mit überdimensionalen hängenden Nestern die Baumriesen im Hinterland. Wandervögel spazieren vor der Dusche über eine Treppe hoch in den Dschungel , wo das Parkoffice einen Rundweg aus Holzplanken mit zweisprachigen Infotafeln spendiert hat. Alles in allem ein lohnender und trotz aller Reize nicht allzu überlaufener Stop. Hier finden sich vom Straßengrill bis zum Obststand sogar Einkehrmöglichkeiten – aber so lang verweilen wir diesmal nicht.

Trotz ausgedehnter Pausen liegen wir noch halbwegs gut in der Zeit und nehmen Kurs auf den Phu Chi Fa Forest Park auf über 1400m Höhe, der zwar nicht unbedingt auf dem direkten Weg nach Chiang Khong liegt, aber zumindest so nahe dran ist, dass wir ihn heute unmöglich auslassen können. Der Straßenzustand ist hier nicht mehr ganz so überzeugend, und es geht auf zig Serpentinen ordentlich steil nach oben. Die letzte Etappe vom Parkplatz kommt man dann nur noch zu Fuß weiter, der Ausblick vom Plateau entschädigt dafür für jeden Höhenmeter: Eine steile Klippe fällt senkrecht ins Tal ab, und der Blick reicht zumindest heute weit in die laotischen Berge hinaus.

Obacht vor dem laotischen Bergtiger!

Noch unten am Parkplatz habe ich mit einer Verkäuferin hart um eine Tigerplüschohrenmütze verhandelt, und die bekommt Felix jetzt als Belohnung für den anstrengenden Aufstieg – sie soll uns auch im weiteren Verlauf der Reise noch ein treuer Begleiter bleiben. Den Gipfel krönt ein beidseitig beschrifteter Grenzstein, an dem man quasi über die thailändisch-laotische Grenze hin und her hüpfen kann. Nur Visa on Arrival gibt es leider noch nicht 🙂 Zufrieden fahren wir wieder zurück in tiefere Gefilde, in der Gegend gibt es zwar angeblich noch mehr beeindruckende Panoramen zu bestaunen, aber man soll ja auch aufhören wenn es am schönsten ist (oder wahlweise bevor es dunkel wird). Pünktlich vor Sonnenuntergang küsst die Road 1155 den Mekong, den wir vor einer gefühlten Ewigkeit bei Can Tho Adieu gesagt habe. Im Panorama Coffee (das seinem Namen übrigens alle Ehre macht) dürfen Tiger und Mama noch ein Eis bzw. Kaffee verputzen, dann geht’s im Endspurt nach Chiang Khong.

Eine letzte Mission gilt es am nächsten Morgen noch zu erfüllen: Der Mietwagen muss zum knapp 100km entfernten Chiang Rai Airport, wo sich die nächstmögliche Rückgabestation von Thai-Rent-A-Car befindet. Felix und Maria bleiben in Chiang Khong, und es gießt auf der ganzen Strecke fast ununterbrochen, als wollte das Schicksal mitteilen, dass wir jetzt mal genug Dusel mit dem Wetter gehabt haben. Die Fahrt zieht sich, die abschließende Suche nach einer Tankstelle auch, aber immerhin werde ich unser treues Gefährt ohne Beanstandungen los. Behäbig zockelt der lokale Bus mit offener Tür an den Reisfeldern vorbei zurück an den Mekong, ich lasse derweil die letzte Woche unseres Roadtrips seit Mae Sot Revue passieren und komme zu dem Schluss: „Der war mal gut. Richtig gut!“

Wir verbringen noch eine weitere Nacht im Sawadee Homestay am Ortsende samt Mekongblick, bevor es mit dem Slowboat auf der anderen Mekong Seite bei Huay Xay weiter nach Laos geht. Aber das ist jetzt wirklich  eine andere Geschichte.   Laa goon nakha!

Das war sie nun, die letzte Ausgabe unseres Myawaddy Mekong Trips!  Weiterhin erschienen :

Entspannt in Taroudant

Auf dem Weg aus der Wüste an den Atlantik machen wir im Städtchen Taroudant Halt, das in der einschlägigen Reiseliteratur auch gerne mit dem Beinamen little Marrakesch versehen wird.  Ob’s stimmt können wir leider schlecht beurteilen, da wir die größere Version auf unserer Route einfach mal dreist außen vor gelassen haben, aber als klein geht das „Zentrum“ inmitten der alten Stadtmauern allemal durch. Ebenfalls sympathisch: Der Taroudanter fährt neben Pferdekutsche offenbar auch gerne Rad, und hinter gefühlt jeder zweite Ecke verbirgt sich  eine Schrauberbude. Ergo schwingen wir uns auch aufs Velo!

Über eines der zahlreiche Babs (Tore) kann man die Stadtmauern verlassen und um Taroudant drum herumradeln, wo sich zum Beispiel ein Stop bei den Gerbereien im Westen anbietet. Die Szenerie ist zwar nicht ganz so fotogen wir in Fès (hier nachzulesen), der Duft ist aber ebenfalls nichts für schwache Nasen, und wer des Französischen mächtig ist bekommt zumindest eine Fülle an Informationen mit auf den Weg. Natürlich muss man anschließend  diverse Verkaufsräume überstehen, wer noch nicht genug Kamelledergürtel oder Teelichtlampen besitzt kann bedenkenlos zuschlagen.

Weiter geht’s in die verwinkelten und bunt bemalten Gassen der Kasbah, in der man sich auch mit modernster Technik (maps.me) irgendwann verfährt. Wer dennoch wieder herausfindet, hat sich einen Minztee oder Milchcafé auf dem Place Assarag verdient – der place-to-be in Taroudant, was sowohl für Ureinwohner als auch für Tagestouristen aus Agadir gilt. Noch Platz im Rucksack? Dann Rad anketten und entweder den arabischen Souk oder den nahe gelegenen Berbermarkt beehren. TiMaFe Spezialtip: Nachmittags haben sich die Verkäufer offenbar noch nicht richtig warm geredet, und man kann auch mal 30 Sekunden stöbern, ohne sofort mit Verkaufsangeboten überschüttet zu werden.

 Ansonsten hat Taroudant  jetzt keine wirklichen Top-Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber genau das macht die Stadt wahrscheinlich auch so sympathisch: Die Touristenmassen machen einen Bogen und das Leben in den Gassen ist authentisch und quirlig, ohne in Hektik auszuarten. Ganz entspannt eben!

Lost in Fès – Verirren ist menschlich

Ja was denn nun? Der einsame Planet Jahrgang 2014  rät uns einerseits, sich in der Medina (= Altstadt) von Fès gefälligst ordentlich zu verlaufen, um die einzigartige Atmosphäre mit allen Sinnen aufzusaugen, andererseits sollte man sich ruhig einen Guide zur Seite stellen, und sei es nur um sich andere selbsternannte Gassenkenner vom Leibe zu halten. Da wir nach unserer Ankunft in Marokko erst einmal drei Nächte inmitten der verwinkelten Altstadt verbringen, entscheiden wir uns für einen Kompromiss:  Einen halben Tag lassen wir uns leiten, den Rest der Zeit wird aufgesaugt. Herausgekommen ist dabei der folgender virtueller Stadtbummel sowie die Erkenntnis: Zuhören ist gut, verlaufen ist besser 🙂

Myawaddy Mekong #3 – Die Chroniken von Nan

Wir verlassen Phrae in nördliche Richtung und schauen erst einmal beim Pae Muang Pee Forest Park rein, über den man online zwar viele käuflich erwerbbare Bildchen, aber wenig brauchbare Hintergrundinfos findet. Wir fassen zusammen: Skurrile Gesteinsformationen formen einen überdimensionale Pilzwald, ein gut ausgeschilderter Waldwanderweg führt drum herum, und am Parkplatz kann man für kleines Geld gut snacken. Eigentlich bräuchten wir anschließend nur der gut ausgebauten 101 weiter zu folgen, aber der Loose rät Reisenden mit eigenem Fahrzeug zum „wenig befahrenen H1091 / H1120 durch spektakuläre Berglandschaften“ – diesem Ruf können wir natürlich nur schwer widerstehen.

Der vierstellige Schlenker führt in der Tat durch hübsches und weitgehend einsames Terrain, leider setzt in der zweiten Hälfte heftiger Regen ein, was die spektakulären Aussichten etwas trübt, zumal man sich nach wochenlanger Trockenzeit erst einmal wieder auf das Fahren bei Nässe einstellen muss. Als wir in die Stadtgrenzen von Nan erreichen wird es schon langsam dunkel, und wir checken für zwei Nächte im Villa De Bua Resort ein. Das klingt erst einmal hochtrabend, ist aber durchaus bezahlbar, für den Nachwuchs gibt’s viel Auslauf im Grünen, einen kleinen Pool und unser geräumiges Domizil wird zudem von einer XL-Gartenzwerg Gang bewacht – was kann da noch schief gehen?

Am nächsten Morgen lacht wieder die Sonne über Nan, und wir haben die Qual der Wahl: In der Region ringsherum gibt es viel Natur und riesige Nationalparks, für die man aber auch ausreichend Zeit im Gepäck haben sollte. Da wir für die morgige Mammut-Etappe an den Mekong früh aus den Federn müssen,  kommt uns der nahe gelegene Tham Pha Tup Forest Park gerade recht (ein weiterer Vorteil der „Forest Parks“ sind übrigens die im Vergleich zu den Nationalparks deutlich günstigeren Eintrittspreise für Nicht-Einheimische). Hier gibt es auf kleinerem Raum alles was das kleine und große Abenteurerherzen höher schlagen lässt: Dschungel, Höhlen mit Fledermäusen, Kraxelpfade und kaum Touristen.  Als durchaus anspruchsvoll erweist sich der Aufstieg zum Bo Numthip Cave – auf der Treppe ins Nichts zur eigentlichen Höhle habe ich zwar rasch wieder kehrt gemacht, aber wer noch ein paar Meter weiter nach oben klettert wird mit einer Top Rundumsicht belohnt. Der Rest der Familie streicht etwas weiter unten die Segel und tankt beim Picknick auf Felsen Kraft für den Abstieg. Ausreichend Verpflegung hatten wir zum Glück dabei, denn unterwegs gibt es nicht mal den sonst an jeder fast unmöglichen Stelle anzutreffenden mobilen Getränkestand mit Kühlbox…

Am Nachmittag lassen wir es uns natürlich nicht nehmen, dem riesigen goldenen Buddha am Wat Phra That Khao Noi einen Besuch abzustatten, der dort in 250m Höhe thront und wohl zu den beliebtesten Motiven der ansonsten eher unbekannten Stadt zählt. Von Chiang Mai und dem goldenen Dreieck ist man hier wohl einfach zu weit entfernt, vom Meer & Inseln ganz zu schweigen, und selbst wer explizit nach Nan googelt landet erst einmal bei der Definition von „Not a Number“ und Gleitkommazahlen. Und so wird diese Ecke Nordthailands wohl auch noch ein paar weitere Jährchen als Geheimtipp gehandelt werden, uns soll’s nicht unrecht sein, da wir in der kurzen Zeit unmöglich allen Parks und Wats einen Besuch abstatten konnten und gerne noch mal vorbeischauen.

Einen kurzen Abstecher in die „Stadt“ machen wir zum Schluss auch noch, denn wir haben Hunger und landen beim Loose Tipp „Hot Bread“ – für jeden ist was passendes im Sortiment und für den Verdauungsspaziergang gibt es nebenan natürlich auch noch einen Wat: den Wat Ming Muang der offenbar gerade frisch gestrichen und generalüberholt blitzt und blinkt – das Songkran Neujahrsfest ist ja auch nicht mehr weit!

Hier endet die 3. Ausgabe unseres Myawaddy Mekong Trips! Im nächsten und letzen Teil begeben wir uns auf der „Königsetappe“ bis an den Mekong nach Chiang Khong, Grenzüberschreitungen und Tiger inbegriffen.  Bisher erschienen:

 

Myawaddy Mekong #2 – Von Sukhothai bis Phrae

Die drei Nächte in Sukhothai taten uns wirklich gut, aber jetzt ist es an der Zeit weiterzuziehen, wenn wir am Wochenende wie geplant die Grenze nach Laos überschreiten wollen. Auf dem Weg nach Norden kommen wir zunächst am  Si Satchanalai Historical Park vorbei, und während wir noch überlegen, ob sich der Eintritt für ein Zwischenpäuschen überhaupt lohnt, erspähe ich ein Vehikel, das uns die Entscheidung relativ schnell abnimmt: Das quietschrote Mini-Tandem mit Sitzgelegenheiten für 2 Erwachsenen nebst Nachwuchs scheint wie gemacht für uns und wird natürlich ohne schuldhaftes Zögern sofort angemietet!

Der Park selbst ist sehr weitläufig, top in Schuss und im Gegensatz zu Sukhothai oder Ayutthaya (bei Tage) nur wenig besucht, obwohl die Tempel und Ruinen aus dem 13. Jahrhundert durchaus beeindruckend sind. Der Park wird im Osten vom Maenam Yom Fluss und im Norden von grünen Hügeln begrenzt, die man ebenfalls mit dem Leihbike durchradeln kann. Ein sehr entspannender Abstecher der sich auf jeden Fall auch lohnt, wenn man nur auf der Durchreise ist!

Die Sonne steht schon relativ tief als wir uns der Provinzstadt Phrae nähern und bei Den Chai plötzlich einen riesigen liegenden Buddha an einem Tempel erblicken. Vom Wat Phatatsutonmongkonkiri hatten wir vorher auch noch nichts gehört, aber alleine die verzierten goldenen Füße und das frisch blinkende goldene Elefanten-Huhn (?) nötigen zu einem Fotostopp  zum Sonnenuntergang. Die Tempelanlagen selbst sind leider schon geschlossen, aber auch hier gibt es sicher noch einiges mehr zu entdecken.

 

In Phrae nächtigen wir im Baan Thep „Antique Homestay“, das seinem Namen wirklich alle Ehre macht und durchaus als eigenständige Attraktion durchgeht: In wirklich jedem Winkel des reich bepflanzten Teakholz Refugiums finden sich Schnitzereien, Raritäten, Skulpturen und natürlich auch allerlei Nippes. Stolz präsentiert der Besitzer Felix die komplexe Brunnenlandschaft, und auf Knopfdruck fängt der Ganesha an zu plätschern – großes Kino! Heute sind wir offenbar die einzigen Gäste und dürfen uns unter den 3 verfügbaren Zimmern unseren Favoriten aussuchen. Phrae selbst ist jetzt nicht unbedingt auf den großen internationalen Tourismus eingestellt – das kulinarische Leben spielt sich eher abends an den Foodstalls auf der Straße ab und vieles ist nicht auf englisch beschildert, daher gewinnt bei uns heute der Stand mit den ansprechendsten Bildchen.

Bevor wir nach Nan weiterreisen, haben wir am nächsten Morgen noch etwas Zeit uns die Stadt bei Tageslicht zu Gemüte zu führen. Irgendein Reiseführer hat Phrae mit Luang Prabang verglichen, was zwar etwas übertrieben sein mag, aber die Tempeldichte ist in der Tat ähnlich hoch und zumindest der uralte Wat Luang weckt Erinnerungen an die ehemalige Königsstadt am Mekong. Ebenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlässt ein Besuch beim „Westernfriseur“, den wir eher zufällig passieren. Wo Bud Spencer, Terrence Hill und Clint Eastwood im Schaufenstern um Kundschaft buhlen kann man natürlich kaum widerstehen, moderate Preise und die geschmackvolle Wand-Deko im Innenraum runden das Gesamterlebnis ab. Insgesamt hinterlassen Phrae und vor allem seine Bewohner einen überaus sympathischen Eindruck , da kommt man auch gerne mal wieder vorbei!

 

Und hier endet die 2. Ausgabe unseres Myawaddy Mekong Trips! Im nächsten Teil geht es weiter in die Bergwelt von Nan, wo wir unter anderem den sieben Zwergen begegnen werden. Bisher erschienen:

Myawaddy Mekong #1 – Von Hpa-An bis Sukhothai

Nach der Vater/Sohn Bezwingung des Hpa Phu am Morgen heißt es Abschied nehmen von Hpa-An. Zum 2. Mal gedenken wir Myanmar über den Landweg nach Thailand zu verlassen, die Unterschiede könnten jedoch im Vergleich zum ersten Mal 2017 nicht größer sein:  Während der verschlafene Grenzübergang Htee Khee / Phu Nam Ron im tiefen Süden selbst für Myanmar Maßstäbe als abgelegen durchgeht, hört die Reise im wuseligen Myawaddy am Ende einer gut ausgebauten Straße ziemlich abrupt an einer dicht befahrenen Brücke über den Moei Fluss auf, die auch gleichzeitig die Ein- und Ausreisebüros beherbergt.

Quelle Wikimedia Commons

Raus aus Myanmar ist man schnell, drin in Thailand eigentlich auch, wobei die Dame am Schalter Maria freundlicherweise darauf hinweist, dass es jetzt für dieses Jahr mit der visafreien Einreise über Land mal gut ist, da wir vor gut einem Monat bereits über Kambodscha eingereist sind (wir berichteten).  Wussten wir zwar, wer aber noch die Zeiten der ungezügelten  Visa Runs kennt und beide Einreisen bereits „voll“ hat, dürfte hier im Niemandsland eine böse Überraschung erleben.

Für heute waren wir genug auf Achse und so nächtigt die Familie erstmal in Mae Sot im Irawadee Resort. Für um die 40€ gibts goldene Armaturen, reich geschmückte Klopapierrollenhalter und ein wahrhaft fürstliches Bett. Wer sich nicht daran stört, dass die Grenzen zum Kitsch zuweilen überschritten werden, kann hier gediegene Nächte verbringen. Am nächsten Morgen mache ich mich auf zum nahen Airport, um unseren vorab reservierten Mietwagen abzuholen, der uns die nächste Woche durch die entlegensten Winkel Thailands begleiten soll. Die Idee ist, das Gefährt später in Chiang Rai wieder abzugeben, um dann mit dem Slowboat nach Laos aus- und weiterzureisen. Die Dame am Thai Rent a Car Schalter begrüßt mich mit einem  „Car Engine Problem“ – sollte der ehrgeizige Plan schon hier in Mae Sot scheitern? Es folgt ein „You get free upgrade“, gepaart mit einem Thai Smile. Ich smile ebenfalls. Geht doch 🙂

Wir brausen erstmal gen Osten in die Berge.  An der Straße wird überall fleißig ausgebaut, da die heutige Etappe Teil des  Asian Highway 1 ist, einem überaus ehrgeizigen Projekt, das einmal den Bosporus (!) mit Tokyo (!!) verbinden soll. Soweit wollen wir aber heute nicht hinaus und schlagen erst einmal im Thai Thai Sukhothai Guesthouse unser Lager auf. Vor über 11 Jahren waren wir schon mal für eine kurze Nacht und einen Morgen in der Gegend, dieses Mal gönnen wir uns etwas mehr Zeit. Sukhothai ist zwar wahrlich kein Geheimtipp, aber zumindest im April (sowie am Abend) hält sich der Ansturm in Grenzen. Am besten leiht man sich ein Rad und erkundet in Ruhe die Umgebung und natürlich den historischen Park, der in 3 Zonen aufgeteilt ist, für die man (leider) jeweils ein separates Tagesticket lösen muss – soll das Rad mit rein braucht auch das noch ein Zusatzticket. Fast wie im heimischen ÖPNV also!

Die Klassiker wie Wat Mahathat oder Wat Si Chum (Weitwinkel nicht vergessen) dürfen auf der Abstecherliste natürlich nicht fehlen, inzwischen gibt es aber auch einen halbwegs passabel beschilderten Radweg, der unter anderem Alt- und Neustadt miteinander verbindet und durch ein paar schöne Ecken führt. Wem das zuviel Eigeninitiative ist: Der sympatische  Belgier Ronny von Sukhothai Cycling hat ausgezeichnetes Material und diverse Touren im Angebot. Aber egal für welche Outdoor Aktivität man sich entscheidet, am besten steht man früh auf, denn dann ist die Stimmung im Park am besten und die Hitze hält sich noch in Grenzen. Samstags Abends sind die Hauptattraktionen beleuchtet und wer mag kann sich vorher am lokalen Nachtmarkt stärken. Insgesamt verbringen wir 3 Nächte in Alt-Sukhothai und haben keine Langeweile. Man sieht sich eben immer zweimal!

Und damit beenden wir die erste Ausgabe unseres Myawaddy Mekong Trips! Im nächsten Teil begeben wir uns in etwas entlegenere Gefilde und statten unter anderem dem Städtchen Phrae sowie dem dortigen Western Friseur einen Besuch ab.

Woanders is auch schön!